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Die Ge­fah­ren der Re­so­lu­ti­on 2334 des UNO-​Sicherheitsrates (2016)

Bot­schaf­ter Alan Baker, 26.12.2016, jcpa.org

Die vom UNO-​Sicherheitsrat am 23. De­zem­ber 2016 an­ge­nom­me­ne Re­so­lu­ti­on 2334 zur is­rae­li­schen Sied­lungs­po­li­tik wur­de mit ge­misch­ten und so­gar ex­tre­men Re­ak­tio­nen auf­ge­nom­men.

Die pa­läs­ti­nen­si­sche Füh­rung, die die Re­so­lu­ti­on in­iti­iert hat, fei­ert ih­re An­nah­me als ei­ne Be­stä­ti­gung der in­ter­na­tio­na­len Ge­mein­schaft, ein­schließ­lich der Ver­ei­nig­ten Staa­ten, ih­rer For­de­run­gen ge­gen Is­ra­el.

Is­ra­el sieht die­se Re­so­lu­ti­on als ein gro­ßes Hin­der­nis für die Fort­set­zung der Frie­dens­ver­hand­lun­gen an­ge­sichts der Tat­sa­che, dass sie den Ver­hand­lungs­pro­zess um­gan­gen hat, um zen­tra­le Fra­gen auf dem Ver­hand­lungs­tisch vor­weg­zu­neh­men. Sie be­ein­träch­tigt da­her ernst­haft je­de mög­li­che Rück­kehr zum Ver­hand­lungs­pro­zess.

Is­ra­el ist der Auf­fas­sung, dass die Re­so­lu­ti­on po­li­ti­sche An­rei­ze bie­tet für je­ne in der in­ter­na­tio­na­len is­rae­li­schen Staa­ten­ge­mein­schaft, die Is­ra­el feind­lich ge­gen­über­ste­hen. Sie schlägt Boy­kot­te und Sank­tio­nen vor und könn­te so­gar da­zu be­nutzt wer­den, mög­li­che Pro­zes­se ge­gen is­rae­li­sche Füh­rer zu un­ter­stüt­zen.

Zu­sam­men­fas­sung der Im­pli­ka­tio­nen

Im Fol­gen­den fin­den Sie ei­ne kur­ze Zu­sam­men­fas­sung der ju­ris­ti­schen und quasi-​juristischen Aus­wir­kun­gen der Re­so­lu­ti­on:

  1. Die Re­so­lu­ti­on (wie al­le frü­he­ren Re­so­lu­tio­nen über Is­ra­el) wur­de un­ter dem sechs­ten Ka­pi­tel der UNO-​Charta (Pa­ci­fic Sett­le­ment of Dis­pu­tes) ver­ab­schie­det und ist da­her nicht ver­pflich­tend. Sie ent­hält ei­ne Rei­he po­li­ti­scher Be­stim­mun­gen und Emp­feh­lun­gen für die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft. Die Re­so­lu­ti­on ist nicht Ge­setz, und als sol­che sind die Be­stim­mun­gen über die man­geln­de Rechts­gül­tig­keit der Sied­lun­gen Is­ra­els nicht mehr als de­kla­ra­to­risch.
  2. Ein Groß­teil der Ter­mi­no­lo­gie wie­der­holt die UNO-​Terminologie und Spra­che, die in frü­he­ren Re­so­lu­tio­nen des Si­cher­heits­ra­tes und der Ge­ne­ral­ver­samm­lung ver­wen­det wur­den („Un­zu­läs­sig­keit des Er­werbs von Ter­ri­to­ri­en mit Ge­walt”, „Pa­läs­ti­nen­si­sches Ter­ri­to­ri­um be­setzt seit 1967 ein­schließ­lich Ost­je­ru­sa­lem”, „si­che­re und an­er­kann­te Gren­zen”, „(schwer­wie­gen­de oder ekla­tan­te) Ver­let­zun­gen des Völ­ker­rechts”, die Be­zug­nah­men auf die man­geln­de Rechts­gül­tig­keit der Sied­lun­gen und ihr Sta­tus als „Hin­der­nis” oder „gro­ßes Hin­der­nis” für die Er­rei­chung ei­ner Zwei-​Staaten-​Lösung).
  3. Re­fe­ren­zen im zehn­ten prä­am­bu­la­ren Ab­satz auf die Tat­sa­che, dass „der Sta­tus quo nicht nach­hal­tig ist” und „die Ver­an­ke­rung ei­ner Ein-​Staaten-​Realität” sind neu und schei­nen in­spi­riert, oder di­rek­te Zi­ta­te, von Aus­sa­gen von Prä­si­dent Oba­ma, Staats­se­kre­tär Ker­ry und Vi­ze­prä­si­dent Bi­den.
  4. Eben­so sol­len Aus­drü­cke in frü­he­ren Re­so­lu­tio­nen des Si­cher­heits­ra­tes, die sich auf den Frie­dens­pro­zess be­zie­hen, wie et­wa die „Zwei-​Staaten-​Lösung auf der Grund­la­ge der 1967er Li­ni­en” (ope­ra­ti­ve Zif­fer 7) so­wie die Be­zug­nah­men im neun­ten Ab­satz auf die „Ara­bi­sche Frie­dens­in­itia­ti­ve” und das „Prin­zip Land für Frie­den” als zu­sätz­li­che Grund­la­gen für Frie­den ein­deu­tig Kon­zep­te ein­brin­gen, die nie­mals ver­ein­bar­te Ele­men­te des Ver­hand­lungs­pro­zes­ses wa­ren.
  5. Die Auf­for­de­rung an die Staa­ten im fünf­ten ope­ra­ti­ven Ab­satz, zwi­schen den Be­zie­hun­gen zwi­schen den is­rae­li­ti­schen und den Ter­ri­to­ri­en zu un­ter­schei­den, wird auch von BDS-​Aktivisten und Staa­ten ge­nutzt, um ih­re Boykott-​Kampagnen zu un­ter­mau­ern.
  6. Die Be­zug­nah­me im drit­ten ope­ra­ti­ven Ab­satz auf die „Li­ni­en vom 4. Ju­ni 1967” als Grund­la­ge für Ver­hand­lun­gen scheint ein neu­es Ele­ment zu sein, das Aus­sa­gen von Oba­ma und Ker­ry wi­der­spie­gelt und die der Re­so­lu­ti­on 242 des Si­cher­heits­rats von 1967, die die Grund­la­ge bil­det, wi­der­spricht, die die Ba­sis bil­det für den ge­sam­ten arabisch-​israelischen Frie­dens­pro­zeß, der Ver­hand­lun­gen über „si­che­re und an­er­kann­te Gren­zen” ver­langt. Das israelisch-​palästinensische Oslo-​Abkommen sieht kei­nen Be­zug zu den 1967er Li­ni­en. Als sol­ches wür­de die­se Be­zug­nah­me ein Ver­such dar­stel­len, die Ver­hand­lungs­fra­ge der Gren­zen vor­weg­zu­neh­men oder un­an­ge­mes­sen zu be­ein­flus­sen.
  7. Trotz der de­kla­ra­to­ri­schen und emp­feh­len­den Be­stim­mun­gen in der Re­so­lu­ti­on, die den Sta­tus der Territorien,Ost-Jerusalems, der Gren­zen und der Sied­lun­gen zu be­ein­träch­ti­gen ver­sucht, scheint sich die Re­so­lu­ti­on den­noch zu wi­der­spre­chen, in­dem sie den Auf­ruf zur Ver­hand­lun­gen über den „end­gül­ti­gen Sta­tus” (Ope­ra­ti­ve Zif­fer 8) und für ei­nen „um­fas­sen­den, ge­rech­ten und dau­er­haf­ten Frie­den” be­kräf­tigt.

Ana­ly­se

  1. Wäh­rend die Re­so­lu­ti­on die Re­so­lu­ti­on 242 des Si­cher­heits­rats nicht er­setzt, die die ak­zep­tier­te und ver­ein­bar­te Grund­la­ge für den israelisch-​arabischen Frie­dens­pro­zess dar­stellt, ent­hält sie doch Ele­men­te, die ver­su­chen, die Re­so­lu­ti­on 242 zu än­dern und den Ver­hand­lungs­pro­zess in ei­ner be­stimm­ten Rich­tung zu be­ein­flus­sen.
  2. Die Re­so­lu­ti­on an und für sich kann nicht als An­lass für Ge­richts­ver­fah­ren im In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hof (IStGH) oder an­de­ren in­ter­na­tio­na­len Ge­rich­ten die­nen. Aber klar wird sie von der pa­läs­ti­nen­si­schen Füh­rung als po­li­ti­sches In­stru­ment ver­wen­det, um be­stehen­de Be­schwer­den zu un­ter­mau­ern. Dies trotz der Tat­sa­che, dass die Fra­gen des pa­läs­ti­nen­si­schen Sta­tus ge­gen­über dem IStGH und die Zu­stän­dig­keit des Ge­richts über die Ter­ri­to­ri­en noch recht­lich über­prüft wer­den müs­sen. Die Tat­sa­che, dass der IStGH-​Staatsanwalt den Bei­tritt des „Staa­tes Pa­läs­ti­na” zum IStGH-​Statut an­er­kannt hat und sei­ne Be­schwer­den ak­zep­tiert hat, sind po­li­ti­sche Ent­schei­dun­gen.
  3. Die Ver­ei­nig­ten Staa­ten ha­ben durch ih­re Ent­schei­dung, ge­gen die Re­so­lu­ti­on kein Ve­to ein­zu­le­gen, die An­nah­me ei­ner Re­so­lu­ti­on des Si­cher­heits­ra­tes un­ter Be­zug­nah­me auf „be­setz­tes pa­läs­ti­nen­si­sches Ter­ri­to­ri­um ein­schließ­lich Ost­je­ru­sa­lem” er­mög­licht. Dies deu­tet auf die Ak­zep­tanz der Tat­sa­che hin, dass die Ter­ri­to­ri­en und Ost­je­ru­sa­lem den Pa­läs­ti­nen­sern ge­hö­ren. Dies trotz der Be­haup­tung, dass die Ver­ei­nig­ten Staa­ten mit Is­ra­el ein­ver­stan­den sind, dass es nie ei­ne ge­setz­li­che Be­stim­mung, ei­ne Ver­ein­ba­rung, ei­nen Ver­trag oder ei­ne an­de­re bin­den­de Quel­le ge­ge­ben hat, die das be­stimmt.
  4. Dies stellt ei­ne ernst­haf­te und so­gar un­ver­ant­wort­li­che Ab­kehr von der US-​Politik dar, die sich kon­se­quent für ei­ne aus­ge­han­del­te Lö­sung der Fra­gen des dau­er­haf­ten Sta­tus, Je­ru­sa­lems und der Gren­zen ein­setzt.
  5. Die­se Po­si­tio­nie­rung der Ver­ei­nig­ten Staa­ten (wie auch der üb­ri­gen Mit­glie­der des Si­cher­heits­ra­tes) un­ter­gräbt auch die grund­le­gen­de Ver­pflich­tung des Ab­kom­mens von Os­lo, die von der PLO un­ter­zeich­net und von den Ver­ei­nig­ten Staa­ten (so­wie der EU, Russ­land, Ägyp­ten und an­de­ren) be­zeugt wur­de, dass der per­ma­nen­te Sta­tus der Ter­ri­to­ri­en, die Fra­gen von Je­ru­sa­lem und die Gren­zen ver­han­delt wer­den sol­len.
  6. Wäh­rend die Ver­ei­nig­ten Staa­ten und Is­ra­el grund­le­gen­de Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten über die Sied­lungs­po­li­tik un­ter­hiel­ten, ha­ben die Ver­ei­nig­ten Staa­ten nach wie vor grund­sätz­lich je­den Ver­such der in­ter­na­tio­na­len Ge­mein­schaft ab­ge­lehnt, die­se oder an­de­re dau­er­haf­te Ver­hand­lungs­pro­ble­me vor­weg­zu­neh­men.
  7. Die von Is­ra­el ge­äu­ßer­te Em­pö­rung er­gibt sich aus fünf Grund­kom­po­nen­ten:
    • Der Wort­laut der Re­so­lu­ti­on, de­ren Um­fang an ver­wen­de­ter ver­ur­tei­len­der Spra­che noch nie da­ge­we­sen ist.
    • Is­ra­els Frus­tra­ti­on über das un­ver­ant­wort­li­che Ver­hal­ten der Obama-​Regierung.
    • Die of­fen­sicht­li­che Un­um­kehr­bar­keit der Re­so­lu­ti­on und das Po­ten­zi­al für zu­künf­ti­ge Schä­den.
    • Das Un­gleich­ge­wicht zwi­schen An­schul­di­gun­gen von is­rae­li­schen Ver­let­zun­gen des Oslo-​Abkommens und den ekla­tan­ten Ver­let­zun­gen des Völ­ker­rechts durch die Pa­läs­ti­nen­ser in ih­rer Auf­sta­che­lung und Be­loh­nun­gen für und Be­zah­lun­gen an Ter­ro­ris­ten.
    • Die Fra­ge der Sied­lun­gen ist nicht der Kern des Kon­flikts. Es bleibt die Wei­ge­rung der Pa­läs­ti­nen­ser, den jü­di­schen Staat und sein Recht auf ei­nen Teil des Lan­des west­lich des Jor­dans an­zu­er­ken­nen.

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