Warum der Iran seine Ölquellen nicht einfach „abschalten“ kann.
M.A. Rothman, 28. April 2026, Facebook
aus dem Englischen von Martin Christen

Ölverladestation bei der Insel Kharg vor dem Iran. (Bild: Tasnim News Agency, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons)
Die New York Post erklärt die technische Katastrophe, die Teheran sich selbst zuzufügen droht.
Aus der New York Post, unter Zuhilfenahme von Bloomberg-Satellitenbildern und vier Energieindustrieanalysten:
„Riesige Supertanker sind an der Kharg-Insel gesichtet worden, einem zentralen Ölhafen, der rund 90 % der iranischen Rohölexporte kontrolliert. Da die Rohöl-Tanker wegen der US-Blockade im Golf von Oman nirgendwo hin können, deuten Experten dies als Zeichen, dass das Regime die Schiffe als schwimmende Lagerstätten nutzt. Der Iran hat wiederholt versucht, seine Schiffe durch die US-Marineblockade zu drücken, doch seine Tanker werden routinemäßig abgefangen – allein in den letzten Tagen mussten sechs Tanker umkehren.“
„Das Critical Threats Project am American Enterprise Institute schätzt, dass Teheran voraussichtlich bis zum 29. April Zeit hat, bevor seine onshore-Lagerkapazitäten voll sind. Der Iran verfügt über etwa 122 Millionen Barrel Speicherplatz, was Teheran weniger als sieben Wochen Zeit gibt, bevor es die Produktion einstellen muss.“
Hier gibt es ein technisches Problem. Ein Ölreservoir ist kein Wasserhahnen.
Wenn das Öl zu fliessen aufhört, beginnen vier irreversible Prozesse:
- Wasser dringt ein. Öl schwimmt im Reservoir über dem Wasser. Wenn die Produktion gestoppt wird, steigt das Wasser in den Bohrlochbereich auf. Beim Wiederanfahren fördert die Bohrung dann Wasser – und kein Öl mehr. Das Öl, das dort war, ist nun in den Poren des Gesteins rund um den unteren Teil des Bohrlochs eingeschlossen und dauerhaft nicht mehr gewinnbar.
- Paraffin- und Asphaltene-Ausfällung. Schwere Kohlenwasserstoffe bleiben gelöst, solange das Öl fließt. Wenn die Strömung stoppt, kristallisieren sie aus und verstopfen die Perforationen, das Steigrohr und die Poren im Gestein. Ihre Reinigung erfordert Chemikalien, Heißöl-Spülungen oder komplette Überarbeitung – und all diese Maßnahmen unterliegen US-Sanktionen.
- Reservoirdruck-Kollaps. Irans Elefantenfelder – Ahvaz, Marun und Gachsaran – sind 60 bis 90 Jahre alt. Sie werden durch Wasserinjektion am Leben gehalten. Wird die Injektion gestoppt, verliert das Feld dauerhaft seinen Triebmechanismus.
- Sandproduktion. Druckveränderungen während der Stilllegung sorgen dafür, dass Sand und feine Gesteinspartikel in das Bohrloch wandern. Beim Wiederanfahren fördert die Bohrung dann Sand, der Pumpen und Förderrohre erodiert. Iranische Ölfelder sind für dieses Problem besonders bekannt.
Der ehemalige McKinsey-Energieanalyst Derek Reisfield sagte der New York Post:
„Der Schaden wird irreversibel sein. Wir könnten leicht einen Verlust von einer halben Million Barrel pro Tag bei der iranischen Ölproduktion sehen.“
Auch im iranischen Parlament wird die Gefahr erkannt. Der Abgeordnete Ahmad Bashesh Ast Ardastani warnte:
„Wir müssen dringend etwas gegen diese maritime Belagerung tun. Wenn wir gezwungen sind, unsere Ölquellen stillzulegen, kostet es uns Milliarden Dollar, sie später wieder in Betrieb zu nehmen. Das Abschalten unserer Ölbohrungen ist nicht so simpel wie das Zudrehen eines Wasserhahns.“
Trump sagte am Sonntag bei Fox News:
„Wenn gewaltige Mengen Öl durch dein Leitungssystem fließen und du diese Leitungen aus irgendeinem Grund schließen musst, dann explodiert das Ganze von innen – sowohl die Rohre als auch das Reservoir im Erdreich. Man sagt mir, dass ihnen nur noch etwa drei Tage bleiben, bis das geschieht. Und wenn es einmal explodiert ist, kannst du es nie wieder so aufbauen, wie es vorher war.“
Das ist die ausweglose Falle, die Bessent und Rubio geschickt konstruiert haben. Der Iran kann nicht pumpen, ohne zu exportieren. Er kann wegen der Blockade nicht exportieren. Und er kann die Förderung nicht einstellen, ohne seine Ölquellen langfristig irreparabel zu schädigen.
Teheran bleiben nur noch 24 bis 48 Stunden, um zu handeln. Danach entscheidet die Realität für sie – und die finanzielle Basis der IRGC wäre für eine ganze Generation zerstört.

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