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Mit­ten­drin: Die wah­re Kluft hin­ter dem Re­gev Auf­ruhr

Mar­tin Sher­man, 18.6.2015, Je­ru­sa­lem Post

Likud-​Knesset-​Mitglied Mi­ri Re­gev (pho­to credit: MARC ISRAEL SELLEM)

Stel­len Sie sich un­se­re Welt, Frau Re­gev, Ih­re Welt, vor – oh­ne Bü­cher, oh­ne Mu­sik, oh­ne Poe­sie, ei­ne Welt, in der nie­mand ver­hin­dert, dass die Na­ti­on die 30 [Li­kud Knes­set] Sit­ze fei­ert, in de­ren Ge­fol­ge ei­ne Her­de von Stroh und Futterkugel-​fressendem Vieh mar­schiert. – Schau­spie­ler Oded Kot­ler an Mi­ri Re­gev, Jaf­fa, am 14. Ju­ni.

Der Auf­ruhr, der in der ver­gan­ge­nen Wo­che auf­grund der An­kün­di­gung der neu er­nann­ten Kul­tur­mi­nis­te­rin Mi­ri Re­gev aus­ge­bro­chen war, dass sie die staat­li­che Fi­nan­zie­rung für kul­tu­rel­le Ein­rich­tun­gen, Ak­ti­vi­tä­ten, oder Künst­ler, die zur De­le­gi­ti­mie­rung Is­ra­els auf­ru­fen, nicht mehr bei­be­hal­ten wür­de, dreht sich nicht wirk­lich um das, was vor­der­grün­dig ge­sagt wird.

Nichts als ei­ne Ne­bel­wand

Es ging nicht um das Be­wah­ren der Qua­li­tät von kul­tu­rel­ler Ak­ti­vi­tät, son­dern um Kon­trol­le über die Ge­sell­schaft, dünn ver­schlei­ert in kul­tu­rel­ler Tar­nung.

In der Tat war es zu ei­nem gros­sen Teil ei­ne Ne­bel­wand für ei­ne lang­jäh­ri­ge po­li­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung, die seit Jahr­zehn­ten ei­ne bit­te­re Spal­tung in der is­rae­li­schen Ge­sell­schaft ge­schaf­fen hat – de­ren Ur­sprün­ge in die Zeit vor dem Staat zu­rück­ver­folgt wer­den kön­nen.

Weil heu­te, wie in der Ver­gan­gen­heit, die wah­re Spal­tung der is­rae­li­schen Ge­sell­schaft nicht zwi­schen der re­li­giö­sen und welt­li­chen, nicht zwi­schen der se­phar­di­schen und asch­ke­na­si­schen, nicht ein­mal zwi­schen den Rei­chen und den Ar­men ist.

Das soll nicht heis­sen, dass je­ne Spal­tun­gen nicht exis­tie­ren, aber sie wer­den al­le ab­ge­löst von ei­ner weit­aus blei­ben­de­ren, weit emo­tio­na­le­ren und weit schwie­ri­ger zu über­brü­cken­den, die al­le über­deckt.

Es ist dies die Kluft zwi­schen dem, was frei be­zeich­net wer­den kann als die Tau­ben der po­li­ti­schen Lin­ken und der Fal­ken der po­li­ti­schen Rech­ten, die im Lau­fe der Jah­re un­ter­schied­li­chen For­men in Be­zug auf Stil, Sub­stanz und Schwer­punkt an­ge­nom­men hat.

Heu­te äus­sert sich das als Kampf zwi­schen de­nen, die mit ideo­lo­gi­schem Ei­fer die Ein­rich­tung ei­ner frau­en­feind­li­chen, ho­mo­pho­ben, mehr­heit­lich mus­li­mi­schen Ge­walt­herr­schaft (auch be­kannt als pa­läs­ti­nen­si­scher Staat) am öst­li­chen Rand des Groß­raums Tel Aviv be­für­wor­ten, als das All­heil­mit­tel für fast al­le Übel des Lan­des, auf der ei­nen Sei­te, und die­je­ni­gen, die dies be­strei­ten, auf der an­de­ren. Es ist zwi­schen de­nen, die ei­ne tie­fe Ab­scheu he­gen ge­gen­über der An­we­sen­heit von Ju­den hin­ter der vor-​1967-​grünen-​Linie, egal wie pro­duk­tiv und nütz­lich sie für an­de­re ist, und de­nen, die dies nicht tun.

Für die­je­ni­gen un­ter Ih­nen, die die­se nicht über­zeu­gend fin­den – bit­te war­ten Sie mit ih­rem Ur­teil und le­sen Sie wei­ter.

Echos aus der Ver­gan­gen­heit

In vie­ler­lei Hin­sicht ist die pseudo-​kulturelle Fas­sa­de der ak­tu­el­len Auf­re­gung ein Echo der Bit­ter­keit aus der Ver­gan­gen­heit, die die ideologisch-​politische Ri­va­li­tät wie­der­spie­gelt, die zwi­schen der einst vor­herr­schen­den La­bor Par­ty (von Da­vid Ben-​Gurions his­to­ri­schen Ma­pai) und der re­vi­sio­nis­ti­schen Herut-​Partei von Me­nach­em Be­gin wü­te­te. Der ak­tu­el­le Auf­ruhr ist nur ei­ne Fort­set­zung durch ak­tu­el­le Stell­ver­tre­ter – den mo­der­nen Mu­ta­tio­nen, as­so­zi­ier­ten Un­ter­neh­men und Ab­le­ger die­ser al­ten Ant­ago­nis­ten, ge­bün­delt um die heu­ti­ge zio­nis­ti­schen Uni­on (La­bor) und Li­kud (Herut).

Für die skep­ti­schen (und viel­leicht auch we­ni­ger in­for­mier­ten) Lai­en kann es schwie­rig sein, die Tie­fe der Feind­se­lig­keit zu be­grei­fen – in der Tat zu glau­ben – die in den ers­ten Jahr­zehn­ten des Staa­tes ge­herrscht hat, und den Um­fang der Äch­tung, die das Labor-​dominierte Es­ta­blish­ment ver­wen­de­te, um sei­ne re­vi­sio­nis­ti­schen Ri­va­len zu de­le­gi­ti­mie­ren.

Doch die­ses Ver­ständ­nis ist wich­tig, wenn man er­grün­den will, wie die Tra­di­ti­on der Ver­wen­dung von Ze­re­mo­nie und Kul­tur heu­te ein­ge­setzt wird, um po­li­ti­sche Geg­ner klein zu ma­chen.

Es gibt kaum ein auf­schluss­rei­che­res Zi­tat, als das von Prof. Udi Le­bel, dem Au­tor von Wer­ken wie „Jen­seits der Ver­las­sen­heit des Pan­the­on, und die Stra­te­gie der De­le­gi­ti­mie­rung ge­gen Herut.”

Er schreibt: „Ben Gu­ri­on war ein Ge­nie in Kul­tur­tech­nik und er ver­stand sehr gut die Be­deu­tung der Er­in­ne­rungs­kul­tur in der Schaf­fung von po­li­ti­schem Sta­tus … Es war ihm klar, dass, wenn das Recht nicht Teil des na­tio­na­len Ge­dächt­nis­ses ist, dass dann sei­ne po­li­ti­sche Po­si­ti­on eben­falls be­trof­fen sein wür­de.”

‘Der Mann, der ne­ben Dr. Ba­der sitzt…’

Und so wei­ger­te sich Ben Gu­ri­on, Me­nach­em Be­gins Na­men in Knes­set­de­bat­ten aus­zu­spre­chen und be­zeich­ne­te ihn hart­nä­ckig als „der Mann ne­ben Dr. Ba­der [ei­nem an­de­ren, we­ni­ger pro­mi­nen­ten, Knes­set­mit­glied der Herut].” Sei­ne Feind­schaft zu sei­nen ideo­lo­gi­schen re­vi­sio­nis­ti­schen Geg­nern war ihm so im Blut, dass er sich wei­ger­te, die Über­res­te von Ze’ev Ja­bo­tin­sky, Grün­der der re­vi­sio­nis­ti­schen Be­we­gung und ei­nem her­vor­ra­gen­den Zio­nis­ten­füh­rer und In­tel­lek­tu­el­len, der im Jah­re 1940 starb, aus New York her­brin­gen zu las­sen für ein Be­gräb­nis in Is­ra­el. Erst nach­dem Ben-​Gurion im Jah­re 1963 aus dem Amt ge­gan­gen war, gab die Re­gie­rung nach und Ja­bo­tin­sky und sei­ne Frau Han­na Mar­kow­na Hal­pern, wur­den am Berg Herzl in Je­ru­sa­lem er­neut bei­ge­setzt.

Aus­ser­dem, wie Prof. Jo­na­than Men­di­low in sei­ner Schrift Ideo­lo­gie, Par­teiän­de­rung, und Wahl­kam­pa­gnen in Is­ra­el aus­führt, „um Herut zu stig­ma­ti­sie­ren könn­te Ma­pai sei­ne Kon­trol­le über den Staats­ap­pa­rat nut­zen … Herut-​Mitgliedern wur­de der Zu­gang zu den höchs­ten bü­ro­kra­ti­schen und mi­li­tä­ri­schen Po­si­tio­nen ver­wei­gert.”

Wohl die är­ger­lichs­te Form der Mar­gi­na­li­sie­rung war die Ent­schei­dung Ben-​Gurions, die ge­fal­le­nen Sol­da­ten der vor­staat­li­chen Un­ter­grund­or­ga­ni­sa­tio­nen mit den Re­vi­sio­nis­ten, die Ir­gun und Lehi (Stern­grup­pe), die für die Un­ab­hän­gig­keit Is­ra­els ge­kämpft hat­ten, von of­fi­zi­el­len Ge­denk­fei­ern aus­zu­schlies­sen, und ih­ren Fa­mi­li­en Leis­tun­gen zu ver­wei­gern, die für Fa­mi­li­en der Mit­glie­der der Mapai-​dominierten Ha­ga­na vor­ge­se­hen wa­ren.

Aus­ser­dem, wie Prof. Le­bel her­aus­streicht, sind na­tio­na­le Denk­mä­ler ein wich­ti­ger Fak­tor bei der Schaf­fung von na­tio­na­lem Ge­dächt­nis.

Für Ir­gun und Lehi-​Mitglieder wa­ren sol­che Denk­mä­ler von gros­ser Be­deu­tung, aber, so sagt uns Le­bel, ver­ei­tel­te der Staat pri­va­te Be­mü­hun­gen, sie zu bau­en. „Nur in den Städ­ten, die nicht von La­bor Mit­glie­dern kon­trol­liert wur­den, konn­ten sol­che Denk­mä­ler vor Ort ge­baut wer­den.”

Erst im Jah­re 1977, mit dem Auf­stieg des Li­kud an die Macht, wur­den die Un­ter­schie­de zwi­schen den ge­fal­le­nen Krie­ger vor der Un­ab­hän­gig­keit be­sei­tigt, und Ir­gun und Lehi-​Mitglieder wur­den in das na­tio­na­le Pan­the­on auf­ge­nom­men.

Sta­li­nis­ti­sche Wur­zeln & to­ta­li­tä­re Stren­ge

Jour­na­list Am­non Lord, ehe­mals lin­ker Un­ter­stüt­zer von Peace Now, hat auf der Grund­la­ge sei­ner per­sön­li­chen Er­fah­rung und Ent­täu­schung um­fang­reich über die sta­li­nis­ti­schen Wur­zeln und to­ta­li­tä­re Stei­fig­keit des Gross­teils der is­rae­li­schen Lin­ken ge­schrie­ben.

In ei­nem Kom­men­tar von vor ei­ni­gen Jah­ren („Über das Verräter-​Sein”, Je­ru­sa­lem Post, 11. März 2004) schreibt er über die Kon­trol­le des Dis­kur­ses der links­do­mi­nier­ten Eli­ten – trotz des Volks­wil­lens: „Wir ha­ben den Punkt er­reicht, wo je­mand, der in ir­gend­ei­ner Wei­se mit der „Rech­ten” gleich­ge­setzt wird, sich nicht an ei­ner öf­fent­li­chen De­bat­te be­tei­li­gen kann.

Die De­fi­ni­ti­on von ei­ner Per­son oder Po­si­ti­on als „rechts­ge­rich­tet” ver­schiebt ih­re Ar­gu­men­te au­to­ma­tisch aus­ser­halb der Gren­zen des öf­fent­li­chen Dis­kur­ses. Ei­ne selt­sa­me Si­tua­ti­on in ei­nem Land, in dem nur ein­ein­halb Jah­re zu­vor die Rechts­par­tei­en ei­ne über­wäl­ti­gen­de Mehr­heit er­ran­gen … ”

Er cha­rak­te­ri­siert die Pa­tho­lo­gie, die seit der trau­ma­ti­schen Wahl­nie­der­la­ge der Lin­ken im Jah­re 1977 zu ei­nem gros­sen Teil, die kol­lek­ti­ve Psy­che ein­ge­nom­men hat, ih­re ver­stock­te Feind­schaft nach rechts, und ih­re ge­rin­ge Rück­sicht auf de­mo­kra­ti­sche Er­geb­nis­se: „Die Rech­te ist der Feind und wenn die Rech­te das is­rae­li­sche Volk ist, dann zu scha­de.”

Dies wur­de krass vor­ge­führt in der Nacht von je­ner schick­sal­haf­ten Wahl durch den da­mals iko­ni­schen, durchs Feu­er ge­gan­ge­nen, sie­ben Mal Knes­set­mit­glied der La­bor und Ge­werk­schafts­füh­rer Yitz­hak Ben-​Aharon, der Teil ei­nes Fern­seh­spa­nels war, das die Ab­stim­mungs­re­sul­ta­te kom­men­tier­te. Als er die Ab­schluss­ergeb­nis­se hör­te, die die Nie­der­la­ge sei­ner Par­tei vor­aus­sag­ten, re­agier­te er in­stink­tiv und rief: „Wenn das der Wil­le des Vol­kes ist, dann ak­zep­tie­re ich ihn nicht.” (Er wird auch weit­hin zi­tiert mit: „Wenn das der Wil­le des Vol­kes ist, dann müs­sen wir das Volk er­set­zen. ”)

Die Ge­ring­schät­zung selbst­er­nann­ter Eli­ten für die ‘Ple­be­jer’

Es ist die­ses Ge­fühl der selbst­zu­ge­schrie­be­nen Über­le­gen­heit und des Elite-​Anspruchs, das ei­ne ver­ächt­li­che Miss­ach­tung der vox po­pu­li pro­du­ziert, in der kaum Wert auf die kol­lek­ti­ve Mei­nung der ple­be­ji­schen Öf­fent­lich­keit ge­ge­ben wird. In der Tat, so­lan­ge die Öf­fent­lich­keit die po­li­ti­schen Ri­va­len der Lin­ken un­ter­stützt, dient das da­zu, die Wahr­neh­mung der Lin­ken zu be­kräf­ti­gen, dass die kol­lek­ti­ve Mei­nung nicht ernst­haft in Er­wä­gung ge­zo­gen ver­dient.

Doch ein an­de­rer heim­tü­cki­scher Pro­zess be­gann eben­falls.

Als La­bor und sei­ne lin­ken Ver­bün­de­ten ve­he­ment die Begin-​geführte Li­kud ver­teu­fel­ten, muss­ten sie sich deut­lich von der Po­li­tik ih­rer ver­ach­te­ten Geg­ner di­stan­zie­ren. Doch wie sich her­aus­stell­te, war die­se nicht so ver­schie­den von der­je­ni­gen der vor­he­ri­gen Labour-​Regierung. Schliess­lich war es La­bor, die die Sied­lungs­tä­tig­keit in Judäa-​Samaria und Ga­za ins Le­ben ge­ru­fen hat­te, die ve­he­ment ge­gen Ver­hand­lun­gen mit Ara­fats PLO ge­we­sen war; sich hart­nä­ckig ge­wei­gert hat­te, ei­ne pa­läs­ti­nen­si­sche Na­ti­on an­zu­er­ken­nen oder die Grün­dung ei­nes pa­läs­ti­nen­si­schen Staa­tes zu un­ter­stüt­zen.

Ent­spre­chend, um sich von der po­li­ti­schen Rech­ten ab­zu­set­zen, fand sich die po­li­ti­sche Lin­ke da­zu ge­zwun­gen, zu­neh­mend ra­di­ka­le Po­si­tio­nen ein­zu­neh­men, die sie zu­vor ab­ge­lehnt hat­te.

Und so, ge­fan­gen im Netz der ei­ge­nen Rhe­to­rik, trieb La­bor mehr und mehr nach links und gab den ro­bus­ten, sich durch­set­zen­den „Ak­ti­vis­mus” auf, der die Po­li­tik vor 1977 cha­rak­te­ri­siert hat­te, die sie wäh­rend bei­na­he vier Jahr­zehn­ten zur do­mi­nie­ren­den po­li­ti­schen Kraft ge­macht hat­te.

Wäh­rend ih­re At­trak­ti­vi­tät für die Wäh­ler­schaft schrumpf­te und ih­re po­li­ti­sche Wir­kung ero­dier­te, fiel die Lin­ke zu­rück auf ih­re Zen­tren der so­zia­len Kon­trol­le – aus­ge­wähl­ten Grup­pen der zi­vi­len so­zia­len Eli­te, de­ren Macht ih­ren re­p­re­sen­ta­ti­ven Be­völ­ke­rungs­an­teil weit über­stieg.

Letz­te Über­res­te der Macht

Als Re­sul­tat der jahr­zehn­te­lan­gen he­ge­mo­nia­len Kon­trol­le über ei­nen gros­sen Teil des Ap­pa­ra­tes der Zi­vil­ge­sell­schaft des Lan­des (zu kei­nem klei­nen Teil be­dingt durch „Ben Gu­ri­ons Ge­ni­us in der Kul­tur­tech­nik” ei­ner­seits, und der Un­fä­hig­keit der Rech­ten an­de­rer­seits), fuhr die Lin­ke wei­ter, die­se klei­nen, aber äus­serst ein­fluss­rei­chen Eli­ten zu do­mi­nie­ren.

Je­des Mal, wenn die Rech­te ver­such­te, neue Mass­nah­men ein­zu­füh­ren – egal wie sen­si­bel und de­mo­kra­tisch auch im­mer – um ir­gend ei­nen Teil des zi­vi­len Ge­sell­schafts­esta­blish­ments zu re­for­mie­ren, das die Lin­ke als ih­ren letz­ten Rück­zugs­ort der Macht be­trach­te­te, so traf sie auf ver­bis­se­nen Wi­der­stand und wur­de mas­siv ver­un­glimpft als schwe­rer Scha­den für die De­mo­kra­tie, sie wür­de die zi­vi­len Rech­te ge­fähr­den und die Mei­nungs­äus­se­rungs­frei­heit be­dro­hen.

Das war der Fall, als, an­ge­sichts ero­die­ren­der öf­fent­li­cher Glaub­wür­dig­keit der Ge­rich­te, die Rech­te ver­such­te, Mass­nah­men ein­zu­füh­ren, um ei­ne bes­se­re Aus­wahl der Rich­ter zu ge­währ­leis­ten. Das war der Fall, als an­ge­sichts wach­sen­der öf­fent­li­cher Sor­ge be­treffs der Fi­nan­zie­rung öf­fent­li­cher partisanen-​NGOs (lies „ra­di­kal links”) durch aus­län­di­sche Re­gie­run­gen, de­ren na­tio­na­le In­ter­es­sen ganz klar ver­schie­den sind von den­je­ni­gen Is­ra­els, die Rech­te dar­auf hin­ar­bei­te, Mass­nah­men zur Schaf­fung grös­se­rer Trans­pa­renz über de­ren Fi­nan­zie­rung zu er­grei­fen.

Die Qa­ta­ri­sche Al­ter­na­ti­ve?

Ge­nau­so wie es ab­surd war, In­itia­ti­ven, die grös­se­re Of­fen­heit und grös­se­re Trans­pa­renz for­der­ten, als Be­dro­hung für die De­mo­kra­tie und der in­di­vi­du­el­len Frei­heit zu brand­mar­ken, ge­nau­so ist es der Lärm über die For­de­rung, dass Is­ra­el Or­ga­ni­sa­tio­nen, Ak­ti­vi­tä­ten und In­di­vi­du­en fi­nan­zie­ren müs­sen, die sei­ne De­le­gi­ti­mie­rung und Straf­mass­nah­men ge­gen sich selbst und sei­ne Bür­ger för­dern – wer wür­de denn er­war­ten, dass er sei­nen ei­ge­nen öko­no­mi­schen Un­ter­gang mit sei­nen hart­ver­dien­ten Steu­ern be­zah­len soll! Echt jetzt? Schliess­lich ist die Ver­pflich­tung zu den Prin­zi­pi­en der De­mo­kra­tie kei­ne Selbst­mord­auf­ga­be.

Die Ab­sur­di­tät ver­tieft sich, wenn man rea­li­siert, dass Re­gevs Vor­schlag nicht dar­um geht, die An­sich­ten, die sich von ih­ren un­ter­schei­den oder ih­nen wi­der­spre­chen, zum Schwei­gen zu brin­gen. Sie er­klärt ganz ein­fach, dass die ge­wähl­te Re­gie­rung, die Aus­wäh­len muss, wie sie die ihr zur Ver­fü­gung ste­hen­den be­grenz­ten fi­nan­zi­el­len Mit­tel ein­setzt, kei­ne Ak­ti­vi­tä­ten fi­nan­zie­ren wird, die ih­rer Mei­nung nach – und nach der ih­rer Wäh­ler – be­wusst dem Land scha­den wol­len. Nir­gend­wo schlägt sie vor, dass die Organisationen/​Individuen, die nun un­ter Geld­man­gel lei­den, kei­ne al­ter­na­ti­ven Geld­quel­len su­chen sol­len – von de­nen ei­ni­ge be­reits ge­droht ha­ben, auf Qa­tar zu­zu­ge­hen, ei­nem der wich­tigs­ten Geld­ge­ber der Ha­mas.

Hmm. Könn­te es sein, dass Re­gev ei­nen Punkt hat?

Re­gev als Poster-​Girl für die Lin­ke?

Um die Wahr­heit zu sa­gen, Re­gev ist nicht wirk­lich nach mei­nem Ge­schmack. Ich fand ih­re ab­wer­ten­den Be­mer­kun­gen oft et­was krass, ih­re Rhe­to­rik et­was rau, und ihr Ver­hal­ten et­was gar brüsk. Aber auf man­nig­fal­ti­ge Wei­se könn­te sie von der li­be­ra­len Lin­ken um­armt wer­den als Ver­fech­te­rin der sozio-​kulturellen Wer­te, die sie doch so sehr pro­pa­gie­ren: Kul­tu­rel­le Di­ver­si­tät; Gleich­heit der Ge­schlech­ter; Stär­kung der Frau­en – be­son­ders in männer-​dominierten Um­ge­bun­gen; Ent­wick­lung der Pe­ri­phe­rie und so wei­ter.

Schliess­lich stammt Re­gev aus ei­ner pe­ri­phe­ren Stadt im Sü­den – Ki­ryat Gat – ist von öst­li­chem (ma­rok­ka­ni­schem) Ur­sprung, hat ei­nen Mas­ter­ab­schluss, hat sich durch die Rei­hen der männer-​dominierten IDF ge­ar­bei­tet und den Rang ei­nes Bri­ga­de­ge­ne­rals er­reicht und war IDF-​Sprecherin.

Doch nichts von al­le­dem kann sie da­vor be­wah­ren, von vie­len der in der Na­ti­on best­be­kann­ten kul­tu­rel­len Iko­nen at­ta­ckiert zu wer­den. Ih­re fal­ken­haf­ten po­li­ti­schen An­sich­ten, die sich von je­nen der tau­ben­haf­ten Lin­ken un­ter­schei­den, ver­set­zen sie in das blei­che, üb­le Spiel, mit den un­an­stän­digs­ten, un­kul­ti­vier­tes­ten Be­grif­fen lä­cher­lich ge­macht zu wer­den.

Um je­den Zwei­fel dar­über, dass der Dis­put um Po­li­tik geht und nicht um Kul­tur, zu zer­streu­en, bie­te ich Ih­nen die Wor­te der Thea­ter­di­rek­to­rin Ofi­ra Henig an. Nach der Aus­sa­ge, dass sie nicht mit Mi­nis­ter Re­gev im sel­ben Zim­mer sein möch­te, de­kla­rier­te Henig: „Im künst­le­ri­schen Schaf­fen gibt es kei­ne ro­ten Li­ni­en, nur ei­ne grü­ne Li­nie [die vor-​1967-​Waffenstillstandslinie], die wir nicht über­schrei­ten dür­fen.”

In an­de­ren Wor­ten, kul­tu­rel­le Di­ver­si­tät kann und soll al­les um­fas­sen, aus­ser der Idee jü­di­scher Prä­senz in der Wie­ge der jü­di­schen Zi­vi­li­sa­ti­on.

Ich las­se mei­nen Fall ru­hen.


Mar­tin Sher­man (www.martinsherman.net) ist der Grün­der und lei­ten­der Di­rek­tor des Is­ra­el In­sti­tu­te für stra­te­gi­sche Stu­di­en. (www.strategicisrael.org)

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