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Eu­ro­pa: Be­en­den wir die Redefreiheit!

Sind eu­ro­päi­sche Län­der neu­er­dings Polizeistaaten?

Ju­dith Berg­mann, 17.11.2016, Gatestone Institute

  • Ge­mäss New Eu­ro­pe, in Lee­uwar­den, er­hiel­ten „et­wa 20 Geg­ner der Plä­ne [zur Ein­rich­tung von Asyl-​Zentren] in der Re­gi­on Haus­be­su­che von der Po­li­zei.” Mit an­de­ren Wor­ten: Die Nie­der­lan­de en­ga­gie­ren sich in staat­li­cher Zen­sur und es stellt sich da­mit die Fra­ge: Sind die Nie­der­lan­de jetzt ein Polizeistaat?
  • In der Stadt Sliedrecht kam die Po­li­zei ins Bü­ro von Mark Jon­geneels und sag­te ihm, dass er „zu viel” twee­te und dass er „auf sei­nen Ton­fall ach­ten” soll­te: sei­ne Tweets „schei­nen auf­dring­lich” zu sein. Sein Ver­ge­hen? Ein Tweet sag­te: „Das Col­le­ge von #Sliedrecht kommt mit ei­nem Vor­schlag, in den nächs­ten zwei Jah­ren 250 Flücht­lin­ge auf­zu­neh­men. Was für ei­ne schlech­te Idee!”
  • Im Sep­tem­ber 2015 be­rich­te­te Die Welt, dass Men­schen, die „frem­den­feind­li­che” An­sich­ten über so­zia­le Me­di­en äus­sern, das Recht, ih­re ei­ge­nen Kin­der se­hen zu dür­fen, verlieren.
  • Wäh­rend nor­ma­le eu­ro­päi­sche Bür­ger für „frem­den­feind­li­che” Be­mer­kun­gen fest­ge­nom­men und ver­folgt wer­den, nann­te ein deut­scher EU-​Kommissar, Gün­ther Oet­tin­ger, die chi­ne­si­sche Mi­nis­ter­de­le­ga­ti­on „Schlitz­au­gen”. EU-​Kommissionspräsident Jean-​Claude Juncker hat Oet­tin­ger zum Ver­ant­wort­li­chen des EU-​Haushalts befördert.
  • Of­fen­sicht­lich ist das Ge­setz nicht gleich. EU-​Kommissare kön­nen „frem­den­feind­li­che” Be­mer­kun­gen ma­chen und ei­ne För­de­rung er­hal­ten; Die eu­ro­päi­schen Bür­ger wer­den für die Aus­übung ih­res Rech­tes auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung ver­haf­tet und verfolgt.

Der EU-​Kommissar Gün­ther Oet­tin­ger (links) nennt die chi­ne­si­sche De­le­ga­ti­on „Schlitz­au­gen” und wird mit ei­ner Be­för­de­rung des EU-​Kommissionspräsidenten Jean-​Claude Juncker (rechts) be­lohnt, wäh­rend die eu­ro­päi­schen Bür­ger für die Aus­übung ih­res Rechts auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung ver­haf­tet und ver­folgt werden.

Ist der Feind in Eu­ro­pa jetzt die Re­gie­run­gen? Die Be­wei­se häu­fen sich, dass selbst ei­ne mil­de Mei­nung, die im Ge­gen­satz zur of­fi­zi­el­len Re­gie­rungs­po­li­tik steht, Sie ins Ge­fäng­nis brin­gen kann, oder zu­min­dest ei­nen Be­such von Ih­rer freund­li­chen lo­ka­len kaf­ka­es­ken Po­li­zei aus­löst. Ist Eu­ro­pa tat­säch­lich zum Po­li­zei­staat geworden?

Meh­re­re eu­ro­päi­sche Re­gie­run­gen ma­chen ih­ren Bür­gern klar, dass Kri­tik an Mi­gran­ten oder der eu­ro­päi­schen Mi­gran­ten­po­li­tik straf­recht­li­che Gren­zen über­schrei­tet. Men­schen, die laut den Be­hör­den „zu weit” ge­hen, wer­den ver­haf­tet, ver­folgt und zu­wei­len verurteilt.

In den Nie­der­lan­den be­such­te die Po­li­zei Leu­te, die im Ok­to­ber 2015 auf Twit­ter kri­tisch über Asyl­zen­tren in­for­mier­ten. In der Stadt Sliedrecht kam die Po­li­zei ins Bü­ro von Mark Jon­geneels und sag­te ihm, dass er „zu viel” twee­te und dass er „auf sei­nen Ton ach­ten” sol­le: sei­ne Tweets „schei­nen auf­dring­lich”. Sein Ver­ge­hen? Die Stadt hat­te ein Bür­ger­tref­fen über ein Flücht­lings­zen­trum in der Re­gi­on ab­ge­hal­ten, und Jon­geneel hat­te ein paar Tweets ver­öf­fent­licht. Ei­nes sag­te: „Das Col­le­ge von #Sliedrecht kommt mit ei­nem Vor­schlag, in den nächs­ten zwei Jah­ren 250 Flücht­lin­ge auf­zu­neh­men. Was für ei­ne schlech­te Idee!” Frü­her hat­te er auch get­wee­tet: „Sol­len wir das zulassen ?!”

Er war nicht der ein­zi­ge. In Lee­uwar­den, ge­mäss New Eu­ro­pe:

„… et­wa zwan­zig Geg­ner der Plä­ne [zur Grün­dung von Asyl-​Zentren] in der Re­gi­on er­hiel­ten Haus­be­su­che der Po­li­zei, auch in En­sche­de und an man­chen Or­ten im Bra­bant, wo nach An­ga­ben der nie­der­län­di­schen Me­di­en Men­schen, die kri­tisch ge­we­sen wa­ren über die An­kunft der Flücht­lin­ge und und die auf So­ci­al Me­dia ei­ne Sei­te zum The­ma be­trei­ben, wur­de ge­sagt, auf­zu­hö­ren damit.”

Ein Spre­cher der na­tio­na­len Po­li­zei er­klär­te, dass zehn Ein­hei­ten von „di­gi­ta­len De­tek­ti­ven” Facebook-​Seiten und Twitter-​Konten in Echt­zeit über­wa­chen und nach Bei­trä­gen su­chen, die „zu weit” ge­hen, da­mit sie die Leu­te be­su­chen und ih­nen sa­gen kön­nen, „wel­che Wir­kung ein Post oder Tweet im In­ter­net ha­ben kann.” Mit an­de­ren Wor­ten: Die Nie­der­lan­de en­ga­gie­ren sich in staat­li­cher Zen­sur und es stellt sich so­mit die Fra­ge: Sind die Nie­der­lan­de heut­zu­ta­ge ein Polizeistaat?

In Gross­bri­tan­ni­en wur­de Scott Clark im Fe­bru­ar 2016 ver­haf­tet, weil er auf der Facebook-​Seite der schot­ti­schen Ver­tei­di­gungs­li­ga ge­schrie­ben hat­te, dass sy­ri­sche Flücht­lin­ge „die bö­se Sei­te in uns zum Vor­schein brin­gen”. Laut ei­nem Nach­rich­ten­be­richt ver­wies er auf die se­xu­el­len Über­grif­fe auf Frau­en in Köln am Sil­ves­ter­abend durch Män­ner mit ara­bi­schem oder nord­afri­ka­ni­schem Aus­se­hen als Recht­fer­ti­gung für sei­ne Online-​Kommentare, in de­nen er auch schrieb: „Wenn ei­nem jun­gen Mäd­chen ir­gend­et­was pas­siert, wer­de ich per­sön­lich den Rats­her­ren ins Ge­sicht spu­cken, die ge­drückt und ge­drückt ha­ben, um sie hier un­ter­zu­brin­gen…” Er schrieb auch: „Es gibt de­fac­to ei­ne is­la­mi­sche In­va­si­on … De­fi­ni­tiv läuft et­was schief… Ha­be eben 15 Sy­rer im lo­ka­len Bier­gar­ten ge­se­hen … Ich war von An­fang an ge­gen ih­re Ankunft.”

In­spek­tor Ewan Wil­son von der Po­li­zei von Dun­oon er­zähl­te dem Guar­di­an:

„Ich hof­fe, dass die Ver­haf­tung die­ser Per­son ei­ne kla­re Bot­schaft über­mit­telt, dass die Po­li­zei Schott­lands kei­ne Form von Ak­ti­vi­tät to­le­rie­ren wird, die Hass aus­lö­sen und of­fen­si­ve Kom­men­ta­re auf So­ci­al Me­dia pro­vo­zie­ren könnte.”

In Deutsch­land wur­de ein Ehe­paar, Pe­ter und Me­la­nie M., in ei­nem kri­mi­nel­len Pro­zess ver­folgt we­gen der Schaf­fung ei­ner Facebook-​Gruppe, die die Mi­gra­ti­ons­po­li­tik der Re­gie­rung kri­ti­sier­te. Laut Nach­rich­ten be­rich­tet die Sei­te: „Die Kriegs- und Wirt­schafts­flücht­lin­ge über­schwem­men un­ser Land. Sie brin­gen Ter­ror, Angst, Leid. Sie ver­ge­wal­ti­gen un­se­re Frau­en und brin­gen un­se­re Kin­der in Ge­fahr. Setzt dem ein Ende!”

Pe­ter M. ver­tei­dig­te bei der Ver­hand­lung sei­ne Äu­ße­run­gen im In­ter­net und sag­te: „Man kann sich ja nicht mal ein biss­chen kri­tisch zum The­ma Flüch­lin­ge äu­ßern, oh­ne gleich ei­nen Nazi-​Stempel auf­ge­drückt zu be­kom­men. Ich woll­te ein­fach ein Dis­kus­si­ons­fo­rum schaf­fen, in dem man sei­ne Mei­nung zu den Flücht­lin­gen sa­gen kann…” Er sag­te, in sei­ner Rol­le als Ver­wal­ter der Grup­pe ent­fern­te er pro-​Nazi- oder ra­di­ka­le Be­mer­kun­gen, aber da Face­book die Sei­te ge­löscht hat­te, konn­te er die­se Be­wei­se vor Ge­richt nicht vorlegen.

In sei­nem Ur­teil sag­te der Rich­ter: „Die Be­schrei­bung der Grup­pe ist ei­ne Rei­he von Ver­all­ge­mei­ne­run­gen mit ei­nem kla­ren rech­ten Hin­ter­grund.” Pe­ter M. wur­de zu ei­ner neun­mo­na­ti­gen Haft­stra­fe und sei­ne Frau zu ei­ner Geld­stra­fe von € 1.200 ver­ur­teilt, und der Rich­ter füg­te hin­zu: „Ich hof­fe, Sie ver­ste­hen die Ernst­haf­tig­keit der Si­tua­ti­on. Wenn Sie wie­der vor mir sit­zen, wer­den Sie im Ge­fäng­nis enden.”

In Deutsch­land kann die Kri­tik ge­gen­über Mi­gran­ten und der Mi­gran­ten­po­li­tik der Re­gie­rung an­de­re dra­ko­ni­sche Kon­se­quen­zen ha­ben. Im Sep­tem­ber 2015 be­rich­te­te Die Welt, dass Men­schen, die „frem­den­feind­li­che” An­sich­ten über so­zia­le Me­di­en aus­drü­cken, das Recht, ih­re ei­ge­nen Kin­der se­hen zu dür­fen, ver­lie­ren. Es braucht für ein Ge­richt nicht ein­mal ei­ne Straf­tat vor­zu­lie­gen, um das Wohl des Kin­des für ge­fähr­det zu hal­ten und das Recht der El­tern, ihr Kind zu se­hen, zu be­schrän­ken oder „ei­nen Er­zie­her” vor­zu­schrei­ben, der wäh­rend ei­nes Tref­fens zwi­schen El­tern­teil und Kind an­we­send sein muss, um „nach Be­darf ein­grei­fen zu kön­nen.” Es ist auch mög­lich, be­stimm­te Hand­lun­gen, Aus­drucks­for­men oder Tref­fen in Ge­gen­wart des Kin­des zu ver­bie­ten. Als letz­tes Mit­tel kann das Ge­richt das Kind aus der Ob­hut des El­tern­teils entfernen.

Laut Eva Be­cker, Vor­sit­zen­de der Ar­beits­ge­mein­schaft für Fa­mi­li­en­recht in der Deut­schen An­walts­kam­mer (DAV): „Der ent­schei­den­de Fak­tor ist ein ge­sun­des Men­schen­ver­ständ­nis”. Be­cker schätzt, dass es nicht aus­rei­chen wür­de, das Wohl des Kin­des als ge­fähr­det zu be­trach­ten, wenn ein El­tern­teil sagt, dass er lie­ber kei­ne in sei­ner Nach­bar­schaft le­ben­den sy­ri­schen Mi­gran­ten ha­ben will. Auf der an­de­ren Sei­te, wenn ein Va­ter oder ei­ne Mut­ter in Ge­gen­wart des Kin­des Be­mer­kun­gen macht, die ver­ba­le Dro­hun­gen ge­gen Flücht­lin­ge ent­hal­ten, wür­de er oder sie „deut­lich die kri­ti­sche Gren­ze überschreiten.”

Es ist nicht ein­mal re­le­vant, ob die­se Be­mer­kun­gen nach deut­schem Recht wi­der­recht­lich sind. Selbst ein nach deut­schem Recht nicht straf­ba­rer Kom­men­tar kann ein El­tern­teil über die „kri­ti­sche Gren­ze” schie­ben. Es ist nicht ent­schei­dend, ob die Tat kri­mi­nell ist, son­dern ob sie das Kind in ei­ner Wei­se „be­ein­flusst”, die sein Wohl­erge­hen ge­fähr­det. Wenn ein Ge­richt fest­stellt, dass das Wohl­erge­hen des Kin­des ge­fähr­det ist, kann das El­tern­teil sein Recht auf Zu­gang zum Kind schon mal ein­ge­schränkt sehen.

Ak­tio­nen, statt zu re­den, wer­den noch be­las­ten­der. Nach An­sicht von Be­cker ist es ei­ne Sa­che, in Ge­gen­wart des Kin­des mit Be­kann­ten über Asyl­be­wer­ber her­zu­zie­hen, aber viel schlim­mer, das Kind zu „frem­den­feind­li­chen” De­mons­tra­tio­nen mitzubringen.

Be­cker de­fi­niert nie, was mit „frem­den­feind­lich” ge­meint ist. Es scheint im­pli­zit zu sein, dass es sich um ei­ne ein­sei­ti­ge Frem­den­feind­lich­keit han­delt, nicht um is­la­mi­sche Frem­den­feind­lich­keit ge­gen Nicht­mus­li­me, zum Bei­spiel, aber es gibt kei­nen Ver­such, ei­ne De­fi­ni­ti­on zu lie­fern, ob­wohl dies of­fen­sicht­lich der wich­tigs­te Teil der An­ge­le­gen­heit ist.

Wäh­rend nor­ma­le eu­ro­päi­sche Bür­ger für „frem­den­feind­li­che” Be­mer­kun­gen ei­ne Ver­haf­tung und Straf­ver­fol­gung ris­kie­ren, ist es für die­je­ni­gen an den Schalt­stel­len der Eu­ro­päi­schen Uni­on völ­lig anders.

In ei­ner Re­de in Ham­burg im Ok­to­ber hat der EU-​Kommissar für Di­gi­ta­le Wirt­schaft, Gün­ther Oet­tin­ger, ei­ne chi­ne­si­sche De­le­ga­ti­on „Schlitz­au­gen” ge­nannt, ei­nen Aus­druck, der all­ge­mein als ras­sis­tisch be­trach­tet wird. Oet­tin­ger mach­te sich nicht ein­mal die Mü­he, sich zu ent­schul­di­gen, son­dern er­klär­te der Welt, dass es wich­tig sei, sei­ne Kom­men­ta­re in ei­nem „grö­ße­ren Zu­sam­men­hang” zu sehen.

Die Eu­ro­päi­sche Kom­mis­si­on lehn­te es auch ab, Oet­tin­gers Be­mer­kun­gen (die of­fen­sicht­lich auch Frau­en und Ho­mo­se­xu­el­le ab­wer­te­ten) zu ent­schul­di­gen oder zu un­ter­su­chen. Kommissions-​Chefsprecher Mar­ga­ri­tis Schi­nas sag­te un­gläu­bi­gen Re­por­tern, „wir ha­ben dem nichts hin­zu­zu­fü­gen.” Ge­fragt, ob es ei­ne Un­ter­su­chung der Be­mer­kun­gen ge­ben wür­de, sag­te er: „Wir ha­ben kein FBI bei der Kommission.”

Der EU-​Kommissionspräsident Jean-​Claude Juncker hat Oet­tin­ger be­reits am 28. Ok­to­ber zu der be­gehr­ten und star­ken Po­si­ti­on des Vi­ze­prä­si­den­ten, der für den EU-​Haushalt zu­stän­dig ist, befördert.

Of­fen­sicht­lich ist das Ge­setz nicht gleich. EU-​Kommissare kön­nen „frem­den­feind­li­che” Be­mer­kun­gen ma­chen und ei­ne Be­för­de­rung krie­gen; Die eu­ro­päi­schen Bür­ger wer­den für die Aus­übung ih­res Rech­tes auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung ver­haf­tet und verfolgt.

Ju­dith Berg­man ist Au­to­rin, Ko­lum­nis­tin, Ju­ris­tin und po­li­ti­sche Analysatorin.


Erst­ver­öf­fent­li­chung hier. Re­pro­duk­ti­on mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung des Gatestone Instituts.

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