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Die Wahr­heit über die Nak­ba

Ro­bert Wer­di­ne, 15.5.2012, The Times of Is­ra­el

Pa­läs­ti­nen­ser und ih­re My­ria­den von Un­ter­stüt­zern schwär­men auf die Stras­sen und Uni­ver­si­tä­ten mit ih­ren Flag­gen und Slo­gans und mar­kie­ren den Jah­res­tag ih­res Ver­sa­gens, die Ju­den von Pa­läs­ti­na in ein per­ma­nen­tes Exil zu schi­cken. Es ist lehr­reich, dar­über nach­zu­den­ken, was die Yis­huv und ih­re zu­künf­ti­gen Ge­ne­ra­tio­nen be­fal­len ha­ben könn­te, wenn sie den Rat der Welt be­folgt hät­ten und sich nicht letzt­lich sel­ber ver­tei­digt hät­ten in je­nem frü­hen Früh­ling von 1948 nach et­wa vier Mo­na­ten von An­grif­fen und bei­na­he Aus­hun­ge­rung von Je­ru­sa­lem. In­dem wir das tun ist es nicht we­ni­ger nütz­lich, ein an­de­res bei­na­he gleich­zei­ti­ges Er­eig­nis, das eben­falls den Nak­ba-Ge­burts­tag der Pa­läs­ti­nen­ser teilt: Der Fall von Et­zi­on Bloc, wo die Kon­se­quen­zen ei­nes be­sieg­ten Yis­huv ein für al­le­mal für al­le klar­ge­macht wur­den.

Be­la­gert seit Ja­nu­ar, sa­hen die Ara­ber den Bloc kor­rekt als Ge­fahr für ih­re Nach­schub­li­ni­en zwi­schen He­bron und Je­ru­sa­lem. Der ara­bi­sche Bür­ger­meis­ter von He­bron hat­te vor­her den Bloc ge­warnt, dass sich die lo­ka­len Ara­ber da­zu ent­schie­den hät­ten, „die Ju­den aus die­sem Be­reich zu ent­fer­nen, falls Feind­se­lig­kei­ten aus­bre­chen wür­den” und hat­te ih­nen ge­ra­ten, „frei­wil­lig zu ge­hen …an­sons­ten ihr auf je­den Fall ge­walt­sam ent­fernt wer­det.” Die Be­fehls­ha­ber der ara­bi­schen Li­ga ver­stan­den al­so die stra­te­gi­sche Wich­tig­keit des Bloc für die be­vor­ste­hen­de pan-​arabische In­va­si­on, und sie mar­kier­ten ihn für die Ein­nah­me und Zer­stö­rung.

Am 4. Mai griff ei­ne Pan­zer­ko­lon­ne der ara­bi­sche Le­gi­on den Bloc an, et­wa 40 Ver­tei­di­ger wur­den ge­tö­tet und ver­wun­det. Am 12. Mai um­stell­te das 6. Ba­tail­lon der Le­gi­on und Tau­sen­de von lo­ka­len Mi­li­zen den Bloc und at­ta­ckier­te er­neut, be­schos­sen ihn mit schwe­rer Ar­til­le­rie, und ih­re Pan­zer­fahr­zeu­ge ris­sen Lü­cken in die Sied­lung Kfar Et­zi­on, die Le­gio­nä­re und Mi­li­zio­nä­re rie­fen „De­ir Yas­sin!”, als sie sich in die Sied­lung er­gos­sen und die Ver­tei­di­ger über­wäl­tig­ten. Die Hoff­nungs­lo­sig­keit ih­rer Si­tua­ti­on er­ken­nend, ver­such­ten die 133 Ver­tei­di­ger (Män­ner und Frau­en), sich zu er­ge­ben.

Die Ara­ber sag­ten dann den Ge­fan­ge­nen, sich mit er­ho­be­nen Hän­den hin­zu­set­zen, und Fo­to­gra­phen mach­ten Bil­der. Ei­ner der Ara­ber rich­te­te ein Ma­schi­nen­ge­wehr auf die Ge­fan­ge­nen, wur­de aber von ei­nem an­de­ren vom Schies­sen ab­ge­hal­ten. Dann er­schien ein ge­pan­zer­tes Fahr­zeug auf der Sze­ne. Ihm ent­stie­gen ei­ne Mi­schung von Mi­li­zio­nä­ren und Le­gi­ons­sol­da­ten mit Sten Ma­schi­nen­pis­to­len, und sie mäh­ten die Ge­fan­ge­nen nie­der und schrien „De­ir Yas­sin!” wäh­rend des Schies­sens. Nach­dem sie al­le 133 Ge­fan­ge­nen bis auf vier ab­ge­schlach­tet wa­ren, plün­der­ten die Mi­li­zen und Le­gio­nä­re al­le Häu­ser und Ge­bäu­de von Kfar Et­zi­on und mach­ten sie dem Erd­bo­den gleich, wie sie es auch mit den an­de­ren drei Sied­lun­gen des Bloc tun soll­ten, „so dass kein Stein auf dem an­de­ren blieb”, wie ein lo­ka­ler Kom­man­deur sag­te, „um zu ver­hin­dern, dass Ju­den zum Bloc zu­rück­keh­ren.” Als Ali­za Faukt­wan­ger (aka „Ali­za R”), ei­ne Ha­g­a­nah Ra­dio­frau, die dem Ge­schütz­feu­er ent­gan­gen war, von zwei Sol­da­ten ge­packt wur­de, um ver­ge­wal­tigt zu wer­den, hör­te ein Le­gio­när­s­of­fi­zier sie schrei­en und ret­te­te sie und be­schütz­te sie. Zwei wei­te­re Ge­fan­ge­ne wur­den durch Le­gio­nä­re von den an­de­ren ge­ret­tet und ein Ge­fan­ge­ner konn­te an die jü­di­sche Li­ni­en zu­rück ent­kom­men.

Ein ähn­li­ches Schick­sal könn­te den an­de­ren drei Sied­lun­gen ge­blüht ha­ben, wenn nicht das Ro­te Kreuz am 14. Mai ei­ne Waf­fen­ru­he aus­ge­han­delt hät­te, das er­laub­te, dass die im Bloc ver­blei­ben­den 357 Kämp­fer sich zu er­ge­ben konn­ten und nach Trans­jor­da­ni­en ab­trans­por­tiert wur­den, wo sie bis nach dem Krieg blie­ben. Ei­ni­ge Mi­li­zen und Dorf­be­woh­ner ver­such­ten, die Ge­fan­ge­nen zu mob­ben und sie tö­ten, aber die Le­gio­nä­re schütz­ten sie.

Und das war nur Etzion-​Bloc. Auch nach An­sicht von Ben­ny Mor­ris in sei­ner jüngs­ten Ge­schich­te des Kon­flikts, ha­ben nach der pan-​arabischen In­va­si­on am 15. Mai die ara­bi­schen Ar­me­en in ähn­li­cher Wei­se al­le jü­di­schen Vier­tel der Je­ru­sa­le­mer Alt­stadt, so­wie jü­di­schen Sied­lun­gen wie Beit Ha ‚Ara­va, Ne­ve Yaa­kov, ‚Ata­rot, Ma­sa­da, Sha’ar Ha­go­lan, Yad Mor­de­c­hai, Nitzanum und Kfar Dar­om ge­plün­dert und zer­stört, als sie in ara­bi­sche Hand fie­len, nach­dem die Be­woh­ner ent­we­der ge­flo­hen oder ver­trie­ben wor­den wa­ren.

In der Schlacht um das jü­di­sche Vier­tel der Je­ru­sa­le­mer Alt­stadt, zum Bei­spiel, hat­te die jor­da­ni­sche Ara­bi­sche Le­gi­on das Quar­tier mit ei­nem wahl­lo­sen Trom­mel­feu­er von mehr als 10’000 Artillerie- und Mör­ser­gra­na­ten ein­ge­deckt, und es in Schutt und Asche ge­legt. Mit nur 36 der ur­sprüng­lich 300 üb­rig­ge­blie­be­nen Ver­tei­di­ger, am Ver­hun­gern und oh­ne Mu­ni­ti­on, ga­ben sie am 28. Mai auf. Die Be­woh­ner des Vier­tels wur­den dann aus­ge­wie­sen, al­le Ge­bäu­de und Woh­nun­gen wur­den dem Erd­bo­den gleich­ge­macht, die Hur­va Syn­ago­ge und 33 an­de­re Got­tes­häu­ser zer­stört, und der ver­ehr­te Fried­hof auf dem Öl­berg wur­de ge­schän­det. Oberst Ab­dul­lah el-​Tal, der Kom­man­deur der jor­da­ni­schen Ara­bi­schen Le­gi­on, in der Be­schrei­bung der Zer­stö­rung des jü­di­schen Vier­tels, schrieb in sei­nen Me­moi­ren (Kai­ro, 1959):

“… Die Ope­ra­tio­nen der kal­ku­lier­ten Zer­stö­rung wur­den in Gang ge­setzt. … Ich wuss­te, dass das jü­di­sche Vier­tel dicht be­völ­kert ist mit Ju­den, was den Ver­tei­di­gern vie­le Stö­run­gen und Schwie­rig­kei­ten be­sche­ren wür­de. … Ich be­gann, des­halb, den Be­schuss des Vier­tels mit Mör­sern, und sorg­te für Be­läs­ti­gung und Zer­stö­rung. … Nur vier Ta­ge nach un­se­rem Ein­tritt nach Je­ru­sa­lem ist ihr Quar­tier zu ih­rem Grab ge­wor­den. Tod und Zer­stö­rung re­gie­ren dar­über. …”

“Zum Mor­gen­grau­en des Frei­tags, 28. Mai 1948, er­schien das jü­di­sche Vier­tel in ei­ner schwar­zen Wol­ke – ei­ner Wol­ke von Tod und Ago­nie … Zum ers­ten Mal in 1000 Jah­ren ver­bleibt kein ein­zi­ger Ju­de im Ju­den­vier­tel. Kein ein­zi­ges Ge­bäu­de bleibt in­takt. Das macht die Wie­der­kehr der Ju­den un­mög­lich.”

1968 sprach ein is­rae­li­scher Re­prä­sen­tant vor der UNO über die Be­din­gun­gen der Ka­pi­tu­la­ti­on von 1948:

“Nach­dem der Waf­fen­still­stand in Kraft trat und nor­ma­le zi­vi­le Ver­wal­tung in Je­ru­sa­lem im letz­ten Ju­ni (1967) wie­der­her­ge­stellt wur­de, bot sich ein scho­ckie­ren­des Bild der Re­sul­ta­te die­ser Po­li­tik des ge­woll­ten Van­da­lis­mus, der Ent­wei­hung und Ge­walt­tä­tig­keit, die wäh­rend der jor­da­ni­schen Be­set­zung von 1948 an ver­übt wor­den war. Im jü­di­schen Vier­tel wa­ren von den 35 jü­di­schen Ge­bets­häu­sern, die die Alt­stadt ge­ziert hat­ten, al­le bis auf ei­nes be­wusst zer­stört wor­den. Die Syn­ago­gen wa­ren dem Erd­bo­den gleich­ge­macht, ge­plün­dert und ge­leert, und ih­re In­nen­räu­me als Hühn­er­hö­fe und Stäl­le be­nutzt wor­den.

Im al­ten his­to­ri­schen jü­di­schen Fried­hof auf dem Öl­berg wa­ren zehn­tau­sen­de von Grab­stei­nen um­ge­ris­sen wor­den, in Stü­cke ge­bro­chen oder als Flie­sen, Stu­fen und Bau­ma­te­ria­li­en in jor­da­ni­schen Mi­li­tär­ein­rich­tun­gen und zi­vi­len Kon­struk­tio­nen ver­wen­det wor­den. Gros­se Tei­le des Fried­hofs war aus­ge­eb­net und in Park­plät­ze und Tank­stel­len um­ge­wan­delt wor­den.”

Die of­fen ver­trei­ben­den Am­bi­tio­nen der ara­bi­schen Streit­kräf­te wäh­rend des Krie­ges ha­ben bis­her nur we­nig Auf­merk­sam­keit er­hal­ten; si­cher­lich ist es un­wahr­schein­lich, dass die heu­ti­gen Nakba-​Tag De­mons­tran­ten sie in ih­ren Fes­ten be­ach­ten. Aber die ara­bi­schen Füh­rer mach­te zu je­ner Zeit kei­nen Hehl dar­aus. Faw­zi al-​Qawuqji, Kom­man­dant der ara­bi­schen Be­frei­ungs­ar­mee (ALA), sag­te Al-​Ahram am 9. März 1948, dass die ALA für „die Nie­der­la­ge der Tei­lung und die Ver­nich­tung der Zio­nis­ten” kämpf­te.

Aus dem Ka­ta­log an ras­sis­ti­schen, ex­pul­sio­nis­ti­schen und an­ni­hi­la­tio­nis­ti­schen Ge­füh­len, die vom Muf­ti von Je­ru­sa­lem zum Aus­druck ge­bracht wur­den, wur­de die­ses am 10. März 1948 in der Ta­ges­zei­tung Al Sa­rih von Jaf­fa aus­ge­drückt, dass die Ver­hin­de­rung der Tei­lung nicht ge­nug sei, und dass sie „kämp­fen wer­den, bis die Zio­nis­ten ver­nich­tet sind und ganz Pa­läs­ti­na zu ei­nem rein ara­bi­schen Staat ge­wor­den ist.”

Die Wahr­heit ist, dass das Schick­sal ei­nes je­den jü­di­schen und ara­bi­schen Dor­fes oder Sied­lung wäh­rend des Krie­ges stark vom Kriegs­glück ab­hing; der Er­folg der Yis­huv wäh­rend die­ser Zeit sah so die Flucht von mehr ara­bi­schen Flücht­lin­ge als jü­di­schen, weil die Yischuv jetzt den Krieg ge­wan­nen, und die ara­bi­schen und pa­läs­ti­nen­si­schen Mi­li­zen zu­rück­schlu­gen. Hät­te die Ara­bi­sche Le­gi­on, die ara­bi­schen Be­frei­ungs­ar­mee und die an­de­ren Mi­li­zen bei ih­ren An­grif­fen mehr Er­folg ge­habt, der Be­weis des Etzion-​Bloc, des jü­di­schen Vier­tels, und an­de­re ma­chen völ­lig klar, dass es sich oh­ne den Ju­den von Kfar Szold, Ye­chi­am, Magd­iel ha­ben, Ra­mot Naftali-, Mish­mar Ha’emek und Ra­mat Yoha­non, zu­sam­men mit de­nen von Tel-​Aviv, Hai­fa und Je­ru­sa­lem, dass sie ver­trie­ben oder auf der Flucht wä­ren und dass ih­re Städ­te und Kib­but­zim bis auf die Grund- ge­schleift wä­ren – ei­ne ziem­li­che Nak­ba in sich.

An­grif­fe von bei­den Sei­ten in die­ser Zeit (An­fang April bis Mit­te Mai 1948) wur­den mit ei­nem Au­ge in Rich­tung der ara­bi­schen In­va­si­on, die nach Ab­lauf des bri­ti­schen Man­dats am 15. Mai kom­men wür­de – die ara­bi­schen Kräf­te in­ner­halb Pa­läs­ti­nas woll­ten sich stra­te­gi­sche Punk­ten si­chern, um ih­ren Er­folg zu er­leich­tern, die Yis­huv woll­ten Schlüs­sel­be­rei­che si­chern, um sie da­ge­gen ver­tei­di­gen zu kön­nen und sie zu durch­kreu­zen. Je­de Sei­te sah die Dör­fer des an­de­ren als po­ten­ti­el­le Stütz­punk­ten und Samm­lungs­punk­te für feind­li­che An­grif­fe im Rü­cken und ge­gen stra­te­gisch wich­ti­ge Be­rei­che.

Die ara­bi­schen Kräf­te ver­stan­den, zum Bei­spiel, dass die Ein­nah­me von Mish­mar Ha’emek es ih­nen er­mög­li­chen wür­de, das Tal Wa­di Mil­leh zu blo­ckie­ren, Hai­fa zu iso­lie­ren, und al­le jü­di­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Hai­fa, der Um­ge­bung, und Tel-​Aviv zu blo­ckie­ren, und da­mit das gan­ze west­li­che Ga­li­läa und die Küs­ten­ebe­ne für Iso­la­ti­on und Er­obe­rung zu öff­nen. Nach An­grif­fen ver­stan­den die Yis­huv glei­cher­mas­sen, dass, wenn die um­lie­gen­den Dör­fer, in de­nen die ara­bi­sche Be­frei­ungs­ar­mee Kräf­te ge­sam­melt und aus de­nen sie ih­re An­grif­fe ge­star­tet hat­te, nicht er­obert und ge­si­chert wa­ren, dass der Be­reich wei­ter­hin ein Auf­marsch­ge­biet für die wei­te­re Über­grif­fe durch noch grös­se­re Kräf­te, die sich im Jenin-​Tulkharm-​Nablus Drei­eck zu­sam­men­ge­zo­gen hat­ten, was nicht nur Mish­mar Ha’emek, son­dern auch Hai­fa, das west­li­che Ga­li­läa und die gan­ze Küs­ten­ebe­ne in Ge­fahr brach­te. Das war im­mer­hin Krieg.

Ei­ni­ge ara­bi­sche Flücht­lin­ge wur­den in der Tat in die­sem Zeit­raum aus­ge­wie­sen, doch die meis­ten flo­hen ein­fach, meist lan­ge be­vor jü­di­sche Kräf­te an­ge­kom­men wa­ren; nach Ben­ny Mor­ris führ­te der Zu­sam­men­bruch ei­nes Dor­fes oft zur Flucht der na­hen oder um­lie­gen­den Dör­fer:

„Oft schä­dig­te der Fall von Dör­fern die Mo­ral in be­nach­bar­ten Städ­ten (sie­he Khir­bet Na­sir ad Din und ara­bi­sches Ti­be­ri­as). Auch der Fall der Städ­te – Ti­be­ri­as, Hai­fa, Jaf­fa, Beisan, Safed-​und die Flucht ih­rer Be­völ­ke­rung er­zeug­te Pa­nik im um­lie­gen­den Hin­ter­land: nach Hai­fa ka­men Flucht von Ba­lad al Sheikh und Ha­was­sa; nach Jaf­fa, Sa­la­ma, Khei­riya und Ya­zur; nach Safed, Dha­hi­riya Tah­ta, Sammu’I und Mei­run. Jahr­zehn­te­lang hat­ten die Dorf­be­woh­ner in den Städ­ten Füh­rung ge­se­hen; jetzt folg­ten sie ih­nen ins Exil. „(„ Die Ge­burt des pa­läs­ti­nen­si­schen Flücht­lings­pro­blems, Re­vi­si­ted „, 2004, S.. 591).

Nur ein klei­ner Teil der ara­bi­schen Ein­woh­ner von Jaf­fa, zum Bei­spiel, war vor den An­grif­fen des Ir­gun ge­flo­hen als die Bri­ten ka­men, um die Ir­gun zu ver­trei­ben; die meis­ten Flücht­lin­ge dort setz­ten ih­re Flucht fort, trotz der Bit­ten der lo­ka­len ara­bi­schen Füh­rer und der Bri­ten, zu blei­ben. In den meis­ten Fäl­len gab es kei­ne Not­wen­dig­keit für Ver­trei­bung; Ge­rüch­te und Pa­nik setz­ten in je­ner Zeit weit mehr Flücht­lin­ge in die Flucht als al­les an­de­re.

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Der ers­te arabisch-​israelische Krieg, ob er als „Un­ab­hän­gig­keits­krieg” oder „al-​Nakba” be­zeich­net wird, ist na­tür­lich die Kern­ver­an­stal­tung des ge­sam­ten Is­ra­el /​ Palästina-​Konflikt, und die Er­eig­nis­se des Et­zi­on Bloc und des jü­di­schen Vier­tels in Je­ru­sa­lem im Mai so­wie De­ir Yas­sin im April und Lydda und Ram­le im Ju­li 1948 un­ter­strei­chen al­le ei­ne wich­ti­ge Wahr­heit: Dass die­ser ers­te arabisch-​israelischen Krieg kein Gentleman-​Turnier war, dass es ein bru­ta­ler, kom­pro­miss­lo­ser, manch­mal grau­sa­mer Krieg war, ge­kämpft in be­eng­ten Ver­hält­nis­sen, manch­mal An­ge­sicht zu An­ge­sicht, wo Re­gu­lä­re Trup­pen, Frei­schär­ler, und Zi­vi­lis­ten all ver­wir­rend in­ein­an­der ver­keilt wa­ren. Es war ein Hochrisiko-, Null­sum­men­spiel für bei­de Sei­ten, und es ist nicht ver­wun­der­lich, dass in ei­nem sol­chen Fall Grau­sam­kei­ten, Ver­trei­bun­gen und Flücht­lin­ge auf bei­den Sei­ten vor­ka­men, wie in al­len Krie­gen.

Da­her ist es wich­tig, den Nak­ba-Tag-​gedenkfeiernden Le­gio­nen ge­gen­über zu be­to­nen, dass der ers­te arabisch-​israelische Krieg in der Tat ein Krieg war, und nicht nur ein An­griff von ei­ner Sei­te ge­gen ein hilf­lo­ses Op­fer. Ihn der­art dar­zu­stel­len igno­riert völ­lig die mi­li­tä­ri­sche Di­men­si­on des Kon­flikts, und die Rol­le, die die Kämp­fe spiel­ten, un­ter an­de­rem bei der Flucht der Flücht­lin­ge und dem nach­fol­gen­den Zu­sam­men­bruch der pa­läs­ti­nen­si­schen Ge­sell­schaft. Dass das pa­läs­ti­nen­si­sche Volk, das zu Flücht­lin­gen ge­wor­den wa­ren, Op­fer des Krie­ges ist, ist na­tür­lich über je­den Zwei­fel er­ha­ben, aber die Wahr­heit ist, dass sie nie von ih­ren ara­bi­schen Brü­dern über den Kon­flikt, der ih­re Le­bens­grund­la­ge zer­stör­te und sie ih­rer Häu­ser ent­eig­ne­te, kon­sul­tiert wor­den wa­ren; die Ent­schei­dung, die Tei­lung mit Ge­walt auf­zu­hal­ten, und den im Ent­ste­hen be­grif­fe­nen jü­di­schen Staat zu ver­nich­ten, wur­de nicht von ih­nen, son­dern vom Muf­ti und den Herr­schern in den um­lie­gen­den ara­bi­schen Staa­ten ge­trof­fen, die kei­ne Rück­sicht auf ih­re Wün­sche oder Be­stre­bun­gen nah­men, und selbst wenn die ara­bi­schen Staa­ten die Yis­huv be­siegt hät­ten, hat­ten sie nicht die Ab­sicht, ein un­ab­hän­gi­ges ara­bi­sches Pa­läs­ti­na ent­ste­hen zu las­sen; al­le hat­ten ih­re ei­ge­nen Vor­stel­lun­gen von der Re­gi­on. Auf je­den Fall re­sul­tier­te dar­aus ein er­bit­tert ge­führ­ter Krieg zwi­schen zwei Ant­ago­nis­ten, und nicht nur ei­ne lang ge­streck­te, gut ge­plan­te eth­ni­sche Säu­be­rungs­ope­ra­ti­on, mit ver­nach­läs­sig­ba­rem oder ma­ge­rem Wi­der­stand. Das pa­läs­ti­nen­si­sche Volk ge­riet da­bei ins Kreuz­feu­er, so wie es das in vie­ler­lei Hin­sicht noch heu­te ist.

Die Ein­stel­lung der Feind­se­lig­kei­ten pro­du­zier­te ei­nen um­strit­te­nen und ent­mu­ti­gen­den Epi­log des Kon­flikts. Nach dem Waf­fen­still­stand und Is­ra­els Auf­nah­me in die UNO ha­ben die Is­rae­lis, im Ein­klang mit ih­ren Ver­pflich­tun­gen bei der Ge­win­nung UNO-​Mitgliedschaft und der Re­so­lu­ti­on 194, an der Kon­fe­renz von Lau­sanne an­ge­bo­ten, rund 100’000 oder so Flücht­lin­ge in Is­ra­el an­zu­sie­deln; die Ara­ber lehn­ten das An­ge­bot dis­kus­si­ons­los ab. Die Ara­ber, wie bei al­len frü­he­ren Dis­kus­sio­nen, ver­wei­ger­ten di­rek­te Ver­hand­lun­gen mit den Is­rae­lis und for­der­ten die Ak­zep­tanz der voll­stän­di­gen Re­pa­tri­ie­rung der Flücht­lin­ge als Vor­aus­set­zung für wei­te­re Ge­sprä­che. Die Is­rae­lis be­stan­den auf Dis­kus­sio­nen über das Flücht­lings­pro­blem in Zu­sam­men­hang mit ei­nem voll­stän­di­gen re­gio­na­len Frie­den; die Ara­ber lehn­ten ab, und die Ge­sprä­che schei­ter­ten.

Der Staat Is­ra­el in sei­ner nach-​Waffenstillstand Kon­fi­gu­ra­ti­on re­sul­tier­te aus dem Krieg, und die Is­rae­lis, ver­ständ­li­cher­wei­se, glau­be ich, wa­ren nicht im Be­griff, die Er­geb­nis­se des Krie­ges, in dem sie ge­ra­de 1% ih­rer Be­völ­ke­rung ge­op­fert hat­ten, zu an­nul­lie­ren und zu­rück­zu­keh­ren zu den ver­wund­ba­ren Tei­lungs­li­ni­en von 1947, die a) die Ara­ber so­wie­so ab­ge­lehnt, und b) wäh­rend die Ara­ber wei­ter­hin ei­nen Zu­stand der Feind­se­lig­kei­ten und ei­ne Po­li­tik der Nicht­an­er­ken­nung pfleg­ten.

Die voll­stän­di­ge Rück­kehr der Flücht­lin­ge nach Is­ra­el im Jahr 1949, mit den um­lie­gen­den Staa­ten im­mer noch mit­ten in ei­nem Zu­stand der Feind­se­lig­kei­ten, hät­te ei­ni­ge 750.000 (oder mehr) Pa­läs­ti­nen­ser mit rund 160.000 ver­blei­ben­den Pa­läs­ti­nen­ser ne­ben ei­ni­gen 650.000 Ju­den zu­sam­men­ge­bracht, wo­durch die Ju­den ei­ne (41%) Min­der­heit in ih­rem ei­ge­nen Staat ge­wor­den wä­ren. Dies hät­te das Recht des jü­di­schen Vol­kes auf Selbst­be­stim­mung ver­wäs­sert, und hät­te den ge­sam­ten Grund für die Schaf­fung des jü­di­schen Staa­tes über­haupt ne­giert.

Die Ara­ber, in der Tat, for­der­ten, dass vor al­len Ver­hand­lun­gen die Is­rae­lis in ih­ren Staat über drei Vier­tel Mil­li­on Flücht­lin­ge auf­neh­men, die durch ih­ren ei­ge­nen An­griffs­krieg über­haupt ent­stan­den wa­ren, wo­durch die Ju­den zu ei­ner 41%-Minderheit im ei­ge­nen Land wür­den. Dann wür­den sie ver­han­deln, und oh­ne je­de Ge­währ, dass selbst das sie da­zu ver­an­las­sen könn­te, mit Is­ra­el Frie­den zu schlies­sen. Die Is­rae­lis wür­den so­mit ih­ren vom Krieg ver­wüs­te­ten Staat mit feind­li­chen ara­bi­schen Flücht­lin­gen flu­ten, um ei­nen Platz am Tisch mit den Ara­bern zu er­hal­ten, und dann das Bes­te hof­fen bei den fol­gen­den Ver­hand­lun­gen. Wirk­lich un­glaub­lich.

Jü­di­sche Selbst­be­stim­mung brauch­te nicht um den Preis des pa­läs­ti­nen­si­schen Exo­dus er­kauft wer­den. Die Pa­läs­ti­nen­ser, die eben­falls ein Recht auf Selbst­be­stim­mung hat­ten, was die Ju­den auch nie be­strit­ten, hät­ten die­se si­cher­lich be­kom­men, wenn sie und die um­lie­gen­den ara­bi­schen Staa­ten die Par­ti­ti­on an­ge­nom­men hät­ten. Die Zu­rück­wei­sung der Par­ti­ti­on und die Ent­schei­dung für den Krieg hat­te Fol­gen.

Nach­dem sich die Ara­ber für Krieg ent­schie­den hat­ten, konn­te das durch die­sen Krieg ent­ste­hen­de Flücht­lings­pro­blem wahr­schein­lich nie rea­lis­tisch in­ner­halb Is­ra­els bei­ge­legt wer­den, aus­ser auf ei­ner be­grenz­ten Ba­sis. Die Vor­stel­lung, dass die Is­rae­lis die Er­geb­nis­se des ge­gen sie ge­führ­ten Ver­nich­tungs­kriegs ne­gie­ren und sich sel­ber in ei­ne Min­der­heit ver­set­zen las­sen von de­nen, die ge­ra­de ih­re Ver­nich­tung ver­sucht hat­ten, war im­mer ab­surd. Vor al­lem: Seit wann dik­tie­ren die Ver­lie­rer ei­nes Krie­ges den Sie­gern die Be­din­gun­gen?

Was die Be­wei­se wirk­lich zei­gen, ist, dass die Nak­ba aus dem Krieg ge­zeugt wur­de, und der Krieg aus der ara­bi­schen Ver­wei­ge­rungs­hal­tung, Man­gel an Rea­lis­mus und noch an­dau­ern­de All­er­gie auf Kom­pro­mis­se, die sie un­ver­meid­lich mach­te. Der Krieg re­sul­tier­te aus der ara­bi­schen Ab­leh­nung des Tei­lungs­plans und die Flücht­lings­kri­se aus dem Krieg. Auch hier ist die Kau­sal­ket­te ein­fach nicht zu leug­nen: es gä­be kei­ne Flücht­lings­kri­se, hät­te es kei­nen Krieg ge­ge­ben.

Nach­dem sie Di­plo­ma­tie und Kom­pro­mis­se ab­ge­lehnt hat­ten, such­ten die Ara­ber das Kräf­te­mes­sen; es soll­te ein Ver­nich­tungs­krieg sein. Seit der An­kün­di­gung der Tei­lung im No­vem­ber 1947 such­ten sie den ent­ste­hen­den jü­di­schen Staat zu zer­stö­ren, schei­ter­ten, er­lit­ten Ka­ta­stro­phe und Nie­der­la­ge im Ver­lau­fe die­ses Pro­zes­ses, und, wie üb­lich, scho­ben die Schuld je­dem zu aus­ser sich selbst, und tun das im­mer noch. Die Nak­ba war in der Tat un­nö­tig selbst zu­ge­fügt, und die Flücht­lin­ge und ih­re Nach­kom­men ha­ben ei­nen schreck­li­chen Preis be­zahlt für ih­re un­ver­zeih­li­che Tor­heit und Un­nach­gie­big­keit. Sie tun es im­mer noch.

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  1. Stoff für’s Hirn | abseits vom mainstream - heplev

    […] „Nak­ba“ – Da­ni­el hat ei­nen Text von Ro­bert Wer­di­ne […]

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