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Das mus­li­mi­sche Schwei­gen, ei­ne Evo­lu­ti­on oder ei­ne Lö­sung für den Ex­tre­mis­mus

Noor Dah­ri, 27.5.2017, The Gre­at Midd­le East.com

Noor Dah­ri, Nah­ost­ex­per­te, Gross­bri­tan­ni­en. Twit­ter: dahrinoor2

Vor ein paar Ta­gen gab es nach ei­nem Pop­kon­zert in der Man­ches­ter Are­na ei­nen ver­hee­ren­den Ter­ror­vor­fall. Es war ein Selbst­mord­at­ten­tat, das 22 Men­schen, meist Kin­der, tö­te­te und mehr als sech­zig un­schul­di­ge Men­schen ver­letz­te, dar­un­ter ein acht­jäh­ri­ges Kind. Die­ser schreck­li­che Vor­fall wur­de von ei­nem in Groß­bri­tan­ni­en ge­bo­re­nen mus­li­mi­schen Ex­tre­mis­ten, Sal­man Abe­di, durch­ge­führt, der in ei­ner west­li­chen Welt ge­bo­ren und auf­ge­wach­sen war, der kei­ne Er­fah­rung mit dem Hardcore-​Leben der Dritt­welt­län­der hat­te und der ein Le­ben vol­ler Frei­heit und Men­schen­rech­te ge­noß, von der bri­ti­schen Re­gie­rung ge­ge­ben.

Dies war kein neu­er Vor­fall in der bri­ti­schen To­le­ranz­ge­sell­schaft, doch die­se Art schreck­li­cher Vor­fall ge­schah im Jahr 2005 und er­in­nert an die schmerz­haf­ten An­denken an die Op­fer an­de­rer Ter­ror­an­schlä­ge in Groß­bri­tan­ni­en. Ich brach in Trä­nen aus, als ich sah, wie die Kör­per sehr jun­ger Kin­der in der Ex­plo­si­on zer­ris­sen wor­den wa­ren und dach­te, wie schreck­lich der is­la­mi­sche Ter­ro­ris­mus ist, in­dem er die Op­fer auf ei­ne so schreck­li­che Wei­se von ih­ren Lie­ben trennt. Ich sah die Frus­tra­ti­on und Trau­er in den Au­gen der Op­fer. Sie stell­ten Fra­gen: „Was war das Ver­bre­chen un­se­rer un­schul­di­gen Kin­der? War­um hat man sie so gna­den­los ab­ge­schlach­tet?” Ich, ein Mus­lim, kann nicht auf ih­re Fra­gen ant­wor­ten, denn ich, zu­sam­men mit an­de­ren Mus­li­men, füh­le, dass ich da­für ver­ant­wort­lich bin, dass sie ih­re Lie­ben ver­lo­ren ha­ben. Das, was mich in ei­nen un­an­ge­neh­men Zu­stand bringt, ist, dass ich se­he, dass mei­ne Mit-​Muslime apo­lo­ge­tisch und de­fen­siv sind auf So­ci­al Me­dia, in­dem sie die­se Art von Vor­fall als „hat nichts mit dem Is­lam zu tun” be­zeich­nen. Sie sind es ge­wohnt, ein paar un­at­trak­ti­ve Sät­ze zu sa­gen oder zu schrei­ben, die die El­tern der Op­fer des Ter­ro­ris­mus de­fi­ni­tiv in ei­ne schwie­ri­ge Si­tua­ti­on brin­gen, in der sie den Is­lam nicht als fried­li­che Re­li­gi­on se­hen kön­nen, da sie ge­ra­de ih­re Kin­der ver­lo­ren ha­ben.

„Der Is­lam ist ei­ne Re­li­gi­on des Frie­dens, der Is­lam hat nichts mit Ter­ro­ris­mus zu tun, der Is­lam lehrt To­le­ranz, der Is­lam för­dert die Lie­be und die Har­mo­nie, der Ter­ro­ris­mus hat kei­ne Re­li­gi­on, blah blah blah .…..” Ich ha­be es satt, die­se de­fen­si­ven Kom­men­ta­re von mei­ner ei­ge­nen re­li­giö­sen Ge­mein­de zu hö­ren, weil ich kei­ne Rea­li­tät in ih­ren Kom­men­ta­ren se­he. Sie ha­ben nichts ge­tan, um zu be­wei­sen, dass sie recht ha­ben mit dem, was sie be­haup­ten. Ter­ro­ris­mus hat kei­ne Re­li­gi­on,

Ter­ro­ris­mus hat kei­ne Re­li­gi­on, Ter­ro­ris­mus hat kei­ne Re­li­gi­on.

War­um ver­ste­hen die Mus­li­me nicht, dass El­tern ih­re Kin­der an die­sen Ab­schaum ver­lo­ren ha­ben, der den Na­men Al­lahs be­nutzt hat, als er sich in die Luft spreng­te? Sie san­gen die Shaha­dah (Glau­bens­be­kennt­nis). „Es gibt kei­nen Gott au­ßer Al­lah und Mo­ham­med ist sein Pro­phet”, wäh­rend sie un­schul­di­ge Men­schen schlach­te­ten. Die­se Ter­ro­ris­ten ver­ehr­ten den­sel­ben Al­lah, den wir an­be­ten. Sie be­ten und fas­ten, wie al­le Mus­li­me es tun. Sie be­such­ten die Mo­sche­en, wie wir al­le Mus­li­me es am Frei­tag tun und sie rie­fen Al­la­hu Ak­bar (Al­lah ist grö­ßer), als sie Nach­fol­ger an­de­rer Re­li­gio­nen tö­te­ten und ent­haup­te­ten, und doch be­haup­ten wir, dass Ter­ro­ris­mus kei­ne Re­li­gi­on hat!!!! War­um ak­zep­tie­ren wir nicht, dass Ter­ro­ris­ten ei­ne Re­li­gi­on ha­ben, die ISLAM heißt.

Die meis­ten Mus­li­me sind kei­ne Ter­ro­ris­ten, aber die meis­ten Ter­ro­ris­ten, die in ei­nem Ter­ro­ris­mus mit re­li­giö­sem Hin­ter­grund in­vol­viert sind, sind Mus­li­me. Die meis­te mus­li­mi­sche Be­völ­ke­rung Groß­bri­tan­ni­ens sind fried­li­che, de­mo­kra­ti­sche, pro-​Regierungs-​Individuen und ge­gen Ter­ro­ris­mus, aber ihr Schwei­gen gießt Öl ins Feu­er der ex­tre­mis­ti­schen Ideo­lo­gie. Ich ha­be mit Hun­der­ten von Mus­li­men ge­spro­chen und dis­ku­tiert, und je­der hat ir­gend­ei­ne Art von Recht­fer­ti­gung und ich kann kei­ne da­von wirk­lich als Recht­fer­ti­gung be­trach­ten. Sie sa­gen: Sie ver­ur­tei­len Ter­ro­ris­mus, aber … sie un­ter­stüt­zen un­schul­di­ge Op­fer, aber … sie sind ge­gen die Ex­tre­mis­ten, aber .… Ihr ABER schaff­te den Ex­tre­mis­mus, ihr Schwei­gen ist kei­ne Lö­sung, son­dern ei­ne Evo­lu­ti­on des Ex­tre­mis­mus.

Die Wur­zeln des Ter­ro­ris­mus in­ner­halb der Ideo­lo­gie

Der Manchester-​Angreifer Sal­man Abe­di war ein Mus­lim, der Parlament-​Angreifer Kha­led Ma­so­od war ein Mus­lim, ein ein­sa­mer An­grei­fer, der ver­such­te, Pas­sa­gie­re am Bahn­hof Ley­tonstone zu ent­haup­ten, Muhid­din Mi­re, war ein Mus­lim, die Lee Rigby-​Mörder Mi­cha­el Ade­bo­la­jo und Mi­cha­el Ade­bo­wa­le wa­ren Mus­li­me, zwei Män­ner die ein Glas­go­wer Ter­mi­nal mit ih­rem bren­nen­den Jeep an­grif­fen, wa­ren auch Mus­li­me und die Lon­do­ner U-​Bahn-​Selbstmordattentäter Ha­sib Hus­sain, Mo­ham­mad Si­di­que Khan, Ger­mai­ne Lind­say, Shehzad Tan­weer wa­ren al­le Mus­li­me. Hun­der­te von an­de­ren, die ver­haf­tet, vor Ge­richt ge­bracht und nach dem Ter­ro­ris­mus­ge­setz ver­ur­teilt wur­den, wa­ren Mus­li­me. Den­noch be­haup­ten wir, dass Ter­ro­ris­ten kei­ne Mus­li­me sind und sie nichts mit dem Is­lam zu tun ha­ben, was nichts ist als ei­ne grund­lo­se Recht­fer­ti­gung ih­rer Schuld. Es gibt drei grund­le­gen­de Über­zeu­gun­gen in Mus­li­men, die ex­tre­mis­ti­sche Ge­dan­ken in ih­ren Köp­fen er­zeu­gen.

  • Der Wunsch, die do­mi­nan­te Form des Is­lams zu sein
  • Dass al­le Re­li­gio­nen aus­ser dem Is­lam fal­sche Re­li­gio­nen sei­en
  • Bei­ge­bracht zu be­kom­men, dass an­de­re Un­gläu­bi­ge sind, und sie so zu nen­nen

Es gibt ein ge­mein­sa­mes ideo­lo­gi­sches Pro­blem, dass wir Mus­li­me ha­ben, dass der Is­lam die Welt do­mi­nie­ren wird. Die­ses Phä­no­men schafft mehr Ex­tre­mis­mus in­ner­halb der Mus­li­me, das ist ei­ne po­li­ti­sche is­la­mi­sche Ideo­lo­gie, dass je­de Na­ti­on, Ge­mein­schaft und Land vom Is­lam be­siegt und be­herrscht wer­den wird. Die­se Ideo­lo­gie führt jun­ge Mus­li­me da­zu, ex­tre­mis­tisch und be­lei­di­gend zu wer­den ge­gen an­de­re Na­tio­nen. Die wirk­li­che Bot­schaft des Is­lam ist es, un­ter an­de­ren Völ­kern in Frie­den, Lie­be und Har­mo­nie zu le­ben, nicht mit der Ideo­lo­gie, sie zu be­sie­gen und über sie zu herr­schen. Das Kon­zept, dass al­le an­de­ren Re­li­gio­nen falsch, ver­än­dert, fa­bri­ziert und sa­ta­nisch sei­en, au­ßer dem Is­lam, ist ei­ne Hal­tung, die Hass, Ex­tre­mis­mus und ei­nen Über­le­gen­heits­kom­plex in mus­li­mi­schen Ge­mein­schaf­ten schafft, die sie glau­ben lässt, dass sie hö­her ste­hen als An­hän­ger an­de­rer Re­li­gio­nen und dass Mus­li­me ins Pa­ra­dies ge­hen und die An­hän­ger al­ler an­de­ren Re­li­gio­nen in der Höl­le bren­nen wer­den. Das ist nicht nur ein is­la­mi­scher An­spruch, son­dern ei­ne po­li­ti­sche is­la­mi­sche bar­ba­ri­sche Ideo­lo­gie, die so­fort ge­stoppt wer­den muss.

Die Welt sieht sich die­ser ex­tre­men Ideo­lo­gie ge­gen­über, dass „al­le Men­schen, die nicht dem Pro­phe­ten Mo­ham­med (FSMI) als Bot­schaf­ter Al­lahs glau­ben, Un­gläu­bi­ge sind und ihr Platz im Höl­len­feu­er ist, au­ßer Mus­li­men.” Dies ist ei­ne För­de­rung von Hass und Ras­sis­mus ge­gen­über an­de­ren Re­li­gio­nen und Ras­sen. Den­noch be­haup­ten wir, dass wir die to­le­ran­tes­te Ge­mein­schaft der Welt sind!!! Wir glau­ben nicht nur an die­se oben er­wähn­te be­lei­di­gen­de und hass­ba­sier­te re­li­giö­se Ideo­lo­gie, son­dern wir in­ji­zie­ren die­se Ideo­lo­gie in den Ver­stand un­se­rer neu­en Ge­ne­ra­ti­on. Die­se Art von Ideo­lo­gie för­dert den Ex­tre­mis­mus, der je­man­den da­zu bringt, Ter­ro­ris­mus ge­gen die Men­schen zu be­ge­hen, die sie als An­hän­ger von ge­fälsch­ten Re­li­gio­nen, Un­gläu­bi­gen und Min­der­wer­ti­gen be­trach­ten, weil sie glau­ben, dass ei­nes Ta­ges der Is­lam die Welt do­mi­nie­ren wird und die Mus­li­me über sie herr­schen wer­den.

Lö­sun­gen in­ner­halb der mus­li­mi­schen Ge­mein­schaft

Das ist der po­li­ti­sche Is­lam, der die­se Welt mit sei­ner ex­tre­mis­ti­schen Ideo­lo­gie ins Feu­er reisst und der von un­se­ren ei­ge­nen mus­li­mi­schen Ge­mein­schaf­ten zer­stört wer­den muss, die die Haupt­ver­ant­wor­tung der Ak­tio­nen des Ter­ro­ris­mus der Mus­li­me über­neh­men müs­sen. Die mus­li­mi­sche Ge­mein­schaft soll­te auf­hö­ren, apo­lo­ge­tisch und de­fen­siv zu sein, son­dern auf­ste­hen und hart ar­bei­ten, um die­sen ter­ro­ris­ti­schen Ab­schaum zu iden­ti­fi­zie­ren, der un­ter ih­nen ge­pflegt wird. Mus­li­me müs­sen ei­ne Ver­ant­wor­tung über­neh­men, was im Na­men ih­rer Re­li­gi­on rund um die Welt ge­schieht. Wenn sie die­se Ver­ant­wor­tung nicht ak­zep­tie­ren, wie kön­nen sie dann die ex­tre­men Kul­tu­ren ih­rer Re­li­gi­on ver­än­dern? Es ist Zeit, die­je­ni­gen zur Ver­ant­wor­tung zu zie­hen, die da­für ver­ant­wort­lich sind, um die zu­künf­ti­gen Be­dro­hun­gen für Groß­bri­tan­ni­en und an­de­re Län­der und in­ner­halb der mus­li­mi­schen Ge­mein­schaft zu ver­hin­dern.

Wir Mus­li­me, die wir be­haup­ten, wir sei­en ei­ne fried­li­che Na­ti­on in­ner­halb Groß­bri­tan­ni­ens, soll­ten un­se­re Mo­sche­en, Ma­dra­sahs, Wohn­häu­ser, Bil­dungs­ein­rich­tun­gen, das Ver­hal­ten un­se­rer Kin­der, die Ver­än­de­rung der Ein­stel­lun­gen, ih­re Freun­de und even­tu­ell ver­däch­ti­ge Ak­ti­vi­tä­ten über­wa­chen, wir wer­den vor un­se­ren Com­pu­tern sit­zen, uns vor an­de­ren Ge­mein­schaf­ten hin­stel­len in ei­ner de­fen­si­ven Si­tua­ti­on und mit ent­schul­di­gen­dem Ver­hal­ten, in­dem wir den Ter­ro­ris­mus ver­ur­tei­len. Wir müs­sen auf­hö­ren zu sa­gen „Der Ter­ro­ris­mus hat kei­ne Re­li­gi­on und der Is­lam hat nichts mit Ter­ro­ris­mus zu tun”, son­dern wir müs­sen die Schuld ak­zep­tie­ren, die un­se­re ei­ge­nen mus­li­mi­schen Ju­gend­li­chen im Na­men des Is­lam ge­schaf­fen ha­ben, von dem wir be­haup­ten, dass er fried­lich sei, was wir aber erst noch be­wei­sen müs­sen. Mein letz­ter Rat an mei­ne mus­li­mi­schen Brü­der und Schwes­tern ist, dass wir zu­sam­men mit Polizei- und Si­cher­heits­diens­ten bei der Be­kämp­fung des Ter­ro­ris­mus zu­sam­men­ar­bei­ten müs­sen. Sie kön­nen die­se un­ge­heu­er­li­che Ideo­lo­gie nicht oh­ne un­se­re Hil­fe be­sie­gen. Sie kön­nen nicht oh­ne le­ga­len Grund un­se­re re­li­giö­sen Or­te be­tre­ten, aber wir wer­den sie stark ma­chen da­bei, un­se­re Kin­der zu be­schüt­zen, in­dem wir ih­nen al­le ver­däch­ti­gen Ak­ti­vi­tä­ten in un­se­rer Ge­mein­schaft wei­ter­lei­ten. Wir müs­sen un­ser star­kes Ver­trau­en in die Si­cher­heits­be­hör­den der Re­gie­rung bei­be­hal­ten, die Tag und Nacht ar­bei­ten und ihr Le­ben ris­kie­ren, um uns und das Land zu be­schüt­zen.

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  1. Stoff für’s Hirn | abseits vom mainstream - heplev

    […] Da­ni­el (Po­li­ti­sches aus der Schweiz):  – Bill Clin­ton: ‚Ich ha­be mir ei­nen Arm und ein Bein aus­ge­ris­sen, um den Pa­läs­ti­nen­sern ei­nen Staat zu ge­ben’  – Das mus­li­mi­sche Schwei­gen, ei­ne Evo­lu­ti­on oder ei­ne Lö­sung für den Ex­tre­mis­mus  […]

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