Dies sollte Israels Antwort auf Trumps Kehrtwende sein
Welche Botschaft sendet Washington an seine Verbündeten, wenn es damit impliziert, dass ein mächtiger Partner wie Israel so verwundbar ist, dass er jede Forderung seines Beschützers akzeptieren muss?
Prof. Zaki Shalom, 24. Juni 2026, Israel Hayom
aus dem Englischen von Martin Christen

Präsident Donald Trump und der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu bei einer gemeinsamen Pressekonferenz im Weißen Haus. (Foto: Weisses Haus / gemeinfrei)
Nur wenige Monate nach der Rückkehr von Präsident Donald Trump ins Weiße Haus hielt Vizepräsident J.D. Vance auf der Münchner Sicherheitskonferenz eine vielbeachtete Rede. Die Ansprache spiegelte eine umfassendere Weltanschauung hinsichtlich der Rolle Amerikas im internationalen System und der Grenzen seiner Verpflichtungen gegenüber seinen Verbündeten wider.
Vance wurde oft mit einer moderat isolationistischen Haltung in Verbindung gebracht. Anfangs wurde er als starker Unterstützer Israels wahrgenommen. Aus diesem Grund hat die offensichtliche Verschiebung seiner Position beunruhigende Fragen aufgeworfen. Dies ist nicht das erste Mal, dass ein amerikanischer Präsident seinen Ansatz gegenüber Israel erheblich ändert. Ein bemerkenswertes Beispiel ist Präsident Richard Nixon, der nach dem Jom-Kippur-Krieg und dem Watergate-Skandal eine Politik einschlug, die im Widerspruch zu den israelischen Interessen stand.
Die wichtigste Lehre für Israel ist klar: Es muss seine sicherheitspolitische Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten weiterhin so weit wie möglich verringern.
Die Illusion des Sieges über den Iran
Eines der zentralen Argumente Trumps ist, dass die Vereinigten Staaten und Israel den Krieg gegen den Iran bereits gewonnen haben. Die Führung des Irans habe schwere Schläge erlitten, erhebliche Teile seiner militärischen und nuklearen Fähigkeiten seien beschädigt worden, und das Regime sei gezwungen, sich einer neuen strategischen Realität zu stellen.
Doch zu einem Sieg gehört mehr, als dem Gegner Schaden zuzufügen. Er erfordert auch, dass die besiegte Seite ihre Niederlage anerkennt. Die Geschichte zeigt, wie wichtig dieser Faktor ist. Nach dem Ersten Weltkrieg hatten viele Deutsche nicht das Gefühl, besiegt worden zu sein. Aus dieser Wahrnehmung heraus entstand die „Dolchstoßlegende“, die später zum Aufstieg des Nationalsozialismus beitrug.
Die Führung des Irans ist weit davon entfernt, eine Niederlage einzugestehen. Im Gegenteil: Sie stellt ihr Überleben als bedeutenden Erfolg dar und betont weiterhin ihre Fähigkeit, dem Druck sowohl Israels als auch der Vereinigten Staaten standzuhalten.
Ein weiteres Argument von Präsident Trump lautet, dass Israel ohne das Eingreifen Amerikas vor einer existenziellen Bedrohung gestanden hätte. Aus dieser Behauptung folgt – zumindest implizit – die Erwartung, dass sich Israel den Forderungen Washingtons beugen sollte.
Wie abhängig ist Israel wirklich?
Israel ist den Vereinigten Staaten zu tiefem Dank verpflichtet für ihren Beitrag zur Schwächung des iranischen Nuklearprogramms und für die umfassende Sicherheitsunterstützung, die sie über viele Jahrzehnte hinweg geleistet haben. Die Behauptung jedoch, dass Israels Überleben vollständig von amerikanischem Handeln abhängt, spiegelt die Realität nicht korrekt wider.
Auch wenn das volle Ausmaß der strategischen Fähigkeiten Israels unbekannt bleibt, ist es offensichtlich, dass die iranische Führung ihnen erhebliches Gewicht beimisst. Die Kombination aus glaubwürdiger strategischer Abschreckung und hochentwickelten Raketenabwehrfähigkeiten ist – bei allem gebührenden Respekt – das, was Israels Sicherheit im Kern garantiert.
Schließlich gibt es die Behauptung, die Regierung Trump stelle Israels letzten verbliebenen Freund auf der internationalen Bühne dar. Auch dieses Argument hält einer genaueren Überprüfung nicht stand. Israels internationale Position ist heute wohl stärker als zu jedem früheren Zeitpunkt seiner Geschichte.
Die rege Bautätigkeit in Judäa und Samaria, die auf relativ geringen internationalen Widerstand stößt, ist ein Indiz für Israels aktuellen internationalen Status. Darüber hinaus ist es Israel im Verlauf des aktuellen Konflikts trotz intensiven weltweiten Widerstands gelungen, die meisten seiner strategischen Ziele zu erreichen.
Ein fatales Signal an Amerikas Verbündete
Und doch stellt sich beim Zuhören von Vances Argumentation eine allgemeinere Frage: Welche Botschaft sendet Washington an seine Verbündeten, wenn es impliziert, dass ein mächtiger Partner wie Israel so verwundbar ist, dass er jede Forderung seines Beschützers akzeptieren muss? Wie sollten Taiwan, die Golfstaaten und andere amerikanische Verbündete, die vor ernsten Sicherheitsbedrohungen stehen, eine solche Botschaft interpretieren? Stärkt eine solche Botschaft wirklich die amerikanische Glaubwürdigkeit als verlässlicher Partner?
In der Praxis ist Premierminister Netanjahu völlig im Recht, wenn er angesichts der US-Kritik öffentliche Zurückhaltung wahrt. Damit folgt er dem bleibenden Prinzip von David Ben-Gurion, dass Israel unnötige Konfrontationen mit Großmächten vermeiden sollte.
Dennoch würde es nicht schaden, gelegentlich Gegenargumente vorzubringen – vorausgesetzt, dies geschieht respektvoll und in einer Weise, die der einzigartigen Beziehung zwischen Israel und den Vereinigten Staaten angemessen ist.

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