«

»

Die Lü­gen des Sa­eb Er­e­kat: Wie pa­läs­ti­nen­si­sche Pro­pa­gan­da die Wahr­heit ver­dreht und die Frie­dens­be­mü­hun­gen untergräbt

Eran Ler­man, 23.11.2015, Begin-Sadat-Center

Oberst (res.) Dr. Eran Ler­man (Ph.D. der Lon­don School of Eco­no­mics) Ehe­ma­li­ger Stell­ver­tre­ter für die Aus­sen­po­li­tik und in­ter­na­tio­na­le Be­zie­hun­gen im Na­tio­na­len Si­cher­heits­rat des is­rae­li­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten. Lei­ten­de Stel­len in der IDF Mi­li­ta­ry In­tel­li­gence seit über 20 Jah­ren. Dien­te auch als Israel-​Direktor des Ame­ri­can Je­wish Committee.

BESA Cen­ter Per­spek­ti­ven­pa­pier Nr. 319

ZUSAMMENFASSUNG: Ein het­ze­ri­sches Pro­pa­gan­dado­ku­ment, voll­ge­stopft mit blan­ken Lü­gen und völ­li­ger Ver­zer­rung der Ge­schich­te, vor kur­zem an aus­län­di­sche Me­di­en ge­schickt, ge­schrie­ben von Sa­eb Er­e­kat, ex­po­niert die Sinn­lo­sig­keit der pa­läs­ti­nen­si­schen Hal­tung und zeigt, wie weit die pa­läs­ti­nen­si­sche Füh­rung von der Ak­zep­tanz der Not­wen­dig­kei­ten für wah­ren Frie­den mit Is­ra­el ent­fernt ist.

Sa­eb Er­e­kat ist ein ein­zig­ar­ti­ges Phä­no­men in der pa­läs­ti­nen­si­schen Um­lauf­bahn. Seit Jah­ren spielt er die Dop­pel­rol­le als Chef­un­ter­händ­ler für palästinensisch-​israelische Frie­dens­ge­sprä­che und als Pro­pa­gan­dist par Ex­cel­lence für die Ré­gime von Jas­sir Ara­fat und Mah­mud Ab­bas. Sei­ne Ak­te an Lü­gen und Ver­dre­hun­gen ist Le­gi­on, und er scheint schlim­mer zu wer­den, je äl­ter er wird. Die Ge­schich­te wird sei­ne ab­grün­di­ge di­plo­ma­ti­sche Rol­le in den vie­len Feh­lern der pa­läs­ti­nen­si­schen Na­tio­nal­be­we­gung festhalten.

Min­des­tens in den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren war Er­e­kat ein zen­tra­ler Fak­tor beim Ver­zicht auf Frie­dens­ge­sprä­che mit Is­ra­el durch die Pa­läs­ti­nen­si­sche Au­to­no­mie­be­hör­de und ih­rer Hin­wen­dung zur Kon­fron­ta­ti­on mit Is­ra­el in in­ter­na­tio­na­len Foren.

Im Vor­feld des ver­häng­nis­vol­len und frucht­lo­sen Tref­fens im Weis­sen Haus zwi­schen Mahmoud Ab­bas und Prä­si­dent Oba­ma im März 2014 ver­fass­te Er­e­kat ein kri­ti­sches Do­ku­ment mit dem Ti­tel „Stu­die Num­mer 15”, das die Büh­ne für das Schei­tern der Ta­gung in Wa­shing­ton vorbereitete.

Das „Ker­ry Frame­work” und je­de Aus­sicht auf Kom­pro­miss mit den mi­ni­ma­len Er­war­tun­gen Is­ra­els auf Si­cher­heit und die ge­gen­sei­ti­ge An­er­ken­nung zu­rück­wei­send, be­für­wor­te­te Er­e­kats Do­ku­ment das feind­li­che Vor­ge­hen, das letzt­lich von Ab­bas ge­wählt wur­de: ei­ne Flut von ein­sei­ti­gen Bei­trit­ten zu in­ter­na­tio­na­len Or­ga­ni­sa­tio­nen und ein An­ge­bot zur Ver­söh­nung mit der Ha­mas. Die Er­geb­nis­se die­ser schreck­li­chen Ent­schei­dun­gen lie­gen vor, und sie ha­ben dem pa­läs­ti­nen­si­schen Volk nicht gedient.

Jetzt ist Er­e­kat wie­der da­bei – ver­brei­tet mehr Lü­gen, stellt mehr ab­leh­nen­de Er­klä­run­gen aus, be­für­wor­tet mehr ein­sei­ti­ge und letzt­lich ge­walt­tä­ti­ge pa­läs­ti­nen­si­sche Ak­tio­nen – wäh­rend er in­ter­na­tio­na­le Me­di­en da­bei be­rät, Is­ra­el zu hassen.

An­fangs die­ses Mo­nats (am 5. No­vem­ber), gab Er­e­kats „Ver­hand­lungs­sa­chen­ab­tei­lung” der „Staat Pa­läs­ti­na – Pa­läs­ti­nen­si­sche Be­frei­ungs­or­ga­ni­sa­ti­on” in Ra­mal­lah ei­nen Medien-​Leitfaden her­aus na­mens „Wich­ti­ge Punk­te, die bei der Be­richt­erstat­tung über das be­setz­te Pa­läs­ti­na nicht ver­ges­sen ge­hen soll­ten.” Er­e­kats Bü­ro ver­teil­te die­ses Do­ku­ment an aus­län­di­sche Me­di­en in Is­ra­el und weltweit.

Die­ses het­ze­ri­sche Do­ku­ment ver­dient es, Wort für Wort de­kon­stru­iert zu wer­den, um die Sinn­lo­sig­keit der pa­läs­ti­nen­si­schen Hal­tung zu ver­ste­hen, wie sie durch den glü­hen­den Geist Sa­eb Er­e­kats ge­se­hen wird. Das Do­ku­ment, das nach­ste­hend ana­ly­siert wird, zeigt, wie weit die pa­läs­ti­nen­si­sche Füh­rung von der Ak­zep­tanz der für den wah­ren Frie­den mit Is­ra­el er­for­der­li­chen Not­wen­dig­kei­ten ent­fernt ist. Jen­seits der Toll­kühn­heit und der Ver­lo­gen­hei­ten of­fen­bart das Do­ku­ment auch ein ho­hes Mass an pa­läs­ti­nen­si­schem Un­wohl­sein über die Tat­sa­chen, die von den Me­di­en be­rich­tet werden.

Er­e­kats ers­ter Punkt: „Is­ra­el be­setzt den Staat Palästina.”

Nein, tut es nicht. Um Lin­colns al­te Sprich­wort zu ver­wen­den, auch wenn die UNO ih­ren Schwanz ein Bein nennt, so hat ei­ne Kat­ze im­mer noch nur vier Bei­ne. Is­ra­el ist nicht mehr prä­sent in Ga­za (noch hat Ab­bas’ dort et­was zu sa­gen). Was die Pa­läs­ti­nen­si­sche Au­to­no­mie­be­hör­de be­trifft, so war sie noch nie ein Staat, 1967 wur­de kein Land von der PA er­obert. Die PA kann nur ein ech­ter Staat wer­den durch ei­ne aus­ge­han­del­te Vereinbarung.

Er­e­kats füh­ren­der Satz lau­tet „Dies ist kein Kon­flikt un­ter Glei­chen.” Dies ist heu­te kor­rekt. Doch die an­de­re Sei­te der Me­dail­le ist die Er­kennt­nis, dass, wenn Is­ra­el die schwä­che­re Sei­te ge­we­sen wä­re – im Jahr 1948, 1967 oder im­mer seit­her – so wä­re nicht ein Ju­de am Le­ben ge­las­sen wor­den. Is­ra­els „krie­ge­ri­sche mi­li­tä­ri­sche Be­set­zung” in der West­bank (wie Er­e­kat sie nennt) klingt viel­leicht un­an­ge­nehm; doch dies ist in der Tat ein neu­tra­ler Rechts­be­griff, der die Si­tua­ti­on nach dem Selbst­ver­tei­di­gungs­krieg Is­ra­els im Jah­re 1967 beschreibt.

Der Kon­flikt wird durch Ver­hand­lun­gen ge­löst, die die Pa­läs­ti­nen­ser im­mer wie­der ver­ei­telt ha­ben. Bei die­sen Ver­hand­lun­gen sind gros­se pa­läs­ti­nen­si­sche Frei­heit und Selbst­be­stim­mung an­ge­bo­ten wor­den. Da­her, zu sa­gen, dass Is­ra­el den Pa­läs­ti­nen­sern „sys­te­ma­tisch die un­ver­äus­ser­li­chen Rech­te ver­wei­gert” ha­be, ist ei­ne wei­te­re Lüge.

Die Din­ge wer­den noch schlim­mer. Das an die Me­di­en ge­rich­te­te PA /​ PLO-​Propaganda-​Dokument sagt, dass „Is­ra­el ei­ne Po­li­tik der Ver­trei­bung der ein­hei­mi­schen pa­läs­ti­nen­si­schen Be­völ­ke­rung und de­ren Aus­tausch durch aus­län­di­sche Sied­ler ver­hängt.” Aus­ser dass kei­ne sol­che Po­li­tik exis­tiert. Neh­men wir zum Bei­spiel die Ent­schei­dung des is­rae­li­schen obers­ten Ge­richts von die­sem Mo­nat, ei­ne Syn­ago­ge ab­zu­reis­sen und wo­an­ders auf­zu­bau­en, da es sich her­aus­stell­te, dass sie un­wis­sent­lich auf pri­va­tem pa­läs­ti­nen­si­schem Land ge­baut wor­den war!

Auf je­den Fall, ob die „Pa­läs­ti­nen­ser” nun „in­di­gen” sind oder nicht (es mag gu­te Grün­de ge­ben, dar­an zu zwei­feln, dass sie „seit un­denk­li­chen Zei­ten” im Land ge­we­sen sind), sind Ju­den si­cher­lich nicht „frem­de” in ih­rem ei­ge­nen Land. Die­ser sys­te­mi­sche und ver­zwei­fel­te Ver­such, die Spra­che des Ko­lo­nia­lis­mus auf das zio­nis­ti­sche Un­ter­fan­gen an­zu­wen­den, liegt sehr stark an der Wur­zel des tra­gi­schen pa­läs­ti­nen­si­schen Ver­sa­gens, zu er­ken­nen, dass die Pa­läs­ti­nen­ser ei­ne le­gi­ti­me na­tio­na­le Be­we­gung be­kämpft ha­ben – die jü­di­sche /​ zio­nis­ti­sche Be­we­gung – mit der die Pa­läs­ti­nen­ser für den Frie­den wer­den Kom­pro­mis­se schlies­sen müssen.

Er­e­kats zwei­ter Punkt: „Das Haupt­pro­blem ist die is­rae­li­sche Besatzung.”

Hier kön­nen wir da­von aus­ge­hen, dass Er­e­kat meint, dass das Haupt­pro­blem nicht die pa­läs­ti­nen­si­sche Denk­wei­se ist, die Teenager-​Jungs und Mäd­chen auf mör­de­ri­sche Terror-​Ausflüge schickt. Of­fen­sicht­lich gibt es As­pek­te des ak­tu­el­len pa­läs­ti­nen­si­schen Ver­hal­tens, von de­nen Er­e­kat möch­te, dass die Welt­me­di­en sie igno­rie­ren und /​ oder ih­ren Blick an an­de­rer Stel­le lenken.

Ge­mäss die­sem Medien-​Leitfadens ist es die is­rae­li­sche Re­gie­rung, die „ver­sucht, den Fo­kus von ih­rem Ko­lo­ni­sie­rungs­un­ter­neh­men und ih­rer il­le­ga­len Be­set­zung weg zu ver­schie­ben” – nicht die Pa­läs­ti­nen­ser, die durch kon­ti­nu­ier­li­che Mord­ta­ten ver­su­chen, die Welt da­zu zu zwin­gen, ih­re Be­haup­tun­gen über Is­ra­els an­geb­li­che Ver­bre­chen anzuhören.

Er­e­kat be­haup­tet, dass das „Ko­lo­ni­sie­rungs­un­ter­neh­men und die il­le­ga­le Be­set­zung” die „Ur­sa­che der kon­ti­nu­ier­li­chen Auf­stän­de der Pa­läs­ti­nen­ser sei, die seit Jahr­zehn­ten ein Apart­heid­re­gime er­tra­gen ha­ben”. Hier sind vier Lü­gen in ei­nen Satz verpackt!

  1. „Ko­lo­ni­sa­ti­on”? Das Man­dat des Völ­ker­bun­des er­mäch­tig­te, in der Tat er­mu­tig­te, Ju­den im Land ih­rer Vor­fah­ren an­zu­sie­deln. Der Be­griff „Ko­lo­ni­sie­rung” ist ein Ver­such, Is­ra­el mit dem Pin­sel des eu­ro­päi­schen Ko­lo­nia­lis­mus einzuschwärzen.
  2. Die Be­set­zung, wie be­reits an­ge­deu­tet, ist nicht „il­le­gal” (wie der ehe­ma­li­ge UNO-​Generalsekretär Ko­fi An­n­an ein­mal zu­ge­ben muss­te, nach­dem er sich ver­spro­chen hat­te), son­dern ein Zu­stand, der sich aus der Nie­der­la­ge der ara­bi­schen Ver­su­che, Krieg zu füh­ren, er­ge­ben hat.
  3. Die „kon­ti­nu­ier­li­chen Auf­stän­de” schlies­sen ver­mut­lich die Aus­brü­che pa­läs­ti­nen­si­scher Ge­walt 2000 – 2004 mit ein, die in kei­ner Wei­se ein Auf­stand wa­ren (trotz der Fehl­be­zeich­nung „Zwei­ten In­ti­fa­da”), son­dern ei­ne von oben ge­führ­te Ter­ror­kam­pa­gne. Tom Fried­man nann­te es zu recht „Herrn Ara­fats Krieg.” Ab­bas gab im Jahr 2002 zu, dass die „Mi­li­ta­ri­sie­rung des Auf­stan­des” ein Feh­ler war.
  4. „Apartheid-​Régime” ist ei­ne der­art ab­sur­de Be­lei­di­gung, ge­rich­tet an ein Land mit arabisch-​muslimischen Rich­tern und Bot­schaf­tern, ganz zu schwei­gen von ei­ner Grup­pe von laut­star­ken ara­bi­schen Mit­glie­dern der Knes­set. Es ist auch ein Ver­such, an­zu­deu­ten, dass Is­ra­el, wie schon die Apart­heid, ein vor­über­ge­hen­des Phä­no­men sein wird. Das Schwel­gen in die­ser reis­se­ri­schen Fan­ta­sie wür­de die Pa­läs­ti­nen­ser zu ei­nem lan­gen und ver­geb­li­chen Kampf zwin­gen. Is­ra­el wird nicht verschwinden!

Er­e­kat wei­ter: „Ob­wohl is­rae­li­sche Spre­cher be­haup­tet ha­ben, dass die wich­tigs­ten Fra­gen Al-​Aqsa und ‚pa­läs­ti­nen­si­sche Het­ze’ sei­en, so ist doch Tat­sa­che, dass Is­ra­el wei­ter­hin sys­te­ma­tisch die Rech­te der Pa­läs­ti­nen­ser leug­net.” Dies kommt ei­nem Ein­ge­ständ­nis Na­he, dass PA-​Hetze sehr stark die Ur­sa­che der Ge­walt ist, wie­der mit ei­nem durch­sich­ti­ger Ver­such ge­kop­pelt, das The­ma zu wechseln.

„Die is­rae­li­schen Füh­rer schü­ren wei­ter­hin Hass ge­gen die Pa­läs­ti­nen­ser.” Ei­ne wei­te­re klas­si­sche Erekat-​Absurdität, An­ge­sichts der ein­sei­ti­gen Art der Ge­walt, die wir heu­te erleben!

„Der so ge­nann­te ‚Aqsa-​Deal” löst den Kern des Pro­blems nicht”, sagt uns Er­e­kat. Mit an­de­ren Wor­ten, die Pa­läs­ti­nen­ser leh­nen wie­der ein­mal Ker­rys Be­mü­hun­gen und je­ne von Kö­nig Ab­dul­lah II ab, die Ru­he auf dem Tem­pel­berg wiederherzustellen.

Er­e­kats drit­ter Punkt: „pa­läs­ti­nen­si­sche An­er­ken­nung Is­ra­els wur­de mit mehr Ko­lo­ni­sie­rung vergolten.”

Was der Text als den „his­to­ri­schen Kom­pro­miss der An­er­ken­nung Is­ra­els auf mehr als 78 Pro­zent des his­to­ri­schen Pa­läs­ti­na (1967 Gren­ze)” der PLO be­schreibt, war nichts der­glei­chen. Die PLO an­er­kann­te, dass Is­ra­el exis­tiert (auf viel klei­ne­rem Teil des ur­sprüng­li­chen Man­dats­ge­bie­tes, das Trans­jor­da­ni­en mit ein­schloss), mach­te aber kein per-​Saldo-​allerAnsprüche-​Angebot, noch ver­rin­ger­te sie ih­re For­de­rung nach dem so ge­nann­ten pa­läs­ti­nen­si­schen „Rück­kehr­recht „, das die Aus­lö­schung Is­ra­els bedeutet.

Fünf Jah­re spä­ter un­ter­zeich­ne­ten die Pa­läs­ti­nen­ser die Oslo-​Grundsatzerklärung, die sehr deut­lich mach­te, dass die vol­le Sou­ve­rä­ni­tät, Gren­zen und Sied­lun­gen Fra­gen sind, die in „endgültiger-​Status-” Ge­sprä­che ge­klärt wer­den müs­sen. Die­se Not­wen­dig­keit für Ver­hand­lun­gen zu über­sprin­gen, und Be­haup­tun­gen über „krie­ge­ri­sche” is­rae­li­sche Be­sat­zung, Ko­lo­ni­sie­rung und Apart­heid zu wie­der­ho­len, än­dert nichts an der Tat­sa­che, dass der Weg in die Selbst­stän­dig­keit durch Ver­hand­lun­gen für die Pa­läs­ti­nen­ser sehr of­fen ge­we­sen ist. Wie all­ge­mein be­kannt sein soll­te, hat die PA im letz­ten Jahr­zehnt drei Mal die Kom­pro­mis­se, die von Is­ra­el auf den Tisch ge­legt wur­den, abgelehnt.

„In der Tat, seit Pa­läs­ti­na Is­ra­el an­er­kann­te, hat sich die Zahl der Sied­ler (von 190’000 auf mehr als 600’000) ver­drei­facht.” Dies ist ein be­wuss­ter Ver­such, die Zahl der Westbank-​Siedler mit je­ner der in den ehe­mals jor­da­nisch be­setz­ten Tei­len Je­ru­sa­lems le­ben­der Is­rae­lis zu ver­mi­schen und Ver­wir­rung zu stiften.

Er­e­kats vier­ter Punkt: „Für Is­ra­el sind Zwangs­um­sied­lung und Ko­lo­ni­sie­rung of­fi­zi­el­le Po­li­tik, nicht die Zwei-Staaten-Lösung.”

Se­lek­ti­ve und un­ge­naue Zi­ta­te aus is­rae­li­schen Wahl­kämp­fen, und Aus­drü­cke per­sön­li­cher Mei­nung von ein­zel­nen Amts­trä­gern, kön­nen die of­fi­zi­el­le is­rae­li­sche Po­li­tik nicht er­set­zen, wie sie wich­ti­gen Ak­teu­ren der in­ter­na­tio­na­len Ge­mein­schaft mit­ge­teilt wird. Was zählt, sind die Re­den des Pre­mier­mi­nis­ters an der Bar-​Ilan-​Universität 2011 und im US-​Kongress, sei­ne for­ma­len An­mer­kun­gen wäh­rend sei­nem ers­ten Tref­fen mit EU-​Aussenkommissarin Mo­g­her­i­ni nach den Wah­len 2015, so­wie sei­ne Re­den an die Ge­ne­ral­ver­samm­lung der Ver­ein­ten Na­tio­nen – die al­le Is­ra­el auf die Zwei­staa­ten­lö­sung verpflichten.

Da­her zu schrei­ben, dass „Is­ra­el lehnt die Zwei-​Staaten-​Lösung wei­ter­hin ab, wäh­rend ih­re Siedlungs-​Expansion und Zwangsumsiedlungs-​Politik wei­ter­hin pa­läs­ti­nen­si­sche Be­stre­bun­gen des Frie­dens und der Si­cher­heit pla­gen” – be­deu­tet, Lü­ge und Be­lei­di­gung auf Wun­den zu schich­ten. Es war Ab­bas, der das Rah­men­werk von Ker­ry ef­fek­tiv ab­ge­lehnt hat; und nichts hat sich in Be­zug auf die jü­di­schen Sied­lun­gen in Ju­däa und Sa­ma­ria ent­wi­ckelt, was tat­säch­li­che prak­ti­sche Kom­pro­mis­se in der Zu­kunft ver­un­mög­li­chen würde.

Was die pa­läs­ti­nen­si­schen Vor­stel­lun­gen von „Frie­den und Si­cher­heit” be­trifft – na ja, die Ab­sur­di­tät der Po­si­ti­on Er­e­kats ist klar, An­ge­sichts des­sen, dass Is­rae­lis tag­täg­lich zur Ziel­schei­be von Mord durch Pa­läs­ti­nen­ser werden.

Er­e­kats fünf­ter Punkt: „Ost-​Jerusalem ist ein in­te­gra­ler Be­stand­teil des be­setz­ten Staa­tes Palästina.”

Da der „Staat Pa­läs­ti­na” im­mer noch mehr Fik­ti­on als Wahr­heit ist, ist die ge­sam­te Aus­sa­ge un­sin­nig. Nie­mand die Rea­li­tät der ver­ein­ten und blü­hen­den Stadt Je­ru­sa­lem be­strei­ten. Is­ra­els Akt der Wie­der­ver­ei­ni­gung im Jahr 1967 folg­te die Be­frei­ung der Stadt nach ei­nem Is­ra­el von Jor­da­ni­en auf­ge­zwun­ge­nen Krieg. Seit­dem hat Je­ru­sa­lem in der Tat vie­le pa­läs­ti­nen­si­sche Be­woh­ner an­ge­zo­gen, ge­ra­de we­gen Is­ra­els er­folg­rei­cher Ver­wal­tungs­ar­beit. Wenn die Welt jetzt die er­neu­te Auf­tren­nung ei­ner le­ben­di­gen Stadt be­für­wor­te­te, wä­re das ei­ne le­ga­lis­ti­sche Dumm­heit, die Zu­kunft von al­len, die dort ih­re Hei­mat ha­ben, gefährdet.

„Trotz der is­rae­li­schen For­de­run­gen und Be­mü­hun­gen, das his­to­ri­sche Nar­ra­tiv der be­setz­ten Stadt zu än­dern, le­ben 360’000 Pa­läs­ti­nen­ser in Ost-​Jerusalem” – und sind da­mit ei­ne Min­der­heit in der Stadt als Gan­zes, wie schon seit mehr als 150 Jah­ren, al­so lan­ge vor dem Be­ginn des zio­nis­ti­schen Unternehmens.

Das pa­läs­ti­nen­si­sche „Nar­ra­tiv” – ein ekla­tan­ter Ver­such, grund­le­gen­de As­pek­te der Je­ru­sa­le­mer Iden­ti­tät und Ge­schich­te zu fäl­schen, die al­len be­kannt sind, die je­mals die Bi­bel ge­le­sen ha­ben – hat nicht nur die­ses igno­riert, son­dern sich auch be­müht, die un­zer­trenn­li­che Ver­bin­dung zu ver­wi­schen, de­rent­we­gen sich Ju­den seit zwei Jahr­tau­sen­den nach ei­ner Rück­kehr nach Je­ru­sa­lem sehnen.

Er­e­kats sechs­ter Punkt: „is­rae­li­sche Sied­lun­gen im be­setz­ten Ost-​Jerusalem sind ge­nau­so il­le­gal, wie Sied­lun­gen im üb­ri­gen be­setz­ten pa­läs­ti­nen­si­schen Staat.”

Wir brau­chen nicht al­les, was falsch ist an den obi­gen Punk­ten, und des­halb auch an die­sem Punkt, zu wie­der­ho­len. Es soll­te je­doch an­ge­merkt wer­den, dass im Jahr 1993 die Pa­läs­ti­nen­ser deut­lich die ein­zig­ar­ti­ge Na­tur von Je­ru­sa­lem an­er­kannt ha­ben, in­so­fern die Stadt als se­pa­ra­tes The­ma ver­han­delt wer­den sollte.

Er­e­kat lis­tet ei­ne Rei­he von nach-​67 jü­di­schen Je­ru­sa­le­mer Nach­bar­schaf­ten auf, die er Sied­lun­gen nennt; sie be­inhal­tet Or­te wie Ra­mot und French Hill, die fes­ter Be­stand­teil Is­ra­els in je­der denk­ba­ren Kon­fi­gu­ra­ti­on sind. Es ist auf­fal­lend und be­zeich­nend, dass ein Vier­tel auf sei­ner Lis­te der „il­le­ga­len Sied­lun­gen” fehlt: das jü­di­sche Vier­tel in der Alt­stadt. Ir­gend­wie ver­steht auch Er­e­kat, dass es ab­surd ist, auf die­se Wei­se vom jü­di­schen Vier­tel in der Alt­stadt zu re­den, das von Jor­da­ni­en ent­völ­kert und zer­stört wur­de, nach­dem es in der Schlacht im Jahr 1948 ge­fal­len und sei­ne Syn­ago­gen zer­stört oder ge­schän­det wor­den waren.

Er­e­kats sieb­ter Punkt: „Das Al-​Aqsa Moschee-​Gelände ist eben­so un­ter is­rae­li­scher Be­sat­zung wie der Rest Ostjerusalems.”

„Wäh­rend ei­ni­ge Me­di­en es vor­ge­zo­gen ha­ben, ih­re Dis­kus­si­on dar­auf zu fo­kus­sie­ren, ob Al-​Aqsa für die Mus­li­me oder für die Ju­den hei­lig ist, nei­gen sie da­zu, die Tat­sa­che weg­zu­las­sen, dass die­ser hei­li­ge Ort der Mus­li­me un­ter is­rae­li­scher Be­sat­zung steht”, klagt Er­e­kat. Nun, wie kön­nen es die­se Jour­na­lis­ten wa­gen, die ex­klu­si­vis­ti­sche und in­to­le­ran­ten pa­läs­ti­nen­si­schen Schimpf­ti­ra­den zu be­strei­ten, dass Ju­den den Ort nicht schän­den dürfen!

Dies spe­zi­fisch auf frü­he­re Irr­tü­mer zu sta­peln, ist Er­e­kats schlaue Art, nicht nur Is­ra­els vor­sich­ti­ge Ach­tung des Sta­tus quo auf dem Tem­pel­berg zu igno­rie­ren, sorg­fäl­tig be­kräf­tigt an­ge­sichts der mör­de­ri­schen Pro­vo­ka­tio­nen. Es soll auch die re­la­tiv kon­struk­ti­ve Rol­le des Kö­nig­reichs Jor­da­ni­en ver­un­glimp­fen und igno­rie­ren  bei den Be­mü­hun­gen, Recht und Ord­nung an der hei­li­gen Stät­te auf­recht zu erhalten.

„Ein­grif­fe in die In­sti­tu­tio­nen der von der Be­sat­zungs­macht Be­setz­ten, ist nach dem Völ­ker­recht streng ver­bo­ten,” meint Er­e­kat. Dies ist ei­ne wei­te­re ele­gan­te Er­fin­dung von Er­e­kats Pro­pa­gan­da­werk­statt. Na­tür­lich han­deln die is­rae­li­schen Be­hör­den recht­mäs­sig, wenn sie mit gros­ser Vor­sicht agie­ren, um die Be­nut­zung von sol­chen In­sti­tu­tio­nen für Ter­ror und Ge­walt zu ver­hin­dern! Wenn ein PA-​gesponserter Pre­di­ger in der Mo­schee auf dem Tem­pel­berg im Nazi-​Stil Het­ze ge­gen al­le Ju­den aus­spuckt, dann ist es sehr wohl die Pflicht der Re­gie­rung, dem ein En­de zu setzen.

Hier ist ei­ne wei­te­re glat­te Lü­ge: „Is­ra­el hat ef­fek­tiv den Sta­tus quo der christ­li­chen und mus­li­mi­schen Ge­bets­stät­ten und In­sti­tu­tio­nen im be­setz­ten Ost-​Jerusalem ge­stört und ver­än­dert.” Ge­nau das Ge­gen­teil ist der Fall, bei Is­ra­els ge­wis­sen­haf­ter Ein­hal­tung der be­stehen­den re­li­giö­sen Prak­ti­ken in Je­ru­sa­lem. Es sei denn, na­tür­lich, Er­e­kat meint po­li­ti­sche In­sti­tu­tio­nen der PLO, die in der Tat ge­schlos­sen wur­den aus na­he lie­gen­den Grün­den nach ei­ner mör­de­ri­schen Wel­le der Ge­walt, die durch Ara­fat und sei­ne Ge­treu­en an­ge­zet­telt wor­den war und durch die Stras­sen von Je­ru­sa­lem feg­te in den Jah­ren 2001 – 2002.

Er­e­kats ach­ter Punkt: „Is­ra­el hat ef­fek­tiv den Al-​Aqsa Sta­tus Quo verändert.”

Hier er­reicht Er­e­kats scham­lo­se Lü­gen­kam­pa­gne, of­fen­bar auf Jour­na­lis­ten aus­ge­rich­tet, die sich nicht die Mü­he ma­chen, den Wort­schwall, mit dem sie ge­füt­tert wer­den, nach­zu­prü­fen, neue Hö­hen. In die­sem Do­ku­ment wird dem jü­di­schen Er­be und Kul­tur­er­be auf dem Tem­pel­berg kein Re­spekt ge­zollt. Noch ist sol­cher Re­spekt auf dem Berg be­legt, wo der Waqf be­wusst ar­chäo­lo­gi­sche Be­wei­se des al­ten jü­di­schen Tem­pel zerstörte.

Die Lü­gen be­zie­hen sich aus­ser­dem auf jüngs­te Er­eig­nis­se, die leicht re­cher­chiert wer­den kön­nen. Der „Ter­ror­an­griff von Is­ra­el im Jahr 1969”, der von Er­e­kat er­wähnt wird, war in der Tat ein Akt der Brand­stif­tung ei­nes de­men­ten aus­tra­li­schen Chris­ten, und die Ret­tung wur­de von is­rae­li­schen Teams durch­ge­führt. Im Jahr 2000 hat Sharon nicht das Ge­län­de „ge­stürmt”, son­dern ihm ei­nen Be­such ab­ge­stat­tet. „Il­le­ga­le Aus­gra­bun­gen” auf dem Berg wa­ren die al­lei­ni­ge Do­mä­ne des Waqf, wie er­wähnt, und wa­ren sehr destruktiv.

Die in Er­e­kats Mach­werk als „zer­stört” er­wähn­ten Grä­ber wur­den aus ei­nem Park-​Gelände ent­fernt, in das sie il­le­gal als Pro­vo­ka­ti­on hin­ein­ge­gra­ben wor­den wa­ren; und sie ha­ben nichts mit dem Tem­pel­berg zu tun.

Be­züg­lich der ge­le­gent­li­chen Be­schrän­kun­gen für die Vi­si­ta­ti­on auf der Stät­te, die von Is­ra­el ver­hängt wer­den, so sind die­se streng be­fris­tet und die­nen da­zu, Ge­walt zu ver­hin­dern, ba­sie­rend auf gut fun­dier­ten In­for­ma­tio­nen über die Ab­sich­ten jun­ger Pro­vo­ka­teu­re. Es sei denn na­tür­lich, Er­e­kat und sein Team be­trach­ten An­grif­fe auf Tou­ris­ten und auf jü­di­sche Gläu­bi­ge an der West­mau­er durch von oben auf dem Tem­pel­berg her­un­ter­ge­schleu­der­te Stei­ne als le­gi­ti­me As­pek­te der is­la­mi­schen Praxis …

Der Sta­chel die­ses skan­da­lö­sen Ab­sat­zes steckt an sei­nem En­de: „Die Mon­ta­ge von (Überwachungs-) Ka­me­ras (auf dem Berg), die ih­re Bil­der an die is­rae­li­schen Be­sat­zungs­trup­pen aus­strah­len, sind ei­ne wei­te­re Ver­let­zung des Sta­tus Quo.” Dies ist ein fa­den­schei­ni­ger Ver­such, die ge­mein­sa­men Be­mü­hun­gen von Is­ra­el, Jor­da­ni­en und den Ver­ei­nig­ten Staa­ten, Trans­pa­renz (für die gan­ze Welt) zu schaf­fen über die Ak­ti­vi­tä­ten auf dem Tem­pel­berg, zu de­le­gi­ti­mie­ren und zu stö­ren. Of­fen­sicht­lich fühlt die PA, dass es et­was zu ver­ber­gen gibt in ih­ren Ak­ti­vi­tä­ten: oder war­um sonst sind sie ge­gen die Ka­me­ras? Was ha­ben die Pa­läs­ti­nen­ser zu be­fürch­ten, wenn ih­re Ab­sich­ten lau­ter sind?

Er­e­kats neun­ter Punkt: „In­ter­na­tio­na­ler Schutz ist ein Recht für das pa­läs­ti­nen­si­sche Volk.”

Hier wird fal­sche Spra­che ver­wen­det („krie­ge­ri­sche Be­sat­zung” – ein tech­ni­scher, kein mo­ra­li­scher Be­griff), wie auch fal­sche An­schul­di­gun­gen („Ver­trei­bung … kol­lek­ti­ve Be­stra­fung … Gross­an­grif­fe in Ga­za”, etc.), um ei­ne fan­tas­ti­sche Be­haup­tung auf­zu­stel­len, dass die Welt den Pa­läs­ti­nen­sern „in­ter­na­tio­na­len Schutz” schuldet.

In sei­nem Schutz­er­su­chen über­springt Er­e­kat sau­ber die Ur­sprün­ge der letz­ten drei Run­den der grös­se­ren Ge­walt, von der pa­läs­ti­nen­si­schen Ha­mas im Ga­za­strei­fen her­vor­ge­bracht. Und ich fra­ge mich, was die wirk­lich be­dräng­ten Völ­ker Sy­ri­ens, des Irak, Li­by­ens und im Je­men, ganz zu schwei­gen vom Kon­go, viel­leicht zu ih­rem re­la­ti­ven Be­dürf­nis nach in­ter­na­tio­na­lem Schutz zu sa­gen ha­ben, im Ge­gen­satz zu Erekats.

Das Pro­blem da­bei ist nicht, dass ei­ni­ge schlecht in­for­mier­te west­li­che Re­por­ter aus­ge­trickst wer­den da­zu, ei­nen sol­chen An­spruch im Na­men der glück­lo­sen, un­schul­di­gen pa­läs­ti­nen­si­schen Vol­kes zu for­mu­lie­ren; Men­schen, die an­geb­lich nie ei­ner Flie­ge et­was zu­lei­de ge­tan ha­ben. Das Pro­blem ist, dass ei­ni­ge Leu­te in ho­hen Po­si­tio­nen in Ra­mal­lah wirk­lich glau­ben, dass die Welt ih­nen ei­nen sol­chen Ein­satz schul­det! Und so lan­ge wie sol­che Wahn­vor­stel­lun­gen exis­tie­ren, bleibt die Hoff­nung auf ein prak­tisch Kom­pro­mis­se, die zu Frie­den mit Is­ra­el füh­ren, dünn.

Er­e­kats zehn­ter Punkt: „Das Völ­ker­recht, UNO-​Resolutionen und Ver­ein­ba­run­gen wur­den ge­macht, um im­ple­men­tiert zu wer­den, nicht als ‚Ver­hand­lungs­ba­sis.’”

Hier er­reicht das pa­läs­ti­nen­si­sche Miss­ver­ständ­nis der Grund­la­gen­tex­te, zu­sam­men mit Ab­nei­gung, Kom­pro­mis­se aus­zu­han­deln – und ei­ner An­nah­me be­züg­lich des kur­zen Ge­dächt­nis­ses der Welt – neue Hö­hen der Chuz­pe. Die­se Aus­sa­ge ist ei­ne of­fe­ne Her­aus­for­de­rung an die ge­sam­te in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft, von UNO-​Generalsekretär Ban Ki-​Moon wei­ter nach un­ten, die al­le Ab­bas da­zu auf­ge­ru­fen ha­ben, wie­der an den Ver­hand­lungs­tisch zurückzukehren.

Da­mit Ver­hand­lun­gen sinn­voll sein kön­nen, muss sich die pa­läs­ti­nen­si­sche Sei­te der Rea­li­tät stel­len – ins­be­son­de­re der Not­wen­dig­keit ver­nünf­ti­ger Kom­pro­mis­se, ro­bus­ter Si­cher­heits­vor­keh­run­gen und der ge­gen­sei­ti­gen An­er­ken­nung der bei­den na­tio­na­len Be­we­gun­gen. Nichts da­von wird von Is­ra­el als Vor­be­din­gung für Ver­hand­lun­gen ge­for­dert; sie sind Verhandlungsgegenstand.

Statt­des­sen krie­gen wir von Er­e­kat ei­ne er­mü­den­de Lis­te von pa­läs­ti­nen­si­schen Vor­be­din­gun­gen, die sich als ei­ne For­de­rung nach Er­fül­lung is­rae­li­scher „Pflich­ten” prä­sen­tie­ren – bei­spiels­wei­se ei­ne „voll­stän­di­ge Ein­stel­lung von Sied­lungs­ak­ti­vi­tä­ten.” Seit wann ist das ei­ne „Pflicht” ge­wor­den? Ver­ges­sen Sie nicht, dass, als Is­ra­el ei­nen 10-​monatigen Sied­lungs­stopp um­setz­te, das zu nichts ge­führt hat. Ab­bas lehn­te es ab, an den Tisch zu kommen.

Die nächs­te pa­läs­ti­nen­si­sche Vor­be­din­gung für Ver­hand­lun­gen – die Frei­las­sung von Ge­fan­ge­nen (sprich: ver­ur­teil­ten pa­läs­ti­nen­si­schen Mör­dern) aus is­rae­li­schen Ge­fäng­nis­sen – war Teil ei­nes Deals, den die Pa­läs­ti­nen­ser durch ein­sei­ti­ge Hand­lun­gen ge­bro­chen ha­ben. Auch die pa­läs­ti­nen­si­sche For­de­rung nach der Wie­der­eröff­nung der po­li­ti­schen In­sti­tu­tio­nen in Ost­je­ru­sa­lem war Teil ei­nes „Road Map”-Deals, den die Pa­läs­ti­nen­ser in der Pra­xis ge­bro­chen haben.

Was das „kla­re Man­dat auf der Grund­la­ge des Völ­ker­rechts, ein­schliess­lich ei­nes kla­ren Zeit­rah­mens und ei­nem En­de der Be­sat­zung, die im Jahr 1967 be­gann” be­trifft – Er­e­kats Spra­che hier wie­der­spie­gelt ei­ne ab­sicht­li­che Ver­zer­rung der grund­le­gen­den UNO Si­cher­heits­rats­re­so­lu­ti­on 242 von 1967. Der be­rühm­te 242er Wort­laut – „Ge­bie­te”, nicht „die Ge­bie­te”; so­wie „si­che­re und an­er­kann­te Gren­zen” (die Waf­fen­still­stands­li­ni­en von 1949 wa­ren we­der noch) – lässt klar die Not­wen­dig­keit, über neue Gren­zen zu ver­han­deln, erkennen.

Das­sel­be tat auch die Spra­che der Grund­satz­er­klä­rung, die 1993 von der PLO un­ter­zeich­net wor­den war. „Je­der po­li­ti­sche Pro­zess” soll­te da­her nicht zu ei­ner auf­ge­zwun­ge­nen Lö­sung füh­ren, die je­de pa­läs­ti­nen­si­sche For­de­rung er­füllt, son­dern zu ei­nem ver­nünf­ti­gen Kom­pro­miss zwi­schen Is­ra­el und den Palästinensern.

Er­e­kat schliesst mit ei­nem an­de­ren Sei­ten­hieb auf „Is­ra­els Be­sat­zung, Ko­lo­nia­li­sie­rung, Apart­heid und Kul­tur der Straf­lo­sig­keit.” Er liebt wirk­lich die­se ab­wer­ten­den Be­grif­fe. Von den vier Ver­leum­dun­gen ist die letz­te die be­lei­di­gends­te: Is­ra­els an­ge­nom­me­ne „Kul­tur der Straf­lo­sig­keit.” Von we­gen den Kes­sel schwarz zu nennen!

Wie US-​Senator Charles Schu­mer vor kur­zem fest­stell­te, wä­re es ei­ne an­de­re Welt ge­we­sen, wenn nicht dem Volk (der Pa­läs­ti­nen­ser), die uns die Flug­zeug­ent­füh­rungs­kul­tur der 60er und 70er Jah­re ge­ge­ben ha­ben, und die die Olym­pi­schen Spie­le von 1972 in Mün­chen durch ei­nen Akt des Mas­sa­kers ge­schän­det ha­ben, am En­de ver­ge­ben und ih­re Ver­bre­chen ver­ges­sen wor­den wären.

Pa­läs­ti­nen­si­sche Pro­pa­gan­dis­ten wie Er­e­kat wä­ren gut be­ra­ten, nicht zu sehr von der fal­sche Be­haup­tung der is­rae­li­schen „Straf­lo­sig­keit” zu reden.

* Col. (res.) Dr. Eran Ler­man ist kürz­lich dem Begin-​Sadat-​Zentrum für stra­te­gi­sche Stu­di­en als Se­ni­or Re­se­arch As­so­cia­te bei­ge­tre­ten. In den letz­ten sechs Jah­ren war er Stell­ver­tre­ter für die Au­ßen­po­li­tik und in­ter­na­tio­na­le Be­zie­hun­gen im Na­tio­na­len Si­cher­heits­rat des is­rae­li­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten. Die 20 Jah­re da­vor be­klei­de­te er lei­ten­de Stel­len in IDF Mi­li­ta­ry In­tel­li­gence, und war auch Israel-​Direktor des Ame­ri­can Je­wish Committee.

 

Pho­to: Sa­eb Er­e­kat. Credit: Is­san Rimawi/​Flash90

1 Ping

  1. Stoff für’s Hirn | abseits vom mainstream - heplev

    […] Po­li­ti­sches (Da­ni­el): – Der iri­sche Zio­nist – Ver­pass­te Ge­le­gen­heit: Ol­mert, Ab­bas, und Me­di­en­vor­ur­tei­le – Die Lü­gen des Sa­eb Er­e­kat: Wie pa­läs­ti­nen­si­sche Pro­pa­gan­da die Wahr­heit ver­dreht und die Friedensb… […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

css.php