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Tür­kei wan­delt Ha­gia So­phia in Mo­schee um

Ro­bert Jo­nes, 9.11.2016, Gatestone In­sti­tu­te

  • So schei­nen die Köp­fe is­la­mi­scher He­ge­mo­nis­ten zu funk­tio­nie­ren: Wenn ihr wollt, dass die Kir­chen Kir­chen blei­ben, be­deu­tet dies, dass ihr durch den Ko­ran oder das is­la­mi­sche Ge­bet „ge­stört” wer­det und den Is­lam nicht re­spek­tiert oder „be­lei­digt”. Nach is­la­mi­schen Schrif­ten sol­len die­je­ni­gen, die den Is­lam oder sei­nen Pro­phe­ten Mu­ham­mad „be­lei­di­gen”, hin­ge­rich­tet wer­den.
  • Wenn man al­so un­ter is­la­mi­scher Herr­schaft über­le­ben will, muss man sich dem Is­lam un­ter­wer­fen und den ei­ge­nen min­der­wer­ti­gen Sta­tus ak­zep­tie­ren. Es gibt of­fen­sicht­lich kei­nen Platz für Viel­falt oder zi­vi­li­sier­tes, gleich­wer­ti­ges Zu­sam­men­le­ben von Mus­li­men und Nicht­mus­li­men in is­la­mi­schen Län­dern.
  • „Ich kann mir nur ei­nen Grund den­ken (um die Ha­gia So­phia in ei­ne Mo­schee um­zu­wan­deln). Als Schrei des is­la­mi­schen Tri­um­phis­mus. Was für ein Irr­tum das wä­re. Chris­ten wür­den es mit Recht als be­wuss­te Pro­vo­ka­ti­on be­trach­ten. Die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft wür­de es als of­fe­ne Ab­leh­nung ih­rer Di­ver­si­täts­agen­da an­se­hen. Aus­ser­dem den­ke ich, dass ei­ne re­la­tiv sä­ku­la­re Tür­kei, die so ra­di­kal han­delt, der Welt be­wei­sen wür­de, dass trotz vie­ler ge­gen­tei­li­ger Ver­spre­chen mo­de­ra­ter Mus­li­me der zeit­ge­nös­si­sche Is­lam in­to­le­rant ist in sei­ner Grund­hal­tung, krie­ge­risch ge­gen Nicht­gläu­bi­ge und ge­fähr­lich he­ge­mo­nis­tisch in sei­nen Ab­sich­ten. ” – Wes­ley J. Smith, Au­tor.
  • Der Wes­ten hat die ana­to­li­schen Chris­ten wäh­rend des Ge­no­zids von 1914 – 1923 nicht ge­schützt. Es sieht auch nicht so aus, als ob der Wes­ten Eu­ro­pa ge­gen die ge­gen­wär­ti­ge blut­lee­re mus­li­mi­sche In­va­si­on schüt­zen wür­de.

Die Ha­gia So­phia in Is­tan­bul war die größ­te Ka­the­dra­le der christ­li­chen Welt, bis sie von den is­la­mi­schen os­ma­ni­schen Tür­ken im Jah­re 1453 er­obert und in ei­ne Mo­schee um­ge­wan­delt wur­de. Die tür­ki­sche Re­pu­blik mach­te aus der Ha­gia So­phia im Jah­re 1935 ein Mu­se­um und die der­zei­ti­ge is­la­mis­ti­sche Re­gie­rung der Tür­kei kon­ver­tiert sie jetzt in ei­ne Mo­schee. (Bild­quel­le: An­toi­ne Ta­ve­ne­aux /​ Wi­ki­me­dia Com­mons)

Der Vor­gang der Um­wand­lung der his­to­ri­schen Ha­gia So­phia Kirche-​später-​Museum in Is­tan­bul in ei­ne Mo­schee, der seit drei Jah­ren in Ar­beit ist, scheint nun ab­ge­schlos­sen wor­den zu sein.

Im Jahr 2013 si­gna­li­sier­te der da­ma­li­ge stell­ver­tre­ten­de Mi­nis­ter­prä­si­dent der Tür­kei, Bu­lent Arinc, im Ge­spräch mit Re­por­tern, dass das Mu­se­um Ha­gia So­phia als Mo­schee ver­wen­det wer­den wür­de.

„Wir ste­hen zur Zeit ne­ben der Ha­gia Sophia-​Moschee … wir be­trach­ten ei­ne trau­ri­ge Ha­gia So­phia, aber hof­fent­lich se­hen wir sie bald wie­der lä­cheln”, sag­te Arinc wäh­rend der Er­öff­nungs­ze­re­mo­nie ei­nes neu­en Tep­pich­mu­se­ums ne­ben der an­ti­ken Ha­gia So­phia, be­rich­te­te die tür­ki­sche Zei­tung Hur­riy­et.

Die tür­ki­sche Re­gie­rungs­zei­tung Sa­bah hat am 1. Ju­ni 2016 ei­ne Sto­ry ge­bracht mit dem Ti­tel „His­to­ri­sche Mo­men­te in der Ha­gia So­phia … Die Mo­schee der Ha­gia So­phia wird im Mo­nat Ra­ma­dan his­to­ri­sche Mo­men­te er­le­ben…”

Das grie­chi­sche Au­ßen­mi­nis­te­ri­um re­agier­te mit ei­ner schrift­li­chen Er­klä­rung: „Ob­ses­sio­nen, die an der Bi­got­te­rie fest­hal­ten, mit mus­li­mi­schen Ri­tua­len in ei­nem Mo­nu­ment mit Welt­ge­schich­te, sind un­ver­ständ­lich und zei­gen ei­nen Man­gel an Re­spekt und Man­gel an Ver­bin­dung mit der Wirk­lich­keit.” Das Mi­nis­te­ri­um füg­te hin­zu, dass die Prak­tik den Wer­ten der mo­der­nen, de­mo­kra­ti­schen und sä­ku­la­ren Ge­sell­schaf­ten wi­der­spre­che.

Der Spre­cher des tür­ki­schen Au­ßen­mi­nis­te­ri­ums, Tan­ju Bil­gic, ant­wor­te­te in ei­ner schrift­li­chen Er­klä­rung am 8. Ju­ni:

„Die Aus­sa­ge des grie­chi­schen Au­ßen­mi­nis­ters in Be­zug auf das suhur-​Programm von TRT Diya­net TV mit dem Ti­tel „Ha­gia So­phia zur Zeit der Fül­le”, das im Lau­fe des Mo­nats Ra­ma­dan aus­ge­strahlt wird, ist in­ak­zep­ta­bel.”

Pro-​türkische Me­di­en in­ter­pre­tier­ten die Kri­tik des grie­chi­schen Mi­nis­te­ri­ums für aus­wär­ti­ge An­ge­le­gen­hei­ten wie folgt: „Sie sind durch das Re­zi­tie­ren des Ko­rans an der Ha­gia So­phia ge­stört wor­den.”

So schei­nen die Köp­fe is­la­mi­scher He­ge­mo­nis­ten zu funk­tio­nie­ren: Wenn ihr wollt, dass die Kir­chen Kir­chen blei­ben, be­deu­tet das, dass ihr durch den Ko­ran oder durch is­la­mi­sche Ge­be­te „ge­stört” wer­det und dass ihr den Is­lam nicht re­spek­tiert oder „be­lei­digt” – und ge­mäss der is­la­mi­schen Schrif­ten sol­len je­ne, die den Is­lam oder sei­nen Pro­phe­ten Mu­ham­mad „be­lei­di­gen” hin­ge­rich­tet wer­den.

Wenn man al­so un­ter is­la­mi­scher Herr­schaft über­le­ben will, muss man sich dem Is­lam un­ter­wer­fen und den ei­ge­nen min­der­wer­ti­gen Sta­tus ak­zep­tie­ren. Es gibt of­fen­sicht­lich kei­nen Platz für Viel­falt oder zi­vi­li­sier­tes, gleich­be­rech­tig­tes Zu­sam­men­le­ben von Mus­li­men und Nicht­mus­li­men in is­la­mi­schen Län­dern.

In­zwi­schen hat der Hel­le­nic Ame­ri­can Lea­dership Coun­cil ei­ne Kam­pa­gne be­gon­nen, um die US-​amerikanische Kom­mis­si­on für In­ter­na­tio­na­le Re­li­gi­ons­frei­heit (USCIRF) zu bit­ten, ei­ne Er­klä­rung ge­gen die schlei­chen­de Um­wand­lung der Ha­gia So­phia in ei­ne Mo­schee zu ver­fas­sen:

Im Jahr 2014 ver­ur­teil­te USCIRF Ver­su­che des tür­ki­schen Par­la­ments, den Sta­tus der Ha­gia So­phia von ei­nem Mu­se­um zu ei­ner Mo­schee zu än­dern. In sei­ner Er­klä­rung zu der Zeit, sag­te USCIRF „… Die Ha­gia So­phia als ei­ne Mo­schee zu öff­nen wä­re ein­deu­tig ein tren­nen­der und pro­vo­ka­ti­ver Schach­zug. Das wür­de die Bot­schaft aus­sen­den, dass die ak­tu­el­le Re­gie­rung die Emp­find­lich­kei­ten der tür­ki­schen re­li­giö­sen Min­der­heits­ge­mein­den, vor al­lem sei­ner al­ten christ­li­chen Ge­mein­schaft als von ge­rin­ger oder kei­ner Kon­se­quenz an­sieht.”

An­statt die USCIRF-​Empfehlungen zu be­fol­gen, igno­riert sie die Tür­kei, an­schei­nend jetzt in Form der „schlei­chen­den Um­wand­lung”, um den Sta­tus die­ser his­to­ri­schen Stät­te zu ver­än­dern.

Al­ler­dings schei­nen al­le Kri­tik, Auf­ru­fe und Kam­pa­gnen nicht ge­fruch­tet zu ha­ben. We­ni­ge Mo­na­te nach ei­nem Be­schluss der tür­ki­schen Be­hör­den, Koran­le­sun­gen aus der Ha­gia So­phia in Is­tan­bul zu sen­den zu er­lau­ben, hat die Tür­kei nun be­schlos­sen, ei­nen per­ma­nen­ten Imam für den Ort zu er­nen­nen.

Laut der staat­lich fi­nan­zier­ten Nach­rich­ten­agen­tur Ana­do­lu ha­ben die tür­ki­sche Di­rek­ti­on für re­li­giö­se An­ge­le­gen­hei­ten (Diya­net) und der Muf­ti des Di­strikts Fa­tih zu­ge­stimmt, ei­nen per­ma­nen­ten Imam zu­zu­ord­nen, der fünf­mal täg­lich is­la­mi­sche Ge­be­te an der Ha­gia So­phia füh­ren wird, statt wie bis­her zwei.

Nach den Sta­tis­ti­ken von Diya­net von 2015 gibt es 3317 Mo­sche­en in Is­tan­bul und 86.762 in der Tür­kei. Es gibt kei­nen Man­gel an Mo­sche­en im Land. War­um wan­delt die tür­ki­sche Re­gie­rung die Ha­gia So­phia in ei­ne Mo­schee um?

„Ich kann mir nur ei­nen Grund den­ken”, schreibt der Au­tor Wes­ley J. Smith.

„Als ein Schrei des is­la­mi­schen Tri­um­phis­mus. Was für ein Feh­ler das wä­re. Chris­ten wür­den es zu Recht als ei­ne be­wuss­te Be­lei­di­gung be­trach­ten. Die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft wird es als ei­ne of­fe­ne Ab­leh­nung ih­rer Di­ver­si­täts­agen­da be­trach­ten. Aus­ser­dem den­ke ich, dass ei­ne re­la­tiv sä­ku­la­re Tür­kei, die so ra­di­kal agiert, der Welt de­mons­trie­ren wür­de, dass der mo­der­ne Is­lam trotz ge­gen­tei­li­ger Be­teue­run­gen mo­de­ra­ter Mus­li­me in­to­le­rant ist in sei­ner Grund­hal­tung, krie­ge­risch ge­gen­über Nicht­gläu­bi­gen, und in sei­nen Ab­sich­ten ge­fähr­lich he­ge­mo­nis­tisch.”

Kon­stan­ti­no­pel

Kon­stan­ti­no­pel, heu­te Is­tan­bul ge­nannt, ist vom rö­mi­schen Kai­ser Kon­stan­tin I (324−337) ge­grün­det wor­den.

„Kon­stan­tin”, schreibt der Ge­lehr­te Ni­ko­la­os Pro­va­tas, „wähl­te als Stand­ort sei­ner neu­en Haupt­stadt die al­te gri­chi­sche Stadt By­zan­ti­on. 324 wan­del­te Kon­stan­tin By­zanz in das ‚Neue Rom’ oder ‚Kon­stan­ti­no­po­lis’ um, die Stadt Kon­stan­tins. Das Volk nann­te es ein­fach ‚Die Stadt’ oder, auf grie­chisch, ‚Hi Po­lis’.

„Das Chris­ten­tum soll­te auch den stärks­ten Zu­sam­men­halt bil­den, der die Völ­ker des Ost­rö­mi­schen Rei­ches oh­ne Rück­sicht auf ih­re Spra­che und eth­ni­sche Her­kunft ver­bun­den hat. Für die Be­woh­ner des Ost­rö­mi­schen Rei­ches wa­ren die Wor­te „ro­ma­jos” -römisch- und christ­lich oft syn­onym.”

Die Kir­che der Hei­li­gen Weis­heit, be­kannt als Ha­gia So­phia, ent­wor­fen, die gro­ße Ba­si­li­ka des by­zan­ti­ni­schen Rei­ches und ein Meis­ter­werk der by­zan­ti­ni­schen Ar­chi­tek­tur zu sein, wur­de in der Stadt von Jus­ti­ni­an I 532 – 537 nach Chris­tus ge­baut.

Als Kon­stan­ti­no­pel vom os­ma­ni­schen Sul­tan Meh­med II. in ei­nem blu­ti­gen Feld­zug im Jah­re 1453 er­obert und ge­fan­gen ge­nom­men wur­de, be­en­de­te dies das By­zan­ti­ni­sche Reich.

Ste­ven Run­ci­man schreibt in sei­nem Buch Der Fall von Kon­stan­ti­no­pel 1453, dass Kir­chen­mit­glie­der und Flücht­lin­ge zu Beu­te wur­den – um ver­sklavt, ver­ge­wal­tigt oder er­mor­det zu wer­den. Die Kir­che wur­de ent­weiht und ge­plün­dert, die Schwa­chen und Äl­te­ren wur­den ge­schlach­tet, Frau­en und Mäd­chen wur­den ver­ge­wal­tigt und der Rest in die Skla­ve­rei ver­kauft.

Meh­med II. wan­del­te dann die Kir­che Ha­gia So­phia in ei­ne Mo­schee um.

Der Na­me Kon­stan­ti­no­pel wur­de 1930 von der re­pu­bli­ka­ni­schen Tür­kei in „Is­tan­bul” ge­än­dert, und die Ha­gia So­phia wur­de 1935 in ein Mu­se­um um­ge­wan­delt.

Heu­te gibt es in der Tür­kei kei­ne nen­nens­wer­te christ­li­che Ge­mein­schaft mehr, die sich ge­gen die an­dau­ern­de Un­ter­drü­ckung und Ty­ran­nei weh­ren könn­te. Von dem gro­ßen christ­li­chen by­zan­ti­ni­schen Reich sind heu­te we­ni­ger als 0,2% der 80 Mil­lio­nen Ein­woh­ner der Tür­kei christ­lich.

Dies ist das Er­geb­nis des Völ­ker­mor­des an den grie­chi­schen Chris­ten durch os­ma­ni­sche Tür­ken von 1913 – 1923 – die Ver­nich­tung der Mehr­heit der grie­chi­schen Chris­ten in Kon­stan­ti­no­pel und Ana­to­li­en, in dem, was das Herz der Chris­ten­heit vor der is­la­mi­schen In­va­si­on war.

„Der Ent­scheid für den Völ­ker­mord an den Grie­chen”, schrieb der Ge­lehr­te Theo­fa­nis Mal­ki­dis, wur­de 1911 von den Jung­tür­ken (Ce­mal, En­ver und Ta­lat pa­scha) ge­fällt, im Ers­ten Welt­krieg in die Tat um­ge­setzt und von Mus­ta­fa Ke­mal 1919 – 1923 zu En­de ge­bracht.

„Die Ver­fol­gun­gen wur­den ur­sprüng­lich in Form von Ge­walt, Zer­stö­rung, De­por­ta­tio­nen und Exi­lie­rung durch­ge­führt, aber bald wur­den sie bes­ser or­ga­ni­siert und um­fang­reich und wand­ten sich mas­siv ge­gen die Grie­chen (und ge­gen die Ar­me­ni­er).”

Als Fol­ge der jahr­hun­der­te­lan­gen Kam­pa­gnen des ge­walt­tä­ti­gen Dschi­had und des kul­tu­rel­len Dschi­had wur­den die Chris­ten von Ana­to­li­en und Kon­stan­ti­no­pel aus­ge­rot­tet. Der Wes­ten schütz­te die ana­to­li­schen Chris­ten wäh­rend des Ge­no­zids von 1914 – 1923 nicht. Und es scheint auch nicht so, als ob der Wes­ten Eu­ro­pa ge­gen die ge­gen­wär­ti­ge blut­lee­re mus­li­mi­sche In­va­si­on schüt­zen wür­de.

Heu­te wer­den auch an­de­re ver­blie­be­ne Kir­chen in der Tür­kei ge­zielt in Mo­sche­en um­ge­wan­delt. Und der Wes­ten ist im­mer noch still, un­ter­wür­fig und ver­beugt sich vor den Dschi­ha­dis­ten auf­grund sei­ner ei­ge­nen, schlecht in­for­mier­ten und ir­re­ge­führ­ten Agen­da.

Ro­bert Jo­nes, ein Tür­kei­ex­per­te, lebt ak­tu­ell in Gross­bri­tan­ni­en.


Erst­ver­öf­fent­li­chung hier. Re­pro­duk­ti­on mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung des Gatestone In­sti­tuts.

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