«

»

Wie Nicht-​Regierungsorganisationen zur Waf­fe wur­den im Krieg ge­gen Is­ra­el

Ge­rald Stein­berg, Fe­bru­ar 2016, The Tower Ma­ga­zi­ne

Ei­ne der gröss­ten Kon­tro­ver­sen in Is­ra­el Heu­te dreht sich um die Rol­le der aus­län­disch fi­nan­zier­ten NGOs bei der Be­ein­flus­sung der In­nen­po­li­tik des Lan­des. Wie im­mer, müs­sen Sie der Spur des Gel­des fol­gen.

Nicht-​Regierungsorganisationen (NGOs) sind sehr gros­ses Busi­ness in Is­ra­el. Ver­schie­de­ne NGOs – die meis­ten von ih­nen Links und mit dem An­spruch, für die Men­schen­rech­te und die De­mo­kra­tie zu kämp­fen – sind sehr ak­tiv in der Knes­set, im Ein­rei­chen von Kla­gen beim Obers­ten Ge­richts­hof, die die Po­li­tik der Re­gie­rung zu stür­zen ver­su­chen, und in den Me­di­en. Sie er­hal­ten Hun­der­te von Mil­lio­nen von Sche­kel von gros­sen Stif­tun­gen und aus­län­di­schen Re­gie­run­gen, vor al­lem eu­ro­päi­schen. Wäh­rend die Ak­ti­vi­tä­ten die­ser NGOs von der is­rae­li­schen Rech­ten kri­ti­siert wer­den, un­ter­stützt sie ein gros­ser Teil der Mainstream-​israelischen Me­di­en. Im Er­geb­nis ist der „Heiligenschein-​Effekt”, der die­se NGOs vor un­ab­hän­gi­gen Un­ter­su­chun­gen schützt, be­son­ders stark.

Doch die­ser Hei­li­gen­schein wur­de vor kur­zem er­schüt­tert, als die po­pu­lä­re is­rae­li­sche Nach­rich­ten­sen­dung Uvda ei­ne Re­por­ta­ge it ver­steck­ter Ka­me­ra sen­de­te von ei­ner we­nig be­kann­ten „Frie­dens­grup­pe” ge­nannt Ta’ayush, an­ge­führt vom Ak­ti­vis­ten Ez­ra Na­wi. Die Auf­nah­men zeig­ten Na­wi, zu­sam­men mit Nas­ser Na­wa­ja, ei­nem pa­läs­ti­nen­si­schen Mit­ar­bei­ter der NGO B’Tselem, wie sie ge­gen ei­nen Ara­ber in­tri­gie­ren, der über den Ver­kauf ei­nes Pri­vat­grund­stücks in der West­bank an Ju­den ver­han­del­te. Sie ver­such­ten, den Pa­läs­ti­nen­ser in ei­ne Fal­le zu lo­cken, wo er vom Si­cher­heits­dienst der Pa­läs­ti­nen­si­schen Au­to­no­mie­be­hör­de fest­ge­nom­men wer­den wür­de. Wie Na­wi kalt in dem Vi­deo er­wähnt, wird un­ter PA Ge­setz der Ver­kauf von pa­läs­ti­nen­si­schem Land an Is­rae­lis mit dem To­de be­straft.

Die Sen­dung wur­de zu Schlag­zei­len, und die Fol­gen da­von dau­er­ten wo­chen­lang an. Na­wi wur­de am Ben-​Gurion-​Flughafen fest­ge­nom­men , als er ver­such­te, das Land zu ver­las­sen. Ein paar Ta­ge spä­ter wur­de ei­ne Fol­ge­sen­dung, er­neut mit ver­steck­ter Ka­me­ra, aus­ge­strahlt, dies­mal wur­de Na­wi ge­zeigt mit Mit­ar­bei­tern von zwei an­de­ren pro­mi­nen­ten „Menschenrechts”-NGOs – Brea­king the Si­lence (BtS) und Rab­bi­ner für Men­schen­rech­te (RHR). Bei­de Grup­pen wur­den da­bei ge­zeigt, wie sie Na­wi Geld ga­ben, der dann Checks an Pa­läs­ti­nen­ser über­gab, of­fen­bar für die Teil­nah­me an ge­walt­tä­ti­gen De­mons­tra­tio­nen. RHR be­haup­tet, dass Na­wi für die Be­reit­stel­lung von Trans­port­dienst­leis­tun­gen be­zahlt wur­de. BtS pran­ger­te al­le an der TV-​Sendung Be­tei­lig­ten als „Sta­si” an, ei­ne Be­zug­nah­me auf den be­rüch­tig­ten ost­deut­schen Ge­heim­dienst.

Der Lin­ke is­rae­li­sche Ak­ti­vist Ez­ra Na­wi, von is­rae­li­schen Ge­fäng­nis­wär­tern um­ge­ben, kommt zu Je­ru­sa­le­mer Ober­ge­richt, 12. Ja­nu­ar 2015. Na­wi war am Ben-​Gurion-​Flughafen fest­ge­nom­men wor­den, als er ver­such­te, das Land zu ver­las­sen. Er wird der Ver­schwö­rung zum Ver­bre­chen an­ge­schul­digt. Fo­to: Yo­na­tan Sin­del /​ Flash90

Der Re­port war be­son­ders bri­sant, weil Na­wi ein iko­ni­scher Held ge­we­sen war für die Links­aus­sen in Is­ra­el und im Aus­land – ein ho­mo­se­xu­el­ler se­phar­di­scher Frie­dens­ak­ti­vist und Pa­zi­fist, der west­li­che ori­en­ta­lis­ti­sche My­then ver­kör­per­te. Pro­mi­nen­te Lin­ke wie No­am Chom­sky und Nao­mi Klein be­zeich­ne­ten ihn als „ei­nen der mu­tigs­ten Men­schen­rechts­ak­ti­vis­ten Is­ra­els.” Da­vid Shul­man, der sehr kri­ti­sche Ar­ti­kel über Is­ra­el in der New York Re­view of Books schreibt und zu­fäl­lig ein Mit­glied der Ta’ayush ist, be­zeich­ne­te Na­wi als is­rae­li­schen Gan­dhi. Im Jahr 2009, nach­dem Na­wi nach ei­ner De­mons­tra­ti­on we­gen Tät­lich­keit ver­ur­teilt wur­de, wur­de er der Mit­tel­punkt ei­ner in­ter­na­tio­na­len Kam­pa­gne, dar­un­ter ein wohl­wol­len­des Por­trait im Time Ma­ga­zi­ne. Die hef­tig anti-​zionistische Je­wish Voice for Peace be­haup­te­te, 20’000 Un­ter­schrif­ten für ei­ne Pe­ti­ti­on ge­sam­melt zu ha­ben, um ihn aus dem Ge­fäng­nis zu ret­ten. Aber in 37 Mi­nu­ten zer­stör­te das Kanal-​2-​Programm Na­wis Image.

In ei­nem grös­se­ren Zu­sam­men­hang war das Ti­ming der Re­ports schäd­lich für das ge­sam­te NGO-​Establishment in Is­ra­el. Sie ka­men mit­ten in ei­ner in­ten­si­ven Aus­ein­an­der­set­zung über die Rol­le der is­rae­li­schen NGOs in der welt­wei­ten Kam­pa­gne, Is­ra­el zu dä­mo­ni­sie­ren durch die Ver­wen­dung von Be­grif­fen wie „Apart­heid”, dem Auf­stieg der Boy­kott, Des­in­ves­ti­ti­on und Sank­tio­nen (BDS) -Be­we­gung, und de Ein­satz von „la­w­fa­re”, um is­rae­li­sche Be­am­te mit Ge­richts­ver­fah­ren we­gen Kriegs­ver­bre­chen und an­de­ren ver­meint­li­chen Über­tre­tun­gen des Völ­ker­rechts zu über­zie­hen.

Vor den Uvda Sen­dun­gen wa­ren BtS und ih­re Spen­der der be­son­de­re Fo­kus wach­sen­der Wut un­ter vie­len Is­rae­lis der Rech­ten, der Mit­te, und auch Mitte-​Links. Die­se Wut folg­te auf ei­nen gros­sen Sprung in der Sicht­bar­keit von BtS, der das Millionen-​Dollar-​Budget der Grup­pe wi­der­spie­gel­te. BtS-​Veranstaltungen in Kir­chen, Uni­ver­si­tä­ten und na­tio­na­len Par­la­men­ten auf der gan­zen Welt stell­ten „an­ony­me Zeu­gen­aus­sa­gen” vor, die sys­te­ma­ti­sche Un­mo­ral von IDF-​Soldaten be­haup­te­ten, oh­ne be­stä­ti­gen­de Be­wei­se.

Als Re­ak­ti­on dar­auf be­an­trag­ten Hun­der­te von Re­ser­ve­of­fi­zie­ren der IDF beim Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter, dass BtS-​Aktivisten vom Spre­chen auf Mi­li­tär­ba­sen aus­ge­schlos­sen wer­den soll­ten. Par­al­lel da­zu for­der­ten Ver­wand­te von Ter­ror­op­fern und ge­fal­le­nen Sol­da­ten, dass Bil­dungs­mi­nis­ter Nafta­li Ben­nett BtS das Spre­chen vor High-​School-​Studenten ver­bie­tet. NGOs wie B’Tselem wur­den eben­falls kri­ti­siert. Auf Is­ra­els be­lieb­tem Satire-​Programm am Sams­tag­abend, Gav Hau­ma, brach­te Mo­de­ra­tor Li­or Schlei­en ei­ne Zehn-​Minuten–Se­quenz zu die­sem The­mas, in der er vor al­lem BTS und ähn­li­che NGOs auf die Schip­pe nahm.

Of­fen­sicht­lich ha­ben die Of­fen­ba­run­gen von Uvda ei­ne grös­se­re Kon­tro­ver­se um das is­rae­li­sche NGO-​Establishment ver­stärkt. Ver­schwö­rung zu Mord war ei­ne Smo­king Gun, die auch die is­rae­li­sche Mitte-​Links als völ­lig un­ver­ein­bar mit ir­gend­wel­chen Prin­zi­pi­en der Men­schen­rech­te ver­stan­den. Seit­dem sind Be­grif­fe wie Heu­che­lei und Dop­pel­zün­gig­keit mit grös­se­rer Häu­fig­keit be­nutzt wor­den, und nicht nur von rech­ten Kri­ti­kern.

 

Die­se Ge­gen­re­ak­ti­on war schon lan­ge am Ho­ri­zont zu er­ken­nen. Im Lau­fe der Jah­re ha­ben die po­li­ti­schen NGOs in Is­ra­el ein ho­hes Mass an Macht an­ge­häuft, oh­ne die Kon­trol­len ei­nes de­mo­kra­ti­schen Pro­zes­ses. Die­se Macht wur­de häu­fig da­zu be­nutzt, Wi­der­stand ge­gen die Po­li­tik der ge­wähl­ten is­rae­li­schen Re­gie­rung zu leis­ten, vor al­lem durch Ak­ti­vis­mus aus­ser­halb Is­ra­els. NGO-​Aktivisten be­nutz­ten oft Be­grif­fe wie „Apart­heid” und be­schul­dig­ten die is­rae­li­sche Füh­rung Kriegs­ver­bre­chen, sys­te­ma­ti­scher Ver­let­zun­gen des Völ­ker­rechts und der Un­ter­drü­ckung der Men­schen­rech­te.

Es ist wich­tig zu ver­ste­hen, dass sol­che Ak­ti­vi­tä­ten Teil ei­ner viel grös­se­ren in­ter­na­tio­na­len Kam­pa­gne ge­gen Is­ra­el sind. Das be­rüch­tig­te NGO-​Forum an der Welt­kon­fe­renz der Ver­ein­ten Na­tio­nen ge­gen Ras­sis­mus in Dur­ban, Süd­afri­ka, im Jah­re 2001, an dem 1500 Grup­pen be­tei­ligt wa­ren, pro­du­zier­te ei­ne de­tail­lier­te Stra­te­gie für die Dä­mo­ni­sie­rung Is­ra­els auf der Grund­la­ge des Anti-​Apartheid-​Modells. Dies mar­kier­te den Be­ginn der BDS-​Bewegung und ver­schie­de­ner „lawfare”-Kampagnen. Ob­wohl die meis­ten is­rae­li­schen NGOs nicht am Fo­rum in Dur­ban teil­nah­men, ha­ben sich vie­le eng an die­sen Be­mü­hun­gen be­tei­ligt.

Als die Be­tei­li­gung von NGOs an BDS und an­de­ren Kam­pa­gnen im­mer mehr sicht­bar wur­de, er­höh­te sich die Kri­tik in Is­ra­el, be­son­ders mit der Ver­öf­fent­li­chung des ver­leum­de­ri­schen und heu­te dis­kre­di­tier­ten Goldstone-​Berichtes der UNO zur Ope­ra­ti­on Ge­gos­se­nes Blei im Jahr 2009. Der Be­richt be­ruh­te auf Be­haup­tun­gen von Hun­der­ten von NGOs, ein­schliess­lich von B’Tselem und BtS, von de­nen vie­le sich als falsch oder nicht ve­ri­fi­zier­bar her­aus­stell­ten. Die­se Be­haup­tun­gen, die nun die Si­gna­tur der UNO hat­ten, wur­den beim Ver­such zi­tiert, Is­rae­lis als „Kriegs­ver­bre­cher” zu ver­haf­ten, dar­un­ter die ehe­ma­li­ge Aus­sen­mi­nis­te­rin Tzi­pi Liv­ni und ei­ne gros­se Zahl von Of­fi­zie­ren.

Als Re­ak­ti­on dar­auf führ­ten Po­li­ti­ker des Rech­ten is­rae­li­schen po­li­ti­schen Spek­trums Ge­setz­ge­bung ein zur Be­schrän­kung der Macht der NGOs zur Be­ein­flus­sung der is­rae­li­schen Po­li­tik. In­for­ma­tio­nen über den Um­fang der Fi­nan­zie­rung die­ser Grup­pen wur­de durch mei­ne Or­ga­ni­sa­ti­on NGO Mo­ni­tor ver­öf­fent­licht. Wir zeig­ten das Ver­fah­ren, mit dem die Eu­ro­päi­sche Uni­on und ein­zel­ne Staa­ten die­se NGOs als In­stru­men­te ih­rer ei­ge­nen Po­li­tik be­nutz­ten.

Im Lau­fe der Jah­re ha­ben die po­li­ti­schen NGOs in Is­ra­el ein ho­hes Mass an Macht an­ge­häuft, oh­ne die Kon­trol­len ei­nes de­mo­kra­ti­schen Pro­zes­ses.

Die­se Ak­ti­vi­tät ist ein­zig­ar­tig in den Be­zie­hun­gen zwi­schen De­mo­kra­ti­en. Falls Eu­ro­pa auf ähn­li­che Wei­se die ame­ri­ka­ni­sche Po­li­tik und die Ge­sell­schaft zu be­ein­flus­sen ver­such­te, wür­de es die jähr­li­che Über­wei­sung von Mil­li­ar­den Dol­lar an ame­ri­ka­ni­sche NGOs in­vol­vie­ren, die sich auf kon­tro­ver­sen The­men fo­kus­sie­ren wie Ab­trei­bung, Waf­fen­kon­trol­le , Ras­se oder Im­mi­gra­ti­on. Selbst ei­ne klei­ner an­ge­leg­te Kam­pa­gne in die­sen Fra­gen, fi­nan­ziert von aus­län­di­schen Re­gie­run­gen, wür­de so­for­ti­ge und weit­ver­brei­te­te ame­ri­ka­ni­sche Op­po­si­ti­on auf sich zie­hen.

Die is­rae­li­sche De­bat­te flamm­te wie­der auf nach dem Gaza-​Krieg von 2014, als der Zy­klus von NGO-​Attacken und UNO-​Berichten mehr oder we­ni­ger wie­der­holt wur­de. Dann, im No­vem­ber 2015, hat die Eu­ro­päi­sche Uni­on ei­ne „In­ter­pre­ta­ti­ons­no­te” zu ih­rer Ein­fuhr­richt­li­nie her­aus­ge­ge­ben, die emp­fahl, dass die Mit­glied­staa­ten Eti­ket­ten auf Pro­duk­te aus den be­setz­ten Ge­bie­ten (ge­meint ist der West­bank, Ost-​Jerusalem und den Go­lan­hö­hen) ver­lan­gen soll­ten. Die­se Ges­te, be­kannt als „BDS li­te”, ist seit vie­len Jah­ren von ei­nem NGO-​Netzwerk vor­an­ge­trie­ben wor­den, das in Brüs­sel sehr ak­tiv ist, wie et­wa ein Re­port von 2012 mit der Über­schrift „Frie­den weg han­deln,” ge­spon­sert von 22 Haupt-​Gruppen, von de­nen vie­le Mit­tel er­hal­ten von der EU und den ein­zel­nen Staa­ten. Wie Ste­ven J. Ro­sen im Tower im Ja­nu­ar schrieb, ar­bei­ten die­se NGOs eng mit „der kom­ple­xen Bü­ro­kra­tie der EU und ih­rer Mit­glieds­staa­ten – den um­gangs­sprach­lich als Eu­ro­kra­ten be­kann­ten Be­am­ten, zu­sa­men. Sie kon­zen­trie­ren sich auf klei­ne Schrit­te von Mass­nah­men, an­statt ei­nen kom­plet­ten Boy­kott Is­ra­els zu ver­lan­gen, und das hat sich als sehr viel er­folg­ver­spre­chen­der her­aus­ge­stellt, als sein ra­di­ka­les Ge­gen­stück.”

Die­se Er­eig­nis­se ha­ben das NGO-​Thema zu­rück an die Spit­ze der is­rae­li­schen Agen­da be­för­dert und am En­de des Jah­res 2015 kün­dig­te Jus­tiz­mi­nis­te­rin Aye­let Shaked ei­ne neue An­stren­gung an, die sich haupt­säch­lich auf die aus­län­di­sche Fi­nan­zie­rung von NGO-​Kampagnen fo­kus­siert. Soll­te die­ses neue Ge­setz ge­neh­migt wer­den, müss­ten – ge­mäss dem Ge­set­zes­ent­wurf – NGOs, die mehr als 50 Pro­zent ih­res Bud­gets von aus­län­di­schen Re­gie­run­gen er­hal­ten, dies in ih­ren Pu­bli­ka­tio­nen, Brie­fen an Re­gie­rungs­be­am­te und Pro­to­kol­len der Knesset-​Aussagen of­fen le­gen.

Es soll­te klar sein, dass die Aus­wir­kun­gen die­ser Mass­nah­men weit­ge­hend sym­bo­lisch wä­ren. In Is­ra­el aber ist die­se Sym­bo­lik hoch si­gni­fi­kant, was die Be­deu­tung der na­tio­na­len Sou­ve­rä­ni­tät und Selbst­be­stim­mung wie­der­spie­gelt, die von zen­tra­ler Be­deu­tung sind für die zio­nis­ti­sche Ideo­lo­gie. Vie­le Is­rae­lis neh­men die jüngs­ten Be­mü­hun­gen von aus­län­di­schen und vor al­lem eu­ro­päi­schen Re­gie­run­gen, die is­rae­li­sche Zi­vil­ge­sell­schaft und Po­li­tik zu ma­ni­pu­lie­ren, übel. NGO-​Aktivisten glau­ben, dass das Eti­kett „aus­län­di­scher Agent” un­ter dem Deck­man­tel der Trans­pa­renz in­hä­rent die Macht und Le­gi­ti­mi­tät ih­rer Or­ga­ni­sa­tio­nen ein­schrän­ken wür­de.

Aus die­sen Grün­den lös­te Shakeys In­itia­ti­ve ei­ne Flut von Schlag­zei­len in den is­rae­li­schen Me­di­en und zahl­rei­che drin­gen­de Knes­set Sit­zun­gen aus, ei­ni­ge zur Un­ter­stüt­zung und vie­le in hef­ti­gem Wi­der­stand. NGO-​Mitarbeiter und ih­re Ver­bün­de­ten grif­fen Shaked und Un­ter­stüt­zer der Ge­setz­ge­bung als „Mc­Car­thy­is­ten” und „Fa­schis­ten” mit der Ab­sicht, die De­mo­kra­tie zu zer­stö­ren, an. In Kom­men­ta­ren und öf­fent­li­chen Er­klä­run­gen ver­gli­chen NGOs und ih­re Un­ter­stüt­zer das vor­ge­schla­ge­ne Ge­setz mit Mass­nah­men in der Tür­kei und Pu­tins Russ­land.

 

Sha­ked hat na­tür­lich zu­rück­ge­schla­gen. In Ab­leh­nung der Ana­lo­gie mit Russ­land und der Tür­kei ar­gu­men­tier­te sie, dass die vor­ge­schla­ge­ne Ge­setz­ge­bung mit de­mo­kra­ti­schen Grund­sät­zen voll­stän­dig kom­pa­ti­bel sei. Ins­be­son­de­re ver­glich sie ih­ren Vor­schlag mit dem US-​Foreign Agents Re­gis­tra­ti­on Act (FARA), im Jah­re 1938 an­ge­nom­men durch den Kon­gress. FA­RAs Ziel war es, In­for­ma­tio­nen zu lie­fern über die Be­mü­hun­gen von aus­län­di­schen Re­gie­run­gen, den US-​Kongress zu be­ein­flus­sen. Ge­mäss Shaked ist ihr Ge­setz „we­ni­ger streng als das der Ver­ei­nig­ten Staa­ten be­züg­lich ähn­li­cher Ak­ti­vi­tä­ten im Rah­men des For­eign Agents Re­gis­tra­ti­on Acts.”

Die­se Be­haup­tung er­öff­net ei­ne wei­te­re Front, und der Ver­gleich wur­de all­ge­mein ab­ge­lehnt und von den NGO-​Mitarbeitern und ei­nem US-​Aussenamtssprecher an­ge­pran­gert. Dann lehn­te der US-​Botschafter in Is­ra­el die FARA-​Analogie in ei­ner höchst un­ge­wöhn­li­chen Aus­sa­ge ab. Er be­haup­te­te, dass, im Ge­gen­satz zum is­rae­li­schen Vor­schlag, der sich nur mit NGOs be­schäf­tigt, „das US- Ge­setz kei­ne Be­schrän­kun­gen oder Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen zum Ein­gang aus­län­di­scher Fi­nan­zie­rung von NGOs in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten vor­sieht, mit Aus­nah­me der­je­ni­gen, die all­ge­mein für al­le Ame­ri­ka­ner gel­ten. … In­fol­ge­des­sen be­wirkt es nicht die ab­schre­cken­de Wir­kung auf NGO-​Aktivitäten, über die wir so be­sorgt sind im Ent­wurf des is­rae­li­schen NGO-​Gesetzes.” Doch Shapi­ros Ant­wort ver­mied den wich­tigs­ten Punkt – in Is­ra­el kommt die Be­dro­hung nicht von deut­schen Spio­nen oder so­wje­ti­schen Agen­ten, son­dern von aus dem Aus­land fi­nan­zier­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen, die die Spra­che der Men­schen­rech­te nut­zen, um den jü­di­schen Staat zu dä­mo­ni­sie­ren. Shakeys Ver­gleich zu FARA war nicht wört­li­che ge­meint – son­dern war als Ana­lo­gie in Be­zug auf die Ein­mi­schung durch aus­län­di­sche Staa­ten ge­meint.

Aus­ser­dem er­klär­te Shapi­ro, dass, an­ders als in der is­rae­li­schen Si­tua­ti­on gilt FARA für US-​Gesellschaften, die „sich in be­stimm­ten Tä­tig­kei­ten en­ga­gie­ren auf Auf­trag, Bit­te oder un­ter der Lei­tung oder Kon­trol­le ei­nes aus­län­di­schen Vor­ge­setz­ten.” Mit an­de­ren Wor­ten, es ist ein Un­ter­schied zwi­schen FARA und dem NGO-​Gesetz, weil is­rae­li­sche NGOs nicht nach den Richt­li­ni­en ih­rer Spen­der zu han­deln ver­pflich­tet sind. Aber die Be­weis­la­ge zeigt oft en­ge Ver­bin­dun­gen zwi­schen den Ta­ges­ord­nun­gen der is­rae­li­schen NGO und den po­li­ti­schen Zie­len und In­ter­es­sen ih­rer Gön­ner. Wie oben er­wähnt, füh­ren die­se NGOs spe­zi­fi­sche Dienst­leis­tun­gen für aus­län­di­sche Re­gie­run­gen durch, um Le­gi­ti­mi­tät für ih­re Op­po­si­ti­on ge­gen­über der is­rae­li­schen Re­gie­rungs­po­li­tik zu schaf­fen. Zum Bei­spiel wer­den von is­rae­li­schen NGOs ver­fass­te Be­rich­te, die von eu­ro­päi­schen Re­gie­run­gen fi­nan­ziert wur­den, in po­li­ti­schen Aus­sa­gen der EU zu The­men wie dem Sta­tus von Je­ru­sa­lem und der West­bank re­gel­mäs­sig zi­tiert.

Jus­tiz­mi­nis­te­rin Aye­let Shaked er­scheint bei der wö­chent­li­chen Ka­bi­netts­sit­zung in Pre­mier­mi­nis­ter Ben­ja­min Net­anya­hus Bü­ro, 3. Ja­nu­ar 2016. Fo­to: Alex Ko­lo­mois­ky /​ Flash90

In die­sem Sin­ne ist das vor­ge­schla­gen NGO-​Gesetz Is­ra­els ähn­lich in Sinn und Geist dem im ver­gan­ge­nen Jahr im US-​Repräsentantenhaus ver­ab­schie­de­ten Ge­setz, das von Zeu­gen, die vor ei­nem Aus­schuss in ei­ner „Nicht-​Regierungs-​Kapazität” aus­sa­gen, ver­langt „die Men­ge und das Her­kunfts­land von jeg­li­chen Zah­lun­gen oder Ver­trä­gen, die mit dem Ge­gen­stand der An­hö­rung in Zu­sam­men­hang ste­hen, und die von ei­ner aus­län­di­schen Re­gie­rung stam­men, of­fen zu le­gen. „Die­se Be­stim­mun­gen wur­den nach ei­nem Ar­ti­kel in der New York Times an­ge­nom­men, der auf­zeig­te, dass Län­der wie Ka­tar und Nor­we­gen Mil­lio­nen von Dol­lar an ame­ri­ka­ni­sche Denk­fa­bri­ken wie die Broo­kings In­sti­tu­ti­on spen­de­ten. Die Be­rich­te, die die­se Grup­pen pro­du­zier­ten, wur­den dann ver­wen­det, um für die Po­li­tik ih­rer spen­den­den Re­gie­run­gen zu lob­by­ie­ren. Die neu­en Re­ge­lun­gen wa­ren ganz klar dar­auf an­ge­legt, aus­län­di­sche Re­gie­run­gen an ge­hei­mer und un­zu­läs­si­ger Be­ein­flus­sung de­mo­kra­ti­scher Pro­zes­se zu hin­dern. Kein Leit­ar­ti­kel der Wa­shing­ton Post hat bis heu­te den Kon­gress mit Pu­tins Russ­land ver­gli­chen.

 

Sha­keys vor­ge­schla­ge­nes Ge­setz för­dert auch die drin­gend be­nö­tig­te Trans­pa­renz auf Sei­ten der is­rae­li­schen NGOs. In den meis­ten Fäl­len sind die Ent­schei­dungs­pro­zes­se für aus­län­di­sche Fi­nanz­hil­fen streng ge­heim, und es gibt we­nig oder gar kei­ne par­la­men­ta­ri­sche Über­prü­fung oder öf­fent­li­che Dis­kus­si­on in Is­ra­el oder den Ge­ber­län­dern. Die Na­men der be­tei­lig­ten Per­so­nen, ihr Know-​How und die be­ruf­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on, po­ten­zi­el­le In­ter­es­sen­kon­flik­te und an­de­re As­pek­te wer­den vor der Öf­fent­lich­keit ver­bor­gen. Dem­entspre­chend sind am En­de ei­nes För­der­zeit­raums vor­ge­nom­me­nen Be­wer­tun­gen nicht öf­fent­lich ver­füg­bar, selbst nach An­trä­gen ge­mäss In­for­ma­ti­ons­frei­heit. Die­se Ge­heim­hal­tung, die mit Trans­pa­renz­nor­men in de­mo­kra­ti­schen Ge­sell­schaf­ten nicht ver­ein­bar ist, schützt die klei­ne Grup­pe von Be­am­ten, wie Chris­ti­an Ber­ger von der EU, die ver­lau­te­ter­mas­sen hin­ter dem Ein­satz der is­rae­li­schen NGOs zur Ver­fol­gung eu­ro­päi­scher Zie­le ste­hen.

Die­se Be­mü­hun­gen gibt es schon lan­ge. Gross an­ge­leg­te eu­ro­päi­sche staat­li­che Fi­nan­zie­rung von is­rae­li­schen NGOs be­gann in den spä­ten 1990er Jah­ren, er­leich­tert durch das Euro-​Mediterrane (Euro-​Med) Rah­men­werk, das im Jahr 1995 an der EU-​Konferenz von Bar­ce­lo­na ein­ge­weiht wur­de. Die zwei pri­mä­ren, nicht ge­nann­ten, Zie­le des Euro-​Mediterranen Pro­gramms wa­ren 1) Wirt­schafts­pro­gram­me in Nord­afri­ka zu ent­wi­ckeln, um gross an­ge­leg­te Mi­gra­ti­on nach Eu­ro­pa zu ver­hin­dern (ein kom­plet­ter Fehl­schlag ), und 2) mit den USA im Be­reich der israelisch-​palästinensischen Frie­dens­ver­hand­lun­gen zu kon­kur­rie­ren. Um das zwei­te Ziel zu er­rei­chen, er­stell­te die EU ei­nen Fi­nan­zie­rungs­me­cha­nis­mus, der zu­nächst als das Menschen-​für-​Menschen-​Programm be­kannt war, das spä­ter zum Part­ner­schaft für den Frie­den (PfP) Rah­men­pro­gramm wur­de, mit ei­nem jähr­li­chen Bud­get von zwi­schen 5 und 10 Mil­lio­nen Eu­ro. Das Geld wur­de zwi­schen 20 und 40 NGOs zur Ver­fü­gung ge­stellt.

Die Ge­heim­hal­tung hin­ter der NGO-​Finanzierung, die mit Trans­pa­renz­nor­men in de­mo­kra­ti­schen Ge­sell­schaf­ten nicht ver­ein­bar ist, schützt ei­ne klei­ne Grup­pe von Be­am­ten, die is­rae­li­sche NGOs nut­zen, um eu­ro­päi­sche Zie­le zu för­dern.

Vie­le Jah­re lang wa­ren al­le De­tails zu PfP För­der­gel­dern an NGOs ge­heim, und die ein­zi­ge In­for­ma­ti­on kam aus ei­ner durch­ge­si­cker­ten Zu­sam­men­fas­sung ei­ner 1999er Sit­zung der „Ad-​hoc-​Auswahlkommission für Peop­le to Peop­le /​ Dauerstatusfragen-​Projekte zur Un­ter­stüt­zung des Nahost-​Friedensprozesses, Haus­halts­li­nie B7-​4100, Eu­ro­päi­sche Kom­mis­si­on, Ge­ne­ral­di­rek­ti­on Aus­sen­be­zie­hun­gen.” Ne­ben an­de­ren Din­gen sprach der Aus­schuss 400.000 € an die is­rae­li­sche lin­ke Grup­pe Peace Now mit dem Ziel, is­rae­li­sche Ju­den aus Russ­land zu ei­ner Än­de­rung ih­rer po­li­ti­schen An­sich­ten zu brin­gen. 250.000 € (je­weils) wur­den ver­teilt auf die Vier-​Mütter-​Bewegung-​für-​das-​in-​Ruhe-​Lassen-​des-​Libanon und auf ei­ne Rand-​NGO, die sich selbst das is­rae­li­sche Ko­mi­tee ge­gen Haus­zer­stö­run­gen (ICAHD) nennt für ei­ne „ge­mein­sa­me israelisch-​palästinensische Sen­si­bi­li­sie­rung der Öf­fent­lich­keit und kon­kre­te Mass­nah­men ge­gen die Pra­xis von Land­ent­eig­nung und die Zer­stö­rung von Häu­sern durch die is­rae­li­sche Ar­mee in der West­bank”. Auf sei­nen Rei­sen rund um die Welt, re­det Jeff Hal­per, der Lei­ter der ICAHD, häu­fig von Is­ra­el als ei­nem „Apartheid-​Staat”.

Die­se Ent­hül­lun­gen führ­ten nicht zu ei­ner Kla­ge, we­der in Is­ra­el noch in Eu­ro­pa, und die Pra­xis wur­de wei­ter­ge­führt und aus­ge­baut, weit weg von öf­fent­li­cher Kon­trol­le oder De­bat­te. Im Jahr 2004, bei ei­nem Tref­fen in Je­ru­sa­lem mit ei­ner De­le­ga­ti­on des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments, zi­tier­te ich die durch­ge­si­cker­ten Pro­to­kol­le über die Fi­nan­zie­rung der PfP. Der da­ma­li­ge EU-​Botschafter in Is­ra­el, Gi­an­ne Car­lo Che­ve­l­ard, sprang auf und ver­such­te, die Dis­kus­si­on zu blo­ckie­ren.

Zur glei­chen Zeit be­gann ein wei­te­res EU-​Rahmenprogram – das Eu­ro­päi­sche In­stru­ment für De­mo­kra­tie und Men­schen­rech­te (EIDHR) – eben­falls, Mil­lio­nen Eu­ro an is­rae­li­sche und pa­läs­ti­nen­si­sche NGOs aus­zu­schüt­ten, ein­schliess­lich Zu­schüs­se an Grup­pen, die auch Emp­fän­ger der PfP wa­ren. Auch hier war der Ent­schei­dungs­pro­zess voll­stän­dig ge­heim, und ein über­pro­por­tio­na­ler An­teil der Mit­tel gin­gen an das po­li­ti­sier­te is­rae­li­sche NGO-​Netzwerk. In Recht­fer­ti­gung des Man­gels an Trans­pa­renz re­de­ten die EU-​Beamten von Ge­fah­ren der „öf­fent­li­chen Si­cher­heit”, oh­ne Ein­zel­hei­ten zu nen­nen.

Die­se und an­de­re Me­cha­nis­men der EU, so­wie par­al­le­le Rah­men­wer­ke in den ein­zel­nen Län­dern, schleus­ten gros­se Sum­men zu NGOs in Is­ra­el, de­ren Tä­tig­keit BDS ein­schloss, die För­de­rung der „Ein-​Staaten-​Lösung”, in der Is­ra­el auf­ge­löst wer­den wür­de, „Anti-​Normalisierung mit Israel”-Kampagnen und die Ver­stop­fung der Ge­rich­te mit „Kriegsverbrechen”-Fällen.

Die Kom­bi­na­ti­on der mas­si­ven eu­ro­päi­schen Fi­nan­zie­rung von NGOs, die Rol­le die­ser Grup­pen im po­li­ti­schen Kampf ge­gen Is­ra­el und die Ge­heim­hal­tung, in der sie ein­ge­hüllt wa­ren, er­höh­te die is­rae­li­schen Be­den­ken und Kri­tik. Die­se er­höh­ten sich wei­ter mit den jüngs­ten Ent­hül­lun­gen, dass im Au­gust 2015 die EU BtS mit wei­te­ren 250.000 € aus­stat­te­te, wäh­rend ein ähn­li­ches Rah­men­pro­gramm, die Eu­ro­päi­sche Stif­tung für De­mo­kra­tie, B’Tselem 30.000 € ex­pli­zit für die „Be­kämp­fung an­ti­de­mo­kra­ti­scher Ge­set­ze, die dar­auf zie­len, die Op­po­si­ti­on zum Schwei­gen zu brin­gen” gab. Wie in der Ver­gan­gen­heit wei­ger­ten sich die EU und die ein­zel­nen Re­gie­run­gen, die is­rae­li­schen An­lie­gen zu dis­ku­tie­ren, was die Un­ter­stüt­zung für das ge­plan­te NGO-​Gesetz wei­ter er­höh­te.

 

Zu den pro­mi­nen­tes­ten Geg­nern des Ge­set­zes über die NGOs ge­hört der New Is­ra­el Fund (NIF), ein mäch­ti­ges US-​basiertes Spen­der­netz­werk mit ei­nem jähr­li­chen Bud­get von $ 30’000’000, das Grün­dungs­gel­der und lau­fen­de Un­ter­stüt­zung für vie­le der in Fra­ge kom­men­den NGOs bie­tet. Die NIF hat kei­nen of­fi­zi­el­len Sta­tus in Is­ra­el, ist nicht als ge­mein­nüt­zig re­gis­triert, und das vor­ge­schla­ge­ne Ge­setz hät­te kei­nen Ein­fluss dar­auf. Aber eu­ro­päi­sche Staats­fi­nan­zie­rung ist ein sehr wich­ti­ger Ver­stär­ker für die Ar­beit des NIF in Is­ra­el, die zu­neh­mend po­li­tisch ist. Grup­pen wie BtS, B’Tselem, Rab­bi­ner für Men­schen­rech­te, das öf­fent­li­chen Ko­mi­tee ge­gen Fol­ter in Is­ra­el, und vie­le mehr sind Teil des NIF-​Netzwerks und er­hal­ten Mil­lio­nen von Dol­lar aus Eu­ro­pa.

In vie­ler­lei Hin­sicht ist die NIF ei­ne NGO-​basierte Schat­ten­re­gie­rung . Sie wur­de als Re­ak­ti­on auf die is­rae­li­schen Wah­len 1977 ge­schaf­fen, als der rechts­ge­rich­te­te Füh­rer Me­nach­em Be­gin zum Pre­mier­mi­nis­ter wur­de und ei­ne Ära der lin­ken Vor­herr­schaft be­en­de­te. Im Lau­fe der Jah­re hat die NIF ein brei­tes Netz­werk von NGOs in Is­ra­el auf­ge­baut, was ih­nen die Macht ver­leiht, sich der Re­gie­rungs­po­li­tik in Is­ra­el und aus­ser­halb zu wi­der­set­zen, ein­schliess­lich der Ver­ein­ten Na­tio­nen und aus­län­di­schen Haupt­städ­ten. Zwei NIF-​NGOs ha­ben Bü­ros oder Nie­der­las­sun­gen in den USA – Ada­lah und B’Tselem. Die zu­stän­di­gen Be­am­ten der bei­den US-​Büros schrie­ben Ar­ti­kel, die das vor­ge­schla­ge­ne NGO-​Gesetz an­zu­grei­fen .

In­fol­ge­des­sen war die NIF sehr ak­tiv im Kampf ge­gen al­le Rechts­vor­schrif­ten über NGO-​Finanzierung aus Angst, dass sie ih­re Fä­hig­keit be­hin­dern wird, die Po­li­tik zu be­ein­flus­sen. Im Jahr 2009 be­zeich­ne­ten sie ei­nen Ge­set­zes­vor­schlag, der Emp­fän­ger von aus­län­di­scher staat­li­cher Fi­nan­zie­rung da­zu zwingt, al­le drei Mo­na­te dar­über zu be­rich­ten, als „Mc­Car­thy­is­mus” und an­ti­de­mo­kra­tisch. Das Ge­setz wur­de im Jahr 2011 ver­ab­schie­det, und die NGOs er­hal­ten wei­ter­hin Zu­schüs­se oh­ne sicht­ba­ren Scha­den für die is­rae­li­sche De­mo­kra­tie.

Die Füh­rer der NIF spie­len ei­ne zen­tra­le Rol­le bei der Be­kämp­fung von Shakeys Vor­schlag. Nao­mi Paiss, Lei­te­rin der Öf­fent­lich­keits­ar­beit für die NIF, schrieb ei­nen Leit­ar­ti­kel, der von der jü­di­schen De­pe­schen­agen­tur ver­öf­fent­licht wor­den ist, mit der Über­schrift „Das vor­ge­schla­ge­ne is­rae­li­sche NGO-​Gesetz ist ein heuch­le­ri­scher An­griff auf die Lin­ke.” CEO Da­ni­el So­katch ver­schick­te zahl­rei­che E-​Mails mit ei­nem An­griff auf die Ge­setz­ge­bung, in de­nen er schrieb, „Die Hard­li­ner, die der­zeit in Is­ra­el an der Macht sind, wol­len al­le Is­rae­lis zum Schwei­gen brin­gen oder um­ge­hen, die ih­re Agen­da von mehr Sied­lun­gen und ei­ner ein­ge­gra­be­nen Be­set­zung her­aus­for­dern.”

Der CEO des New Is­ra­el Fund, Da­ni­el So­katch. Pho­to: Ha­das Pa­rush /​ Flash90

So­katch hat sich als be­son­ders hys­te­risch zu die­sem The­ma er­wie­sen. Als die Bü­ros von B’Tselem am 11. Ja­nu­ar 2016 in Flam­men auf­gin­gen, schrieb So­katch so­fort, dass „Brand­stif­tung die wahr­schein­li­che Ur­sa­che zu sein scheint” und be­haup­te­te, dass „ul­tra­na­tio­na­lis­ti­sche Grup­pen … ein Kli­ma schaf­fen, wo schreck­li­che Din­ge pas­sie­ren kön­nen. Re­gie­rungs­be­am­te auf höchs­ter Ebe­ne ha­ben sich nicht ein­fach nur ge­wei­gert, die­se An­stif­tung zu ver­ur­tei­len, sie sind mit in den Kampf ein­ge­tre­ten.” Das Feu­er wur­de durch ein elek­tri­sches Pro­blem ver­ur­sacht. Und nach­dem ei­ne Rechts-​Aussen-​Organisation, Im Tirt­zu, ein Vi­deo pos­te­te, in dem mit NIF ver­bun­de­ne Mit­ar­bei­ter als „Maul­wür­fe” ver­un­glimpft wur­den, ent­geg­ne­te NIF mit ei­nem An­griffs­vi­deo, das fälsch­li­cher­wei­se Im Tirt­zu als ver­ant­wort­lich por­trä­tier­te für die Er­mor­dung Pre­mier­mi­nis­ter Ra­b­ins vor zwan­zig Jah­ren.

Die in­ten­si­ve Rhe­to­rik der NIF spie­gelt ih­re ech­te Sor­ge, dass, in­dem die mas­si­ven eu­ro­päi­schen Mit­tel für die mit ihr ver­bun­de­nen NGOs auf­ge­deckt wer­den, ver­liert die Or­ga­ni­sa­ti­on Stand­ver­mö­gen und Ein­fluss auf die is­rae­li­sche Mit­te und Mitte-​Links. Aus die­ser Per­spek­ti­ve sind die Ein­sät­ze so­gar noch hö­her als die Fra­ge der Fremd­fi­nan­zie­rung von NGOs. Sie und ih­re Gön­ner glau­ben, dass die NGO-​Gesetzgebung ei­ne po­li­ti­sche Struk­tur be­droht, die sie über fast vier Jahr­zehn­te auf­ge­baut ha­ben.

 

Für Is­ra­el da­ge­gen sind die Ein­sät­ze je­doch so­gar noch hö­her. In Fra­ge steht das Recht Is­ra­els, sei­ne na­tio­na­le Sou­ve­rä­ni­tät an­ge­sichts der aus­län­di­schen Ma­ni­pu­la­ti­on zu be­haup­ten, Trans­pa­renz zu for­dern von nicht ge­wähl­ten Grup­pen, die in­ten­si­ve Kam­pa­gnen fah­ren ge­gen die Po­li­tik der ge­wähl­ten Re­gie­rung, und ei­ner in­ter­na­tio­na­len Kam­pa­gne von Hass und Ver­leum­dung ge­gen­über zu tre­ten, die mög­li­cher­wei­se die Exis­tenz Is­ra­els be­droht.

Iro­ni­scher­wei­se ha­ben die NGOs und ih­re Gön­ner die­se Kon­tro­ver­se un­ver­meid­lich ge­macht. Sie sind nie­man­dem Re­chen­schaft schul­dig aus­ser sich selbst, hal­ten ih­re ei­ge­nen in­ter­nen An­ge­le­gen­hei­ten voll­stän­dig un­ter Ver­schluss auf ei­ne Art und Wei­se, die sie ver­ur­tei­len wür­den, wenn die is­rae­li­sche Re­gie­rung das glei­che tun wür­de, und sie grei­fen fast re­flex­ar­tig zu hys­te­ri­scher und oft ver­leum­de­ri­scher Rhe­to­rik, wenn je­mand ih­re Tä­tig­kei­ten oder Ideo­lo­gie in Fra­ge stellt. An­ge­sichts des­sen ist die stei­gen­de Wut und das Miss­trau­en, das ge­gen sie ge­rich­tet ist, völ­lig ver­ständ­lich.

Schliess­lich, und viel­leicht am wich­tigs­ten, ist die vor­ge­schla­ge­ne NGO-​Gesetzgebung, im Ge­gen­satz zu den Be­haup­tun­gen von vie­len in­ner­halb und aus­ser­halb Is­ra­els, völ­lig kom­pa­ti­bel mit de­mo­kra­ti­schen Nor­men. Sie be­schränkt in kei­ner die­ser Grup­pen die Re­de­frei­heit oder Ver­samm­lungs­frei­heit in ir­gend­ei­ner Wei­se. Län­der wie die USA und In­di­en ha­ben ähn­li­che Ge­set­ze, die un­um­strit­ten ein­ge­hal­ten wer­den. Ver­gleich­ba­re Ge­set­ze wur­den in Is­ra­el ver­ab­schie­det, die NGOs und ih­re Tä­tig­keit un­be­schä­digt hin­ter­las­sen ha­ben. Und es gibt kei­nen Grund für Or­ga­ni­sa­tio­nen, ein­fa­che Trans­pa­renz zu fürch­ten; ge­nau ge­nom­men, wenn sie die De­mo­kra­tie und ei­ne of­fe­ne Re­gie­rung un­ter­stüt­zen, dann soll­ten sie sie be­grüs­sen.

Der Krieg der NGOs wird zwei­fel­los wei­ter­ge­hen, wäh­rend so­wohl das is­rae­li­sche Volk als auch die NGOs ih­re Rhe­to­rik es­ka­lie­ren und ih­re Stand­punk­te ver­schan­zen. Der An­blick von Ez­ra Na­wis Ver­schwö­rung zur Er­mor­dung ei­nes Pa­läs­ti­nen­sers war ein Ham­mer­schlag ge­gen das NGO-​Netzwerk, aber es kön­nen noch mehr Ent­hül­lun­gen kom­men, und das Netz­werk wird zwei­fel­los wei­ter ge­gen sei­ne Kri­ti­ker kämp­fen. Aber die De­bat­te soll­te auf den Tat­sa­chen be­ru­hen, nicht auf wil­den und nicht zu recht­fer­ti­gen­den Vor­wür­fen der McCarthy-​Ära und Un­ter­drü­ckung durch die Re­gie­rung. Die NGO-​Gesetzgebung wä­re ei­ne Be­rei­che­rung für die is­rae­li­sche De­mo­kra­tie, und je­ne Grup­pen, die so sehr be­an­spru­chen, sich um ge­nau sie zu küm­mern, soll­ten sie an­neh­men.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

css.php