«

»

Grenz­über­schrei­ten­de „Sied­lun­gen”

22.11.2016, Blog First One Through

Ju­den, die in ver­schie­de­nen Tei­len des Hei­li­gen Lan­des le­ben, sind für man­che Men­schen pro­ble­ma­tisch. Ver­schie­de­ne Aus­sa­gen und Hand­lun­gen im Herbst des Jah­res 2016 brach­ten di­ver­se Fra­gen öf­fent­li­che Auf­merk­sam­keit, doch nur we­ni­ge Leu­te ver­ste­hen, wel­che „Sied­lun­gen” tat­säch­lich „die Li­nie über­schrit­ten ha­ben”.

Um­zug der ame­ri­ka­ni­schen Bot­schaft nach Je­ru­sa­lem

(Nicht über die Grü­ne Li­nie hin­aus, kei­ne Grenz­über­schrei­tung)

Der ge­wähl­te Prä­si­dent Do­nald Trump gab nach sei­nem Wahl­sieg Er­klä­run­gen ab, dass er be­ab­sich­tig­te, die US-​Botschaft in Is­ra­el von Tel Aviv nach Je­ru­sa­lem zu ver­le­gen, was Is­ra­el längst als sei­ne Haupt­stadt be­zeich­net hat. Heu­te ist das nicht an­nä­hernd so um­strit­ten, wie es ein­mal war.

Die an­fäng­li­che Kon­tro­ver­se der An­er­ken­nung Je­ru­sa­lems als Is­ra­els Haupt­stadt stamm­te vom UNO-​Teilungsplan von 1947, der Groß-​Jerusalem und Groß-​Bethlehem zu ei­nem „cor­pus se­pa­ra­tum” er­klär­te, ei­ner in­ter­na­tio­na­len Zo­ne mit dem Na­men „Hei­li­ges Be­cken”. Wäh­rend die Ju­den den Vor­schlag ak­zep­tier­ten, ver­war­fen ihn die Ara­ber und bra­chen ei­nen Krieg vom Zaun, um den jü­di­schen Staat zu be­sei­ti­gen. Am En­de des Krie­ges be­herrsch­te Is­ra­el den west­li­chen Teil Je­ru­sa­lems, wäh­rend Jor­da­ni­en Groß-​Bethlehem und den öst­li­chen Teil Je­ru­sa­lems be­setzt hiel­ten. Jor­da­ni­en ver­trieb al­le Ju­den aus der Re­gi­on, ge­währ­te al­len Ara­bern (ins­be­son­de­re aus­ge­nom­men Ju­den) die Staats­bür­ger­schaft und an­nek­tier­ten die Re­gi­on in ei­nem Schach­zug, der von kei­nem Land der Welt an­er­kannt wur­de.

1947plan jerusalem

UNO-​Vorschlag von 1947 für das Hei­li­ge Be­cken, mit Groß-​Bethlehem und Groß-​Jerusalem

Wäh­rend die west­li­che Hälf­te Je­ru­sa­lems im­mer in­ner­halb der Waf­fen­still­stands­li­ni­en von 1949 /​ der Grü­nen Li­nie war, woll­ten vie­le Län­der ih­re Bot­schaf­ten nicht nach Je­ru­sa­lem ver­schie­ben, in der Er­war­tung, dass sich ei­ne Lö­sung ent­wi­ckeln wür­de, die ei­ne Zwei-​Staaten-​Lösung schafft und die auch die Fra­ge von Je­ru­sa­lem und Beth­le­hem klärt. Nach­dem Jor­da­ni­en im Jah­re 1967 Is­ra­el an­ge­grif­fen und das gan­ze Land öst­lich der Grü­nen Li­nie (EGL) ein­schließ­lich Beth­le­hem und dem öst­li­chen Teil Je­ru­sa­lems ver­lo­ren hat­te, er­schien ei­ne Lö­sung noch wei­ter ent­fernt.

In der Tat ver­än­der­ten sich die Din­ge.

  • 1980 er­wei­ter­te Is­ra­el die Gren­zen von Je­ru­sa­lem und er­klär­te, die Stadt, „voll­stän­dig und ver­ei­nigt, ist die Haupt­stadt von Is­ra­el.
  • 1988 gab Jor­da­ni­en al­le An­sprü­che an die EGL-​Ländereien auf, und 1994 un­ter­zeich­ne­te es ein Frie­dens­ab­kom­men mit Is­ra­el. Das Frie­dens­ab­kom­men an­er­kann­te die be­son­de­re Rol­le Jor­da­ni­ens am jü­di­schen Tem­pel­berg, gab aber Jor­da­ni­en kei­ner­lei Sou­ve­rä­ni­tät in Je­ru­sa­lem.
  • 1993, und dann 1995 un­ter­zeich­ne­ten die Is­rae­lis und die pa­läs­ti­nen­si­schen Ara­ber das Oslo-​I- bzw. das Oslo-​II-​Abkommen. Im Rah­men die­ser Ab­kom­men stimm­te die Pa­läs­ti­nen­si­sche Au­to­no­mie­be­hör­de (PA) ef­fek­tiv zu, dass Is­ra­el die Sou­ve­rä­ni­tät über den west­li­chen Teil Je­ru­sa­lems hat. Und als Teil die­ses Ab­kom­mens über­gab Is­ra­el der PA die Hälf­te des hei­li­gen Be­ckens, die Stadt Beth­le­hem.

Heu­te ist der ein­zi­ge Teil des hei­li­gen Be­ckens, der um­strit­ten bleibt, die öst­li­che Hälf­te von Je­ru­sa­lem. (Es gibt ter­ro­ris­ti­sche Grup­pen wie die Ha­mas, die sich wei­gern, die Rech­te Is­ra­els über den west­li­chen Teil Je­ru­sa­lem zu be­stä­ti­gen, aber, was das an­be­langt, lehnt die Ha­mas das Exis­tenz­recht Is­ra­els über­haupt ab.) Heu­te sind die ein­zi­gen Län­der, die nicht an­er­ken­nen, dass der west­li­che Teil von Je­ru­sa­lem Teil von Is­ra­el ist, die glei­chen Län­der, die nicht an das Exis­tenz­recht Is­ra­els glau­ben.

Das US-​Konsulat in Je­ru­sa­lem ist kei­ne Bot­schaft (Fo­to: FirstOneTh­rough)

Das Ver­schie­ben der US-​Botschaft nach Je­ru­sa­lem als sol­ches ist nicht mehr um­strit­ten, nicht mehr als die An­er­ken­nung des jü­di­schen Staa­tes. Der Kon­greß stimm­te dem Um­zug der Bot­schaft im Ok­to­ber 1995 be­reits zu, zum Zeit­punkt von Os­lo II. Al­ler­dings ha­ben US-​Präsidenten den Um­zug zu­rück­ge­hal­ten, da der um­fas­sen­de­re israelisch-​arabische Frie­den nach wie vor nicht ver­wirk­licht wor­den ist.

Der Um­zug der US-​Botschaft nach Je­ru­sa­lem ver­än­dert die Ver­hand­lun­gen zwi­schen den Is­rae­lis und den pa­läs­ti­nen­si­schen Ara­bern, die Frie­den schlie­ßen wol­len, nicht. Das Zu­rück­hal­ten des Um­zugs be­lohnt nur Ein­ti­tä­ten wie die Ha­mas, die im Krieg mit Is­ra­el sind.

Ju­den in Woh­nun­gen im Ost­teil von Je­ru­sa­lem

(Hin­ter der grü­nen Li­nie, doch kei­ne Grenz­über­schrei­tung)

Nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung der Stadt Je­ru­sa­lem im Sechs­ta­ge­krieg von 1967 zo­gen sie wie­der in die öst­li­che Hälf­te ih­rer hei­ligs­ten Stadt. Nicht nur kehr­ten sie ins jü­di­sche Vier­tel der Alt­stadt zu­rück, son­dern auch zu an­de­ren Ab­schnit­ten au­ßer­halb der al­ten Stadt­mau­ern, wie Sil­wan, das in der zwei­ten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts von je­me­ni­ti­schen Ju­den ge­grün­det wur­de.

Ju­den, die in das Ge­biet zu­rück­kehr­ten, wur­den von Ara­bern als um­strit­ten an­ge­se­hen, die Ju­den aus der Re­gi­on ver­trie­ben hat­ten, wäh­rend sie das Ge­biet von 1949 bis 1967 kon­trol­lier­ten. Das Völ­ker­recht er­klär­te je­doch ein­deu­tig: „Nie­mand darf von Pa­läs­ti­na aus­ge­schlos­sen wer­den al­lein auf­grund sei­ner Re­li­gi­on” (Pa­läs­tina­man­dat, Ar­ti­kel 15).

Und doch zog es US-​Präsident Oba­ma vor, die an­ti­se­mi­ti­sche Agen­da der Pa­läs­ti­nen­si­schen Au­to­no­mie­be­hör­de zu un­ter­stüt­zen, in­dem er Ju­den ver­ur­teil­te da­für, in Woh­nun­gen zu zie­hen, die sie le­gal in Sil­wan ge­kauft hat­ten. Im Ok­to­ber 2014 sag­te der Spre­cher des Wei­ßen Hau­ses Josh Ear­nest: „Die USA ver­ur­tei­len die jüngs­te Be­set­zung von Wohn­ge­bäu­den in der Nach­bar­schaft von Sil­wan durch Men­schen, de­ren Agen­da Span­nun­gen pro­vo­ziert.

Das Sze­na­rio war schwer zu er­grün­den. Der ers­te schwar­ze Prä­si­dent in der US-​Geschichte ver­ur­teil­te Men­schen für den Um­zug in ei­ne Nach­bar­schaft, weil die­se Ak­ti­on von den der­zei­ti­gen Be­woh­nern mit Feind­se­lig­keit an­ge­se­hen wur­de. Ob Oba­ma sich wohl auch auf die Sei­te wei­ßer Ras­sis­ten ge­schla­gen hät­te in den 1950er Jah­ren in Sel­ma, GA, die ge­gen die Schwar­zen wa­ren, die in die Nach­bar­schaft zo­gen?

Sil­wan, im Ost­teil von Je­ru­sa­lem (Fo­to: FirstOneTh­rough)

Die Woh­nun­gen, die die Ju­den ge­kauft hat­ten, be­fan­den sich in be­stehen­den Ge­bäu­den in ih­rer hei­ligs­ten Stadt. Die Ak­tio­nen als „Be­set­zung von Wohn­ge­bäu­den” zu cha­rak­te­ri­sie­ren, liess die Ak­ti­on wie ein mi­li­tä­ri­sches Ma­nö­ver ge­gen die Ara­ber aus­se­hen, nicht wie ei­ne Nor­ma­li­sie­rung ko­exis­tie­ren­der Men­schen.

Wäh­rend sich die Woh­nun­gen hin­ter der un­sicht­ba­ren Grü­nen Li­nie (die ein­deu­tig nicht als per­ma­nen­te Gren­ze de­fi­niert wur­de in der Waf­fen­still­stands­ver­ein­ba­rung von 1949) be­fan­den, lag die Obama-​Regierung völ­lig falsch mit der Be­ur­tei­lung, dass sol­che Ak­tio­nen die Gren­ze an­ge­mes­se­nen Ver­hal­tens über­schrit­ten.

Sied­lun­gen auf pri­va­tem palästinensich-​arabischem Land

(Hin­ter der grü­nen Li­nie und grenz­über­schrei­tend)

Am 15. No­vem­ber 2016 stimm­te die is­rae­li­sche Knes­set da­für, jü­di­sche Häu­ser in Ju­däa und Sa­ma­ria zu le­ga­li­sie­ren, die auf pri­va­tem pa­läs­ti­nen­si­schen Land ge­baut wur­den.

Das war falsch.

Das in­ter­na­tio­na­le Recht gab den Ju­den in Pa­läs­ti­na das Recht, über­all Le­ben zu dür­fen, wie in Ar­ti­kel 6 des Pa­läs­tina­man­dats be­schrie­ben „er­leich­tert die jü­di­sche Ein­wan­de­rung un­ter ge­eig­ne­ten Be­din­gun­gen und för­dert ei­ne en­ge Be­sied­lung durch Ju­den im Lan­de, ein­schließ­lich staat­li­cher Län­de­rei­en und nicht für öf­fent­li­che Zwe­cke be­nö­tig­tem Öd­land.” Aber Pri­vat­ei­gen­tum ist kein Staats­land. In der Ein­füh­rung von Ar­ti­kel 6 heißt es: „Die Ver­wal­tung von Pa­läs­ti­na, wäh­rend si­cher­ge­stellt wird, dass die Rech­te und die Stel­lung an­de­rer Be­völ­ke­rungs­grup­pen nicht be­ein­träch­tigt wer­den” Es ist un­ge­recht und un­mo­ra­lisch, das Pri­vat­ei­gen­tum ei­nes In­di­vi­du­ums zu ent­eig­nen, es sei denn, es gibt mil­dern­de Um­stän­de.

Dies scheint nicht ei­ner die­ser Fäl­le zu sein.


Es gibt ei­ne brei­te Be­we­gung, Ju­den zu de­le­gi­ti­mie­ren, die ir­gend­wo im Hei­li­gen Land le­ben. Das ist falsch und an­ti­se­mi­tisch. Je­doch soll­ten je­ne wi­der­li­chen Auf­ru­fe, Ju­den zu ver­trei­ben und ih­nen zu ver­bie­ten, in Häu­sern zu le­ben, die zu be­woh­nen sie je­des le­ga­le und mo­ra­li­sche Recht ha­ben, nicht die Rech­te der Ara­ber au­ßer Kraft set­zen, eben­falls auf ih­rem pri­va­ten Ei­gen­tum zu le­ben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

css.php