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Pa­läs­ti­nen­ser: Wir wer­den kein jü­di­sches Is­ra­el ak­zep­tie­ren

Kha­led Abu To­a­meh, 15. 4. 2016, Gatestone In­sti­tu­te


  • Die Be­ses­sen­heit mit den Sied­lun­gen zieht Auf­merk­sam­keit von den Kern­the­men ab, wie der An­er­ken­nung ei­nes jü­di­schen Is­ra­els. Vie­le pa­läs­ti­nen­si­sche Ara­ber be­trach­ten Is­ra­el wei­ter­hin als ei­ne rie­si­ge Sied­lung, die aus dem Na­hen Os­ten ent­fernt wer­den muss.
  • Selbst je­ne, die sa­gen, dass sie die Zwei­staa­ten­lö­sung ak­zep­tiert ha­ben, sind nicht be­reit, ir­gend­wel­che jü­di­sche Ver­bin­dung oder Ge­schich­te im Land an­zu­er­ken­nen.
  • Ge­mäss der Sicht von Al-​Husseini leh­nen es pa­läs­ti­nen­si­sche Ara­ber ab, ei­nen jü­di­schen Staat zu ak­zep­tie­ren, weil sie glau­ben, dass das den „jü­di­schen Rech­ten auf Pa­läs­ti­na” Le­gi­ti­mi­tät ver­lei­hen wür­de und die pa­läs­ti­nen­si­sche For­de­rung auf das „Rück­kehr­recht” von Mil­lio­nen von Flücht­lin­gen nach Is­ra­el un­ter­gräbt.
  • Israelisch-​arabische Füh­rer ver­ra­ten ih­re Wäh­ler, in­dem sie die ver­mu­te­ten In­ter­es­sen von pa­läs­ti­nen­si­schen Ara­bern pri­vi­le­gie­ren, wäh­rend palästinsisch-​arabische Füh­rer ih­re Wäh­ler ver­ra­ten, in­dem sie jeg­li­che Ver­bin­dung zwi­schen Ju­den und dem Land ver­nei­nen. Die­se Hal­tung macht Frie­den zum Rohr­kre­pie­rer.


Is­ra­el als jü­di­scher Staat bleibt ein Dorn im Au­ge der palästinensisch-​arabischen Ge­mein­schaft. Dies ist ei­ne Top-​Down-​Haltung, auf kon­stan­ter Ba­sis vom Prä­si­den­ten der pa­läs­ti­nen­si­schen Au­to­no­mie­be­hör­de (PA) Mahmoud Ab­bas kom­mu­ni­ziert.

Die pa­läs­ti­nen­si­sche Wei­ge­rung, Is­ra­el als jü­di­schen Staat an­zu­er­ken­nen,  ba­siert auf dem Ar­gu­ment, dass ein sol­cher Schritt das „Rück­kehr­recht” nach Is­ra­el für Mil­lio­nen von „Flücht­lin­ge” auf­ge­ben wür­de. Die­se Ab­leh­nung ba­siert eben­falls auf der fort­ge­setz­ten Leug­nung jeg­li­cher his­to­ri­schen jü­di­schen Ver­bin­dung mit dem Land.

In den letz­ten Wo­chen hat der PA-​Präsident ein­mal mehr er­neut sei­ne star­ke Op­po­si­ti­on, Is­ra­el als jü­di­schen Staat an­zu­er­ken­nen, be­kräf­tigt.

Die pa­läs­ti­nen­si­sche Wei­ge­rung, Is­ra­els als jü­di­schen Staat an­zu­er­ken­nen, ist ei­nes der wich­tigs­ten Hin­der­nis­se für den Frie­den zwi­schen Is­ra­el und den Pa­läs­ti­nen­sern.

Be­schwer­den über Sied­lungs­bau sind nichts als ei­ne Ne­bel­wand der pa­läs­ti­nen­si­schen Be­hör­den.

Es ist die­ser Ta­ge viel die Re­de von der Ab­sicht der Pa­läs­ti­nen­si­schen Au­to­no­mie­be­hör­de, den Si­cher­heits­rat der Ver­ein­ten Na­tio­nen zu bit­ten, ei­ne Re­so­lu­ti­on zur Ver­ur­tei­lung Is­ra­els für den Bau von Sied­lun­gen zu be­schlies­sen. Es ist noch nicht klar, ob die PA ih­re Dro­hung durch­füh­ren wird. Klar ist je­doch, dass die­se Be­ses­sen­heit mit den Sied­lun­gen ganz si­cher die Auf­merk­sam­keit von den Kern­fra­gen ab­lenkt, wie der pa­läs­ti­nen­si­schen An­er­ken­nung ei­nes jü­di­schen Is­ra­els. Vie­le Pa­läs­ti­nen­ser be­trach­ten Is­ra­el wei­ter­hin als ei­ne gros­se Sied­lung, die aus dem Na­hen Os­ten ent­fernt wer­den muss.

War­um al­so wei­gern sich die Pa­läs­ti­nen­ser, Is­ra­el als jü­di­schen Staat zu ak­zep­tie­ren?

Ab­bas hat es kon­se­quent ver­säumt, sei­ne Grün­de für sei­ne völ­li­ge Ab­leh­nung von Is­ra­el als jü­di­schen Staat dar­zu­le­gen. Im Ja­nu­ar 2014 er­klär­te der PA-​Präsident:

„Die Pa­läs­ti­nen­ser wer­den den jü­di­schen Cha­rak­ter des Staa­tes Is­ra­el nicht an­er­ken­nen und wer­den ihn nicht ak­zep­tie­ren. Die Is­rae­lis sa­gen, wenn wir das Jü­disch­sein Is­ra­els nicht an­er­ken­nen, dass es dann kei­ne Lö­sung gibt. Und wir sa­gen, dass wir das Jü­disch­sein Is­ra­els we­der an­er­ken­nen noch ak­zep­tie­ren, und wir ha­ben vie­le Grün­de für die­se Ab­leh­nung.”

Bei ei­ner an­de­ren Ge­le­gen­heit im sel­ben Jahr er­klär­te Ab­bas: „Nie­mand kann uns zwin­gen, Is­ra­el als jü­di­schen Staat an­zu­er­ken­nen. Wenn sie [Is­ra­el] wol­len, kön­nen sie zu den Ver­ein­ten Na­tio­nen ge­hen und dar­um bit­ten, ih­ren Na­men in was auch im­mer sie wol­len zu än­dern – selbst wenn sie sich jüdisch-​zionistischer Staat nen­nen wol­len.” Auch hier er­klär­te Ab­bas nicht den hef­ti­gen pa­läs­ti­nen­si­schen Wi­der­stand ge­gen die­se For­de­rung.

(Bild­quel­le: Pa­lesti­ni­an Me­dia Watch)

Der Chef­un­ter­händ­ler der Pa­läs­ti­nen­si­schen Be­hör­de, Sa­eb Er­e­kat, hat et­was Licht in die An­ge­le­gen­heit ge­bracht. „Wir ha­ben be­reits die Exis­tenz Is­ra­els in den Gren­zen des be­setz­ten Pa­läs­ti­na von 1948 an­er­kannt”, er­klär­te Er­e­kat. Er füg­te hin­zu, dass er der ehe­ma­li­gen is­rae­li­schen Aus­sen­mi­nis­te­rin Tzi­pi Liv­ni bei ei­nem Tref­fen in Mün­chen deut­lich ge­macht ha­be, dass die Pa­läs­ti­nen­ser „ih­re Ge­schich­te und Re­li­gi­on und Kul­tur nicht ver­än­dern wer­den durch die An­er­ken­nung von Is­ra­el als jü­di­schem Staat.”

Wäh­rend die pa­läs­ti­nen­si­sche Füh­rung eher zu­rück­hal­tend war, auf die Grün­de für ih­re Ab­leh­nungs­po­li­tik ein­zu­ge­hen, sind an­de­re Pa­läs­ti­nen­ser gross­zü­gi­ger ge­we­sen mit dem The­ma.

Ei­ner da­von ist die pa­läs­ti­nen­si­sche Po­li­tik­wis­sen­schaft­le­rin Dr. Sa­niy­eh Al-​Husseini, die kürz­lich ei­nen Ar­ti­kel ver­öf­fent­lich­te mit dem Ti­tel „War­um Pa­läs­ti­nen­ser es ab­leh­nen, den jü­di­schen Cha­rak­ter des Staa­tes Is­ra­el zu ak­zep­tie­ren.” Der Ar­ti­kel wur­de von der amt­li­che Nach­rich­ten­agen­tur der Pa­läs­ti­nen­si­schen Au­to­no­mie­be­hör­de, WAFA, nach­ge­druckt – ein deut­li­ches Zei­chen, dass die pa­läs­ti­nen­si­sche Füh­rung ih­re An­sich­ten un­ter­stützt.

In ih­rem Ar­ti­kel weist Al-​Husseini dar­auf hin, dass die USA die is­rae­li­sche Vor­be­din­gung un­ter­stützt, die sie als „läh­men­de Be­din­gung” be­schrieb.

Der Ar­ti­kel warnt, dass „das Jü­disch­sein Is­ra­els zu ak­zep­tie­ren be­deu­tet, al­le Rech­te der Pa­läs­ti­nen­ser auf die pa­läs­ti­nen­si­schen Ge­bie­te auf­zu­ge­ben, auch auf die Län­de­rei­en, die im Jahr 1967 be­setzt wur­den” Laut Al-​Husseini gibt es zwei Haupt­grün­de, dass die Pa­läs­ti­nen­ser ge­gen die­se For­de­rung sind. Der ers­te hat mit dem „Rück­kehr­recht” für die pa­läs­ti­nen­si­schen Flücht­lin­ge in ih­re frü­he­ren Dör­fer und Häu­ser in Is­ra­el zu tun; der zwei­te mit dem Sta­tus von Is­ra­els ara­bi­schen Bür­ger.

In Be­zug zum ers­ten schreibt Al-​Husseini:

„Pa­läs­ti­nen­si­sche An­nah­me des is­rae­li­schen Nar­ra­tivs wür­de je­des pa­läs­ti­nen­si­sche Recht auf das Land Pa­läs­ti­na leug­nen und Is­ra­els Krieg ge­gen die Pa­läs­ti­nen­ser ei­ne Recht­fer­ti­gung ge­ben. Pa­läs­ti­nen­si­sche An­er­ken­nung des Ju­den­tums Is­ra­els be­deu­tet das Ak­zep­tie­ren des is­rae­li­schen Nar­ra­tivs be­züg­lich des jü­di­schen An­rechts auf das Land Pa­läs­ti­na und be­freit Is­ra­el da­von, die Ver­ant­wor­tung für die mo­ra­li­schen und recht­li­chen Fol­gen al­ler sei­ner Ver­bre­chen ge­gen die Pa­läs­ti­nen­ser zu tra­gen.”

Nach An­sicht von Al-​Husseini wei­gern sich die Pa­läs­ti­nen­ser da­her, ei­nen jü­di­schen Staat an­zu­er­ken­nen, weil sie glau­ben, dass dies dem „jü­di­schen An­recht auf das Land Pa­läs­ti­na” Le­gi­ti­mi­tät ver­lei­hen wür­de und die pa­läs­ti­nen­si­sche For­de­rung nach dem „Rück­kehr­recht” für Mil­lio­nen von Flücht­lin­gen nach Is­ra­el un­ter­gräbt.

Wir wol­len uns ei­nen Mo­ment Zeit neh­men, dies klar­zu­stel­len: Die Pa­läs­ti­nen­si­sche Be­hör­de will ei­nen pa­läs­ti­nen­si­schen Staat ne­ben Is­ra­el, wäh­rend sie gleich­zei­tig Is­ra­el mit Mil­lio­nen von Flücht­lin­gen flu­tet. Das ist na­tür­lich et­was, dem kei­ne is­rae­li­sche Re­gie­rung je­mals zu­stim­men konn­te. Noch ent­schei­den­der ist die pa­läs­ti­nen­si­sche Ab­leh­nung, ein jü­di­sches An­recht auf das Land an­zu­er­ken­nen. Die­se Ver­wei­ge­rung ist ei­ne lang­fris­tig da­ste­hen­de Säu­le des of­fi­zi­el­len pa­läs­ti­nen­si­schen Nar­ra­tivs. Selbst die­je­ni­gen, die sa­gen, dass sie die Zwei­staa­ten­lö­sung ak­zep­tiert ha­ben, sind nicht be­reit, ir­gend­wel­che jü­di­sche Ver­bin­dung zum oder Ge­schich­te im Land an­zu­er­ken­nen.

Der zwei­te Grund, der die ara­bi­schen Bür­ger Is­ra­els be­trifft, ist ge­nau­so er­hel­lend. Laut Al-​Husseini ist es Is­ra­els höchs­tes Ziel, durch die­se For­de­rung „ver­ra­ten”, sich sei­ner ara­bi­schen Bür­ger zu ent­le­di­gen.

Da läuft in der Tat ein Ver­rat, aber er wird nicht von Is­ra­el be­gan­gen. Zu­nächst, durch den Nach­druck von Al-​Husseinis Ar­ti­kel hat die PA die Tat­sa­che „ver­ra­ten”, dass sie sich zum Hü­ter der ara­bi­schen Bür­ger Is­ra­els er­nannt hat.

Da Is­ra­el ei­ne De­mo­kra­tie ist – im Ge­gen­satz zu den dik­ta­to­ri­schen pa­läs­ti­nen­si­schen Re­gi­men – ha­ben Is­ra­els ara­bi­sche Bür­ger ih­re ei­ge­nen Füh­rer und Ver­tre­ter in der is­rae­li­schen Knes­set. Das letz­te, was sie brau­chen, ist, dass die Pa­läs­ti­nen­si­sche Au­to­no­mie­be­hör­de oder die Ha­mas oder ir­gend­ei­ne an­de­re pa­läs­ti­nen­si­sche Frak­ti­on sich in ih­re in­ne­ren An­ge­le­gen­hei­ten ein­mischt.

Doch der Ver­rat geht noch wei­ter. Die ara­bi­schen Bür­ger Is­ra­els wer­den von Füh­rern ver­tre­ten, dar­un­ter auch ei­ni­ge Mit­glie­der der Knes­set, die so be­schäf­tigt sind mit den Pa­läs­ti­nen­sern in der West­bank und im Ga­za­strei­fen, dass sie ver­ges­sen ha­ben, wer ih­re wirk­li­chen Wäh­ler sind.

Man den­ke nur an MK Zou­heir Bahl­oul, der wert­vol­le Zeit da­mit ver­bringt, das Wort „Ter­ro­ris­ten” neu zu de­fi­nie­ren. Bahl­oul, ein Mit­glied der Ar­bei­ter­par­tei, scheint die öf­fent­li­che Em­pö­rung, die er vor kur­zem ge­schaf­fen hat, zu ge­nies­sen, als er er­klär­te, dass ein Pa­läs­ti­nen­ser, der letz­ten Mo­nat ver­such­te, is­rae­li­sche Sol­da­ten in He­bron zu er­ste­chen, kein Ter­ro­rist ist.

Es ist, als ob Bahl­oul und die an­de­ren ara­bi­schen Mit­glie­der der Knes­set al­le Pro­ble­me der ara­bi­schen Ge­mein­schaft in Is­ra­el ge­löst ha­ben und al­les, was üb­rig bleibt, ist, si­cher­zu­stel­len, dass nie­mand ei­nen pa­läs­ti­nen­si­schen Mes­ser­ste­cher „Ter­ro­rist” nennt. Un­nö­tig zu sa­gen, dass die­se Fra­ge nicht zu­oberst auf der Agen­da der ara­bi­schen Bür­ger Is­ra­els steht.

Der Ver­rat geht so­mit breit und tief. Israelisch-​arabische Füh­rer ver­ra­ten ih­re Wäh­ler durch die Pri­vi­le­gie­rung der ver­meint­li­chen In­ter­es­sen der pa­läs­ti­nen­si­schen Ara­ber, wäh­rend palästinensisch-​arabische Füh­rer ih­re Wäh­ler ver­ra­ten durch die an­dau­ern­de Wei­ge­rung, ei­ne Ver­bin­dung zwi­schen Ju­den und dem Land zu ak­zep­tie­ren. Dies ist ei­ne Hal­tung, die den Frie­den im Na­hen Os­ten zum Rohr­kre­pie­rer macht. Wenn die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft mit Be­schwer­den über Sied­lun­gen und der­glei­chen kon­fron­tiert wird, könn­te sie sich viel­leicht wün­schen, über die­se klei­nen, aber ent­schei­den­den Punk­te nach­zu­den­ken.

Kha­led Abu To­a­meh, ein preis­ge­krön­ter Jour­na­list, lebt in Je­ru­sa­lem.

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© 2016 Gatestone In­sti­tu­te. Al­le Rech­te vor­be­hal­ten. Der Ori­gi­nal­text wur­de von mir auf Deutsch über­setzt. Die Erst­pu­bli­ka­ti­on mei­ner Über­set­zung er­folg­te durch das Gatestone In­sti­tu­te sel­ber. Wie­der­ge­ge­ben mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung des Gatestone In­sti­tu­te.

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