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Am­nes­ty In­ter­na­tio­nal: Schutz der „Men­schen­rech­te” der Frei­er, Zu­häl­ter und Men­schen­händ­ler

Chris Hedges, 16. Au­gust 2015, truthdig.com

Nach ei­ner po­li­zei­li­chen Raz­zia auf ein il­le­ga­les Mi­nen­ar­bei­ter­la­ger in La Pam­pa in der Re­gi­on Madre de Di­os in Pe­ru vom letz­ten Jahr liegt ein ver­ges­se­ner BH auf dem Bo­den vor ei­ner in­for­mel­len Bar, die an­geb­lich Sex­ar­bei­ter be­schäf­tig­te. (Ro­d­ri­go Abd /​ AP)

Die Ent­schei­dung des Ent­schei­dungs­fo­rums von Am­nes­ty In­ter­na­tio­nal, der In­ter­na­tio­na­len Ta­gung des Ra­tes, zur Ent­kri­mi­na­li­sie­rung der Pro­sti­tu­ti­on auf­zu­ru­fen, ist ein wei­te­rer Tri­umph in ei­ner lan­gen Rei­he von Tri­um­phen für ei­ne herz­lo­se neo­li­be­ra­le Öko­no­mie und der gro­tes­ken Ver­ding­li­chung von Men­schen, durch Raubtier-​Kapitalismus de­fi­niert.

Sa­lil Shet­ty, Ge­ne­ral­se­kre­tär von Am­nes­ty In­ter­na­tio­nal, sag­te: „Sex­ar­bei­te­rIn­nen sind ei­ne der am stärks­ten mar­gi­na­li­sier­ten Grup­pen in der Welt, die in den meis­ten Fäl­len stän­di­ger Ge­fahr der Dis­kri­mi­nie­rung, Ge­walt und Miss­brauch aus­ge­setzt sind. Un­se­re glo­ba­le Be­we­gung eb­net den Weg für ei­ne Po­li­tik zum Schutz der Men­schen­rech­te von Sex­ar­bei­te­rIn­nen, was da­zu bei­tra­gen wird, die zu­künf­ti­ge Ar­beit von Am­nes­ty In­ter­na­tio­nal zu die­sem wich­ti­gen The­ma zu ge­stal­ten.”

In der Übel­keit der mo­der­nen Kul­tur ist die Mög­lich­keit, un­ge­straft Men­schen aus­zu­nut­zen, in ein Men­schen­recht ver­zerrt, selbst von ei­ner re­nom­mier­ten und an­ge­se­he­nen Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on. Das ist ein ziem­li­cher Kar­tentrick. Wir le­ben in ei­ner glo­ba­len Kul­tur, wo die Ver­damm­ten die­ser Er­de Leib­ei­ge­ne sind und wo se­xu­el­le Skla­ve­rei – das, was die meis­ten pro­sti­tu­ier­ten Frau­en und Mäd­chen auf der gan­zen Welt er­tra­gen müs­sen – durch die Markt­kräf­te ge­hei­ligt wird. Die­se Frau­en und Mäd­chen ge­hö­ren zu un­se­ren am meis­ten ge­fähr­de­ten. Nach­dem sie von Ar­mut, Ras­sis­mus und Se­xis­mus zer­malmt sind, sind sie nicht in der La­ge, an­de­re Mög­lich­kei­ten für ein nach­hal­ti­ges Ein­kom­men zu fin­den. Sie wer­den we­nig bes­ser als Vieh be­han­delt, die zu den Märk­ten und zu den Ver­brau­chern trans­por­tiert wer­den. Dass ei­ne so ge­nann­te Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on nie­der­träch­ti­ge Recht­fer­ti­gun­gen wie ein Pa­pa­gei wie­der­gibt, ist Sinn­bild für die Tie­fe un­se­rer mo­ra­li­schen De­ge­ne­ra­ti­on und den Tri­umph der Frau­en­feind­lich­keit.

Frau­en und Mäd­chen, die zur Pro­sti­tu­ti­on ge­zwun­gen wer­den, soll­ten nicht als Ver­bre­cher, son­dern als Op­fer be­han­delt wer­den. Die Ver­bre­cher sind die Frei­er und die Zu­häl­ter und Men­schen­händ­ler, die vom Ver­kauf von Men­schen­fleisch pro­fi­tie­ren. Ent­kri­mi­na­li­sie­rung der Pro­sti­tu­ti­on, was die­sen mo­der­nen Skla­ven­hal­tern of­fen die Aus­übung ih­res Ge­wer­bes er­laubt, be­deu­tet, dass die Aus­beu­tung ex­plo­si­ons­ar­tig wach­sen wird. Wir müs­sen dar­an ar­bei­ten, ei­ne Welt zu schaf­fen, in dem die­je­ni­gen, die ih­rer Men­schen­rech­te be­raubt wer­den, nicht in die­ses Di­lem­ma ge­zwun­gen wer­den. Wir dür­fen nicht ei­ne Welt ak­zep­tie­ren, in der Ar­mut das Le­ben der Schwa­chen und Ver­letz­li­chen, dar­un­ter auch Kin­der, zer­stört. Die­je­ni­gen, die von der Pro­sti­tu­ti­on von Frau­en und Mäd­chen pro­fi­tie­ren, müs­sen aus dem Markt ge­drängt wer­den.

„In rei­nen Zah­len sind es die ar­men braun­häu­ti­gen Frau­en der Welt, die mit Blut­ergüs­sen, Er­nied­ri­gung und Tod für die­se igno­ran­te und ab­scheu­li­che Ent­schei­dung, die Am­nes­ty In­ter­na­tio­nal der­mas­sen in die Tie­fe ge­zo­gen hat, zu zah­len ha­ben,” er­zähl­te mir Lee Lak­eman, die ka­na­di­sche Fe­mi­nis­tin, per E-​Mail. „Wenn Am­nes­ty In­ter­na­tio­nals ‚pro­gres­si­ve Lin­ke’ mun­ter von der ‚frei­en Wahl, Pro­sti­tu­ier­te zu sein’ re­den, ent­schei­den sie sich wirk­lich da­für, die Pro­sti­tu­ti­on als Im­pe­ria­lis­mus zu ver­ges­sen? Dritte-​Welt-​Bordell-​Städte, tou­ris­ti­sche Bor­del­le, ent­stan­den wo einst Ar­me­en sta­tio­niert wa­ren, ge­hei­me La­ger der Res­sour­cen Die­be, die in­di­ge­ne Be­völ­ke­run­gen über­ren­nen, UN-​Truppen, die Sex von den Frau­en in Flücht­lings­la­gern für Nah­rung kau­fen? Ver­las­se­ne, süch­ti­ge Mi­gran­ten­kin­der und -Frau­en in den Ghet­tos der Städ­te der Welt, die für den Preis von ei­nem schnel­len Qui­ckie ge­kauft wer­den? Oder stel­len sie [Am­nes­ty und die­je­ni­gen, die ih­re Ent­schei­dung un­ter­stüt­zen] sich die­se freie Wahl vor: Die Frau­en, Ba­bys in den Ar­men, aus Kriegs­ge­bie­ten und öko­lo­gi­schen Wüs­ten mi­grie­rend, die mit Fahr­ten, Nah­rung, Was­ser oder mit ei­ner Chan­ce, ein Kind zu ret­ten, ge­kauft wer­den? Si­cher wis­sen sie, wie ein­hei­mi­sche Mäd­chen mit Dro­gen und Al­ko­hol und Fahr­ten in die Stadt aus der aus­weg­lo­sen Hei­mat ge­kö­dert wer­den. Aber sie kön­nen den in­hä­ren­ten Ras­sis­mus der Pro­sti­tu­ti­on nicht ver­passt ha­ben, der je­den Ras­sen­ste­reo­typ der Frau auf den hin­te­ren Sei­ten und Internet-​Sites der Welt exo­ti­siert. Und die­je­ni­gen von uns, Frau­en des glo­ba­len Nor­dens, die Nah­rung und Schutz ha­ben? Wir kämp­fen jetzt für das öf­fent­li­che Le­ben als Voll­bür­ger. Sind wir ver­pflich­tet, je­des­mal, wenn wir un­se­re Häu­ser ver­las­sen, uns ei­ner Flut von Män­nern ge­gen­über­zu­se­hen, die mit vor Be­rech­ti­gung per Klas­se und Ras­se und Ge­schlecht auf­ge­bläh­ten Ge­sich­tern da­sit­zen und uns beim vor­über­ge­hen ab­che­cken, was auf un­se­rem Preis­schild steht? Be­wusst­sein ist es, teil­wei­se zu wis­sen, wer Ih­nen bei­ste­hen wird. Wir wis­sen, dass Am­nes­ty In­ter­na­tio­nal uns ver­kauft.”

Un­ter de­nen, dar­un­ter Frau­en, die kei­ne Ah­nung ha­ben von dem, was sich zu pro­sti­tu­ie­ren wirk­lich be­deu­tet, ist es hip und chic ge­wor­den, von der Le­gi­ti­mi­tät der „Sex­ar­beit” zu spre­chen. Fil­me wie „Pret­ty Wo­man” und die schlau­en Por­traits der pro-​Prostitutions-​Lobby von der „Sex­in­dus­trie” tra­gen so viel Ähn­lich­keit mit der Rea­li­tät der Pro­sti­tu­ti­on wie „Sands of Iwo Ji­ma” mit dem Krieg. Wenn Sie ei­nen ehr­li­chen Ein­blick möch­ten in das, wie die Pro­sti­tu­ti­ons­in­dus­trie wirk­lich ist, le­sen Sie „Be­zahlt: Mei­ne Rei­se durch die Pro­sti­tu­ti­on” von Ra­chel Mo­ran, die mit 15 auf den Stras­sen von Dub­lin pro­sti­tu­iert wor­den ist. Sie er­trug die­sen Alb­traum sie­ben Jah­re lang.

Mo­ran sagt, auf­grund ih­rer Er­fah­rung, dass es drei Ar­ten von Män­nern gibt, die Pro­sti­tu­ier­te be­nut­zen: je­ne, die Frau­en so be­han­deln, als ob sie kei­ne mensch­li­chen Ge­füh­le hät­ten; die­je­ni­gen, die der Mensch­lich­keit ei­ner Frau be­wusst sind, sich aber da­für ent­schei­den, sie zu igno­rie­ren; und die­je­ni­gen, die se­xu­el­le Lust dar­aus ge­win­nen, die Mensch­lich­keit der Frau­en, die sie kau­fen, zu zer­mal­men.

Un­se­re Kul­tur, durch an­spruchs­vol­le For­men der Pro­pa­gan­da ma­ni­pu­liert, durch kom­mer­zi­ell er­zeug­te Bil­der, die Ge­walt und se­xu­el­le Aus­beu­tung und Aus­nut­zung ver­herr­li­chen, hyp­no­ti­siert, kann die Fan­ta­sie nicht von der Rea­li­tät ent­wir­ren. Vie­le, viel­leicht die meis­ten, Män­ner wur­den von Por­no­gra­phie in­dok­tri­niert. Por­no­gra­phie hat sie ge­lehrt, dass ih­re per­sön­li­che Be­frie­di­gung auf Kos­ten und Er­nied­ri­gung ei­nes an­de­ren ein Men­schen­recht ist. Die­se In­dok­tri­na­ti­on hat den Fe­mi­nis­mus, der einst für die un­ter­drück­ten Frau­en und Mäd­chen kämpf­te, in ein Ac­ces­soire der Frau­en­feind­lich­keit ver­dreht. War­um soll­ten ech­te Fe­mi­nis­tin­nen „Schlam­pen­mär­sche” or­ga­ni­sie­ren oder da­bei teil­neh­men? War­um ist die Wahl ei­nes weib­li­chen Prä­si­den­ten oder die Be­stel­lung ei­nes weib­li­chen CEO ein Fort­schritt, wenn zur glei­chen Zeit – oft in Zu­sam­men­ar­beit mit Elite-​Frauen – so­zia­le und staat­li­che Pro­gram­me, die Hil­fe für ar­me und ar­bei­ten­de Frau­en vor­se­hen, auf­ge­ho­ben wer­den? Die ak­tu­el­le Ge­ne­ra­ti­on der neo­li­be­ra­len „Fe­mi­nis­tin­nen” zi­tiert die Stär­kung ei­ner klei­nen, über­wie­gend weis­sen weib­li­chen Eli­te als Nach­weis des fe­mi­nis­ti­schen Fort­schritts. Frau­en und Mäd­chen, die arm, ras­sisch un­ter­drückt oder Teil der Ar­bei­ter­klas­se sind, wie al­le der Schwächs­ten in un­se­rer Zeit des Raub­tier­ka­pi­ta­lis­mus, wer­den igno­riert und ent­sorgt, zu­sam­men mit den meis­ten ih­rer Für­spre­cher. Dies ist kein Fort­schritt für die Frau­en. Es ist ein tief­grei­fen­der Rück­schlag.

„Ka­pi­ta­lis­mus und Pro­sti­tu­ti­on sind die neue Me­tho­de von Im­pe­ria­lis­mus und Ko­lo­ni­sa­ti­on”, sag­te Ali­ce Lee, Mit­glied der Asi­an Wo­men Co­ali­ti­on En­ding Pro­sti­tu­ti­on, die ich in Van­cou­ver er­reich­te. „Es ist kein Zu­fall, dass Por­no­gra­phie und Pro­sti­tu­ti­on ras­si­sche Ste­reo­ty­pen be­nut­zen, um Frau­en zu ver­kau­fen und aus­zu­nut­zen. Pro­sti­tu­ti­on ist ein Werk­zeug, das Frau­en un­ter­wirft, vor al­lem far­bi­ge Frau­en, das Se­xis­mus und die glo­ba­le Ras­sen­hier­ar­chie stärkt. Die Nor­ma­li­sie­rung des se­xua­li­sier­ten Ras­sis­mus ver­stärkt die Idee in al­len Na­tio­nen, dass far­bi­ge und ar­me Frau­en ent­behr­lich /​ Weg­werf­wa­re sind. Der glo­ba­le Nor­den muss un­ser Land nicht mehr be­set­zen. Sie kön­nen un­se­ren Kör­per be­set­zen und un­se­ren Wert de­fi­nie­ren. Die­ser Me­cha­nis­mus er­mög­licht es ih­nen, uns als we­ni­ger mensch­lich an­zu­se­hen.”

Die Welt wur­de auf den Kopf ge­stellt. Je­der Satz von der pro-​Prostitutionslobby – dass es bei Pro­sti­tu­ti­on um ei­ne frei­wil­li­ge Ent­schei­dung geht, dass Pro­sti­tu­ti­on zu ei­ner Stär­kung führt, dass die Le­ga­li­sie­rung der Pro­sti­tu­ti­on Frau­en schützt – ist ei­ne Lü­ge. Aber wir sind ei­ne Kul­tur, die von Lü­gen über­flu­tet ist, und in­mit­ten die­ser Flut ist es für vie­le schwer,  Il­lu­si­on von der Rea­li­tät zu tren­nen.

Pro­sti­tu­iert zu sein be­deu­tet un­be­fris­te­te Ver­ge­wal­ti­gung. Pro­sti­tu­iert zu sein be­deu­tet, dass dei­ne Öff­nun­gen ein Dut­zend oder mehr Mal pro Nacht von Frem­den pe­ne­triert wer­den, die dich oft be­lei­di­gen, roh be­han­deln und schla­gen. Dies ge­schieht in den Au­tos, in den Gas­sen, in „Mas­sa­ge­sa­lons,” in Bor­del­len, in Mo­tel­zim­mern. Und die­je­ni­gen, die ech­tes Geld ver­die­nen, sind nicht die aus­ge­beu­te­ten und miss­brauch­ten, son­dern die Zu­häl­ter, Men­schen­händ­ler, Bor­dell­be­sit­zer und Mas­sa­ge­sa­lon­be­sit­zer. Pro­sti­tu­iert sein be­deu­tet va­gi­na­le und ana­le Ris­se, Prel­lun­gen, Kno­chen­brü­che, se­xu­ell über­trag­ba­re Krank­hei­ten, ein­schliess­lich HIV, und schwe­re psy­chi­sche Schä­den. Und es kann den Tod be­deu­ten. Es be­deu­tet fast im­mer frü­hen Tod. Die­je­ni­gen, die die­sen Miss­brauch er­tra­gen müs­sen, sind fast im­mer far­bi­ge Frau­en, vie­le von Men­schen­händ­lern aus ar­men Län­dern in re­la­tiv wohl­ha­ben­de Län­der ge­lie­fert für den al­lei­ni­gen Zweck der se­xu­el­len Aus­beu­tung.

„Ver­ge­wal­ti­gung, Ehe­frau­en­miss­hand­lung und Por­no­gra­phie dient da­zu, Frau­en in ih­re Schran­ken zu wei­sen”, sag­te Lee. „Das ist die Funk­ti­on der männ­li­chen Ge­walt ge­gen Frau­en. Wenn Frau­en hö­ren und se­hen, wie an­de­re Frau­en ver­ge­wal­tigt, miss­han­delt oder pro­sti­tu­iert wer­den, dann wis­sen wir, dies könn­te leicht mit uns ge­sche­hen. Manch­mal hört man un­ter den pro-​Prostitutionsargumenten, dass dank Pro­sti­tu­ti­on Män­ner von der Ver­ge­wal­ti­gung ge­wöhn­li­cher Frau­en ab­ge­hal­ten wer­den. Aber durch die An­nah­me der Pro­sti­tu­ti­on ak­zep­tie­ren wir ei­ne Klas­se von Frau­en, die ent­behr­lich sind, als ob das ver­hin­dern wür­de, dass wir von Män­nern ge­schla­gen und ver­ge­wal­tigt wer­den. Nur wenn al­le Frau­en Frei­heit und Au­to­no­mie er­rei­chen, kön­nen wir frei sein.”

Ich lei­de un­ter post-​traumatischen Be­las­tungs­stö­run­gen aus mei­ner Zeit als Kriegs­be­richt­erstat­te­rin. Ich er­kann­te so­fort Lei­dens­ge­nos­sen von PTSD in pro­sti­tu­ier­ten Frau­en und Mäd­chen, als ich sie in Flüchtlings- und Um­sied­lungs­la­gern in La­tein­ame­ri­ka, Afri­ka und auf dem Bal­kan in­ter­view­te. Pro­sti­tu­ier­te Frau­en sind in und in der Nä­he von Kriegs­ge­bie­ten so all­täg­lich wie Lei­chen. Wenn ei­ne Kul­tur ein­mal in die Krank­heit von Ge­walt ab­steigt, so­bald ei­ne Kul­tur es Men­schen er­mög­licht, ras­si­fi­zier­te Ob­jek­te der Aus­beu­tung zu wer­den, gibt es ei­ne Ex­plo­si­on von Ver­ge­wal­ti­gun­gen und Pro­sti­tu­ti­on, zu­sam­men mit Por­no­gra­fie. Krieg, wie die neo­li­be­ra­le Öko­no­mie, sieht nur Roh­stof­fe, nicht füh­len­de We­sen mit der Fä­hig­keit, Schmerz und Freu­de zu füh­len. Und Krieg ge­gen die Men­schen, als auch den Pla­ne­ten, zu füh­ren, ist das Herz­stück der neo­li­be­ra­len Öko­no­mie.

Frau­en und Mäd­chen zu pro­sti­tu­ie­ren ist ein lu­kra­ti­ves Ge­schäft. Deutsch­land, das die Pro­sti­tu­ti­on im Jahr 2002 le­ga­li­siert hat, wird jetzt als „Eu­ro­pas gröss­tes Bor­dell” be­ti­telt. Es hat die se­xu­el­le Aus­beu­tung mit ei­ner er­schre­cken­den un­ter­neh­me­ri­schen Ef­fi­zi­enz in­dus­tria­li­siert. Mehr als ei­ne Mil­li­on Män­ner pro Tag ma­chen in die­sen Trans­ak­tio­nen mit und beu­ten Frau­en und Mäd­chen se­xu­ell aus, vor al­lem sol­che aus den ar­men Län­dern in Afri­ka und Ost­eu­ro­pa. Die­se Frau­en und Mäd­chen sind nach Deutsch­land ge­schickt wor­den, um die phy­si­schen Be­dürf­nis­se der Wohl­ha­ben­den zu sät­ti­gen und die Zu­häl­ter und Men­schen­händ­ler, die sie kon­trol­lie­ren, zu be­rei­chern. Die Frau­en und Mäd­chen tun dies nicht, weil sie ei­ne Wahl ha­ben. Sie tun dies, weil sie ver­zwei­felt und arm sind. Das deut­sche Ma­ga­zin Spie­gel ver­öf­fent­lich­te ei­ne Un­ter­su­chung, die die­sen Miss­brauch im De­tail aus­legt: „Wie Le­ga­li­sier­te Pro­sti­tu­ti­on fehl­ge­schla­gen ist.”

Am­nes­ty In­ter­na­tio­nal hat im We­sent­li­chen die Waf­fe der männ­li­chen Ob­jek­ti­vie­rung und Ge­walt im Krieg ge­gen Frau­en le­gi­ti­miert. Die­se Waf­fe exis­tiert un­ab­hän­gig von den Übeln des glo­ba­len Ka­pi­ta­lis­mus. Der Kampf, um männ­li­che Ge­walt ge­gen Frau­en zu be­en­den, muss in­te­gra­ler Be­stand­teil sein für die­je­ni­gen von uns, die auch ge­gen den glo­ba­len Ka­pi­ta­lis­mus kämp­fen. Wir brau­chen die Be­frei­ung der Frau­en und Mäd­chen, ein­schliess­lich de­rer, die arm und far­big sind. Frau­en kön­nen im Kampf für ei­ne bes­se­re Welt nicht mit­ma­chen, bis männ­li­che Ge­walt und männ­li­cher An­spruch aus­ge­rot­tet sind. Frei­heit von Aus­beu­tung, vor al­lem für Frau­en und Mäd­chen, wird den Er­folg oder Miss­er­folg un­se­res Kamp­fes de­fi­nie­ren. An­ti­ka­pi­ta­lis­tisch zu sein, ein Mit­glied der au­then­ti­schen Lin­ken, die al­len Un­ter­drück­ten bei­steht, zu sein, be­deu­tet, den ra­di­ka­len Fe­mi­nis­mus zu um­ar­men – nicht den Schein­fe­mi­nis­mus des Neo­li­be­ra­lis­mus, son­dern den wah­ren Fe­mi­nis­mus von An­drea Dwor­kin. Es ist an­zu­er­ken­nen, dass kein An­griff ge­gen den Ka­pi­ta­lis­mus mög­lich ist, oder auch nur mo­ra­lisch zu­läs­sig ist, wenn er nicht durch ei­nen An­griff ge­gen männ­li­che Ge­walt und der Aus­beu­tung von Frau­en und Mäd­chen be­glei­tet wird.

„Der Ka­pi­ta­lis­mus ist nicht bö­se oder grau­sam, wenn die Wa­re die Hu­re ist,” schrieb Dwor­kin. „Ge­winn ist nicht bö­se oder grau­sam, wenn der ent­frem­de­te Ar­bei­ter ein weib­li­ches Stück Fleisch ist; Blut­saugen­de Un­ter­neh­men sind nicht bö­se oder grau­sam, wenn die in Fra­ge ste­hen­den Un­ter­neh­men, die or­ga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät und de­ren Or­ga­ni­sa­tio­nen, Fot­zen ver­kau­fen; Ras­sis­mus ist nicht bö­se oder grau­sam, wenn die schwar­ze Fot­ze oder gel­be oder ro­te Fot­ze oder his­pa­ni­sche Fot­ze oder jü­di­sche Fot­ze ih­re Bei­ne zum Ver­gnü­gen je­des Man­nes breit macht; Ar­mut ist nicht bö­se oder grau­sam, wenn es die Ar­mut der be­sitz­lo­sen Frau­en ist, die nur sich selbst zu ver­kau­fen ha­ben; Ge­walt der Mäch­ti­gen ge­gen die Macht­lo­sen ist nicht bö­se oder grau­sam, wenn sie Sex ge­nannt wird; Skla­ve­rei ist nicht bö­se oder grau­sam, wenn es se­xu­el­le Skla­ve­rei ist; Fol­ter ist nicht bö­se oder grau­sam, wenn die ge­quäl­ten Frau­en, Hu­ren, Fot­zen sind. Die neue Por­no­gra­fie ist Links; und die neue Por­no­gra­phie ist ein rie­si­ger Fried­hof, wo die Lin­ke hin­ge­gan­gen ist, um zu ster­ben. Die Lin­ke kann nicht ih­re Hu­ren und ih­re Po­li­tik gleich­zei­tig ha­ben.”

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  1. archemama

    […] 20. Au­gust 2015 Ad­min Hin­ter­las­se ei­nen Kom­men­tar […]

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