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Der Eu­ro­pa­rat emp­fiehlt, dass die bri­ti­sche Pres­se NICHT be­rich­tet, wenn Ter­ro­ris­ten Mus­li­me sind

Yves Ma­mou, 18.11.2016, Gatestone In­sti­tu­te

  • Dies ist der Mo­ment, zu dem Ge­set­ze über Hass­re­de zu ei­ner grö­ße­ren Be­dro­hung für De­mo­kra­tie und Re­de­frei­heit wer­den als Hass­re­den selbst.
  • In Frank­reich sind mus­li­mi­sche Ter­ro­ris­ten nie mus­li­mi­sche Ter­ro­ris­ten, son­dern „Ver­rück­te”, „Ma­ni­acs” und „Ju­gend­li­che”.
  • Pres­se­frei­heit und Re­de­frei­heit an­zu­grei­fen ist kei­ne An­ti­hass­re­de; Es ist Un­ter­wer­fung.
  • Wenn sie die­sen Emp­feh­lun­gen folg­te, wür­de die bri­ti­sche Re­gie­rung die mus­li­mi­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen in ei­ne Art Mo­no­pol­stel­lung ver­set­zen: Sie wür­den die ein­zi­ge In­for­ma­ti­ons­quel­le über sich selbst sein. Das ist die per­fek­te to­ta­li­tä­re In­for­ma­ti­ons­ord­nung.
  • Ge­schaf­fen, um sich ge­gen die Art der frem­den­feind­li­chen und an­ti­se­mi­ti­schen Pro­pa­gan­da weh­ren zu kön­nen, die zum Ho­lo­caust ge­führt hat­te, wur­den na­tio­na­le Hass­re­de­ge­set­ze zu­neh­mend an­ge­wandt, um Aus­sa­gen zu kri­mi­na­li­sie­ren, die le­dig­lich je­man­des Ras­se, Eth­nie, Re­li­gi­on oder Na­tio­na­li­tät be­lei­di­gen.
  • Es ist be­un­ru­hi­gend, sich zu fra­gen, wie lan­ge der Eu­ro­pa­rat sei­ne Ex­per­ten so stark en­ga­giert und Ein­fluss nimmt, be­stehen­de recht­li­che Hür­den zu über­win­den, um je­de Art von Kri­tik am Is­lam zu kri­mi­na­li­sie­ren und sich den Wer­ten des Dschi­had zu un­ter­wer­fen.

Nach An­ga­ben der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on ge­gen Ras­sis­mus und In­to­le­ranz (ECRI) – Teil des Eu­ro­pa­ra­tes – ist die bri­ti­sche Pres­se schuld an der Zu­nah­me von Hass­re­den und ras­sis­ti­scher Ge­walt. Am 4. Ok­to­ber 2016 ver­öf­fent­lich­te die ECRI ei­nen Be­richt nur über Groß­bri­tan­ni­en. Im Be­richt heißt es:

Ei­ni­ge tra­di­tio­nel­le Me­di­en, ins­be­son­de­re Bou­le­vard­zei­tun­gen … sind für den gröss­ten Teil der of­fen­si­ven, dis­kri­mi­nie­ren­den und pro­vo­kan­ten Ter­mi­no­lo­gie ver­ant­wort­lich. So ver­öf­fent­lich­te The Sun zum Bei­spiel ei­nen Ar­ti­kel im April 2015 mit dem Ti­tel „Ret­tungs­boo­te? Ich wür­de Ka­no­nen­boo­te ein­set­zen, um Mi­gran­ten zu stop­pen”, in de­nen der Ko­lum­nist Mi­gran­ten mit „Ka­ker­la­ken” ver­glich …

The Sun hat auch het­ze­ri­sche anti-​muslimische Schlag­zei­len ver­öf­fent­licht, wie et­wa auf ih­rem Ti­tel­blatt vom 23. No­vem­ber 2015, das die Schlag­zei­le „1 von 5 bri­ti­schen Mus­li­men hat Sym­pa­thie für Ji­ha­dis” führ­te, zu­sam­men mit ei­nem Bild ei­nes mas­kier­ten Ter­ro­ris­ten, der ein Mes­ser schwingt …

Es ist er­wäh­nens­wert, dass die bri­ti­sche un­ab­hän­gi­ge Pres­se­stan­dard­or­ga­ni­sa­ti­on IPSO The Sun da­zu zwang, zu­zu­ge­ben, dass die „1 von 5 bri­ti­sche Mus­li­me” – Schlag­zei­le, die im ECRI-​Bericht zi­tiert wur­de, „er­heb­lich ir­re­füh­rend war”.

Der ECRI-​Bericht legt ei­nen di­rek­ten Kau­sal­zu­sam­men­hang zwi­schen ei­ni­gen har­ten Schlag­zei­len in bri­ti­schen Bou­le­vard­zei­tun­gen und der Si­cher­heit der Mus­li­me in Groß­bri­tan­ni­en na­he. Mit an­de­ren Wor­ten, die bri­ti­sche Pres­se soll an­geb­lich Le­ser da­zu an­stif­ten, „is­la­mo­pho­be” Hand­lun­gen ge­gen Mus­li­me zu be­ge­hen:

Die ECRI ist der Auf­fas­sung, dass an­ge­sichts der Tat­sa­che, dass Mus­li­me auf­grund der jüngs­ten mit ISIS in Zu­sam­men­hang ste­hen­den Ter­ror­ak­te welt­weit zu­neh­mend im Ram­pen­licht ste­hen, das Schü­ren von Vor­ur­tei­len ge­gen Mus­li­me ei­ne rück­sichts­lo­se Miss­ach­tung nicht nur der Wür­de der gro­ßen Mehr­heit der Mus­li­me in Gross­bri­tan­ni­en dar­stellt, son­dern auch ih­rer Si­cher­heit.

ECRI stützt sei­nen Be­richt auf ei­ne kürz­li­che Stu­die von Mat­thew Feld­man, Pro­fes­sor an der Teessi­de Uni­ver­si­ty. Die­se Stu­die lis­te­te an­ti­mus­li­mi­sche Vor­fäl­le vor und nach Ter­ro­ris­ten­an­grif­fen auf:

In den sie­ben Ta­gen vor dem Charlie-​Hebdo-​Massaker in Pa­ris, wo 12 Men­schen ge­tö­tet wur­den, gab es 12 ge­mel­de­te (anti-​muslimische) Vor­fäl­le, aber in den dar­auf­fol­gen­den sie­ben Ta­gen wa­ren es 45. Ähn­lich ver­hält es sich mit den Ter­ror­an­grif­fen in Syd­ney im De­zem­ber und Ko­pen­ha­gen im Fe­bru­ar.

Wenn al­so, ge­mäss dem ECRI und den Ge­lehr­ten der Uni­ver­si­tät Teessi­de, mos­le­mi­sche Dschi­ha­dis­ten Men­schen tö­ten und die Pres­se be­rich­tet, dass Mör­der Mus­li­me sind, er­mu­tigt die Pres­se und nicht Is­la­mis­ten „is­lam­feind­li­che Vor­fäl­le” in Groß­bri­tan­ni­en. Laut dem ECRI-​Vorsitzenden Chris­ti­an Ah­lund: „Es ist kein Zu­fall, dass ras­sis­ti­sche Ge­walt auf dem Vor­marsch ist in Gross­bri­tan­ni­en, wäh­rend wir gleich­zei­tig be­un­ru­hi­gen­de Bei­spie­le von In­to­le­ranz und Hass­re­den in den Zei­tun­gen, On­line und so­gar un­ter den Po­li­ti­kern se­hen.”

Für das ECRI ist das größ­te Pro­blem:

„… wenn die Me­di­en den mus­li­mi­schen Hin­ter­grund der Tä­ter ter­ro­ris­ti­scher Hand­lun­gen be­to­nen und ihr ei­ne um­fas­sen­de Be­richt­erstat­tung wid­men, ist das ge­walt­tä­ti­ge Spiel ge­gen Mus­li­me wahr­schein­lich grö­ßer als in Fäl­len, in de­nen die Mo­ti­va­ti­on der Tä­ter her­un­ter­ge­spielt oder ab­ge­lehnt wird zu­guns­ten al­ter­na­ti­ver Er­klä­run­gen.”

Der Be­richt er­klärt nicht, was „al­ter­na­ti­ve Er­klä­run­gen” sein könn­ten. Aber wir kön­nen Bei­spie­le in der fran­zö­si­schen Pres­se fin­den: Wenn ein Mus­lim ei­nen Sol­da­ten an­greift und ver­sucht, sei­ne Waf­fe zu neh­men, ist er kein is­la­mis­ti­scher Ter­ro­rist, son­dern ein „Ir­rer”. Sol­che An­grif­fe von „Ir­ren” sind sehr häu­fig in Frank­reich.

Die fran­zö­si­sche Pres­se spielt An­grif­fe her­un­ter, in­dem sie sich da­für ent­schließt, mus­li­mi­sche Tä­ter nicht beim Na­men zu nen­nen: ei­nen „Mo­ham­med” zu be­las­ten könn­te, in den Köp­fen fran­zö­si­scher Jour­na­lis­ten, zu Ver­gel­tungs­maß­nah­men ge­gen Mus­li­me füh­ren. In ei­nem an­de­ren Bei­spiel kön­nen mus­li­mi­sche Ban­den nicht mit ir­gend­ei­ner Form von Ge­walt ver­bun­den wer­den, wes­halb sie zu „Ju­gend­li­chen” wer­den. In Frank­reich sind mus­li­mi­sche Ter­ro­ris­ten nie mus­li­mi­sche Ter­ro­ris­ten, son­dern „Ver­rück­te”, „Ma­ni­acs” und „Ju­gend­li­che”.

Doch das ist Frank­reich. In Groß­bri­tan­ni­en ist die Bou­le­vard­pres­se nicht so höf­lich, und sie ver­ste­hen voll­kom­men die Ab­sich­ten des ECRI-​Berichts: das Wort „Mus­lim” zu ver­bie­ten, wenn es mit „Ge­walt oder Ter­ro­ris­mus” ein­her­geht.

Der ECRI Re­port mar­kiert ei­ne Wen­de in Sa­chen Re­de­frei­heit

Dies ist der Mo­ment, wo Hass­ge­set­ze zur grö­ße­ren Be­dro­hung für De­mo­kra­tie und Re­de­frei­heit wer­den als die Hass­re­de selbst. Jour­na­lis­ten zu ver­bie­ten, „is­la­mi­schen Ter­ro­ris­mus” zu be­nen­nen und sie da­zu zu er­mu­ti­gen, die As­so­zia­ti­on der Mus­li­me mit dem Ter­ro­ris­mus zu ver­ber­gen, ist ein Ver­such, die Wahr­heit in der glei­chen Wei­se falsch dar­zu­stel­len, wie die ehe­ma­li­ge So­wjet­uni­on die Wahr­heit zen­siert hat. Un­ter Aus­nut­zung ei­ni­ger echt ras­sis­ti­scher Ar­ti­kel in Bou­le­vard­blät­tern – nicht vie­le, weil nicht vie­le im Be­richt zi­tiert wer­den – die Pres­se­frei­heit und die Re­de­frei­heit an­zu­grei­fen, ist kei­ne An­ti­hass­re­de; Es ist Un­ter­wer­fung.

Der Nach­weis der Un­ter­wer­fung liegt in den Emp­feh­lun­gen von ECRI an die bri­ti­sche Re­gie­rung:

  • „Ein­rich­tung ei­nes un­ab­hän­gi­gen Pres­se­re­gu­la­tors”;
  • „Stren­ge Aus­bil­dung für Jour­na­lis­ten, um ei­ne bes­se­re Ein­hal­tung ethi­scher Stan­dards zu ge­währ­leis­ten”;
  • „Die Be­stim­mun­gen über die Auf­wie­ge­lung zum Hass zu über­prü­fen, um sie wirk­sa­mer und nutz­ba­rer zu ma­chen”;
  • „Ei­nen ech­ten Dia­log mit Mus­li­men auf­zu­bau­en, um die Is­la­mo­pho­bie zu be­kämp­fen und sie über al­le Po­li­tik zu kon­sul­tie­ren, die die Mus­li­me be­ein­träch­ti­gen könn­ten”;
  • Den Ver­hal­tens­ko­dex der Her­aus­ge­ber zu än­dern, um si­cher­zu­stel­len, dass Mit­glie­der von Grup­pen Be­schwer­den ein­rei­chen kön­nen als Op­fer von vor­ein­ge­nom­me­ner oder nach­tei­li­ger Be­richt­erstat­tung über ih­re Ge­mein­schaft”

Wenn sie die­sen Emp­feh­lun­gen folg­te, wür­de die bri­ti­sche Re­gie­rung die mus­li­mi­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen in ei­ne Art Mo­no­pol­stel­lung ver­set­zen: Sie wür­den die ein­zi­ge In­for­ma­ti­ons­quel­le über sich selbst sein. Es ist die voll­kom­me­ne to­ta­li­tä­re In­for­ma­ti­ons­ord­nung. Wenn sich in Zu­kunft ein sol­cher Bruch er­eig­nen soll­te, so wür­den zwei­fel­los al­le Lob­bys in den Ab­grund stür­zen: po­li­ti­sche Par­tei­en, Pro­tes­tan­ten, Ka­tho­li­ken, Ju­den, Mul­ti­na­tio­na­le, al­le.

Die bri­ti­sche Re­gie­rung ging nicht in die Fal­le und wies die For­de­run­gen der ECRI en­er­gisch zu­rück. Sie er­klär­te dem Aus­schuss des Eu­ro­pa­ra­tes:

„Die Re­gie­rung ist ei­ner frei­en und of­fe­nen Pres­se ver­pflich­tet und mischt sich nicht ein in das, was die Pres­se ver­öf­fent­licht oder nicht ver­öf­fent­licht, so­lan­ge sich die Pres­se an das Ge­setz hält.”

In Groß­bri­tan­ni­en und in al­len Län­dern der Eu­ro­päi­schen Uni­on gibt es be­reits Anti-​Hass-​Gesetze. Ge­schaf­fen, um die Art der frem­den­feind­li­chen und an­ti­se­mi­ti­schen Pro­pa­gan­da, die zum Ho­lo­caust führ­te, ab­zu­weh­ren, wur­den zu­neh­mend na­tio­na­le Hass­re­den­ge­set­ze an­ge­wandt, um die Spra­che zu kri­mi­na­li­sie­ren, die le­dig­lich je­man­des Ras­se, Eth­nie, Re­li­gi­on oder Na­tio­na­li­tät be­lei­digt.

Die­se Ge­set­ze wur­den auch von Is­la­mis­ten oft an­ge­ru­fen, um ge­gen anti-​islamistische Re­de (Ka­ri­ka­tu­ren von Mo­ham­med, Got­tes­läs­te­rung ge­gen den Is­lam usw.) als Ma­ni­fes­ta­tio­nen des „Ras­sis­mus” – zum Glück mit we­nig Er­folg – zu kla­gen. Die meis­ten Ge­richts­pro­zes­se, die Is­la­mis­ten ein­ge­lei­tet ha­ben, sind ge­schei­tert, weil der Is­lam kei­ne Ras­se ist.

Agnes Call­amard, Ex­per­tin für Men­schen­rech­te, schreibt un­ter Be­zug­nah­me auf die Char­ta der Ver­ein­ten Na­tio­nen:

„ARTIKEL 19 an­er­kennt, dass an­ge­mes­se­ne Be­schrän­kun­gen der Mei­nungs­frei­heit not­wen­dig oder le­gi­tim sein kön­nen, um die Be­für­wor­tung von Hass auf­grund von Staats­an­ge­hö­rig­keit, Ras­se, Re­li­gi­on zu ver­hin­dern, die Auf­sta­che­lung zu Dis­kri­mi­nie­rung, Feind­se­lig­keit oder Ge­walt dar­stel­len. Die Or­ga­ni­sa­ti­on wei­tet die­se le­gi­ti­men Be­schrän­kun­gen nicht auf of­fen­si­ve und blas­phe­mi­sche Aus­drucks­for­men aus”.

Es ist be­un­ru­hi­gend, sich zu fra­gen, wie lan­ge der Eu­ro­pa­rat sei­ne Ex­per­ten ein­setzt und Ein­fluss nimmt, um be­stehen­de recht­li­che Hin­der­nis­se zu über­win­den, um je­de Art von Kri­tik am Is­lam zu kri­mi­na­li­sie­ren und sich den Wer­ten des Dschi­had zu un­ter­wer­fen.

Yves Ma­mou aus Frank­reich ar­bei­te­te zwan­zig Jah­re lang als Jour­na­list für Le Mon­de.


Erst­ver­öf­fent­li­chung hier. Re­pro­duk­ti­on mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung des Gatestone In­sti­tuts.

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