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10 Din­ge, die Sie nicht über den israelisch-​arabischen Kon­flikt wuss­ten

Oren Caha­no­vitc, Ok­to­ber 2015, TravelingIsrael.com

Als Rei­se­lei­ter in Is­ra­el spre­che ich über Ge­schich­te, Re­li­gi­on, die Wüs­te, und al­les, was Is­ra­el zu bie­ten hat. Aber es ist im­mer ein gros­ser Ele­fant im Raum – der israelisch-​arabische Kon­flikt. Manch­mal den­ke ich, die­ses The­ma ist in­ter­es­san­ter als je­des an­de­re. Hier ha­be ich ver­sucht, die wich­tigs­ten Er­kennt­nis­se, die ich von Hun­der­ten von Ge­sprä­chen zu die­sem The­ma ge­won­nen ha­be, zu­sam­men­zu­fas­sen.

Der israelisch-​arabische Kon­flikt ist klei­ner als man denkt

Wenn Sie ver­su­chen, den fol­gen­den Satz zu ver­voll­stän­di­gen: „Der israelisch-​arabische Kon­flikt ist wich­tig, weil …”, wer­den Sie ent­de­cken, dass Sie kei­ne Ant­wort ha­ben. Der Kon­flikt ist ei­ner der kleins­ten der Welt. Is­ra­el ist ein klei­nes Land oh­ne stra­te­gi­sche Be­deu­tung. Es gibt kein Öl in Is­ra­el oder in den Län­dern rund um Is­ra­el, aus­ser in Sy­ri­en. Der ein­zi­ge Grund, war­um Sie von Is­ra­el hö­ren, ist, dass ge­nug Leu­te ent­schie­den ha­ben, dass es wich­tig ist, aber es gibt kei­nen ob­jek­ti­ven Grund. Je­der Au­gen­blick, den Sie sich mit die­sem Kon­flikt be­fas­sen, ist ein Au­gen­blick, in dem Sie sich nicht mit den wirk­lich gros­sen und wich­ti­gen Pro­ble­men be­fas­sen, wie Chi­na, ei­ne Dik­ta­tur mit über ei­ner Mil­li­ar­de Men­schen, die auch die gröss­te Volks­wirt­schaft der Welt ist; der blu­ti­ge und schein­bar un­lös­ba­re Kon­flikt in Sy­ri­en; und der Völ­ker­mord, der im Su­dan statt­fin­det.

Die Me­di­en der Welt sind be­ses­sen von Is­ra­el

Das Me­di­um ist die Bot­schaft. Nor­ma­ler­wei­se, je nä­her und je dra­ma­ti­scher das Er­eig­nis, des­to hö­her die Chan­cen, dass Sie da­von in den Me­di­en hö­ren. Die­se Re­gel gilt nicht für den israelisch-​arabischen Kon­flikt. Der kleins­te Zwi­schen­fall in Is­ra­el macht so­fort Schlag­zei­len in der gan­zen Welt. Hier ist ei­ne wich­ti­ge Tat­sa­che im Au­ge zu be­hal­ten: In mehr als 100 Jah­ren von Kon­flik­ten ha­ben rund 25’000 Pa­läs­ti­nen­ser ihr Le­ben ver­lo­ren. In der ara­bi­schen Welt ha­ben mehr als 15 Mil­lio­nen Men­schen ihr Le­ben al­lein in den letz­ten 50 Jah­ren ver­lo­ren. Sie hö­ren viel we­ni­ger über sie oder die Mil­lio­nen, die in Afri­ka ge­tö­tet wer­den (oder die rund 80 Pro­zent der Welt­be­völ­ke­rung, die un­ter to­ta­li­tä­ren Re­gi­men lebt). Ei­ner der Grün­de da­für ist, dass es sehr ein­fach ist, in Is­ra­el als Aus­lands­kor­re­spon­dent zu ar­bei­ten. Es gibt ei­ne mo­der­ne In­fra­struk­tur, Re­de­frei­heit, und Jour­na­lis­ten füh­len sich dort si­cher. Die Pa­läs­ti­nen­ser füh­len sich auch si­cher. Be­ach­ten Sie, dass die Pa­läs­ti­nen­ser nie­mals an­onym spre­chen oder ih­re Ge­sich­ter ver­de­cken, wie das Men­schen tun, wenn sie die Be­hör­den fürch­ten. Is­ra­el, wie al­le Län­der, ist nicht per­fekt, aber es ist sehr wich­tig, sich dar­an zu er­in­nern, dass auch das Recht, sich ge­gen die Re­gie­rung zu be­schwe­ren, ein Pri­vi­leg ist, das nur we­ni­ge Men­schen in un­se­rer Welt ge­nies­sen kön­nen.

Es ist ab­surd, aber die eu­ro­päi­schen Me­di­en be­rich­ten mehr über Is­ra­el, als über die Be­tei­li­gung Eu­ro­pas im Irak und in Af­gha­ni­stan. Hier ist ein in­ter­es­san­tes Bei­spiel. 2011 hat die bri­ti­sche Zei­tung The Guar­di­an Is­ra­el mehr als 1000-​mal er­wähnt. In die­sem Jahr star­ben 115 Pa­läs­ti­nen­ser, die meis­ten von ih­nen Ter­ro­ris­ten. Der Irak wur­de 504 mal er­wähnt, ob­wohl mehr als 4’000 Ira­ker ge­tö­tet wur­den, vie­le von ih­nen in Zwi­schen­fäl­len mit bri­ti­schen Sol­da­ten.

Die­se Be­ses­sen­heit ist auch in der aka­de­mi­schen Welt weit ver­brei­tet. Heu­te gibt es mehr Kur­se, Se­mi­na­re, Bü­cher und Fo­ren über die­sen Kon­flikt als über je­den an­de­ren Kon­flikt.

Die Be­din­gun­gen für die Pa­läs­ti­nen­ser sind gut

Vie­le be­kann­te Leu­te kri­ti­sie­ren Is­ra­el. Jo­sé Sa­rama­go, der No­bel­preis­trä­ger; Ro­ger Wa­ters, Mit­be­grün­der von Pink Floyd, und an­de­re be­rühm­te Leu­te ha­ben das, was die Is­rae­lis tun, mit den Na­zis ver­gli­chen. Hier sind ei­ni­ge Fak­ten, die das Ge­gen­teil be­wei­sen. Die Le­bens­er­war­tung in Ju­däa, Sa­ma­ria und im Ga­za­strei­fen im Jah­re 1967 (dem Jahr, als Is­ra­el die­se Ge­bie­te be­setz­te) war 48 Jah­re. Heu­te be­trägt sie mehr als 75 Jah­re – mehr als al­le ara­bi­schen Län­der um Is­ra­el her­um. Im Jah­re 1967 war die Kin­der­sterb­lich­keit hö­her als 150 von 1’000 Ge­bur­ten. Heu­te ist sie we­ni­ger als 19. Die Pa­läs­ti­nen­ser sind die ge­bil­dets­ten Ara­ber im Na­hen Os­ten und Nord­afri­ka. Im Jahr 1967 gab es kei­ne Uni­ver­si­tä­ten in Ju­däa und Sa­ma­ria. Heu­te gibt es dort 11 Uni­ver­si­tä­ten und 13 Fach­hoch­schu­len. Im Jahr 1967 hat­ten nur 4 ara­bi­sche Sied­lun­gen flies­sen­des Was­ser. Heu­te ver­fü­gen mehr als 640 dar­über. (In Am­man, der Haupt­stadt von Jor­da­ni­en, nur zehn Ki­lo­me­ter ent­fernt, gibt es nur ei­nen Tag pro Wo­che flies­sen­des Was­ser). Nach An­ga­ben der Welt­bank ha­ben die Pa­läs­ti­nen­ser vier­mal mehr Hil­fe er­hal­ten, als Eu­ro­pa aus dem Marshall-​Plan nach dem Zwei­ten Welt­krieg. Je­der Teil­neh­mer mei­ner Tou­ren wuss­te, dass die Ver­ei­nig­ten Staa­ten Is­ra­el un­ter­stüt­zen. Aber kei­ner von ih­nen wuss­te, dass die Pa­läs­ti­nen­ser mehr Hil­fe aus den Ver­ei­nig­ten Staa­ten, der Eu­ro­päi­schen Uni­on, Ja­pan, den ara­bi­schen Län­dern und den Ver­ein­ten Na­tio­nen er­hal­ten, als al­le an­de­ren Men­schen auf der Welt.

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Der Staat Is­ra­el wur­de nicht als Ent­schä­di­gung für den Ho­lo­caust ge­grün­det

Die Vor­stel­lung, dass die Welt so scho­ckiert war durch den Ho­lo­caust, dass sie den Ju­den ein Land gab, ist na­iv. Das ist nicht die Art und Wei­se, wie die Welt­po­li­tik ar­bei­tet. Zu der Zeit des Zwei­ten Welt­krie­ges gab es be­reits ei­ne hal­be Mil­li­on Ju­den mit ei­nem na­tio­na­len Be­wusst­seins und mit al­len Ein­rich­tun­gen, die ein Land so hat – Bil­dung, Ge­sund­heit, po­li­ti­sche Sys­te­me, und so wei­ter. Die Grün­dung des Staa­tes Is­ra­el, wie die Ein­rich­tung von Dut­zen­den von Län­dern, hat­te mehr mit dem Zwei­ten Welt­krieg selbst zu tun. Nach je­dem Welt­krieg gibt es ei­ne neue Welt­ord­nung. Nach dem Ers­ten Welt­krieg wur­den ei­ne Rei­he von Län­dern ge­grün­det – wie Ju­go­sla­wi­en (1918), Po­len (1918), die Tsche­cho­slo­wa­kei (1918), Finn­land (1917) und die Tür­kei (1923). Nach dem Zwei­ten Welt­krieg wur­den vie­le Län­der ge­grün­det – wie Jor­da­ni­en (1946), Sy­ri­en (1946), In­di­en (1947), Pa­ki­stan (1947), Is­ra­el (1948) und Ko­rea (1948). Nach dem Kal­ten Krieg, der sich auf der gan­zen Welt ab­ge­spielt hat­te, wur­den auch vie­le Län­der eta­bliert – wie Kroa­ti­en (1991), Ge­or­gi­en (1991), Est­land (1991) und die Re­pu­blik Mol­dau (1991).

Is­ra­el wur­de in der Wel­le der Län­der, die nach dem Zwei­ten Welt­krieg ge­grün­det wur­den, ge­grün­det. Die meis­ten der Län­der des Na­hen Os­tens wur­den auf fran­zö­si­schen und bri­ti­schen Ter­ri­to­ri­en eta­bliert, die sie nach dem Krieg ver­lo­ren hat­ten.

Is­ra­el wur­de nicht auf ge­stoh­le­nem pa­läs­ti­nen­si­schem Bo­den ge­grün­det

Vie­le den­ken, dass es ein pa­läs­ti­nen­si­sches Ter­ri­to­ri­um gab, und dann ka­men die Ju­den und nah­men ih­nen ihr Land weg. Dem ist nicht so. Der Na­me Pa­läs­ti­na stammt von dem Wort „Ple­shet”, was nach der he­bräi­schen Bi­bel ein al­tes Volk ist, das wahr­schein­lich von der grie­chi­schen In­sel Kre­ta her­kam und sich an der süd­li­chen Küs­te des Lan­des Is­ra­el nie­der­liess. Der Na­me Ple­shet oder Phi­lis­ter war nicht üb­lich, bis der rö­mi­sche Kai­ser Ha­dri­an be­schloss, die Ju­den we­gen des Bar-​Kochba-​Aufstand zu be­stra­fen, und im Jah­re 135 den Na­men von Je­ru­sa­lem zu Ae­lia Ca­pi­to­li­na so­wie den Na­men von Ju­däa auf Sy­ri­en Pa­lesti­na än­der­te. Der Na­me wur­de nicht ver­wen­det in den mus­li­mi­schen Rei­chen, die den Na­hen Os­ten be­herrsch­ten. Das meis­te des mo­der­nen Is­ra­el war ein klei­ner, ver­nach­läs­sig­ter und un­wich­ti­ger Teil Sy­ri­ens. Je­ru­sa­lem war nie ei­ne Haupt­stadt. Kai­ro und Da­mas­kus wa­ren die wich­tigs­ten Städ­te der Re­gi­on in der mus­li­mi­schen Ära. Nur un­ter bri­ti­scher Herr­schaft, be­gin­nend im Jahr 1917, nach­dem das Os­ma­ni­sche Reich im Ers­ten Welt­krieg zu­sam­men­ge­bro­chen war, ist der Na­me Pa­läs­ti­na wie­der ver­wen­det wor­den. Wenn die Bri­ten nicht ge­kom­men wä­ren, dann gä­be es kein pa­läs­ti­nen­si­sches Volk. Und die Ara­ber, die in der Ge­gend leb­ten, wä­ren Ägyp­ter oder Sy­rer.

Ju­den leb­ten seit Hun­der­ten von Jah­ren in Je­ru­sa­lem, He­bron, Safed und Ti­be­ri­us. Im Jah­re 1860 be­gan­nen die Ju­den den Kauf von Grund­stü­cken aus­ser­halb der vier Städ­te. Im Ge­gen­satz zu den ers­ten weis­sen Sied­lern in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten, die das Land von den In­dia­nern raub­ten, und im Ge­gen­satz zu den Aus­tra­li­ern, die das Land von den Ab­ori­gi­nes stah­len, ist das gan­ze Land, auf dem sich Ju­den nie­der­lies­sen, ge­kauft und be­zahlt wor­den, bis auf den letz­ten Cent. Be­gin­nend in den 1930er Jah­ren ha­ben die Bri­ten und die Ver­ein­ten Na­tio­nen vie­le Vor­schlä­ge ge­macht, wie man das Land Is­ra­el in zwei Län­dern auf­tei­len könn­te – ei­nen jü­di­schen und ei­nen ara­bi­schen Staat Sei­te an Sei­te. Die Ju­den stimm­te den Vor­schlä­gen zu, aber die Ara­ber nicht und be­gan­nen ei­nen Krieg. Die Ju­den ge­wan­nen. Vie­le der Ara­ber, die Is­ra­el er­ober­te, leb­ten wei­ter­hin in Is­ra­el, und heu­te sind 20 Pro­zent der is­rae­li­schen Be­völ­ke­rung ara­bisch.

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Ju­den und Ara­ber ha­ben nicht fried­lich zu­sam­men­ge­lebt in ara­bi­schen Län­dern

Es stimmt, dass es den Ju­den un­ter der Na­zi­herr­schaft noch schlim­mer er­ging, aber das be­deu­tet nicht, dass Ju­den auf Au­gen­hö­he leb­ten oder Re­li­gi­ons­frei­heit ge­nos­sen un­ter ara­bi­scher Herr­schaft. Ja, es gab ein gol­de­nes Zeit­al­ter der fried­li­chen Ko­exis­tenz, aber es war kurz und geht 800 Jah­re zu­rück. In al­len mus­li­mi­schen Län­dern, in de­nen Ju­den leb­ten, von Ma­rok­ko im Os­ten bis zum Iran im Wes­ten, von Sy­ri­en im Nor­den bis zum Je­men im Sü­den, wur­den Ju­den dis­kri­mi­niert, er­lit­ten Po­gro­me und ras­sis­ti­sche Ge­walt vor dem Auf­kom­men des Zio­nis­mus. Nach der Grün­dung des Staa­tes Is­ra­el muss­ten die meis­ten von den Ju­den, die in den ara­bi­schen Län­dern ge­lebt hat­ten, ca. 800’000, nach Is­ra­el flie­hen.

Die is­rae­li­sche Be­sat­zung ist nicht die Quel­le des Kon­flikts

Im Jah­re 1967 droh­ten die ara­bi­schen Staa­ten rund um Is­ra­el, den Staat zu ver­nich­ten und zo­gen ih­re Ar­me­en an den Gren­zen zu­sam­men. In ei­nem Über­ra­schungs­an­griff der is­rae­li­schen Ar­mee be­sieg­te sie al­le ara­bi­schen Ar­me­en in sechs Ta­gen, und Is­ra­el ver­drei­fach­te sei­ne Grös­se. Der Ga­za­strei­fen war von Ägyp­ten und das West­jor­dan­land von Jor­da­ni­en kon­trol­liert wor­den. In den 19 Jah­ren (1948 bis 1967), die die Pa­läs­ti­nen­ser un­ter jor­da­ni­scher und ägyp­ti­scher Herr­schaft lit­ten, re­de­te kei­ner von ih­nen. Wenn der Sechs­ta­ge­krieg nicht statt­ge­fun­den hät­te, wür­den die Pa­läs­ti­nen­ser un­ter ara­bi­scher Un­ter­drü­ckung le­ben und nie­mand wür­de sich mit dem The­ma be­schäf­ti­gen. Das bes­te Bei­spiel sind die Pa­läs­ti­nen­ser, die in La­gern im Li­ba­non und in Sy­ri­en le­ben. Ob­wohl die Be­din­gun­gen dort viel schlim­mer sind als in Ju­däa und Sa­ma­ria, hö­ren sie nichts da­von in den Me­di­en.

Vie­le den­ken, dass es bes­ser wä­re, wenn Is­ra­el sich aus Ju­däa und Sa­ma­ria zu­rück­zie­hen wür­de, wäh­rend an­de­re sa­gen, dass dies die Si­cher­heit Is­ra­els ge­fähr­det. Es gibt gu­te Ar­gu­men­te auf bei­den Sei­ten, aber zu den­ken, dass die Be­sat­zung für den Kon­flikt ver­ant­wort­lich ist, ist falsch. Es gibt drei grund­le­gen­de Fak­ten, die das be­wei­sen: Ers­tens, und am of­fen­sicht­lichs­ten ist, dass der Kon­flikt lan­ge vor dem Sechs­ta­ge­krieg be­gann und so­gar vor 1948 Die Ara­ber wa­ren nicht be­reit, ei­ne Zwei­staa­ten­lö­sung zu ver­ein­ba­ren. Der zwei­te Be­weis ist der Li­ba­non; ob­wohl es kei­ne is­rae­li­schen Sol­da­ten im Li­ba­non gibt, be­für­wor­tet die His­bol­lah ein­deu­tig die Be­sei­ti­gung Is­ra­els. Das glei­che gilt für den Iran – al­ler­dings gibt es 1’000 Ki­lo­me­ter (oder grob 620 Mei­len) und zwei Län­dern da­zwi­schen, ob­wohl sie Per­ser sind und ei­ne völ­lig an­de­re Kul­tur und Spra­che ha­ben als die Ara­ber des Na­hen Os­tens, for­dert die ira­ni­sche Füh­rung die Ver­nich­tung Is­ra­els. Der Ur­sprung des Kon­flikts ist, dass die Mus­li­me kei­nen nicht-​muslimischen Staat im Na­hen Os­ten ak­zep­tie­ren wol­len.

Das pa­läs­ti­nen­si­sche Flücht­lings­pro­blem ist nicht der Ur­sprung des Kon­flikts

Es gibt vie­le Über­trei­bun­gen und Ver­zer­run­gen, die den israelisch-​arabischen Kon­flikt um­ge­ben, doch es gibt ei­ne gros­se Lü­ge, und es geht da­bei um die „pa­läs­ti­nen­si­schen Flücht­lin­ge” und das „Rück­kehr­recht”. Wer hat nicht ei­nen Eltern- oder Gross­el­tern­teil, der we­gen ei­nes Kon­flik­tes mi­grier­te? Die Krie­ge und an­de­re Kon­flik­te des 20. Jahr­hun­derts pro­du­zier­ten Hun­der­te von Mil­lio­nen von Flücht­lin­gen. In der neu­en Welt­ord­nung nach dem Zwei­ten Welt­krieg wan­der­ten gan­ze Po­pu­la­tio­nen. Über 15 Mil­lio­nen Deut­sche muss­ten ih­re Häu­ser ver­las­sen aus dem, was vor­her ein öst­li­ches Ge­biet Deutsch­lands war. Hun­dert­tau­sen­de von Men­schen auf dem Bal­kan wa­ren ge­zwun­gen, we­gen der neu­en Län­der, die dort ge­grün­det wur­den, zu mi­grie­ren. Et­wa 65 Mil­lio­nen Men­schen in dem, was die So­wjet­uni­on war, muss­ten mi­grie­ren. Wer hat je­mals von den über 300’000 Mus­li­men ge­hört, die Bul­ga­ri­en ver­las­sen muss­ten, oder von den 250’000 Grie­chen und Tür­ken, die ih­re Häu­ser ver­las­sen muss­ten, nach­dem die Tür­ken 1974 ei­nen Teil Zy­perns be­setz­ten? Die Flücht­lings­pro­ble­me set­zen sich fort. Über zwei Mil­lio­nen Chris­ten muss­ten we­gen der mus­li­mi­schen An­grif­fen aus dem Na­hen Os­ten mi­griert wer­den. Aber es gibt ei­ne Grup­pe, von der Sie mehr hö­ren als von al­len an­de­ren – die pa­läs­ti­nen­si­schen Flücht­lin­ge.

Als Er­geb­nis des Un­ab­hän­gig­keits­krie­ges im Jah­re 1948 gab es et­wa ei­ne hal­be Mil­li­on ara­bi­sche Flücht­lin­ge, die ih­re Hei­mat ver­las­sen hat­ten. Vie­le gin­gen weg, weil die ara­bi­sche Füh­rung ih­nen sag­te, sie soll­ten weg­ge­hen und ih­nen ver­sprach, dass sie zu­rück­kom­men könn­ten. Und wie in al­len Krie­gen gab es ei­ni­ge Fäl­le von Eva­ku­ie­run­gen. Aber im Ge­gen­satz zu Deutsch­land, das den deut­schen Mi­gran­ten ge­hol­fen hat, im Ge­gen­satz zu In­di­en, das den In­dus half und Pa­ki­stan, das die Mus­li­me will­kom­men hiess, oder Is­ra­el, das die jü­di­schen Flücht­lin­ge auf­nahm, ha­ben die Ägyp­ter, Sy­rer und Li­ba­ne­sen den Pa­läs­ti­nen­sern nicht ge­hol­fen, auch wenn sie vom sel­ben Volk sind (im Jahr 1948 gab es kei­nen Un­ter­schied zwi­schen ei­nem ara­bi­schen Dorf im Nor­den Is­ra­els und ei­nem ara­bi­schen Dorf im süd­li­chen Li­ba­non). Jor­da­ni­en ist das ein­zi­ge ara­bi­sche Land, das den Pa­läs­ti­nen­sern Staats­bür­ger­schaft gab. Die Ver­ein­ten Na­tio­nen sind ein Teil des Pro­blems. Nicht vie­le wis­sen, dass die UNO zwei Flücht­lings­bü­ros hat – UNRWA, aus­schliess­lich für die pa­läs­ti­nen­si­schen Flücht­lin­ge und UNHCR, für al­le an­de­ren Flücht­lin­ge in der Welt. Die bei­den Agen­tu­ren ha­ben un­ter­schied­li­che De­fi­ni­tio­nen, was ein Flücht­ling ist. Die von der UNRWA ver­wen­de­te De­fi­ni­ti­on des Flücht­lings­sta­tus ge­währt ihn den Kin­dern der pa­läs­ti­nen­si­schen Flücht­lin­ge, so dass je­des Jahr die „of­fi­zi­el­le” Zahl der pa­läs­ti­nen­si­schen Flücht­lin­ge wächst.

Ei­ne der Grup­pen von Flücht­lin­gen, die kei­ner­lei Auf­merk­sam­keit er­hält, sind die jü­di­schen Flücht­lin­ge aus den ara­bi­schen Län­dern. Die Ju­den, die die mus­li­mi­schen Län­dern ver­lies­sen, hat­ten den Mus­li­men nie ge­scha­det, doch als Is­ra­el ge­grün­det wur­de, muss­ten rund 800’000 von ih­nen flie­hen und al­les zu­rück­las­sen, was sie hat­ten, und ein neu­es Le­ben in Is­ra­el be­gin­nen.

Zu­rück zu den Ur­sprün­gen

Wir le­ben in ei­ner post-​postmodernen Welt. Wir ver­su­chen, die Wirk­lich­keit nicht nur über her­kömm­li­che Ka­nä­len zu ver­ste­hen, son­dern auch über al­ter­na­ti­ve For­men der Kom­mu­ni­ka­ti­on. Nicht das, was die Füh­rer sa­gen, son­dern was die Leu­te den­ken; nicht aus den Ge­schichts­bü­chern, son­dern von den Land­wir­ten auf dem lo­ka­len Markt. Ei­ner schreibt ei­nen Ar­ti­kel über das täg­li­che Le­ben, ein an­de­rer macht ei­nen Do­ku­men­tar­film über die Kin­der, die mit dem Krieg le­ben; ei­ner über­trägt Op­ti­mis­mus, der an­de­re Pes­si­mis­mus. All die­se ver­schie­de­nen Win­kel kön­nen hel­fen, den Kon­flikt bes­ser zu ver­ste­hen, doch manch­mal ist es gut, zu den Grund­la­gen zu­rück­keh­ren, zu dem, was je­de Sei­te über sich selbst sagt. In der is­rae­li­schen Un­ab­hän­gig­keits­er­klä­rung heisst es: „Wir bie­ten un­se­re Hand al­len Nach­bar­staa­ten und ih­ren Völ­kern an in ei­nem An­ge­bot von Frie­den und gu­ter Nach­bar­schaft.” Die Prä­am­bel der Ha­mas Char­ta er­klärt: „Is­ra­el wird exis­tie­ren, und wird wei­ter­hin be­stehen, bis der Is­lam es aus­löscht.”

Es gibt kei­nen Wi­der­spruch zwi­schen Is­ra­el als jü­di­schem und de­mo­kra­ti­schem Staat

Die meis­ten Län­der sind Na­tio­nal­staa­ten, die ei­nen ge­mein­sa­men eth­ni­schen und kul­tu­rel­len Nen­ner ha­ben. Al­le ara­bi­schen Län­der be­zeich­nen sich als mus­li­misch. Die meis­ten eu­ro­päi­schen de­mo­kra­ti­schen Staa­ten sind auch Na­tio­nal­staa­ten. In Län­dern wie Dä­ne­mark, Nor­we­gen, Po­len und Is­land hat das Chris­ten­tum ei­ne Son­der­stel­lung in­ne. Die Ju­den ha­ben auch das Recht auf ei­nen ei­ge­nen Staat. Et­wa 29 Na­tio­nal­flag­gen tra­gen Kreu­ze, 13 Na­tio­nal­flag­gen den mos­le­mi­schen Halb­mond, und nur ei­ne Na­tio­nal­flag­ge den Da­vid­stern.

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    In­ter­es­sant an die­ser Stel­le ist auch zu er­wäh­nen, dass Ju­den und Ira­ner vor dem Ein­sturm der Tür­ken in den Iran das bes­te Ver­hält­nis hat­ten. Ein Grund war­um Tür­ken, die die Ba­sis DES Mul­lah Re­gimeS des heu­ti­gen Iran leg­ten, war ge­nau der. Die Mul­lahs sind die Nach­fah­ren der Gha­jah­ren, die da­mals schon wie heu­te die Ira­ni­sche Zi­vil­ge­sell­schaft aus­beu­te­ten und nie­der­drück­ten. Ju­den im da­ma­li­gen Iran, vor der grau­sa­men und blu­ti­gen In­va­si­on der Tür­ken , wa­ren gu­te Bür­ger die sich der vor­herr­schen­den Leit­kul­tur des Lan­des, in das sie ein­ge­wan­dert sind be­din­gungs­los an­ge­passt ha­ben und in der Ar­beits­welt nütz­lich ge­macht ha­ben. Ganz im Ge­gen­satz zu den Tür­ki­schen In­va­so­ren, die aus­ser Raub und Un­ter­drü­ckung kei­ne an­de­re Ein­nah­me­quel­le hat­ten. Um ein Keil zwi­schen Ju­den und der Ira­ni­schen Zi­vil­na­ti­on zu trei­ben, fing man an ge­hö­rig Wind ge­gen Ju­den zu ma­chen. Da­zu gibt es vie­le Bei­spie­le und un­gu­te An­ek­do­ten. Das gel­be Band um je­den zu kenn­zeich­nen be­gann un­ter den Tür­ken da schon im Iran. Ein­fa­cher Grund, Ira­ner zu be­ein­flus­sen und zu schwä­chen und zu un­ter­wan­dern. Das ist ei­ne Tak­tik die heu­te noch ver­folgt wird. nur ha­ben es vie­le Ira­ner ver­ges­sen. Es wird so­viel Geld sei­tens der hie­si­gen Fremd­be­sat­zung Irans für den Ex­port von Ter­ror aus­ge­ge­ben, im Prin­zip han­delt es sich um das Volks­eig­nem der Ira­ner. Es gab auch schon ei­ne De­mons­tra­ti­on wenn auch klein, denn mit Wi­der­spruch zahlt ein Ira­ner mit sei­nem Le­ben, des­sen In­halt ist, we­der Ga­za noch Li­ba­non, nur der Iran ist mein Pro­blem und nur da­für op­fern ich mein Le­ben. Ich kann nur hof­fen, dass die al­ten Kul­tur­na­tio­nen sich wie­der ih­rer al­ten Ge­schich­te und Freund­schaft an­glie­dern – und die Men­schen die Ge­hirn­wä­sche die da­hin­ter ist end­gül­tig er­ken­nen und den wah­ren Feind wie­der er­ken­nen kön­nen. Im üb­ri­gen war der Sohn des Re­za Schahs – der ge­bür­ti­ge und wah­re Ira­ner war- muss­te um an die Macht kom­men zu dür­fen ei­ne Tür­ki­sche Gha­ja­rin hei­ra­ten, wes­halb Mo­ham­mad Re­za Shah, der das Land ins Ver­der­ben stürz­te und den Mul­lahs über­gab, auch schon kein Ira­ner son­dern hal­ber Tür­ke war, mit der schä­di­gen­den ne­ga­ti­ven Pro­pa­gan­da an­fing. Der Grund auch war­um ge­gen Ame­ri­ka Wind ge­macht wird, ist ganz ein­fach, weil Ken­ne­dy dem Shah den Vor­schlag ge­macht hat, die Län­der den ira­ni­schen bau­en zu­rück­zu­ge­ben, die die GHa­ja­ren für sich be­an­sprucht hat­ten und mehr mit OPi­um be­spickt, als mit Nah­rung. So dass Ira­ner zu 1 vier­tel so­gar ver­hun­gert wa­ren. So­viel zur Welt des Is­lam, das die sich ger­ne als als Op­fer sieht und dar­stellt.

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