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Tür­kei: Hei­ra­te Dei­nen Ver­ge­wal­ti­ger

Bu­rak Bek­dil, 27.7.2016, Gatestone In­sti­tu­te

  • Der Lei­ter ei­ner Ab­tei­lung des Obers­ten Be­ru­fungs­ge­rich­tes hat auf­ge­deckt, dass fast 3.000 Ehen re­gis­triert wur­den zwi­schen den Op­fern von se­xu­el­lem Miss­brauch, ein­schließ­lich Ver­ge­wal­ti­gung, und ih­ren An­grei­fern. Der Rich­ter er­wähn­te ei­nen Fall, in dem drei Män­ner ein Mäd­chen ent­führ­ten und ver­ge­wal­tig­ten, und dann hat ei­ner von ih­nen sie ge­hei­ra­tet und die Ur­tei­le ge­gen al­le drei wur­den auf­ge­ho­ben.
  • Statt Ge­set­ze zu ver­ab­schie­den, um die gro­tes­ken Ar­ti­kel im Straf­ge­setz­buch zu ver­bes­sern, macht Er­do­gan wei­ter­hin „Familien-​Engineering” im Ein­klang mit sei­nem is­la­mis­ti­schen Den­ken. Vor kur­zem sag­te Er­do­gan ei­ner Frau­en­ver­ei­ni­gung, dass „Fa­mi­li­en­pla­nung und Emp­fäng­nis­ver­hü­tung nichts für mus­li­mi­sche Fa­mi­li­en ist.”
  • Die First La­dy der Tür­kei, Emi­ne Er­do­gan, scho­ckier­te vie­le Men­schen, als sie sag­te, dass die os­ma­ni­schen Ha­rems „Bil­dungs­zen­tren” wa­ren, die „Frau­en auf das Le­ben vor­be­rei­te­ten.”

Ein tür­ki­sches Ge­richt ver­ur­teil­te die Jour­na­lis­tin Ar­zu Yil­diz zu 20 Mo­na­ten im Ge­fäng­nis für die Ver­öf­fent­li­chung ei­nes Vi­de­os, das tür­ki­sche Ge­heim­dienst­ler beim Ver­sand von Waf­fen an is­la­mis­ti­sche Grup­pen in Sy­ri­en zeigt. Aus­ser­dem ent­zog das Ge­richt Yil­diz die ge­setz­li­che Vor­mund­schaft über ih­re ei­ge­nen Kin­der für die Ver­let­zung der Ge­heim­hal­tung des Ge­richts­ver­fah­rens.


Es gab meh­re­re dra­ma­ti­sche As­pek­te der schlei­chen­den Is­la­mi­sie­rung der Tür­kei in den letz­ten 15 Jah­ren. An­ti­se­mi­tis­mus, Frem­den­feind­lich­keit, Ero­si­on sä­ku­la­ren ge­sell­schaft­li­chen Le­bens und Ma­jo­ri­ta­nis­mus (dass die Mehr­heit in der Ge­sell­schaft be­rech­tigt zu sein meint, vor al­lem an­de­ren Vor­rang zu ha­ben) sind nicht al­le. Die Is­la­mi­sie­rung der tür­ki­schen Ge­sell­schaft hat auch das Le­ben für Frau­en schwie­ri­ger ge­macht.

Im Jahr 2015 be­leg­te die Tür­kei Rang 130 in Sa­chen Gleich­stel­lung der Ge­schlech­ter un­ter ei­ner Grup­pe von 145 Län­dern. Aber das war kaum über­ra­schend. Nur ein Jahr zu­vor hat­te Prä­si­dent Re­cep Tay­y­ip Er­do­gan der Gleich­heit zwi­schen Män­nern und Frau­en wi­der­spro­chen. „Die Gleich­stel­lung der Frau­en mit den Män­nern ist ge­gen die Na­tur,” sag­te er.

All dies steht im Ge­gen­satz zu den sä­ku­la­ren Prin­zi­pi­en, die Er­do­gan seit lan­gem rück­gän­gig ma­chen will. Tür­ki­sche Frau­en ge­wan­nen das Wahl­recht schon 1934, 25 Jah­re vor den Schwei­zer Frau­en. Jetzt, 82 Jah­re nach der Er­rei­chung des Wahl­rechts, müs­sen sich tür­ki­sche Frau­en von ih­rem Prä­si­den­ten, Er­do­gan, Frau­en­rech­te „auf tür­ki­sche Art” an­bie­ten las­sen. „Wir müs­sen Frau­en­rech­te nicht un­be­dingt im sel­ben For­mat und Stil zum Aus­druck brin­gen, ver­tei­di­gen und im­ple­men­tie­ren, wie sie im Wes­ten exis­tie­ren,” kom­men­tier­te Er­do­gan.

Er­do­gan steht nicht al­lein mit der An­nah­me, dass die bes­te Rol­le ei­ner Frau die als Mut­ter sein soll­te. Sei­ne Frau, die First La­dy der Tür­kei, Emi­ne Er­do­gan, scho­ckier­te vie­le Men­schen, als sie sag­te, dass die os­ma­ni­schen Ha­rems „Bil­dungs­zen­tren, die Frau­en auf das Le­ben vor­be­rei­ten” wa­ren.

Nach­dem das die Hal­tung des mäch­tigs­ten Man­nes der Tür­kei ist, dürf­te das Le­ben für mo­der­ne tür­ki­sche Frau­en, vor al­lem die­je­ni­gen, die ei­ne et­was ab­wei­chen­de Mei­nung ha­ben, schwie­ri­ger wer­den.

Im Mai ver­ur­teil­te ein tür­ki­sches Ge­richt ei­ne Jour­na­lis­tin, Frau Ar­zu Yil­diz, zu 20 Mo­na­ten im Ge­fäng­nis für das Zei­gen von Vi­deo­auf­nah­men von Waf­fen­trans­por­ten in Last­wa­gen, of­fen­bar vom tür­ki­schen Ge­heim­dienst be­trie­ben, die ei­ne La­dung von Waf­fen an ver­schie­de­ne is­la­mis­ti­sche Grup­pen in Sy­ri­en aus­lie­fern. Er­do­gan hat be­son­ders emp­find­lich auf den Film re­agiert und be­haup­tet, dass die Auf­de­ckung der Last­wa­gen und ein Teil der Me­di­en­be­richt­erstat­tung dar­über Teil ei­nes Plans sei­ner po­li­ti­schen Geg­ner war, um ihn zu un­ter­gra­ben und die Tür­kei in Ver­le­gen­heit brin­gen.

Der Pro­zess ge­gen die Jour­na­lis­tin Yil­diz hob je­doch nebst ih­rer Ver­ur­tei­lung ei­ne recht­li­che Be­son­der­heit her­vor. Im Mai wur­de Yil­diz zu 20 Mo­na­ten im Ge­fäng­nis so­wie dem Ent­zug der el­ter­li­chen Rech­te über ih­re Kin­der ver­ur­teilt.

Prä­si­dent Er­do­gan be­stand dar­auf, dass die Fahr­zeu­ge hu­ma­ni­tä­re Hil­fe tru­gen und be­schul­dig­te die Staats­an­walt­schaft des „Ver­rats und der Spio­na­ge” so­wie Agen­ten sei­nes US-​Erzfeindes Fe­thul­lah Gü­len zu sein.

Die Staats­an­walt­schaft wur­de ver­haf­tet und vor Ge­richt ge­stellt und un­ter Aus­schluss der Öf­fent­lich­keit zu Ge­fäng­nis­stra­fen ver­ur­teilt. Yil­diz er­hielt aber Vi­de­os des Ver­fah­rens, und ver­öf­fent­lich­te die Zeu­gen­aus­sa­gen der Staats­an­walt­schaft, die den Be­haup­tun­gen der Re­gie­rung wi­der­spra­chen, auf You­Tube.

„Nie­mand kann mir mei­ne Kin­der weg­neh­men… nicht ein­mal der Sul­tan selbst, ge­schwei­ge denn das Ge­richt,” sag­te Yil­diz dem TV-​Sender Can Er­zin­can.

Das Ge­richt ent­zog Yil­diz die ge­setz­li­chen Rech­te über ih­re Kin­der für die Ver­let­zung der Ge­heim­hal­tung des Ge­richts­ver­fah­rens. Das Ur­teil sag­te, die Jour­na­lis­tin wer­de der Vor­mund­schaft über ih­re Kin­der be­raubt, und rief da­mit ei­nen Ar­ti­kel des tür­ki­schen Straf­ge­setz­bu­ches auf. Die Ent­schei­dung be­deu­te­te, dass sie nicht in der La­ge sein wird, ih­re Kin­der in der Schu­le zu re­gis­trie­ren, Bank­kon­ten für sie zu er­öff­nen, oder sie al­lein ins Aus­land mit­zu­neh­men oh­ne de­ren Va­ter.

Aber – selbst nach of­fi­zi­el­lem Nar­ra­tiv – se­hen sich Frau­en schlim­me­ren Tra­gö­di­en ge­gen­über in Er­do­gans Tür­kei. Der Lei­ter ei­ner Ab­tei­lung des Obers­ten Be­ru­fungs­ge­richt hat auf­ge­deckt, dass fast 3,000 Ehen re­gis­triert wur­den zwi­schen Op­fern se­xu­el­len Miss­brauchs, ein­schließ­lich Ver­ge­wal­ti­gung, und ih­ren An­grei­fern. Im Ge­spräch mit ei­ner par­la­men­ta­ri­schen Kom­mis­si­on be­zeug­te der lei­ten­de Rich­ter, dass Kin­der im Al­ter zwi­schen fünf und 18 se­xu­el­lem Miss­brauch aus­ge­setzt wer­den, und dass Mäd­chen im Al­ter zwi­schen 12 und 15 leich­ter von Miss­brau­chern her­ein­ge­legt wer­den. Der Rich­ter er­wähn­te ei­nen Fall, in dem drei Män­ner ein Mäd­chen ent­führ­ten und ver­ge­wal­tig­ten, dann hei­ra­te­te ei­ner von ih­nen sie und die Ur­tei­le für al­le drei wur­den auf­ge­ho­ben. Hei­rats­an­trä­ge im tür­ki­schen Stil.

Statt Rechts­vor­schrif­ten zu er­las­sen, um die gro­tes­ken Pa­ra­gra­phen des Straf­ge­setz­bu­ches zu ver­bes­sern, macht Er­do­gan „Familien-​Engineering” im Ein­klang mit sei­nem is­la­mis­ti­schen Den­ken. Vor kur­zem sag­te Er­do­gan ei­ner Frauen-​Vereinigung, dass Frau­en oh­ne Kin­der „man­gel­haft, un­voll­stän­dig” sei­en. Er sag­te, dass „die Ab­leh­nung der Mut­ter­schaft be­deu­tet, die Mensch­heit auf­zu­ge­ben”, und dass „Fa­mi­li­en­pla­nung und Emp­fäng­nis­ver­hü­tung nichts ist für mus­li­mi­sche Fa­mi­li­en.”

Mus­ta­fa Ke­mal Ata­türk, der Grün­der der mo­der­nen Tür­kei, kämpf­te hart dar­um, tür­ki­schen Frau­en zu ge­wäh­ren, was ih­re west­li­chen Kol­le­gin­nen in zi­vi­li­sier­ten Tei­len der Welt ge­nos­sen. Er­do­gan ist nun da­mit be­schäf­tigt, das Er­be von Ata­türk rück­gän­gig zu ma­chen, der einst stol­ze, west­lich den­ken­de tür­ki­sche Frau­en pro­du­ziert hat­te.

Bu­rak Bek­dil lebt in An­ka­ra und ist ein tür­ki­scher Ko­lum­nist für den Hür­riy­et Dai­ly und ein Fel­low am Midd­le East Fo­rum.


Erst­ver­öf­fent­li­chung hier. Re­pro­duk­ti­on mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung des Gatestone In­sti­tuts.

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