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BDS: Die Lü­gen und die Wahr­heit

tyBen-​Dror Ye­mi­ni, 28.9.2015, YNetNews.com Opi­ni­on

Is­ra­els Kri­ti­ker lie­ben es, gran­dio­se For­de­run­gen auf­zu­stel­len, und sie ma­chend da­bei vie­les falsch. Hier sind ein paar Bei­spie­le.

Is­ra­el ist nicht von Kri­tik aus­ge­nom­men. Nicht je­de Ent­schei­dung der is­rae­li­schen Re­gie­rung ist rich­tig, und nicht je­der Schritt in je­der Kon­fron­ta­ti­on in den letz­ten Jah­ren war an­ge­mes­sen. Kon­flik­te schaf­fen schwie­ri­ge Si­tua­tio­nen. Selbst­ver­tei­di­gung ge­gen den Ter­ror bringt Un­recht und Scha­den für Un­schul­di­ge mit sich.

Die Fort­set­zung des Sied­lungs­pro­jekt steht im Mit­tel­punkt ei­ner hit­zi­gen öf­fent­li­chen De­bat­te. Vie­le Is­rae­lis glau­ben, dass In­ves­ti­tio­nen in Sied­lun­gen im Wi­der­spruch zu is­rae­li­schen In­ter­es­sen ste­hen und die Chan­ce für den Frie­den ver­let­zen. In Is­ra­el gibt es schar­fe Kri­tik ge­gen un­nö­ti­ge Ver­let­zung der Men­schen­rech­te, und es gibt vie­le, die ver­lan­gen, dass wei­te­re Schrit­te un­ter­nom­men, um die Gleich­stel­lung der is­rae­li­schen Ara­ber zu er­hö­hen.

Aber es gibt ei­nen Un­ter­schied zwi­schen ei­nem le­gi­ti­men Ar­gu­ment, re­le­van­ter Kri­tik an der is­rae­li­schen Po­li­tik, und ei­ner mo­nu­men­ta­len Kam­pa­gne der fal­schen Be­haup­tun­gen der Apart­heid, Ge­no­zi­de, Ver­bre­chen ge­gen die Mensch­lich­keit und der Pro­kla­ma­tio­nen, dass Is­ra­el in Sün­de ge­bo­ren, weil es ei­ne ko­lo­nia­lis­ti­sche Ein­heit, und als sol­che an der schwe­ren Kri­mi­na­li­tät eth­ni­scher Säu­be­run­gen be­tei­ligt sei.

Die fol­gen­den kur­zen Ant­wor­ten ver­su­chen nicht, die­se Re­gie­rung oder ir­gend­ei­ne an­de­re Re­gie­rung Is­ra­els zu ver­tei­di­gen. Sie sind nur da­zu ge­dacht, ei­ni­ge der fal­schen Be­haup­tun­gen, die wie­der und wie­der ge­gen Is­ra­el vor­ge­bracht wer­den, zu wi­der­le­gen.

Israelisch-jüdische Siedler in Migron. Das Siedlungsprojekt wird innerhalb Israels heiss diskutiert.

Israelisch-​jüdische Sied­ler in Mi­gron. Das Sied­lungs­pro­jekt wird in­ner­halb Is­ra­els heiss dis­ku­tiert. (Fo­to: Reu­ters)

Schwe­re Vor­wür­fe wur­den auch aus der is­rae­li­schen Wis­sen­schaft und aus den is­rae­li­schen Me­di­en her­aus ge­hört. Auch hier be­kommt man den Vor­wurf, dass Is­ra­el ein Apart­heid­staat sei, zu hö­ren. Auch hier gibt es Men­schen, die be­haup­ten, dass Is­ra­el am Völ­ker­mord be­tei­ligt sei. Is­rae­lis be­haup­ten, dass die IDF die Pa­läs­ti­nen­ser auf die glei­che Wei­se be­han­delt, wie die Na­zis die Ju­den. Die Tat­sa­che, dass sol­che Aus­sprü­che in Is­ra­el zu hö­ren sind, macht sie nicht wahr. Es ist ein­fach der Be­weis, dass Is­ra­el ei­ne le­ben­di­ge De­mo­kra­tie ist mit Re­de­frei­heit, die selbst Falsch­aus­sa­gen zu­lässt.

Das Pro­blem ist, dass in der gan­zen Welt sol­che Be­haup­tun­gen viel Raum ge­win­nen. „Fak­ti­sche” Be­haup­tun­gen wer­den nicht über­prüft, ob­wohl ei­ne ein­fa­che Kon­trol­le zu ih­rer Ent­kräf­tung füh­ren wür­de.

Die hier vor­ge­stell­ten Ide­en sol­len kei­ne po­li­ti­sche Hal­tung sein. Es ist ei­ne Prä­sen­ta­ti­on, die ge­gen Het­ze, Pro­pa­gan­da und Dä­mo­ni­sie­rung an­ge­hen und ei­ne fai­re po­li­ti­sche De­bat­te er­leich­tern soll.

Zu­sam­men­fas­sung

Dies sind nicht al­le For­de­run­gen ge­gen­über Is­ra­el. Es gibt wei­te­re. Ei­ni­ge sind nur Be­haup­tun­gen. Nicht je­de Schlies­sung ei­nes Ge­schäfts in He­bron ist fair. Nicht je­de Kon­trol­le an je­dem Check­point ist ver­tret­bar. Nicht je­de Ver­hin­de­rung ei­ner Brun­nen­boh­rung ist ent­schuld­bar. Trotz der of­fen­sicht­li­chen Ver­bes­se­rung der Le­bens­be­din­gun­gen der Pa­läs­ti­nen­ser von 1967 bis heu­te hat die is­rae­li­sche Herr­schaft auch Un­ge­rech­tig­kei­ten ge­schaf­fen.

Die is­rae­li­sche Ge­sell­schaft als de­mo­kra­ti­schen Ge­sell­schaft mit ei­ner frei­en Pres­se und Be­ob­ach­ter­or­ga­ni­sa­tio­nen ana­ly­siert und über­wacht sich selbst. Das ist der Grund für vie­le Ver­än­de­run­gen in den letz­ten zwei Jahr­zehn­ten. Vor­wie­gend Ver­än­de­run­gen zum Bes­se­ren. Es gibt we­ni­ger Check­points. Es gibt mehr Selbst­be­stim­mung für die Pa­läs­ti­nen­ser.

BDS-Demonstranten in den Niederlanden. Die Boykottbewegung will nicht wirklich Frieden

BDS-​Demonstranten in den Nie­der­lan­den. Die Boy­kott­be­we­gung will nicht wirk­lich Frie­den (Fo­to: Tal Shahar)

Der Wunsch nach ei­ner Ver­ein­ba­rung oder güt­li­chen Re­ge­lung ist ein ge­rech­ter Wunsch, auch wenn es ei­ne hit­zi­ge De­bat­te gibt in Is­ra­el und aus­ser­halb in Be­zug auf die Be­din­gun­gen. Es ist aber klar, dass die Boy­kott­be­we­gung kei­nen Frie­den und kei­ne Bei­le­gung wünscht. Es ist ei­ne Be­we­gung, die ei­nen ju­ris­ti­schen Dis­kurs miss­braucht, um das Recht ei­nes Vol­kes auf Selbst­be­stim­mung zu ver­wei­gern. Es ist ei­ne Be­we­gung, de­ren Füh­rer vie­le ih­rer Un­ter­stüt­zer täu­schen. Die Füh­rer wi­der­set­zen sich dem Frie­den.

Vie­le der Un­ter­stüt­zer möch­ten ei­ne ge­rech­te Frie­dens­lö­sung, ba­sie­rend auf zwei Staa­ten für zwei Völ­ker, wes­halb die hier vor­ge­stell­ten Punk­te nicht da­zu ge­dacht sind, ei­ne be­stimm­te po­li­ti­sche Hal­tung zu un­ter­stüt­zen. Sie sol­len grund­le­gen­de Fak­ten prä­sen­tie­ren. Sie sol­len die Pro­pa­gan­da der Lü­gen wi­der­le­gen und ei­nen Dia­log er­mög­li­chen, der fair ist, auch wenn er kri­tisch ist, was ei­ne Grund­vor­aus­set­zung ist für die Lö­sung des israelisch-​arabischen Kon­flikts.

Die Lü­ge: „Zio­nis­mus ist ei­ne ko­lo­nia­lis­ti­sche Be­we­gung. Sie ha­ben von den Pa­läs­ti­nen­sern Land er­obert, das Ih­nen nicht ge­hört.”

Die Wahr­heit: Der Zio­nis­mus ist ei­ne na­tio­na­le Be­frei­ungs­be­we­gung, wie vie­le an­de­re, die im 19. und 20. Jahr­hun­dert ge­grün­det wur­den. Zio­nis­mus hat nicht „er­obert.” Vie­le jü­di­sche Men­schen, die ver­folgt wur­den, vor al­lem in Ost­eu­ro­pa und in den ara­bi­schen Län­dern, be­gan­nen ih­ren Weg nach Is­ra­el. Es gab kei­ne Ein­heit na­mens Pa­läs­ti­na zu die­ser Zeit. Es war ein sehr dünn be­sie­del­tes Stück Land un­ter der Herr­schaft des Os­ma­ni­schen Rei­ches.

Herzl ap­pel­lier­te an den tür­ki­schen Sul­tan und an­de­re Wür­den­trä­ger, um die Er­laub­nis zu er­hal­ten, die­sen Teil des Lan­des an die Ju­den zu­ge­wie­sen zu be­kom­men. Die Zu­stim­mung wur­de erst im Jah­re 1917 ge­währt mit der Balfour-​Deklaration, die von „ei­ner na­tio­na­len Heim­stät­te für das jü­di­sche Volk” sprach, und be­stä­tigt durch den Völ­ker­bund im Jah­re 1922. Bis zur Grün­dung des Staa­tes Is­ra­el im Jah­re 1948 wur­de kein ein­zi­ger Ara­ber von sei­nem Land ver­trie­ben, und je­des Stück Land, auf dem sich Ju­den nie­der­lies­sen, war le­gal er­wor­ben und voll­stän­dig be­zahlt wor­den.

Die Lü­ge: „Ihr habt Mil­lio­nen von Pa­läs­ti­nen­sern von ih­rem Land ver­trie­ben. Das ist eth­ni­sche Säu­be­rung.”

Die Wahr­heit: In der ers­ten Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts gab es Wel­len von Be­völ­ke­rungs­aus­tau­schen zum Zwe­cke der Grün­dung von Na­tio­nal­staa­ten. Über 60 Mil­lio­nen Men­schen wur­den aus ih­rer Hei­mat ent­wur­zelt. Im Jahr 1947 er­klär­te die UNO die Grün­dung von zwei Staa­ten zwi­schen dem Jor­dan und dem Meer – ei­nem jü­di­schen Staat und ei­nem ara­bi­schen Staat. Die Ju­den ak­zep­tier­ten die Ent­schei­dung. Die Ara­ber lehn­ten sie ab und er­klär­ten ei­nen Ver­nich­tungs­krieg.

Vie­le Ara­ber flo­hen we­gen des be­vor­ste­hen­den Krie­ges und ei­ni­ge wur­den nach der In­va­si­on der ara­bi­schen Staat Ar­me­en in die neu ge­bo­ren Staat ver­trie­ben. Über 711.000 Ara­ber wur­den zu Flücht­lin­gen. Als Fol­ge des Kon­flikts wur­den et­wa 850.000 Ju­den ge­zwun­gen, die ara­bi­schen Län­der zu ver­las­sen. Vie­le von ih­nen wur­den ver­trie­ben und ih­re Be­sitz­tü­mer be­schlag­nahmt. Von Mil­lio­nen von Flücht­lin­gen in die­sen Jah­ren sind die ein­zi­gen, die als Flücht­lin­ge üb­rig ge­blie­ben sind, die Pa­läs­ti­nen­ser, und das ist ein Er­geb­nis ei­ner be­wuss­ten Ent­schei­dung der ara­bi­schen Län­der, die ih­re Si­tua­ti­on zu ver­ewi­gen.

Die Lü­ge: „Pa­läs­ti­nen­ser, die in Is­ra­el le­ben, sind Bür­ger zwei­ter Klas­se.”

Die Wahr­heit: Die is­rae­li­schen Ara­ber sind gleich­be­rech­tig­te Bür­ger. Ara­ber die­nen als Mit­glie­der des Par­la­ments, als Rich­ter in den Ge­rich­ten, ein­schliess­lich des Obers­ten Ge­richts­hofs, als Pro­fes­so­ren und Dok­to­ren. In der Ver­gan­gen­heit gab es Vor­fäl­le von Dis­kri­mi­nie­rung, und manch­mal gibt es sie im­mer noch. Aber nach ei­nem ob­jek­ti­ven Mass­stab ist der Zu­stand der is­rae­li­schen Ara­ber weit bes­ser als die der mus­li­mi­schen Min­der­hei­ten in Eu­ro­pa.

Der Lei­ter der Ju­ry, der den ehe­ma­li­gen is­rae­li­schen Prä­si­den­ten Mos­he Katsav ins Ge­fäng­nis ge­schickt hat, zum Bei­spiel, war ein ara­bi­scher Rich­ter. Der Vor­sit­zen­de der Zen­tra­len Wahl­kom­mis­si­on der Wah­len im Jahr 2015 war auch ein Ara­ber. Es gibt zahl­rei­che Bei­spie­le für die Mög­lich­kei­ten, in de­nen is­rae­li­sche Ara­ber in der Kul­tur, Kunst, Wirt­schaft und Wis­sen­schaft in Is­ra­el in­te­griert sind.

Richter Salim Joubran. Vorsitzender des Panels, das Moshe Katsav ins Gefängnis schickte.

Rich­ter Sa­lim Jou­bran. Vor­sit­zen­der des Pa­nels, das Mos­he Katsav ins Ge­fäng­nis schick­te. (Fo­to: Mo­ti Kim­chi)

Die Lü­ge: „Is­ra­el er­zwingt ei­ne Apartheid-​Politik in den be­setz­ten Ge­bie­ten.”

Die Wahr­heit: Is­ra­el hat sich voll­stän­dig aus dem Ga­za­strei­fen zu­rück­ge­zo­gen, und die meis­ten Westbank-​Araber le­ben un­ter der pa­läs­ti­nen­si­schen Au­to­no­mie­be­hör­de, die die meis­ten As­pek­te ih­res Le­bens ab­deckt. Die Pa­läs­ti­nen­ser auf der an­de­ren Sei­te der Grü­nen Li­nie ha­ben kei­ne is­rae­li­sche Staats­bür­ger­schaft, weil sie ei­nen pa­läs­ti­nen­si­schen Staat an­stre­ben, und Is­ra­el die West­bank nicht an­nek­tiert hat. In den letz­ten Jahr­zehn­ten hat Is­ra­el im­mer wie­der ei­ne Ei­ni­gung von zwei Staa­ten für zwei Völ­ker an­ge­nom­men. Ara­fat lehn­te Bill Clin­tons Vor­schlag ab, und Mah­mud Ab­bas (Abu Ma­zen) ei­nen ähn­li­chen Vor­schlag von Ehud Ol­mert. An dem Tag, an dem die pa­läs­ti­nen­si­sche Füh­rung ei­ne Zwei-​Staaten-​Lösung an­nimmt – wird ein Frie­dens­ab­kom­men in Reich­wei­te sein.

Die Lü­ge: „Die IDF ver­haf­tet Pa­läs­ti­nen­ser, um ei­ne Herr­schaft des Ter­rors in der West­bank zu eta­blie­ren”.

Die Wahr­heit: IDF-​Soldaten ver­haf­ten Pa­läs­ti­nen­ser nur dann, wenn, und nur wenn, sie feind­li­cher Ak­ti­vi­tä­ten ver­däch­tigt wer­den. Der Kampf ge­gen den Ter­ror ist nicht nur ei­ne is­rae­li­sche Schlacht. Es ist ein har­ter und kom­pli­zier­ter Kampf, der in der gan­zen frei­en Welt ge­kämpft wird, so­wie auch in ara­bi­schen Län­dern. Die Pa­läs­ti­nen­si­sche Au­to­no­mie­be­hör­de mit Mah­mud Ab­bas ist auch im Kampf ge­gen den Ter­ror ak­tiv. Dank der Ak­ti­vi­tä­ten der Is­rae­li und der pa­läs­ti­nen­si­schen Au­to­no­mie­be­hör­de, so­wie der Trenn­mau­er, hat sich die Hö­he des Ter­rors und der Ge­walt ver­rin­gert. In je­dem Kampf ge­gen den Ter­ror, von je­dem Land, kön­nen un­schul­di­ge Men­schen ver­letzt wer­den. Kein Land ist im­mun ge­gen Feh­ler.

Die Lü­ge: „Is­ra­el hat Tau­sen­de von Kin­dern er­mor­det in Ga­za.”

Die Wahr­heit: Is­ra­el kämpft ei­nen Kampf ge­gen die Ha­mas, die von der frei­en Welt – ein­schliess­lich der Eu­ro­päi­schen Uni­on – als ter­ro­ris­ti­sche Or­ga­ni­sa­ti­on be­ur­teilt wird. Der Hamas-​Gründungsvertrag for­dert die Ver­nich­tung der Ju­den und in Hamas-​Sendungen, auch in Kin­der­sen­dun­gen, gibt es of­fen­kun­di­ge an­ti­se­mi­ti­sche und ras­sis­ti­sche Het­ze. Ha­mas setzt Kin­der bru­tal im Auf­bau ih­rer Ter­ror­tun­nels ein; sie be­nutzt Kin­der als mensch­li­che Schutz­schil­de und star­tet Ra­ke­ten von Schu­len und dicht be­sie­del­ten Ge­bie­ten.

Im Ge­gen­satz zur Ha­mas, die mit dem Vor­satz schiesst, Zi­vi­lis­ten zu ver­let­zen, un­ter­nimmt Is­ra­el ex­tre­me Mass­nah­men, mehr als je­de an­de­re Ar­mee der Welt, um zu ver­mei­den, dass un­schul­di­ge Men­schen ver­letzt wer­den. Aber der zy­ni­sche Ein­satz von Zi­vi­lis­ten und Kin­dern durch die Ha­mas führ­te zu un­glück­li­chem Scha­den für un­schul­di­ge Zi­vi­lis­ten. Die Schuld liegt bei den­je­ni­gen, die den Ter­ror un­ter­stüt­zen, nicht bei den­je­ni­gen, die ihn be­kämp­fen.

Die Lü­ge: „Is­ra­el er­würgt Ga­za in ei­ner grund­lo­sen Be­la­ge­rung.”

Die Wahr­heit: Is­ra­el hat sich aus dem Ga­za­strei­fen vor ei­nem Jahr­zehnt zu­rück­ge­zo­gen, um sei­nen Be­woh­nern zu er­mög­li­chen, un­ter Selbst­ver­wal­tung zu blü­hen und zu ge­dei­hen. Ha­mas wähl­te den Weg der Ge­walt und des Ter­rors. Zehn Jah­re nach dem Rück­zug wer­den die gros­se Mehr­heit der Be­rei­che, die von Is­ra­el eva­ku­iert wor­den wa­ren, als Trai­nings­ge­län­de für ter­ro­ris­ti­sche Or­ga­ni­sa­tio­nen ver­wen­det. Im An­schluss an den Er­folg der Ha­mas bei den Wah­len in der Pa­läs­ti­nen­si­schen Au­to­no­mie­be­hör­de 2006 hat das Quar­tett (die Eu­ro­päi­sche Uni­on, die Ver­ein­ten Na­tio­nen, die Ver­ei­nig­ten Staa­ten und Russ­land) ih­nen Be­din­gun­gen prä­sen­tiert für die An­er­ken­nung und Ko­ope­ra­ti­on: An­er­ken­nung der frü­he­ren Ab­kom­men und Ein­stel­lung der Ge­walt.

Ha­mas re­agier­te mit blan­ker Ab­leh­nung. Die Ge­walt, der Ter­ror, die Ra­ke­ten ge­gen Is­ra­el wa­ren nicht we­gen der Be­la­ge­rung. Es war um­ge­kehrt: die Be­la­ge­rung wur­de we­gen der Ge­walt, des Ter­rors und der Ra­ke­ten im­ple­men­tiert. Der Tag, an dem Ha­mas sich da­für ent­schei­det, die Be­din­gun­gen der in­ter­na­tio­na­len Ge­mein­schaft zu über­neh­men, wird der Tag sein, an dem die Be­la­ge­rung nicht mehr not­wen­dig ist.

Hamas-Führer Ismail Haniyeh. In der freien Welt als Terroristenorganisation beurteilt.

Hamas-​Führer Is­mail Ha­niy­eh. In der frei­en Welt als Ter­ro­ris­ten­or­ga­ni­sa­ti­on be­ur­teilt. (Fo­to: AFP)

Die Lü­ge: „Is­ra­el lässt die Pa­läs­ti­nen­si­sche Au­to­no­mie­be­hör­de nicht die Be­völ­ke­rung in den be­setz­ten Ge­bie­ten ver­wal­ten.”

Die Wahr­heit: Die meis­ten Pa­läs­ti­nen­ser, die un­ter der Ver­wal­tung der Pa­läs­ti­nen­si­schen Au­to­no­mie­be­hör­de le­ben, se­hen kei­ne is­rae­li­schen Sol­da­ten und le­ben nicht un­ter is­rae­li­scher Herr­schaft. Fast al­le Check­points, die in der Ver­gan­gen­heit in der West­bank be­stan­den ha­ben, wur­den ent­fernt als Er­geb­nis des Ab­falls des Ter­ror­pe­gels. In den meis­ten As­pek­ten des täg­li­chen Da­seins füh­ren die Pa­läs­ti­nen­ser ihr Le­ben oh­ne is­rae­li­sche Ein­mi­schung.

Doch bis ei­ne dau­er­haf­te Ei­ni­gung er­zielt wird, ist Is­ra­el im­mer noch ver­ant­wort­lich für die Si­cher­heit, oh­ne die es die Ge­fahr gibt, dass Ter­ror über­hand nimmt oder die Ha­mas über­nimmt, wie es in Ga­za der Fall war. Das geht zu­nächst und in ers­ter Li­nie für die Pa­läs­ti­nen­ser selbst nach hin­ten los. Es ist kei­ne idea­le Si­tua­ti­on, aber in An­be­tracht des Auf­stiegs ei­ner Wel­le is­la­mi­scher Ex­tre­mis­ten in ei­ni­ge Nach­bar­län­dern sind die Pa­läs­ti­nen­ser in ei­ner viel bes­se­ren Po­si­ti­on.

Die Lü­ge: „Die Pa­läs­ti­nen­ser wol­len Frie­den mit Is­ra­el, son­dern Is­ra­el will nicht in Frie­den mit ih­nen le­ben.”

Die Wahr­heit: Die Ara­ber wa­ren die­je­ni­gen, die „NEIN” sag­ten zum Par­ti­tio­nie­rungs­vor­schlag der Peel-​Kommission im Jah­re 1937. Sie sag­ten „NEIN” zum UNO-​Teilungsvorschlag von 1947. Das Oslo-​Abkommen in den 90er Jah­ren soll­te zu ei­ner Ei­ni­gung füh­ren, aber statt­des­sen brach­te es ei­ne Wel­le des Ter­rors. Nach der Camp-​David-​Konferenz im Som­mer 2000 leg­te Prä­si­dent Clin­ton bei­den Sei­ten die Pa­ra­me­ter für ein Frie­dens­ab­kom­men vor: Zwei Staa­ten für zwei Völ­ker, ein­schließ­lich der Tei­lung Je­ru­sa­lems, Rück­zug aus 90% der Westbank-​Gebiete so­wie aus dem ge­sam­ten Ga­za­strei­fen, und die Re­ha­bi­li­ta­ti­on der Flücht­lin­ge mit Hil­fe ei­nes in­ter­na­tio­na­len Fonds.

Is­ra­el be­schloss, die Be­din­gun­gen zu ak­zep­tie­ren. Ara­fat wei­ger­te sich und star­te­te die zwei­te In­ti­fa­da, die den Tod von Tau­sen­den von Pa­läs­ti­nen­sern und mehr als tau­send Is­rae­lis ver­ur­sach­te. Im Jahr 2005 zog sich Is­ra­el aus dem ge­sam­ten Ga­za­strei­fen zu­rück, bis auf den letz­ten Zen­ti­me­ter. Seit die­ser Zeit wur­den fast 20.000 Ra­ke­ten aus dem Ga­za­strei­fen nach Is­ra­el ab­ge­feu­ert.

Die Lü­ge: „Is­ra­el soll­te das pa­läs­ti­nen­si­sche ‚Rück­kehr­recht’ in Über­ein­stim­mung mit dem Völ­ker­recht re­spek­tie­ren.”

Die Wahr­heit: Mil­lio­nen von Men­schen, die nach den bei­den Welt­krie­gen Flücht­lin­ge wur­den, er­hiel­ten kein „Recht auf Rück­kehr”, weil ein sol­ches Recht Welt­cha­os ver­ur­sacht hät­te. Das Völ­ker­recht be­inhal­tet kein sol­ches Recht. Pe­ti­tio­nen, die von Flücht­lin­gen aus Mit­tel­eu­ro­pa nach dem Zwei­ten Welt­krieg und von Flücht­lin­gen aus Zy­pern über­ge­ben wur­den, wur­den rasch ab­ge­wie­sen.

Ei­ne Mas­sen­rück­kehr der Flücht­lin­ge an den Ge­burts­ort ih­rer Vor­vä­ter wür­de die Zer­stö­rung des Staa­tes Is­ra­el be­deu­ten. An dem Tag, an dem die Pa­läs­ti­nen­ser ei­nem Zwei­staa­ten­prin­zip zu­stim­men, oh­ne auf der Zer­stö­rung Is­ra­els durch Mas­sen­rück­kehr zu be­stehen, wird es ei­ne viel grös­se­re Chan­ce ge­ben, ein Frie­dens­ab­kom­men zu er­rei­chen.

Die Lü­ge: „Die Fort­set­zung der Sied­lungs­pro­jek­tes ist der Be­weis da­für, dass Is­ra­el kei­nen Frie­den will.”

Die Wahr­heit: Die Sied­lun­gen ste­hen im Mit­tel­punkt ei­ner hit­zi­gen De­bat­te in der is­rae­li­schen Öf­fent­lich­keit. Die Kri­tik ge­gen sie, muss man be­to­nen, ist nicht Teil der Dä­mo­ni­sie­rung. Doch die Frie­dens­vor­schlä­ge ma­chen deut­lich, dass die Sied­lun­gen kein Hin­der­nis für den Frie­den sind.

Is­ra­el hat Tau­sen­de von Sied­lern aus dem Ga­za­strei­fen eva­ku­iert. In je­der künf­ti­gen Über­ein­kunft wird es Sied­ler in Sied­lungs­blö­cken auf 5% der Flä­che ge­ben. Die Ver­ein­ba­run­gen über die Min­der­heit der Sied­ler aus­ser­halb die­ser Blö­cke ist Ge­gen­stand von Ver­hand­lun­gen zwi­schen den Par­tei­en. Viel­leicht wer­den sie blei­ben, wo sie sind. So wie es ei­ne ara­bi­sche Min­der­heit in Is­ra­el gibt, könn­te es ei­ne jü­di­sche Min­der­heit im pa­läs­ti­nen­si­schen Staat ge­ben. Oder viel­leicht wer­den an­de­re Re­ge­lun­gen ge­fun­den.

Die Lü­ge: „Is­ra­el be­geht pa­läs­ti­nen­si­schen Ge­no­zid.”

Die Wahr­heit: Elf bis 12’000 Pa­läs­ti­nen­ser sind zwi­schen 1967 und 2015 ge­tö­tet wor­den. Die über­wie­gen­de Mehr­heit war in feind­li­che Ak­ti­vi­tä­ten ver­wi­ckelt. Re­la­tiv zur Grös­se der Be­völ­ke­rung ist die­se Zahl klei­ner als die durch­schnitt­li­che To­des­ra­te durch Ver­kehrs­un­fäl­le. Man kann es vie­le Din­ge nen­nen – aber nicht Völ­ker­mord.

Es kommt nicht ein­mal in die Nä­he von Völ­ker­mord. Dies ist ei­ne der un­ver­schäm­tes­ten Lü­gen hin­ter der an­ti­is­rae­li­schen Pro­pa­gan­da. Im Ge­gen­satz zu ter­ro­ris­ti­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen, die ab­sicht­lich auf Zi­vi­lis­ten zie­len (so­wohl mit Ra­ke­ten, als auch mit Selbst­mord­an­schlä­gen in Bal­lungs­zen­tren); Is­ra­el be­müht sich auf je­de er­denk­li­che Wei­se, kei­ne un­schul­di­gen Zi­vi­lis­ten zu scha­den.

Die Lü­ge: „Is­ra­el ist der Num­mer eins Feind der Mus­li­me und die Quel­le al­ler Kon­flik­te im Na­hen Os­ten.”

Die Wahr­heit: Is­ra­el ist nicht der Feind der ara­bi­schen Welt und un­ter­hält di­plo­ma­ti­sche Be­zie­hun­gen, ein­schliess­lich Frie­dens­ab­kom­men mit Län­dern mit gros­ser mus­li­mi­scher Be­völ­ke­rung. Der Nummer-​eins-​Feind der Mus­li­me ist der welt­wei­te Ji­had, der gröss­ten­teils Mus­li­me tö­tet – in Ni­ge­ria, So­ma­lia, Af­gha­ni­stan, Je­men, Irak, Li­by­en und Sy­ri­en.

Is­ra­el hat nichts mit die­sem Blut­rausch zu tun. Vie­le Mus­li­me ge­ben zu, dass ih­re Haupt­pro­blem der Ji­had ist, der – al­lein durch ter­ro­ris­ti­sche Ak­te – et­wa 2’500 Mus­li­me tö­tet je­den Mo­nat. Im Jahr 2014, zum Bei­spiel, star­ben mehr als 32’000 Men­schen in Ter­ror­ak­ten, aus­ge­führt durch den Ji­had, mit al­len sei­nen Zwei­gen. Dies hat­te und hat nichts mit Is­ra­el zu tun.

Die Lü­ge: „Nur ei­ne aka­de­mi­scher und ein Ver­brau­cher­boy­kott von Is­ra­el wird die La­ge der Pa­läs­ti­nen­ser ver­bes­sern und Frie­den brin­gen.”

Die Wahr­heit: Ob­jek­ti­ve Da­ten zeigt, dass die Si­tua­ti­on der Pa­läs­ti­nen­ser sich un­ter is­rae­li­scher Herr­schaft ver­bes­sert hat. Zum Bei­spiel gab es im Jahr 1967 kein ein­zi­ges aka­de­mi­sches In­sti­tut in der West­bank und dem Ga­za­strei­fen. Seit is­rae­li­scher Herr­schaft, und un­ter ih­rer Schirm­herr­schaft, wur­den Dut­zen­de von Hochschul-​Institutionen ein­ge­rich­tet.

Der Wil­le der Pa­läs­ti­nen­ser zum Frie­den muss re­spek­tiert wer­den, aber man soll­te wis­sen, dass die Haupt­for­de­rung der Boy­kott­be­we­gung nicht „der Be­set­zung ein En­de zu set­zen”, und nicht ein­mal „zwei Län­der für zwei Völ­ker”, son­dern „das Rück­kehr­recht”, d.h. die Ver­nich­tung des Staa­tes Is­ra­el.

Die Köp­fe der Boy­kott­be­we­gung, ‚Leu­te wie Omar und Ali Bar­gou­ti Ab­u­n­ei­ma’ ma­chen es ab­so­lut klar, dass dies ih­re Ab­sicht ist. Das macht den Boy­kott zum Nummer-​eins-​Feind je­der Frie­dens­re­ge­lung auf der Grund­la­ge zwei Länder-​für-​zwei Völ­ker. Der Boy­kott nährt nur die Il­lu­si­on, und da­bei – per­p­etu­iert er den Kon­flikt.

BDS-Demonstranten. Die Führer der Boykottbewegung wollen in Tat und Wahrheit die Vernichtung Israels.

BDS-​Demonstranten. Die Füh­rer der Boy­kott­be­we­gung wol­len in Tat und Wahr­heit die Ver­nich­tung Is­ra­els (Fo­to: Reu­ters)

Die Lü­ge: „Is­ra­el scha­det den Pa­läs­ti­nen­sern in je­dem hu­ma­ni­tä­ren As­pekt. Was die Na­zis mit Gas­kam­mern ta­ten, tut Is­ra­el, in­dem es die Sterb­lich­keit bei Säug­lin­gen an­hebt.”

Die Wahr­heit: Die Welt­bank, die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on und so­gar pa­läs­ti­nen­si­sche For­scher ha­ben Da­ten vor­ge­legt, die deut­lich zei­gen, dass die­se An­schul­di­gun­gen nicht mehr sind als ein Hau­fen Lü­gen. Die Le­bens­er­war­tung un­ter den Pa­läs­ti­nen­sern be­trug im Jahr 1967 48,6 Jah­re. Sie ist auf 75 Jah­re an­ge­stie­gen.

Die Mor­ta­li­täts­ra­te bei pa­läs­ti­nen­si­schen Ba­bys ist 15 pro tau­send Ba­bys, im Ver­gleich zu 22 in der Tür­kei und 39 im Welt­durch­schnitt. In fast je­dem hu­ma­ni­tä­ren As­pekt, der über­prüft und ge­mes­sen wer­den kann, ha­ben es die Pa­läs­ti­nen­ser un­ter is­rae­li­scher Herr­schaft bes­ser als der Welt­durch­schnitt, und sie sind in der Re­gel an der Spit­ze des MENA-​Länderblocks. (Na­her Os­ten und Nord­afri­ka)

Die Lü­ge: Die De­fi­ni­ti­on von Is­ra­el als „jü­di­scher Staat” ist ein Aus­druck von Ras­sis­mus.

Die Wahr­heit: Das wich­tigs­te Prin­zip in der UNO-​Charta ist das Recht auf Selbst­be­stim­mung. Ju­den, die Au­to­no­mie wol­len, eben­so wie die Pa­läs­ti­nen­ser, ha­ben die­ses Recht. Ju­den ha­ben für das Recht auf Selbst­be­stim­mung ge­kämpft, weil sie Ver­fol­gung er­lit­ten ha­ben.

Die Tsche­cho­slo­wa­kei hat sich in zwei Na­tio­nal­staa­ten auf­ge­trennt; Ju­go­sla­wi­en wur­de in sechs Ein­hei­ten auf­ge­teilt, weil je­des Volk sein Recht auf Selbst­be­stim­mung in An­spruch ge­nom­men hat. Ein Ver­such, ei­nem Volk die­ses Recht ab­zu­strei­ten, ist ei­ne Ver­let­zung des Völ­ker­rechts, und in sich selbst ist es ein Aus­druck von Ras­sis­mus. Es muss ge­sagt wer­den, dass im jü­di­schen de­mo­kra­ti­schen Staat Is­ra­el Nicht­ju­den vol­le und glei­che Rech­te ha­ben.

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  1. Stoff für’s Hirn | abseits vom mainstream - heplev

    […] hat Ben-​Dror Ye­me­nis Kom­men­tar über die Lü­gen der BDS und die Wahr­heit […]

  2. Stoff für’s Hirn | abseits vom mainstream - heplev

    […] hat Ben-​Dror Ye­me­nis Kom­men­tar über die Lü­gen der BDS und die Wahr­heit […]

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