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Ara­bi­sche Kri­tik an Ab­bas nimmt zu

El­der of Zy­ion, 27.9.2016, Elder-​of-​Zyion Blog

In ei­nem bei­spiel­lo­sen Schritt hat ei­ne sau­di­ara­bi­sche Zei­tung Mahmoud Ab­bas kri­ti­siert für sei­ne re­flex­haf­te Ab­leh­nung von Bi­nyamin Ne­tan­ja­hus Ein­la­dung letz­te Wo­che in sei­ner Re­de vor der UNO, vor der Knes­set ei­ne Re­de zu halten:

Die Pa­läs­ti­nen­ser soll­ten nicht zu schnell sein da­mit, die Ein­la­dung des is­rae­li­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Ben­ja­min Ne­tan­ja­hu an Pa­läs­ti­nen­ser­prä­si­dent Mahmoud Ab­bas zu­rück­zu­wei­sen, sich an das is­rae­li­sche Par­la­ment zu wen­den, im Ge­gen­zug da­für „ger­ne zu kom­men, um mit dem pa­läs­ti­nen­si­schen Par­la­ment in Ra­mal­lah über Frie­den zu spre­chen.” Ne­tan­ja­hus Ges­te ist rasch als „neu­es Gim­mick” ab­ge­tan wor­den durch die Pa­läs­ti­nen­ser, aber die Ein­la­dung er­in­nert an die des ehe­ma­li­gen is­rae­li­schen Pre­mier­mi­nis­ters Me­nach­em Be­gin an den frü­he­ren ägyp­ti­schen Prä­si­den­ten An­war Sa­dat, Is­ra­el zu be­su­chen – und der Rest ist Geschichte.

… Die Pa­läs­ti­nen­ser ha­ben Net­anya­hus An­ge­bo­te für sol­che Ein­la­dun­gen in der Ver­gan­gen­heit ab­blit­zen las­sen, mit der Aus­sa­ge, sei­ne har­te Li­nie in al­len Kern­fra­gen ver­un­mög­li­che ei­nen Dialog.

… Doch die Pa­läs­ti­nen­ser soll­ten be­ach­ten, dass zu je­ner Zeit Ägyp­ten und Is­ra­el Tod­fein­de wa­ren, drei Krie­ge ge­führt hat­ten. Camp Da­vid for­der­te ei­ne fünf­jäh­ri­ge Über­gangs­zeit ei­nes is­rae­li­schen Rück­zugs aus der West­bank und dem Ga­za­strei­fen. Die Über­gangs­zeit wür­de die Ein­füh­rung der pa­läs­ti­nen­si­schen Selbst­ver­wal­tung und ein En­de der is­rae­li­schen Sied­lun­gen in der West­bank um­fas­sen. Ein gro­ßer Teil der ara­bi­schen Welt ver­spot­te­te das als schwa­chen Deal. Doch im Rück­blick, wenn die Vor­schlä­ge um­ge­setzt wor­den wä­ren, wür­den Is­ra­el und die Pa­läs­ti­nen­ser viel­leicht nicht in der Sack­gas­se ste­cken, in der sie ge­gen­wär­tig sind.

Be­mer­kens­wert ist, dass top-​ägyptische Ge­heim­dienst­ler eben­falls Ab­bas in ei­nem durch­ge­si­cker­ten Te­le­fon­an­ruf verspotteten:

Ein hoch­ran­gi­ger ägyp­ti­scher Ge­heim­dienst­of­fi­zier ver­höhn­te Pa­läs­ti­nen­ser­prä­si­dent Mahmoud Ab­bas in ei­nem durch­ge­si­cker­ten Te­le­fon­ge­spräch mit dem im Exil le­ben­den ab­trün­ni­gen Mann der Pa­läs­ti­nen­ser, Mo­ham­med Dah­l­an, wie am Sams­tag­abend ent­hüllt wurde.

Ab­bas wur­de als „dumm” be­zeich­net, und sei­ne Fatah-​Bewegung als „er­le­digt”, von Ge­ne­ral­ma­jor Wa­el el-​Safty, von Ägyp­tens Ge­ne­ral In­tel­li­gence Di­rec­to­ra­te (GID), das für die Be­reit­stel­lung der na­tio­na­len Si­cher­heits­diens­te im In- und Aus­land ver­ant­wort­lich ist.

In der neu­es­ten durch­ge­si­ckert Auf­nah­me ist nur die ägyp­ti­sche Sei­te des Ge­sprächs zu hö­ren. Saf­tys Stim­me ist zu hö­ren, nicht aber [Mo­ham­med] Dah­l­ans Antworten.

Den­noch ist es of­fen­sicht­lich, dass die Per­son am an­de­ren En­de des Te­le­fons Dah­l­an ist, weil er mit sei­nem Kun­ya, oder sei­nem tra­di­tio­nel­len pa­läs­ti­nen­si­schen Na­men, Abu Fadi, be­zeich­net wird.

Wei­ter­hin, nach dem Aus­tausch von Höf­lich­kei­ten, fragt Saf­ty nach Mit­glie­dern von Dah­l­ans Fa­mi­lie mit ih­rem Namen.

„Abu Fadi, die Jah­re ver­ge­hen”, er­in­nert der ägyp­ti­sche Ge­heim­dienst­of­fi­zier schon früh auf dem Band.

Bald da­nach be­gin­nen sie, über je­man­den zu spre­chen, des­sen „Kon­zen­tra­ti­on nicht auf vol­ler Leis­tung ist”. Saf­ty sagt dann, die­se Per­son „hat nichts zu bieten”.

Die Bän­der ge­hen wei­ter und ma­chen deut­lich, dass der Mann, über den sie re­den, Ab­bas, 81, ist.

„Du hast mir et­was ge­sagt, wor­an ich mich bis heu­te er­in­ne­re”, sagt Saf­ty zu Dah­l­an. „Du hast ge­sagt, dass er [Ab­bas] wie ein Ka­mel ist.”

Die Im­pli­ka­ti­on ist, dass Ab­bas wie­der­holt al­te Ide­en wie­der­käut, oh­ne et­was Neu­es auf den Tisch zu brin­gen. Ka­me­le, wie Vieh, sind Wie­der­käu­er, die dann ih­re Nah­rung mehr­mals er­neut verdauen.

„Er ist über­haupt nicht schlau”, sagt der ägyp­ti­sche Ge­heim­dienst­of­fi­zier. „Die Fra­ge des [Ab­bas’] Al­ters kommt auch da­zu … Er will sich nicht än­dern, er will gar nichts tun.”

An die­ser Stel­le dreht sich das Ge­spräch von klei­nen Be­lei­di­gun­gen zu Aus­drü­cken ech­ter Frus­tra­ti­on mit Ab­bas. Saf­ty legt los.

„Fa­tah ist kom­plett er­le­digt”, sagt er. „Die [Pa­läs­ti­nen­si­sche Be­frei­ungs] Or­ga­ni­sa­ti­on ist noch schlimmer.”

„Er kann nicht ein­mal die Frak­tio­nen [in­ner­halb der Fa­tah] un­ter Kon­trol­le hal­ten”, sagt er. „Das sind die­je­ni­gen, die Abu Ma­zen [Ab­bas’ Kun­ya] nicht kon­trol­lie­ren konn­te, die­se Leu­te ha­ben mich ab­so­lut ver­rückt ge­macht, ih­re Po­si­tio­nen ha­ben sich mit der Ha­mas aus­zu­rich­ten begonnen.

„Er kann sie nicht zu­sam­men­brin­gen „, sagt Saf­ty zu Dah­l­an in völ­li­ger Ver­zweif­lung. „Ich schwö­re, er kann sie nicht zusammenbringen.

„Es ist Dumm­heit”, sagt er, be­vor er wie­der Be­zug nimmt auf Ab­bas’ fort­schrei­ten­des Al­ter, und hin­zu­fügt, dass der PA-​Präsident nicht mehr vie­le Run­den lau­fen kann: „Die Renn­stre­cke läuft aus, wenn Sie den Aus­druck entschuldigen”

Kha­led Abu To­a­meh fügt hinzu:

Ab­bas, so ge­ben sei­ne Hel­fer zu, macht sich heu­te mehr Sor­gen um die „ara­bi­sche Ein­mi­schung” in die in­ne­ren An­ge­le­gen­hei­ten der Pa­läs­ti­nen­ser, als über „kol­lek­ti­ve Be­stra­fung” oder „Sied­lungs­ak­ti­vi­tä­ten.” In der Tat ist er so be­sorgt, dass er vor kur­zem die ara­bi­schen Län­der gei­ßel­te, die ei­ne In­itia­ti­ve ins Le­ben ge­ru­fen ha­ben, um „das pa­läs­ti­nen­si­sche Haus von in­nen neu zu ord­nen” und Ver­än­de­run­gen in der pa­läs­ti­nen­si­schen po­li­ti­schen Sze­ne zu bewirken.

Die ara­bi­schen Län­der hin­ter der In­itia­ti­ve – Ägyp­ten, Saudi-​Arabien, Jor­da­ni­en und die Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­te – wer­den von vie­len Pa­läs­ti­nen­sern als „ara­bi­sches Quar­tett” bezeichnet.

In ei­ner bei­spiel­lo­sen Kri­tik an die­sen Län­dern er­klär­te Ab­bas vor kurzem:

„Es ist un­se­re Ent­schei­dung, und wir sind die ein­zi­gen, die Ent­schei­dun­gen tref­fen. Nie­mand hat Au­to­ri­tät über uns. Nie­mand kann uns vor­schrei­ben, was zu tun ist. Ich küm­me­re mich nicht um die Be­schwer­den von Wa­shing­ton oder Mos­kau oder an­de­ren Haupt­städ­ten. Ich will nichts von die­sen Haupt­städ­ten hö­ren. Ich will kein Geld von die­sen Haupt­städ­ten. Ma­chen wir uns frei vom ‚Ein­fluss’ die­ser Hauptstädte.”

Ob­wohl er die vier ara­bi­schen Län­der nicht na­ment­lich er­wähn­te, war klar, dass Ab­bas sich auf das „ara­bi­sche Quar­tett” be­zog, als er über „Haupt­städ­te ” und ih­ren Ein­fluss und Geld sprach. Ab­bas’ Bot­schaft: „Wie kann ir­gend ein ara­bi­sches Land es wa­gen, mir zu sa­gen, was zu tun ist, egal wie reich und ein­fluss­reich sie auch sein mö­gen.” Ab­bas sieht die For­de­rung die­ser ara­bi­schen Län­dern nach neu­er pa­läs­ti­nen­si­scher Füh­rung, nach Ein­heit und Re­for­men in­ner­halb der Fa­tah als „nicht ak­zep­ta­ble Ein­mi­schung in die in­ne­ren An­ge­le­gen­hei­ten der Palästinenser.”

Was ge­nau ist es al­so an der neu­en ara­bi­schen In­itia­ti­ve, das Ab­bas so wü­tend ge­macht hat, bis zu dem Punkt, dass er be­reit ist, sei­ne Be­zie­hun­gen zu vier der her­aus­ra­gen­den Staa­ten der ara­bi­schen Welt aufs Spiel zu setzen?

Nach Be­rich­ten in ara­bi­schen Me­di­en hat das „ara­bi­sche Quar­tett” ei­nen Plan aus­ge­ar­bei­tet, um „das pa­läs­ti­nen­si­sche Port­fo­lio zu ak­ti­vie­ren” durch Be­en­di­gung des Streits zwi­schen Ab­bas’ Fa­tah und der Ha­mas. Der Plan for­dert auch, die Spal­tung in­ner­halb der Fa­tah zu be­en­den, in­dem er ei­nem Teil ih­rer ver­trie­ben Füh­rer, dar­un­ter Mo­ha­med Dah­l­an, er­laubt, zur Frak­ti­on zu­rück­zu­keh­ren. Das über­ge­ord­ne­te Ziel des Plans ist es, die West­bank und den Ga­za­strei­fen un­ter ei­ner Be­hör­de zu ver­ei­nen und den Zu­stand der po­li­ti­schen An­ar­chie in den Ge­bie­ten von der Pa­läs­ti­nen­si­schen Au­to­no­mie­be­hör­de und der Ha­mas zu be­en­den. Das „ara­bi­sche Quar­tett” hat so­gar ei­nen Aus­schuss ge­bil­det, um die Um­set­zung et­wai­ger „Ver­söh­nungs­ver­ein­ba­run­gen”, die zwi­schen der Fa­tah und der Ha­mas, so­wie zwi­schen Ab­bas und sei­nen Geg­nern in der Fa­tah er­zielt wer­den, zu be­auf­sich­ti­gen. Ge­mäss dem Plan, wenn kei­ne sol­che Ver­ein­ba­rung er­reicht wird, dann wird die Ara­bi­sche Li­ga in­ter­ve­nie­ren und ei­ne „Ver­söh­nung er­zwin­gen” zwi­schen den ri­va­li­sie­ren­den pa­läs­ti­nen­si­schen Parteien.

Die Iro­nie, dass Ab­bas ei­ne Lö­sung sei­nes Splits mit der Dah­l­an Frak­ti­on und der Ha­mas auf­ge­zwun­gen wer­den könn­te, ist zu köst­lich. Sei­ne gro­ße In­itia­ti­ve ist schließ­lich, dass die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft ei­ne Lö­sung über Is­ra­el verhängt.

Ab­bas und die Fatah-​Führer in Ra­mal­lah sind da­von über­zeugt, dass die Mit­glie­der des „ara­bi­schen Quar­tetts” tat­säch­lich pla­nen, den Weg für die För­de­rung der „Nor­ma­li­sie­rung” zwi­schen der ara­bi­schen Welt und Is­ra­el zu eb­nen – und das al­les auf Kos­ten der Pa­läs­ti­nen­ser. Sie be­haup­ten, dass die vier ara­bi­schen Län­dern Dah­l­an be­nut­zen und för­dern, um ih­re Mis­si­on der An­nä­he­rung an Is­ra­el zu er­leich­tern. Die­se Län­der sind zu dem Schluss ge­kom­men, dass, so­lan­ge Ab­bas und die ak­tu­el­le PA-​Führung da sind, es sehr schwie­rig sein wür­de, jeg­li­che Form der „Nor­ma­li­sie­rung” oder Frie­dens­ver­trä­ge zwi­schen den ara­bi­schen Län­dern und Is­ra­el zu in­iti­ie­ren. Die Po­si­ti­on der PA-​Führung war im­mer, dass Frie­den zwi­schen den ara­bi­schen Län­dern und Is­ra­el erst nach, und nicht vor, der Lö­sung des israelisch-​palästinensische Kon­flik­tes kommt.

Bi­bis Vi­si­on von Frie­den zwi­schen Ara­bern und Is­ra­el, die er bei den Ver­ein­ten Na­tio­nen er­wähn­te, ist wei­ter als die Men­schen se­hen kön­nen – und Mahmoud Ab­bas ist das Haupt­hin­der­nis . Die ara­bi­sche Welt hat seit Jah­ren die Na­se voll von der Pa­läs­ti­nen­ser­fra­ge und die ara­bi­schen Füh­rer er­ken­nen, rich­ti­ger­wei­se, dass es die pa­läs­ti­nen­si­sche Sei­te ist, die je­de Chan­ce für den Frie­den blo­ckiert hat, in­dem sie dar­auf be­stand, ih­re ei­ge­nen For­de­run­gen in vol­lem Um­fang er­füllt ha­ben zu müs­sen, be­vor sie sich sel­ber bewegt.

In ei­ner Zeit, in der die ara­bi­sche Welt rea­le Geg­ner und rea­le Pro­ble­me hat, Pro­ble­me, die sie mit Is­ra­el teilt, wird die pa­läs­ti­nen­si­sche Po­si­ti­on im­mer we­ni­ger relevant.

Die Ris­se in der vor­geb­li­chen ara­bi­sche Ein­heit in der Fra­ge Is­ra­els wer­den im­mer größer.

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