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Wenn Ma­ria und Jo­sef heu­te ver­su­chen wür­den, Beth­le­hem zu er­rei­chen, könn­ten sie von pa­läs­ti­nen­si­schen Ter­ro­ris­ten er­mor­det wer­den

Da­vid Bern­stein, 22.12.2015, Wa­shing­ton Post

Da­vid Bern­stein ist der Ge­or­ge Ma­son Uni­ver­si­ty Foun­da­ti­on Pro­fes­sor an der Ge­or­ge Ma­son Uni­ver­si­ty School of Law in Ar­ling­ton, VA. Sein jüngs­tes Buch, Law­less: The Oba­ma Administration’s Un­pre­ce­den­ted As­s­ault on the Con­sti­tu­ti­on and the Ru­le of Law, ist im No­vem­ber ver­öf­fent­licht wor­den.

Meh­di Ha­san, po­li­ti­scher Di­rek­tor der Huf­fing­ton Post, UK, hat ei­nen Bei­trag ver­öf­fent­licht mit dem Ti­tel, “Wenn Ma­ria und Jo­sef heu­te ver­su­chen wür­den, Beth­le­hem zu er­rei­chen, könn­ten sie an ei­nem is­rae­li­schen Check­point hän­gen blei­ben.”

Wie wür­den der Zim­mer­mann und sei­ne schwan­ge­re Frau das kaf­ka­es­ke Netz­werk von is­rae­li­schen Sied­lun­gen, Stras­sen­sper­ren und ge­schlos­se­nen Mi­li­tär­zo­nen in der be­setz­ten West­bank durch­quert? Hät­te Ma­ria die We­hen oder die Ge­burt an ei­nem Check­point er­le­ben müs­sen, wie ei­ne von zehn schwan­ge­ren pa­läs­ti­nen­si­schen Frau­en zwi­schen 2000 und 2007?

Nun, da Ma­ria und Jo­sef Ju­dä­er wa­ren, d.h., Ju­den aus Na­za­reth, bräuch­ten sie kei­ne Angst vor is­rae­li­schen Stras­sen­sper­ren zu ha­ben, die not­wen­dig sind zur Be­kämp­fung des pa­läs­ti­nen­si­schen Ter­ro­ris­mus, viel­mehr da­vor, von Ter­ro­ris­ten der Ha­mas oder Fa­tah er­mor­det zu wer­den.

Im Ernst, die­se Art von his­to­ri­schem Re­vi­sio­nis­mus, der al­te jü­di­sche Ju­dä­er be­han­delt, als ob sie pa­läs­ti­nen­si­sche Ara­ber wä­ren und dann das mo­der­ne Is­ra­el mit den Un­ter­drü­ckern von Je­sus und sei­ner Fa­mi­lie von einst gleich­set­zen, ein in Gross­bri­tan­ni­en gern be­nutz­tes Bild, wä­re zum La­chen, wenn es nicht so bös­ar­tig wä­re. Bös­ar­tig nicht ein­fach, weil es ei­ne lä­cher­li­che Ver­zer­rung der Ge­schich­te ist, und nicht nur, weil es oft von ei­ner gros­sen Por­ti­on An­ti­se­mi­tis­mus be­glei­tet ist, mit den Pa­läs­ti­nen­sern in der Rol­le von Je­sus und den Is­rae­lis als die frem­den Un­ter­drü­cker, die ihn kreu­zi­gen. Aber bös­ar­tig, weil es an das wah­re Herz des arabisch-​israelischen Kon­flik­tes her­an geht –  dem Schei­tern der ara­bi­schen Sei­te, zu er­ken­nen, dass die „Zio­nis­ten” nicht „eu­ro­päi­sche Siedler-​Kolonialisten” mit Dritte-​Welt-​Phantasien sind, son­dern ein Volk mit ei­ner mehr als drei­tau­send­jäh­ri­gen Bin­dung an das Land Is­ra­el, de­ren Re­li­gi­on dort ge­bo­ren ist, das dort zwei ge­trenn­te Rei­che re­giert hat, das seit zwei­tau­send Jah­ren in ih­rer al­ten he­bräi­schen Spra­che in Rich­tung Je­ru­sa­lem ge­be­tet ha­ben, und so wei­ter.

Ei­ne sol­che Ver­wei­ge­rung, die häu­fig auch von „mo­de­ra­ten” Be­am­ten der pa­läs­ti­nen­si­schen Au­to­no­mie­be­hör­de kommt, dass es über­haupt ein jü­di­sches Kö­nig­reich oder ei­nen Tem­pel in Je­ru­sa­lem gab, oder dass die Ju­den sonst Ur­ein­woh­ner der Ge­gend sind, be­deu­tet, dass die ara­bi­sche Sei­te ein mög­li­ches Frie­dens­ab­kom­men nicht als ei­ne his­to­ri­sche Ver­söh­nung zwi­schen zwei Völ­kern mit star­ken An­sprü­che auf das Land se­hen kann, son­dern im bes­ten Fall als de­mü­ti­gen­de Ka­pi­tu­la­ti­on vor frem­der Be­sat­zung, die ir­gend­wann wie­der rück­gän­gig ge­macht wer­den muss. Bis die­se Denk­wei­se än­dert, wird es kei­nen lang­fris­ti­gen Frie­den ge­ben, un­ab­hän­gig von Ver­ein­ba­run­gen auf dem Pa­pier und un­ab­hän­gig von ih­ren Be­din­gun­gen, selbst ei­ne ra­di­ka­le Ein-​Staaten-​Lösung mit ei­ner ara­bi­schen Mehr­heit wür­de nicht funk­tio­nie­ren, wenn die Mehr­heit denkt, sie wur­de zur Zwangs­ko­ha­bi­ta­ti­on mit aus­län­di­schen ko­lo­nia­lis­ti­schen Ein­dring­lin­ge ge­zwun­gen. Au­to­ren wie Ha­san sind ganz ein­fach Fein­de des Frie­dens.

NACHTRAG: Ich kann nicht wi­der­ste­hen: Und als schwan­ge­re, un­ver­hei­ra­te­te Frau, wenn Ma­ria ei­ne Pa­läs­ti­nen­se­rin ist, dann müss­te sie sich viel mehr vor ei­nem po­ten­ti­el­len Eh­ren­mord fürch­ten, als vor dem über­que­ren ei­nes is­rae­li­schen Check­points; sie­ben­und­zwan­zig pa­läs­ti­nen­si­sche Frau­en wa­ren in der West­bank und Ga­za Op­fer von Eh­ren­mor­den al­lein im Jah­re 2013.

1 Kommentar

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  1. nussknacker56

    Meh­di Ha­san soll­te wei­ter er­zäh­len, was denn mit den „zehn schwan­ge­ren pa­läs­ti­nen­si­schen Frau­en“ zwi­schen 2000 und 2007 pas­siert ist. Wur­de ih­nen die Hil­fe ver­wei­gert, wur­den sie mit dem Mes­ser trak­tiert oder wur­den sie er­schos­sen? All das blüht is­rae­li­schen Frau­en, soll­ten sie in den pa­läs­ti­nen­sisch be­setz­ten Ge­bie­ten in ei­ne ver­gleich­ba­re Si­tua­ti­on ge­ra­ten.

    Doch un­ser Ha­san weiß, war­um er nicht wei­ter er­zählt und sei­ne Zu­hö­rer wis­sen, dass sie mit dies­be­züg­li­chen Rück­fra­gen ih­re Fest­tags­stim­mung ge­fähr­den.

  1. Stoff für’s Hirn | abseits vom mainstream - heplev

    […] (Da­ni­el): – Wenn Ma­ria und Jo­sef heu­te ver­su­chen wür­den, Beth­le­hem zu er­rei­chen, könn­ten sie von pa­läs­ti­nen­si… – Des­halb ha­be ich mei­ne Mei­nung ge­än­dert zu An­ti­se­mi­tis­mus und Anti-​Israelismus – […]

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