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Mit­ten­drin: Was­ser, nicht schwe­res Was­ser, ist Irans drin­gends­tes Be­dürf­nis

Mar­tin Sher­man, 27.8.2015, Je­ru­sa­lem Post

Iran steht vor ei­ner bei­spiel­lo­sen Was­ser­knapp­heit, so stark, dass gros­se Tei­le des Lan­des un­be­wohn­bar und Mil­lio­nen zur Emi­gra­ti­on ge­zwun­gen wer­den könn­ten.

Schlammspalten in trockener Wüste

Schlamm­spal­ten (pho­to credit: Wi­ki­me­dia Com­mons)

Un­ser Haupt­pro­blem [die Was­ser­kri­se], die uns droht, ist ge­fähr­li­cher als Is­ra­el, Ame­ri­ka oder po­li­ti­sche Kämp­fe, ist die Fra­ge des Le­bens in Iran. Es ist, das, dass die ira­ni­schen Hoch­ebe­ne un­be­wohn­bar wird
– Isa Kalan­t­a­ri, Ira­ni­scher Agri­kul­tur­mi­nis­ter (1989−98) un­ter der Prä­si­dent­schaft der Aya­tol­lahs Raf­san­ja­ni and Kha­ta­mi, zi­tiert in “Iran wird ‘un­be­wohn­bar,” Al-​Monitor, 9. Ju­li, 2013

… Wenn der Iran nicht ra­di­kal sei­nen Was­ser­ver­brauch ver­än­dert, wer­den 50 Mil­lio­nen Men­schen – 70 Pro­zent der Ira­ner – kei­ne an­de­re Wahl ha­ben, als das Land zu ver­las­sen
– Tho­mas Fried­man, “Für den mitt­le­ren Os­ten ist im­mer noch 1979,” The New York Times, 29. Ju­li 2015 

Iran steu­ert auf ei­ne Was­ser­knapp­heit epi­schen Aus­mas­ses zu, und es wird we­nig ge­tan, um ei­nen jahr­zehn­te­lan­gen Trend, der die Was­ser­vor­rä­te des Lan­des zur Kri­sen­stu­fe re­du­ziert hat, um­zu­keh­ren … Wis­sen­schaft­ler war­nen, dass das be­reits tro­cke­ne Land Ge­fahr läuft, zu ei­ner rie­si­gen Wüs­te zu wer­den.
– Ja­son Re­zai­an, “Irans Was­ser­kri­se ist das Pro­dukt jahr­zehn­te­lan­ger schlech­ter Pla­nung,” TheWa­shing­ton Post, 2. Ju­li 2014 

Ge­ra­de ein­mal 10 Ta­ge nach der Ver­öf­fent­li­chung des Ar­ti­kels in der Wa­shing­ton Post wur­de Ja­son Re­zai­an, der Bü­ro­chef der Zei­tung in Te­he­ran, in sei­nem Haus auf­grund nicht nä­her de­fi­nier­ter Vor­wür­fe ver­haf­tet. Nach fast 10 Mo­na­ten Haft klag­ten ihn die ira­ni­schen Be­hör­den an we­gen „Spio­na­ge” und „Pro­pa­gan­da ge­gen das Es­ta­blish­ment.”

Sein Ge­richts­ver­fah­ren, das am 26. Mai be­gann, ist nicht für die Öf­fent­lich­keit zu­gäng­lich (NYT, 26. Mai) und wird ge­lei­tet von ei­nem Rich­ter, der auf ei­ner schwar­zen Lis­te der EU für Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen fi­gu­riert (Der At­lan­tik, 22. Ju­li), und en­de­te An­fang die­ses Mo­nats (BBC, 10. Au­gust). Zum Zeit­punkt der Nie­der­schrift die­ser Zei­len war­tet Re­zai­an – der die US-​Staatsbürgerschaft be­sitzt – auf das Ur­teil des Ge­richts, das bis zu 20 Jah­ren Haft ver­hän­gen könn­te.

Dies al­les ge­schah un­ter dem Ré­gime der an­geb­lich „prag­ma­ti­schen und pro­gres­si­ven” Herr­schaft von Prä­si­dent Hassan Roha­ni.

Ei­ne bren­nen­de De­mü­ti­gung für die USA – es sei denn, … 

Wä­re ich ein US-​Steuerzahler, so wür­de ich mich ernst­haft är­gern dar­über, dass die Obama-​Regierung mei­ne hart ver­dien­ten Dol­lar der­mas­sen hoff­nungs­los in­ef­fi­zi­ent ein­setzt.

Schliess­lich hat die US-​Regierung ei­ne er­staun­li­che Men­ge an Res­sour­cen zur Ver­fü­gung – $ 3 Tril­lio­nen – $ 3,5 Tril­lio­nen wer­den ihr von der ar­bei­ten­den Be­völ­ke­rung je­des Jahr zur Ver­fü­gung ge­stellt. Doch mit all die­ser Macht in der Hand, führ­te sie sich fast wie ein krie­chen­der Bitt­stel­ler auf bei den Ver­hand­lun­gen mit der Is­la­mi­schen Re­pu­blik über ihr Atom­pro­gramm, das in ei­ner bren­nen­de De­mü­ti­gung für Wa­shing­ton gip­fel­te.

Wie sonst müss­te man ein Ge­schäft nen­nen, das:

  • Ei­ne Ver­höh­nung der zu­vor un­miss­ver­ständ­lich er­klärt US-​Ziele ist, wie zum Bei­spiel den Iran zu zwin­gen, „sein Atom­pro­gramm auf­zu­ge­ben” (Ba­rack Oba­ma, Ok­to­ber 2012), oder zu ver­an­las­sen, dass der Iran „sein Atom­pro­gramm de­mon­tiert” (John Ker­ry, De­zem­ber 2013);
  • Nicht nur dem Iran glei­che Rech­te ne­ben den USA in der Ge­mein­sa­men Kom­mis­si­on zu­er­kennt, der Kör­per­schaft, die die Um­set­zung des Ab­kom­mens über­wa­chen soll, ihm aber ein ef­fek­ti­ves Ve­to­recht gibt über die meis­ten ih­rer Ent­schei­dun­gen, die „im Kon­sens ge­trof­fen wer­den, so­fern nicht an­ders ver­ein­bart”;
  • US-​Inspektoren von der Über­prü­fung der ira­ni­schen Ein­hal­tung aus­schliesst;
  • Dem Iran er­mög­licht, ver­däch­ti­ge Or­te mit ei­ge­nem Per­so­nal selbst zu über­prü­fen;
  • Zu­ge­ständ­nis­se an den Iran in nicht­nu­klea­ren The­men macht (wie zB Ra­ke­ten­tech­no­lo­gie und kon­ven­tio­nel­len Waf­fen), aber kei­ne ge­gen­sei­ti­ge Zu­ge­ständ­nis­se des Irans in nicht­nu­klea­ren Fra­gen ver­langt (wie Ter­ro­ris­mus und Men­schen­rech­te);
  • Prü­fungs­ver­fah­ren de­fi­niert, die so müh­sam sind, dass sie leicht ab­sicht­lich er­son­nen wor­den sein könn­ten, da­mit ira­ni­sche Ver­stös­se un­ent­deckt blei­ben; und
  • Dem Iran er­laubt, al­le sei­ne Zie­le, die er sich selbst ge­setzt hat (wenn auch mög­li­cher­wei­se et­was ver­lang­samt), zu er­rei­chen, und das ver­hin­dert, dass die USA ei­nes ih­rer ei­ge­nen er­rei­chen kön­nen – es sei denn, die US-​Öffentlichkeit wur­de ernst­haft über die Na­tur die­ser Zie­le in die Ir­re ge­führt.

Oba­ma: Der Iran ver­steht, dass sie uns nicht be­kämp­fen kön­nen …

Der über­pro­por­tio­na­le Ge­winn des Iran und die Ka­pi­tu­la­ti­on der USA auf na­he­zu je­dem ih­rer Grund­satz­punk­te, in der bei wei­tem nicht er­schöp­fen­den Lis­te oben re­flek­tiert, sind so­gar noch un­an­ge­mes­se­ner, wenn man die grund­le­gen­den Pa­ra­me­ter der bei­den Na­tio­nen ver­gleicht.

Das US-​BIP über­steigt das der Iran um ei­nen Fak­tor von mehr als 40, der Pro-​Kopf-​BIP ist 10-​mal hö­her, die USA ha­ben mehr als das Vier­fa­che der Be­völ­ke­rung des Iran und ist sechs Mal so gross.

Aber viel­leicht der wich­tigs­te Ver­gleich be­trifft die mi­li­tä­ri­schen Fä­hig­kei­ten.

Die­se mas­si­ve Un­gleich­heit wur­de im In­ter­view von Ba­rack Oba­ma mit dem New York Times-​Kolumnisten Tom Fried­man am 5. April wi­der­ge­ge­ben – als die Art der Zu­ge­ständ­nis­se, die im Ju­li ab­ge­schlos­sen wur­den, noch un­denk­bar war … oder zu­min­dest un­er­wähn­bar.

Bei den Aus­füh­run­gen zu sei­ner Art der An­nä­he­rung an den Iran er­klär­te Oba­ma: „Irans Ver­tei­di­gungs­haus­halt ist 30 Mrd. US $. Un­se­re Ver­tei­di­gungs­haus­halt ist nä­her an $ 600 Mil­li­ar­den. Der Iran ver­steht, dass sie uns nicht be­kämp­fen kön­nen…”

Es scheint, dass der US-​Oberbefehlshaber das mi­li­tä­ri­sche Un­gleich­ge­wicht zwi­schen den USA und dem Iran stark un­ter­trie­ben hat – man hofft, dass es nicht des­halb war, weil er der­mas­sen un­in­for­miert war.

Weil die meis­ten ver­öf­fent­lich­ten Schät­zun­gen den ira­ni­schen Ver­tei­di­gungs­haus­halt zwi­schen $ 14 Mrd. und $ Mrd. be­zif­fern – oder 2% bis 3% des US-​Verteidigungshaushalts, den Oba­ma in et­wa kor­rekt be­zif­fert hat­te.

Als Re­ak­ti­on auf Fried­mans Fra­ge: „Glau­ben Sie sie [die Ira­ner] sind un­ab­schreck­bar,” er­wi­der­te Oba­ma: „Das ist schlicht nicht der Fall.”

Al­ter­na­ti­ve für den Iran: ‘Wirt­schaft­li­che Stein­zeit’

Dem­entspre­chend kann bei mehr als 40-​mal mehr dem Mi­li­tär ge­wid­me­ten Res­sour­cen als Iran, klingt die Be­haup­tung, dass die für die USA die ein­zi­ge Al­ter­na­ti­ve zu die­sem Deal Krieg sei, ent­schie­den Hohl – wenn nicht ma­ni­pu­la­tiv ver­lo­gen.

An­ge­sichts der jüngs­ten ei­ge­nen Ein­schät­zung Oba­mas, dass der Iran nicht „un­ab­schreck­bar” ist und „ver­steht, dass sie uns nicht be­kämp­fen kön­nen…”, wie könn­te es dann ir­gend­wie an­ders klin­gen? Schliess­lich ist die Sei­te, die tat­säch­lich mit „kei­ner Al­ter­na­ti­ve” kon­fron­tiert ist, nicht die USA und ih­re wohl­ha­ben­den, mäch­ti­gen Ver­bün­de­ten, son­dern der wirt­schaft­lich ab­ge­ma­ger­te und Dürre-​verwüstete Iran.

Die ver­zwei­fel­te Si­tua­ti­on sei­nes Lan­des wie­der­spie­gelnd be­rich­te­te die New York Times (23. Ju­li), dass Prä­si­dent Hassan Roha­ni in ei­ner lan­des­wei­ten Fern­seh­sen­dung ver­mu­te­te, „…dass die Al­ter­na­ti­ve [zum Deal] ei­ne wirt­schaft­li­che ‚Stein­zeit’ sei”. Die­se mür­ri­sche Ein­schät­zung wur­de flan­kiert von Isa Kalan­t­a­ri, ehe­ma­li­ger Land­wirt­schafts­mi­nis­ter und der­zeit ein hoch­ge­stell­ter Be­ra­ter der Re­gie­rung, der die ge­wal­ti­gen Her­aus­for­de­run­gen ge­gen­über Ro­uha­ni be­klag­te. Als er in ei­nem In­ter­view kurz nach Ro­uha­nis Wahl zum Prä­si­den­ten im Ju­ni 2013 über den Zu­stand der Wirt­schaft des Iran ge­fragt wur­de, ant­wor­te­te er: „Gott hel­fe Ro­uha­ni.”

Kalan­t­a­ri zähl­te die ver­hee­ren­den Aus­wir­kun­gen in­ter­na­tio­na­ler Sank­tio­nen auf: „Lei­der wird Roha­ni das Land mit lee­ren La­ger­hal­len, ei­ner lee­ren Schatz­kam­mer, lee­ren Hä­fen und ei­ner lee­ren Zen­tral­bank er­ben.”

Dies ist ein un­wahr­schein­li­ches Por­trät ei­nes Fein­des, der so furcht­bar ist, dass er na­he­zu al­le sei­ne For­de­run­gen der ge­sam­ten in­dus­tri­el­len Welt, die von den USA als ein­zi­ge un­be­strit­te­ne Su­per­macht auf dem Pla­ne­ten an­ge­führt wer­den, ver­hän­gen kann, weil an­geb­lich die ein­zi­ge Al­ter­na­ti­ve Krieg ist, von dem selt­sa­mer­wei­se ge­mäss Oba­ma der Iran ge­nau weiss, dass er ihn nicht füh­ren kann.

In der Tat, wenn der Deal nicht ge­macht wor­den wä­re, so wä­re die ein­zi­ge Al­ter­na­ti­ve nicht Krieg für die USA und ih­re Ver­bün­de­ten, son­dern wie Ro­uha­ni gut ver­stan­den hat­te, ei­ne wirt­schaft­li­che Stein­zeit für den Iran.

Und doch…

‘Ge­fähr­li­cher als Is­ra­el und die USA’

Doch der Iran er­scheint noch fra­gi­ler als selbst die wa­ge­mu­tigs­te wirt­schaft­li­che Sta­tis­tik an­deu­tet.

Nach Kalan­t­a­ri ist das erns­tes­te Pro­blem, vor dem der Iran steht, we­der sei­ne ma­ro­de Wirt­schaft noch Druck aus dem Aus­land, son­dern der chro­ni­sche und kri­ti­sche Was­ser­man­gel, ein Pro­blem, das er cha­rak­te­ri­siert als „ge­fähr­li­cher als Is­ra­el, und die USA und po­li­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen…”

Er sieht die Kri­se als so stark an, dass „Wenn die Si­tua­ti­on nicht kor­ri­giert wird, der Iran in 30 Jah­ren ei­ne Geis­ter­na­ti­on sein wird.”

Die Schuld bei Fahr­läs­sig­keit und Nach­läs­sig­keit se­hend, warnt Kalan­t­a­ri in ei­ner eng­lisch­spra­chi­gen ira­ni­schen Pu­bli­ka­ti­on (die Fi­nan­ci­al Tri­bu­ne, 25. Mai), „Wir sind jetzt an der Be­wäl­ti­gung der Fol­gen des Nicht­han­delns”, und wenn der Ver­brauch­s­trend sich fort­setzt, fast 70 Pro­zent der Be­völ­ke­rung (50 Mil­lio­nen Men­schen), „aus dem Iran aus­wan­dern müs­sen, um zu über­le­ben … Das ist ei­ne Ka­ta­stro­phe von epi­schen Pro­por­tio­nen.”

Ähn­lich äus­ser­te sich im zu­vor zi­tier­ten Ar­ti­kel vom der­zeit in­haf­tier­ten Wa­shing­ton Post Kor­re­spon­den­ten Ja­son Re­zai­an, der warn­te, dass „Iran auf ei­ne Was­ser­knapp­heit von epi­schen Pro­por­tio­nen zu­steu­ert, und dass we­nig ge­tan wird, um ei­nen jahr­zehn­te­lan­gen Trend um­zu­keh­ren, der die Was­ser­ver­sor­gung des Lan­des bis auf Kri­sen­stu­fe re­du­ziert hat…

Über­all im Iran wer­den Land­schaf­ten trans­for­miert, wäh­rend Wis­sen­schaft­ler war­nen, dass das be­reits tro­cke­ne Land Ge­fahr läuft, zu ei­ner rie­si­gen Wüs­te zu wer­den.”

‘…Wir ma­chen Le­ben in der Zu­kunft un­mög­lich’

Re­zai­an be­schrieb, wie ira­ni­sche Quel­len von Ober­flä­chen­was­ser rasch ver­schwin­den: „Der Urmia-​See, ein Salz­see im ira­ni­schen Nord­wes­ten, einst der gröss­te im Na­hen Os­ten, ist bis auf 5 Pro­zent sei­nes ehe­ma­li­gen Vo­lu­mens in nur zwei Jahr­zehn­ten auf­ge­braucht wor­den. Der Fluss Za­y­an­deh, der durch das ira­ni­sche Kern­land ge­flos­sen ist, ist meis­tens ein tro­cke­nes Bett, nach­dem er um­ge­lei­tet und auf­ge­staut wur­de, um die Be­wäs­se­rung für land­wirt­schaft­li­che Be­trie­be zu schaf­fen.”

Un­ter Be­ru­fung auf ei­nen in Eu­ro­pa an­säs­si­gen ira­ni­schen phy­si­schen Kli­ma­to­lo­gen schreibt Re­zai­an, dass nicht nach­hal­ti­ge Prak­ti­ken „das Le­ben in der Zu­kunft ver­un­mög­li­chen.”

Für vie­le im Iran hat der Was­ser­man­gel das Le­ben be­reits un­mög­lich ge­macht.

Des­halb hat die Fi­nan­ci­al Times ei­nen deut­li­chen Be­richt ver­öf­fent­licht (21. Au­gust 2014) von der Ver­wüs­tung, die die Was­ser­kri­se für Mil­lio­nen im gan­zen Land an­rich­tet. Dra­ma­tisch mit dem Ti­tel „Iran: Aus­ge­trock­net” be­schreibt er, wie die Aus­trock­nung des Flus­ses Za­y­an­deh rund 2 Mil­lio­nen Men­schen (40% der Be­völ­ke­rung der Re­gi­on), die auf die Land­wirt­schaft an­ge­wie­sen sind, um ih­ren Le­bens­un­ter­halt ge­bracht hat. Un­ter Be­ru­fung auf ei­nen Was­ser­be­am­ten, der nicht ge­nannt wer­den woll­te, in­for­mier­te die Zei­tung ih­re Le­ser: „Min­des­tens ein Dut­zend der 31 Pro­vin­zen des Lan­des müs­sen in den nächs­ten 20 Jah­ren eva­ku­iert wer­den, es sei denn, das Pro­blem wird an­ge­gan­gen und ge­löst.”

In­zwi­schen sind Tau­sen­de von Dör­fern im gan­zen Land ge­zwun­gen, sich auf die Lie­fe­run­gen von Was­ser per Tank­last­wa­gen zu ver­las­sen, wäh­rend Ge­schäfts­leu­te be­kla­gen, Lie­fer­eng­päs­se sei­en ei­ne täg­li­che Be­las­tung in den Fa­bri­ken der Um­ge­bung von Te­he­ran.

Könn­te Was­ser die Flam­men der Re­vol­te ent­zün­den?

Es gab wie­der­holt Be­rich­te über wach­sen­de öf­fent­li­che Wut über den Man­gel an Was­ser.

Zum Bei­spiel hat Al-​Monitor zwei Be­rich­te sol­cher Er­eig­nis­se ver­öf­fent­licht: „Was­ser­un­ru­hen bre­chen aus in Iran” (28. Fe­bru­ar 2013) und „Dür­re löst Pro­tes­te in Iran aus” (10. Sep­tem­ber 2014).

Der ers­te­re be­rich­tet, dass die Land­wir­te in der öst­li­chen Pro­vinz Es­fa­han mit Spe­zi­al­ein­hei­ten der Po­li­zei zu­sam­men­sties­sen, die ge­schickt wor­den wa­ren, um die Si­cher­heit der Re­pa­ra­tur ei­ner Was­ser­lei­tung, zu ge­währ­leis­ten, die in ei­nem hef­ti­gen Was­ser­streit zer­stört wor­den war. Weit ver­brei­te­te Ge­walt, Brand­stif­tung und so­gar fünf To­des­fäl­le wur­den ge­mel­det, nach­dem der Är­ger über mo­na­te­lan­ge Be­schwer­den, die un­be­ach­tet ge­blie­ben wa­ren, über­ge­kocht war.

Der letz­te­re be­schrieb, wie Tau­sen­de von Be­woh­nern von Is­fa­han und der klei­ne­ren Städ­te und Dör­fer in der Nä­he de­mons­trier­ten, im Pro­test ge­gen die Aus­trock­nung des Za­y­an­derood [Zayandeh-​Flusses] und der amt­li­chen Un­tä­tig­keit im Um­gang mit dem Pro­blem. Der Ar­ti­kel warnt: „Die Was­ser­kri­se des Za­y­an­derood wird schreck­li­che Fol­gen ha­ben, ein­schliess­lich der Zer­stö­rung des Öko­sys­tems des Flus­ses, dem Ver­lust der ver­schie­de­nen Le­bens­for­men und Zer­stö­rung von Brun­nen und Bä­chen. Sie wird auch die Land­wirt­schaft um den Fluss her­um zer­stö­ren, und auch die In­dus­trie wird schwer be­ein­träch­tigt wer­den.”

In­ter­es­sant ist, dass selbst star­ke Be­für­wor­ter des Ira­ner Atom­ab­kom­mens sich sehr wohl be­wusst zu sein schei­nen, wie sehr Was­ser­knapp­heit die Sta­bi­li­tät ei­nes Re­gimes un­ter­gra­ben kann.

So frag­te in ei­nem In­ter­view von 2014 für die TV-​Serie Jah­re in der Höl­le mit Oba­mas Na­tio­na­ler Si­cher­heits­be­ra­te­rin Su­san Ri­ce, Tom Fried­man, sich auf die ent­setz­li­che Was­ser­si­tua­ti­on in Irans Nach­bar­land Sy­ri­en be­zie­hend: „Kann es wirk­lich ei­nen Zu­sam­men­hang zwi­schen ei­ner Dür­re und ei­nem Bür­ger­krieg ge­ben?” Wor­auf Ri­ce ant­wor­te­te: …Dür­re, Über­schwem­mun­gen, Nah­rungs­mit­tel­knapp­heit, Was­ser­knapp­heit, all dies führt zu er­höh­ter mensch­li­cher Un­si­cher­heit, Ar­mut und kann zu Kon­flik­ten bei­tra­gen.

Wor­auf Fried­man zu­stim­mend ant­wor­te­te: Mit an­de­ren Wor­ten, wenn ei­ne Dür­re schlimm ge­nug ist, kann es hel­fen, ei­ne be­reits über­dehn­te Ge­sell­schaft zu zer­reis­sen.

Si­cher­lich gilt, was für Sy­ri­en gilt, auch für den Iran?

Was­ser, nicht schwe­res Was­ser

Irans Was­ser­pro­ble­me sind weit­ge­hend Haus­ge­macht und der Um­gang da­mit ver­langt um­fas­sen­de lan­des­wei­te Re­for­men, die sich über Jahr­hun­der­te al­te Tra­di­tio­nen und Prak­ti­ken hin­weg­set­zen müs­sen.

Doch wie die Fi­nan­ci­al Times in ih­rem be­reits zi­tier­ten Be­richt be­reits aus­führ­te, der knapp ein Jahr vor dem Deal zwi­schen der Obama-​Regierung und Te­he­ran ge­schrie­ben wor­den war: „…die Re­for­men be­nö­ti­gen Geld und die Wirt­schaft des Iran kämpft un­ter dem Ge­wicht der in­ter­na­tio­na­len Sank­tio­nen, die we­gen sei­nes Atom­pro­gramms ver­hängt wor­den sind. „Es ist klar, dass mit lau­fen­den Sank­tio­nen die drin­gend be­nö­tig­ten Re­for­men un­wahr­schein­lich sind.

Wenn al­so das nächs­te Mal ei­ni­ge sy­co­phan­ti­sche Obama-​phile ver­su­chen, die fa­den­schei­ni­ge Li­nie zu ver­kau­fen, dass „die ein­zi­ge Al­ter­na­ti­ve zum schänd­li­chen Deal Krieg war”, bit­te mit der Ver­ach­tung ab­leh­nen, die sie reich­lich ver­dient hat.

Letzt­lich gibt es mit er­wei­ter­ten Sank­tio­nen und ei­ner glaub­wür­di­gen An­dro­hung ei­ner mi­li­tä­ri­schen Ak­ti­on reich­lich Grund zu der An­nah­me, dass das Ré­gime in Te­he­ran ge­zwun­gen ge­we­sen wä­re, sei­ne Su­che nach schwe­rem Was­ser zu ver­las­sen und nach We­gen zu su­chen, das ira­ni­sche Volk mit dem zu ver­sor­gen, was es wirk­lich braucht: Was­ser.

Mar­tin Sher­man ist Grün­der und Exe­ku­tiv­di­rek­tor des is­rae­li­schen In­sti­tu­tes für stra­te­gi­sche Stu­di­en.

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