«

»

Fran­zö­si­sche Wah­len: Em­ma­nu­el Ma­cron, ei­ne Katastrophe

Gui Mil­liè­re, 1.5.2017, Gatestone Institute

  • Anti-​westliche, anti-​israelische und anti-​jüdische Schmäh­re­den wur­den vor ei­ner be­geis­ter­ten Mas­se von bär­ti­gen Män­nern und ver­schlei­er­ten Frau­en ge­hal­ten. Ein­hun­dert­fünf­zig­tau­send Men­schen wa­ren da.
  • Em­ma­nu­el Ma­cron ver­sprach, den Bau von Mo­sche­en in Frank­reich zu er­leich­tern. Er er­klär­te, dass „fran­zö­si­sche Kul­tur nicht exis­tiert” und dass er fran­zö­si­sche Kunst „nie ge­se­hen” hat. Das Ri­si­ko ist hoch, dass Ma­cron die Fran­zo­sen noch schnel­ler ent­täu­schen wird als Hollande.
  • Am Abend des zwei­ten Wahl­gangs wer­den die Men­schen in den schi­cken Vier­teln von Pa­ris und in den Mi­nis­te­ri­en Par­ties fei­ern. In den Be­zir­ken, in de­nen ar­me Leu­te le­ben, wer­den Au­tos in Brand ge­setzt wer­den. Seit mehr als ei­nem Jahr­zehnt wer­den, wenn es in Frank­reich et­was zu fei­ern gibt, in den Be­zir­ken, in de­nen ar­me Leu­te le­ben, Au­tos in Brand ge­setzt. Un­assi­mi­lier­te Mi­gran­ten ha­ben ih­re ei­ge­nen Traditionen.

Em­ma­nu­el Ma­cron, da­mals Mi­nis­ter für Wirt­schaft, In­dus­trie und Di­gi­ta­le An­ge­le­gen­hei­ten Frank­reichs, auf der Jah­res­ta­gung 2016 des Welt­wirt­schafts­fo­rums in Da­vos, Schweiz, 22. Ja­nu­ar 2016. (Bild­quel­le: Welt­wirt­schafts­fo­rum /​ Mi­che­le Limina)

Pa­ris, Champs Ely­sees, 20. April, 20:50 Uhr. Ein is­la­mi­scher Ter­ro­rist schießt auf ei­nen Strei­fen­wa­gen der Po­li­zei. Ein Po­li­zist wird ge­tö­tet, ein an­de­rer schwer verwundet.

Der Ter­ro­rist ver­sucht zu ent­kom­men und schießt er­neut. Die Po­li­zis­ten tö­ten ihn. Ei­ne Stun­de spä­ter ent­hüllt das fran­zö­si­sche In­nen­mi­nis­te­ri­um sei­nen Na­men und sei­ne Ver­gan­gen­heit. Sein Na­me ist Ka­rim Cheur­fi. Er ist ein fran­zö­si­scher Mus­lim, der in ei­nem is­la­mi­sier­ten Vor­ort in Frank­reich ge­bo­ren wur­de. Im Jahr 2003 wur­de er zu zwan­zig Jah­ren Ge­fäng­nis ver­ur­teilt we­gen des ver­such­ten Mor­des an zwei Po­li­zis­ten. Er wur­de vor Ab­lauf sei­ner Stra­fe frei­ge­las­sen. Im Jahr 2014 ziel­te er auf ei­nen Po­li­zis­ten und wur­de er­neut ver­ur­teilt. Und wie­der frei­ge­las­sen. Im März wur­de der Po­li­zei mit­ge­teilt, dass er ver­such­te, mi­li­tä­ri­sche Waf­fen zu kau­fen, und dass er ein Mit­glied des is­la­mi­schen Staa­tes in Sy­ri­en kon­tak­tier­te. Ein In­spek­tor ent­deck­te, dass er Nach­rich­ten ver­öf­fent­licht hat­te über dschi­ha­dis­ti­sche So­ci­al Me­dia Netz­wer­ke, die sei­ne Be­reit­schaft zum Mord an Po­li­zis­ten aus­drück­ten. Die Po­li­zei durch­such­te sein Haus und fand meh­re­re Waf­fen und ei­ne Go­Pro Vi­deo­ka­me­ra ähn­lich wie sie Ter­ro­ris­ten be­nut­zen, um ih­re Ver­bre­chen zu fil­men. Die Po­li­zei und die Mit­glie­der des fran­zö­si­schen Jus­tiz­sys­tems glaub­ten, sie hät­ten nicht ge­nü­gend Be­wei­se, um ihn über­wa­chen zu lassen.

Der An­griff auf den Champs Ely­sées zeigt deut­lich, dass das fran­zö­si­sche Jus­tiz­sys­tem für ge­fähr­li­che Men­schen lax ist und dass die fran­zö­si­sche Po­li­zei nur we­nig Auf­merk­sam­keit auf Ver­däch­ti­ge lenkt, die mit ter­ro­ris­ti­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen kom­mu­ni­zie­ren und Ter­ror­pro­jek­te hegen.

Die­ser Ter­ror­an­schlag fasst al­les zu­sam­men, was heu­te in Frank­reich in Sa­chen Si­cher­heit im Ar­gen liegt.

Män­ner mit ei­nem Pro­fil ähn­lich dem von Ka­rim Cheur­fi wa­ren in den letz­ten Jah­ren für die meis­ten Ter­ror­an­schlä­ge in Frank­reich und Bel­gi­en ver­ant­wort­lich: Mo­ha­med Me­rah, der im Jahr 2012 drei jü­di­sche Kin­der und den Va­ter von zwei­en von ih­nen in Tou­lou­se ge­tö­tet hat; Meh­di Nem­mou­che, der 2014 das Brüs­se­ler Jü­di­sche Mu­se­um an­griff; Die Kouachi-​Brüder, die das Charlie-​Hebdo-​Massaker im Jahr 2015 be­gan­gen ha­ben; Ame­dy Cou­li­ba­ly, der vier Ju­den im Saint Mandé-​Kosher-​Geschäft er­mor­de­te; Sa­my Ami­mour und an­de­re, die im No­vem­ber 2015 130 un­schul­di­ge Men­schen im Bataclan-​Theater ver­stüm­mel­ten und er­mor­de­ten; Mo­ha­med La­houaiej Bouh­lel, der im Ju­li 2016 in Niz­za ei­nen LKW in die Men­ge steu­er­te, 86 Men­schen tö­te­te und vie­le an­de­re ver­wun­de­te, und un­ter an­de­rem die­je­ni­gen, die ein paar Wo­chen nach dem An­griff in Niz­za in der Nor­man­die ei­nen Pries­ter enthaupteten.

Die auf­ein­an­der­fol­gen­den fran­zö­si­schen Re­gie­run­gen un­ter der Prä­si­dent­schaft von François Hol­lan­de zeig­ten sich schreck­lich schwach und impotent.

Ein Kli­ma der Angst hat das Land ein­ge­holt. Die Teil­nah­me an Thea­ter­vor­füh­run­gen ist zu­rück­ge­gan­gen. Die be­son­ders oft an­ge­grif­fe­ne jü­di­sche Ge­mein­de – zwei Drit­tel der An­grif­fe in Frank­reich in den letz­ten fünf Jah­ren ziel­ten auf Ju­den – fühlt sich im Stich ge­las­sen. Als am 30. März in Wald­wis­se, Ost­frank­reich, ein jü­di­scher Fried­hof van­da­li­siert wur­de, re­agier­ten we­der die Me­di­en noch die po­li­ti­schen Füh­rer. Ei­ne Wo­che spä­ter wur­de in Pa­ris ei­ne jü­di­sche Frau na­mens Sa­rah Ha­li­mi ge­fol­tert und dann von ei­nem nicht ra­di­ka­li­sier­ten Mus­lim aus ei­nem Fens­ter ge­wor­fen, nur weil sie jü­disch war: die fran­zö­si­schen Me­di­en und die po­li­ti­schen Füh­rer, mit Aus­nah­me des mu­ti­gen Ab­ge­ord­ne­ten Mey­er Ha­bib, re­agier­ten eben­falls nicht. Ei­ne schwei­gen­de Ver­samm­lung un­ter dem Fens­ter wur­de von ei­ni­gen Füh­rern der jü­di­schen Ge­mein­de or­ga­ni­siert. Nur Ju­den ka­men; Sie wur­den von an­ti­se­mi­ti­schen Be­lei­di­gun­gen von ara­bi­schen Mus­li­men in der Nach­bar­schaft be­grüßt. Die Im­plan­ta­ti­on des ra­di­ka­len Is­lam im Land ver­stärkt sich. Das jähr­li­che Tref­fen der „Mus­li­me Frank­reichs” (der neue Na­me des fran­zö­si­schen Zwei­ges der Mus­lim­bru­der­schaft) fand am 14./17. April in Le Bour­get, zehn Mei­len nörd­lich von Pa­ris, statt. Anti-​westliche, anti-​israelische und anti-​jüdische Schmäh­re­den wur­den vor be­geis­ter­ten Mas­sen von bär­ti­gen Män­nern und ver­schlei­er­ten Frau­en ge­hal­ten. Ein­hun­dert­fünf­zig­tau­send Men­schen wa­ren dabei.

Wirt­schaft­lich ist Frank­reich in schreck­li­cher Form. Die Ar­beits­lo­sen­quo­te liegt über 10%. Neun Mil­lio­nen Men­schen le­ben un­ter­halb der Ar­muts­gren­ze – 14% der Be­völ­ke­rung. Das Wirt­schafts­wachs­tum sta­gniert. Die Staats­aus­ga­ben ma­chen 57% des BIP aus – 13% mehr als in Deutsch­land, dem wich­tigs­ten Wett­be­wer­ber Frank­reichs in Europa.

Mo­nat für Mo­nat zei­gen Um­fra­gen, dass die fran­zö­si­sche Be­völ­ke­rung ängst­lich, wü­tend, un­er­mess­lich ent­täuscht ist von der ak­tu­el­len fran­zö­si­schen Po­li­tik. François Hol­lan­de be­en­det sei­ne Amts­zeit mit ei­ner Be­liebt­heit in der Nä­he von Null. Er wur­de so ab­ge­lehnt und dis­kre­di­tiert, dass er sich ent­schloss, nicht wie­der für die Prä­si­dent­schaft anzutreten.

Der ers­te Wahl­gang der fran­zö­si­schen Prä­si­dent­schafts­wahl fand in die­sem Zu­sam­men­hang statt und man könn­te er­war­ten, dass die fran­zö­si­sche Be­völ­ke­rung al­les ab­leh­nen wür­de, was wie die Po­li­tik von François Hol­lan­de aus­sieht und statt­des­sen ei­ne neue Rich­tung für das Land wählt.

Das ist nicht was pas­siert ist, ganz im Gegenteil.

Be­noit Ha­mon, der Kan­di­dat der So­zia­lis­ti­schen Par­tei, er­litt ei­nen ka­ta­stro­pha­len Schlag und er­hielt nur 6% der Stim­men. Jean-​Luc Mé­len­chon, ein weit Links ste­hen­der Kan­di­dat, der vor ei­ni­gen Jah­ren die So­zia­lis­ti­sche Par­tei ver­ließ und im Jahr 2012 Hol­lan­de un­ter­stütz­te, er­hielt ei­ne viel hö­he­re Punkt­zahl: 19% der Stim­men. Er ist ein Be­wun­de­rer von Hu­go Cha­vez, Fi­del Cas­tro und dem ver­stor­be­nen pa­läs­ti­nen­si­schen Füh­rer Jas­sir Ara­fat. Un­mit­tel­bar nach dem an­ti­se­mi­ti­schen is­la­mi­schen An­griff in Saint Man­dé be­haup­te­te er, dass „der jü­di­sche Ex­tre­mis­mus ge­fähr­li­cher ist als der is­la­mi­sche Ex­tre­mis­mus”. Die­se Aus­sa­ge hat ihm nicht geschadet.

Vor al­lem aber hat Em­ma­nu­el Ma­cron, ein Kan­di­dat, der Hol­lan­de na­he steht, das Ren­nen ge­won­nen und wird am 7. Mai zum Prä­si­den­ten ge­wählt. Er war seit mehr als zwei Jah­ren Hol­lan­des Wirt­schafts­be­ra­ter und der Haupt­ar­chi­tekt von Hol­lan­des ge­schei­ter­ter Wirt­schafts­po­li­tik. Er wur­de dann Mi­nis­ter für Wirt­schaft, In­dus­trie und Di­gi­ta­le An­ge­le­gen­hei­ten und hielt die­sen Pos­ten, bis er das Prä­si­dent­schafts­ren­nen betrat.

Die meis­ten Re­den von Ma­cron sind Ko­pi­en der Re­den, die Hol­lan­de wäh­rend sei­ner Prä­si­dent­schafts­kam­pa­gne 2012 ge­hal­ten hat. Was von Ma­crons Po­si­tio­nen zu den meis­ten The­men be­kannt ist, zeigt, dass sie die glei­chen Po­si­tio­nen sind, die Hol­lan­de in den letz­ten Mo­na­ten sei­nes Man­dats hatte.

Wäh­rend der gan­zen Kam­pa­gne re­de­te Ma­cron prak­tisch nie über die Ge­fahr des is­la­mi­schen Ter­rors; Als er es tat, be­nutz­te er so­gar noch schwä­che­re Wor­te wie Hol­lan­de. Nach dem An­griff auf den Champs Ely­sees vom 20. April sag­te er: „un­vor­her­seh­ba­re” Er­eig­nis­se sei­en auf­ge­tre­ten, und sie wür­den „Teil des täg­li­chen Le­bens der Fran­zo­sen sein in den kom­men­den Jah­ren”. Am nächs­ten Tag, als er ge­fragt wur­de, was er tun wür­de, um wei­te­re Mor­de zu ver­hin­dern, sag­te er, dass er nicht „über Nacht ei­nen Plan ent­wi­ckeln kön­ne, um den Ter­ro­ris­mus zu bekämpfen.”

Wenn er über die Wirt­schaft spricht, klingt er wie Hol­lan­de: Er be­nutzt va­ge Be­grif­fe, wie die Not­wen­dig­keit für mehr „so­zia­le Mo­bi­li­tät” und „Er­folg für al­le”. Er be­harrt dar­auf, dass er die gan­ze Skle­ro­se, die vie­len so teu­er ist, wie die ob­li­ga­to­ri­sche 35-​stündige Ar­beits­wo­che oder das ge­setz­li­che Al­ter für den Ru­he­stand, bei­be­hal­ten wird: 62. Er sag­te, er wür­de das fast bank­rot­te Ren­ten­sys­tem so las­sen, wie es ist. Er ver­sprach zu­sätz­li­che Re­ge­lun­gen, die „den Pla­ne­ten ret­ten” sol­len, und in ei­ner klassisch-​sozialistischen Wei­se soll­ten zehn Mil­li­ar­den Regierungs- „In­ves­ti­tio­nen” den „öko­lo­gi­schen Über­gang” und „öf­fent­li­che Dienst­leis­tun­gen” finanzieren.

Manch­mal macht er der­mas­sen ent­täu­schen­de Be­mer­kun­gen, die nicht ein­mal Hol­lan­de ge­sagt hät­te. In Al­ge­ri­en, in An­we­sen­heit der Ver­tre­ter der Na­tio­na­len Be­frei­ungs­front, ei­ner Or­ga­ni­sa­ti­on, die durch Ter­ro­ris­mus an die Macht kam und Hun­dert­tau­sen­de „Har­kis” (Al­ge­ri­er, die Frank­reich ge­wählt hat­ten) mas­sa­krier­te, sag­te er, dass die fran­zö­si­sche Prä­senz in Al­ge­ri­en ein „Ver­bre­chen ge­gen die Mensch­lich­keit” ge­we­sen sei, und spä­ter ver­sprach er, die Ein­wan­de­rung aus der ara­bi­schen Welt und von Afri­ka nach Frank­reich zu er­leich­tern, in­dem er ein „of­fe­nes und ein­la­den­des” Frank­reich be­wah­ren wer­de. Er ver­sprach, den Bau von Mo­sche­en in Frank­reich zu er­leich­tern. Er er­klär­te, dass „fran­zö­si­sche Kul­tur nicht exis­tiert” und dass er fran­zö­si­sche Kunst „nie ge­se­hen” habe.

Er hat oft ge­zeigt, dass er ein po­li­ti­scher An­fän­ger ist und dass es sein ers­ter Wahl­kampf ist. Er stol­per­te über die Wor­te sei­ner Re­den und gab ge­gen­über sei­nen Zu­hö­rern zu, dass er die Be­deu­tung der Sät­ze, die er ge­ra­de ge­le­sen hat­te, nicht ver­stand, was de­mons­trier­te, dass er nicht ge­le­sen hat­te, was für ihn ge­schrie­ben wur­de, be­vor er es der Öf­fent­lich­keit vorlas.

Wie lässt ich sein Er­folg un­ter die­sen Be­din­gun­gen erklären?

Die ers­te Er­klä­rung liegt in der Eli­mi­na­ti­on des Kan­di­da­ten der mo­de­ra­ten Rech­ten. François Fil­lon hat­te ein glaub­wür­di­ges und ko­hä­ren­tes Pro­gramm für die Er­ho­lung des Lan­des, aber er konn­te kaum dar­über spre­chen. Sei­ne Kam­pa­gne ver­sank rasch in ei­nem Skan­dal um ge­fälsch­te Ar­beits­ver­trä­ge. Er stell­te sich als ein ta­del­lo­ser Kan­di­dat vor, doch er er­schien nicht ganz so oh­ne Ta­del. Ein vor kur­zem ver­öf­fent­lich­tes Buch zeig­te, dass der Skan­dal sorg­fäl­tig von ei­nem „Schat­ten­ka­bi­nett” im Ely­sé­pa­last or­ches­triert wor­den war. Fil­lon konn­te sich nicht mehr da­von er­ho­len. Sei­ne Ent­schul­di­gun­gen wa­ren schwach und wi­der­sprüch­lich. Er be­stä­tig­te sei­ne Schwä­che, in­dem er so­fort nach der Ver­öf­fent­li­chung der Er­geb­nis­se des ers­ten Wahl­gangs sei­ne be­din­gungs­lo­se Un­ter­stüt­zung für Ma­cron be­kannt gab. Zum ers­ten Mal in mehr als fünf­zig Jah­ren wird die ge­mä­ßig­te Rech­te im zwei­ten Wahl­gang ei­ner fran­zö­si­schen Prä­si­dent­schafts­wahl kei­nen Kan­di­da­ten ha­ben. Ih­re ei­ge­ne Schwä­che zei­gend, folg­ten die meis­ten dem Bei­spiel des ge­mä­ßig­ten rech­ten Füh­rers Fil­lon und be­schlos­sen, Ma­cron zu un­ter­stüt­zen.

Die zwei­te Er­klä­rung für den Er­folg von Em­ma­nu­el Ma­cron liegt in ei­ner sehr aus­ge­klü­gel­ten Kommunikationsstrategie.

Em­ma­nu­el Ma­cron pro­fi­tier­te kon­ti­nu­ier­lich von der Un­ter­stüt­zung durch François Hol­lan­de und den meis­ten der so­zia­lis­ti­schen Mi­nis­ter der letz­ten fünf Jah­re, doch ei­ne an­geb­lich neu­tra­le und un­po­li­ti­sche po­li­ti­sche Struk­tur wur­de für ihn ge­schaf­fen. Sie heißt En mar­che! („Un­ter­wegs!”). Die so­zia­lis­ti­schen Mi­nis­ter, die sich ihm an­ge­schlos­sen ha­ben, de­mons­trier­ten für En mar­che! und blie­ben an­sons­ten ru­hig. Fran­cois Hol­lan­de kün­dig­te sei­ne vol­le Un­ter­stüt­zung sehr spät im Wahl­kampf an. Die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gie könn­te funk­tio­nie­ren, denn Em­ma­nu­el Ma­cron er­hielt die Un­ter­stüt­zung der Lin­ken Mil­li­ar­dä­re, de­nen er ge­hol­fen hat­te, als er Wirt­schafts­mi­nis­ter war und die en­ge Be­zie­hun­gen zu den Macht­ha­bern ha­ben: Pierre Ber­gé, Xa­vier Niel und Pa­trick Drahi. Die­se Leu­te be­sit­zen auch die meis­ten fran­zö­si­schen Mainstream-​Medien und konn­ten star­ke Me­di­en­kam­pa­gnen zur Un­ter­stüt­zung von Ma­cron durch­füh­ren. Kein Kan­di­dat in der Ge­schich­te der fran­zö­si­schen Prä­si­dent­schafts­wahl brach­te es auf die Co­ver von so vie­len Zeit­schrif­ten und Zei­tun­gen. Em­ma­nu­el Ma­cron ge­nießt auch die Un­ter­stüt­zung der wich­tigs­ten fran­zö­si­schen In­vest­ment­ban­ken: Er ist Ab­sol­vent der Eco­le Na­tio­na­le d’Administration, die al­le hoch­ran­gi­gen Be­am­ten und fast al­le fran­zö­si­schen Po­li­ti­ker seit ih­rer Grün­dung im Jah­re 1945 aus­bil­de­te und hat­te, vor dem Ein­tritt in Fran­cois Hol­lan­des Ka­bi­nett, ei­ne Kar­rie­re in ei­nem Finanzinstitut

Die drit­te Er­klä­rung für den Er­folg von Em­ma­nu­el Ma­cron ist, dass die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kam­pa­gne zu sei­nen Guns­ten weit­ge­hend oh­ne po­li­ti­schen In­halt ist, ge­nau­so wie En mar­che!. Er wur­de als jun­ger Mann prä­sen­tiert, der die „Zu­kunft” ver­kör­pert, ei­ne „Er­neue­rung”, ei­ne „Hoff­nung”, ei­ne „Ver­än­de­rung”. Für den gröss­ten Teil der Kam­pa­gne hat­te Em­ma­nu­el Ma­cron kein Pro­gramm. Sein Pro­gramm wur­de erst sechs Wo­chen vor der Wahl im In­ter­net ver­öf­fent­licht. Der Text ist oft oh­ne Sinn. Angst wird de­fi­niert als „täg­li­che Qual”. Es sagt, Frank­reich müs­se „Chan­cen” bie­ten und Eu­ro­pa müs­se ei­ne „Chan­ce” sein. Em­ma­nu­el Ma­cron sag­te den So­zia­lis­ten, dass er ein So­zia­list sei, dann sag­te er, dass er über­haupt kein So­zia­list sei, als er ein an­de­res Pu­bli­kum an­sprach. Mei­nungs­um­fra­gen ha­ben ge­zeigt, dass vie­le von de­nen, die im ers­ten Wahl­gang für ihn stimm­ten, sei­ne Vor­schlä­ge zu be­lie­bi­gen The­men nicht kannten.

Die­je­ni­gen, die die Kam­pa­gne von Em­ma­nu­el Ma­cron ent­war­fen, be­zo­gen ei­ne Men­ge In­spi­ra­ti­on von Ba­rack Oba­mas Prä­si­dent­schafts­kam­pa­gne von 2008, und das Er­geb­nis zeigt, dass sie recht hatten.

Das Er­geb­nis ist auch sehr be­un­ru­hi­gend, denn es zeigt, dass ei­ne mas­si­ve Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kam­pa­gne ef­fek­tiv sein kann, auch wenn sie In­halt­leer ist und die Wäh­ler als Idio­ten zu be­trach­ten scheint. Die Kam­pa­gnen­wirk­sam­keit von Em­ma­nu­el Ma­cron ist auch dar­auf zu­rück­zu­füh­ren, dass in Frank­reich prak­tisch kei­ne Me­di­en im Wi­der­spruch zu dem ste­hen, was in den Mainstream-​Medien ge­sagt wird: Die fran­zö­si­sche Wirt­schaft ist ei­ne sehr staat­li­che Wirt­schaft, in der die Me­di­en­un­ab­hän­gig­keit von der Re­gie­rung und die Schaf­fung und Er­hal­tung von Me­di­en un­ab­hän­gig von staat­li­chen Sub­ven­tio­nen fast un­mög­lich ist.

Der zwei­te Wahl­gang der fran­zö­si­schen Prä­si­dent­schafts­wahl fin­det am 7. Mai statt. Em­ma­nu­el Ma­cron wird der ein­zi­gen ver­blei­ben­den Kan­di­da­tin, der po­pu­lis­ti­schen Ma­ri­ne Le Pen, begegnen.

Wäh­rend der ge­sam­ten Kam­pa­gne war sie fast die ein­zi­ge, die klar über die is­la­mi­sche ter­ro­ris­ti­sche Be­dro­hung re­de­te (auch François Fil­lon, aber dis­kre­ter) und glaub­wür­di­ge Lö­sun­gen an­zu­bie­ten hat­te, um sie zu be­kämp­fen. Sie war die ein­zi­ge, die über den Auf­stieg des ra­di­ka­len Is­lam in Frank­reich sprach und die Ver­samm­lung der Mus­lim­bru­der­schaft in Le Bour­get ver­ur­teil­te. Sie war die ein­zi­ge, die die zu­neh­men­den Ge­fah­ren aus un­kon­trol­lier­ter Ein­wan­de­rung her­vor­hob, und das Ri­si­ko, dass die fran­zö­si­sche Kul­tur ver­schwin­det. Sie war auch die ein­zi­ge, die den de­mo­gra­fi­schen Wan­del in Frank­reich und in Eu­ro­pa we­gen der neu­en Mi­gran­ten er­wähn­te. Sie war die ein­zi­ge, die den is­la­mi­schen An­ti­se­mi­tis­mus ver­ur­teil­te, der un­ab­läs­sig Ju­den in Frank­reich tö­tet. Lei­der hat sie ein fast mar­xis­ti­sches Wirt­schafts­pro­gramm, in der Nä­he von Jean Luc Me­len­chon. Sie ist Füh­re­rin des Front Na­tio­nal, ei­ner Par­tei, die von ih­rem Va­ter ge­grün­det wur­de, ei­nem An­ti­se­mi­ten, Jean-​Marie Le Pen; Ob­wohl sie ih­ren Va­ter und fast al­le sei­ne an­ti­se­mi­ti­schen Freun­de aus dem Front Na­tio­nal aus­ge­schlos­sen hat, ist sie doch die Par­tei­füh­re­rin und gilt als Toch­ter ih­res Vaters.

Ma­ri­ne Le Pen und der Front Na­tio­nal wer­den als Vo­gel­scheu­chen be­nutzt, um die Wäh­ler da­zu zu brin­gen, sich mas­siv hin­ter Ma­cron zu stel­len, im Na­men ei­ner „re­pu­bli­ka­ni­schen Front” ge­gen den „Fa­schis­mus”. Die Stra­te­gie wur­de vor drei­ßig Jah­ren von der fran­zö­si­schen Lin­ken un­ter Prä­si­dent Fran­cois Mit­ter­rand ent­wi­ckelt. Es hat im­mer funk­tio­niert, und in ein paar Ta­gen wird es wie­der funktionieren.

Ma­cron hat jetzt die Un­ter­stüt­zung der ge­sam­ten so­zia­lis­ti­schen Par­tei und die Un­ter­stüt­zung von fast al­len an­de­ren Po­li­ti­kern. Er hat auch die Un­ter­stüt­zung al­ler fran­zö­si­schen mus­li­mi­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen. Der Rek­tor der Gro­ßen Mo­schee von Pa­ris sag­te, dass Mus­li­me „mas­siv für ihn” stim­men müss­ten. Die jü­di­schen Ge­mein­de­füh­rer de­mons­trier­ten eben­falls im Na­men von Ma­cron. Am 7. Mai wird er wahr­schein­lich mehr als 60% der Stim­men bekommen.

Die meis­ten wer­den nicht auf der Un­ter­stüt­zung ei­nes Pro­jekts be­ru­hen; Das Ri­si­ko ist hoch, dass Ma­cron die Fran­zo­sen noch schnel­ler ent­täu­schen wird als Hol­lan­de. Die Fran­zo­sen könn­ten rasch ent­de­cken, dass er nur ein Mann ist, der von der fran­zö­si­schen Lin­ken ge­wählt wur­de, um ei­nen nicht nach­hal­ti­gen Sta­tus quo ein we­nig län­ger zu be­wah­ren, und ein Mit­glied der selbst er­nann­ten Eli­ten, die sich nicht um die Pro­ble­me der ein­fa­chen Men­schen küm­mern, die die­se ter­ro­ris­ti­schen Hand­lun­gen als „un­vor­her­seh­ba­re Er­eig­nis­se” be­trach­ten, und die glau­ben, dass na­tio­na­le Iden­ti­tä­ten in ei­ner gren­zen­lo­sen glo­ba­li­sier­ten Welt weg­schmel­zen kön­nen. Wenn die Fran­zo­sen ent­de­cken, wer Ma­cron ist, wird es nichts ge­ben, was sie tun kön­nen, um zu än­dern, für wen sie ge­stimmt haben.

Das Ri­si­ko für Frank­reich in den nächs­ten fünf Jah­ren wird wahr­schein­lich für die Fran­zo­sen schmerz­haft sein. Ge­mäss der Po­li­zei le­ben mehr als 12.000 ra­di­ka­li­sier­te Mus­li­me im Land und die meis­ten von ih­nen wer­den nicht über­wacht. Die Po­li­zei hat nicht die Mit­tel, mehr zu tun, als sie der­zeit tut, und Ma­cron scheint das egal zu sein. Das Jus­tiz­sys­tem liegt in den Hän­den von Rich­tern, die den Ter­ro­ris­ten ge­gen­über nach­sich­tig er­schei­nen, und Ma­cron scheint das zu ak­zep­tie­ren. Der Fluss der Mi­gran­ten wird nicht auf­hö­ren, und Ma­cron hat an­schei­nend nicht vor, et­was da­ge­gen zu un­ter­neh­men. Im­mer mehr se­gre­gie­ren sich die Mus­li­me, weg von der fran­zö­si­schen Ge­sell­schaft, in sich aus­wei­ten­de is­la­mis­ti­sche Mini-​Staaten.

Nichts, was Ma­cron vor­schlägt, kann den Nie­der­gang der fran­zö­si­schen Wirt­schaft und der fran­zö­si­schen Ge­sell­schaft um­keh­ren. Ter­ror­an­grif­fe wer­den zwei­fel­los auf­tre­ten. Ju­den und an­de­re wer­den zwei­fel­los ge­tö­tet. Un­ru­hen und Un­zu­frie­den­heit wer­den zwei­fel­los stattfinden.

Am Abend des ers­ten Wahl­gangs gab es Un­ru­hen in Pa­ris und Nan­tes. Am Abend des zwei­ten Wahl­gangs wer­den die Men­schen in den schi­cken Vier­teln von Pa­ris und in den Mi­nis­te­ri­en Par­ties fei­ern. In den Be­zir­ken, in de­nen ar­me Leu­te le­ben, wer­den Au­tos in Brand ge­setzt wer­den. Seit mehr als ei­nem Jahr­zehnt wer­den, wenn es ei­nen fest­li­chen Abend gibt in Frank­reich, in den Be­zir­ken, in de­nen ar­me Leu­te le­ben, Au­tos in Brand ge­setzt. Un­assi­mi­lier­te Mi­gran­ten ha­ben ih­re ei­ge­nen Traditionen.

Bei der nächs­ten Wahl im Jah­re 2022 könn­te das ka­tho­li­sche Frank­reich auch ei­nen mus­li­mi­schen Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten se­hen – und ge­win­nen lassen.

Dr. Guy Mil­liè­re, ein Pro­fe­sor an der Uni­ver­si­tät von Pa­ris, ist Au­tor von 27 Bü­chern über Frank­reich und Europa.


Erst­ver­öf­fent­li­chung hier. Re­pro­duk­ti­on mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung des Gatestone Instituts.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

css.php