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Das Eu­ro­päi­sche Par­la­ment zen­siert sei­ne ei­ge­ne Redefreiheit

Ju­dith Berg­mann, 11.3.2017, Gatestone Institute

  • Die Re­gel schlägt im Zen­trum der frei­en Re­de zu, näm­lich der ge­wähl­ten Po­li­ti­ker, die der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof für Men­schen­rech­te in sei­ner Pra­xis als be­son­ders ge­schützt er­ach­tet hat. Die Mit­glie­der des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments sind Men­schen, die ge­wählt wur­den, um den Stim­men ih­rer Wäh­ler­schaft in den In­sti­tu­tio­nen der Eu­ro­päi­schen Uni­on Ge­hör zu verschaffen.
  • Die Re­gel kann nur ei­ne ab­küh­len­de Wir­kung ha­ben auf die freie Mei­nungs­äu­ße­rung im Eu­ro­päi­schen Par­la­ment, und wird wahr­schein­lich ein be­que­mes Werk­zeug sein, um zu ver­su­chen, die Par­la­men­ta­ri­er, die nicht dem po­li­tisch kor­rek­ten Nar­ra­tiv der EU fol­gen, zum Schwei­gen zu bringen.
  • Durch die Auf­he­bung der Im­mu­ni­tät von Le Pen, wäh­rend sie für das Amt des Prä­si­den­ten Frank­reichs kan­di­diert, sen­det das Eu­ro­päi­sche Par­la­ment das kla­re Si­gnal aus, dass die Ver­öf­fent­li­chung der dras­ti­schen und schreck­li­chen Wahr­heit der Ver­bre­chen von ISIS, statt sie als War­nung des­sen zu se­hen, was bald nach Eu­ro­pa kom­men könn­te, statt­des­sen be­straft wer­den sollte.
  • Wo en­det die­ser deut­lich to­ta­li­tä­re Im­puls, und wer wird ihn aufhalten?

Der Prä­si­dent der pa­läs­ti­nen­si­schen Au­to­no­mie­be­hör­de, Mahmoud Ab­bas, er­hält am 23. Ju­ni 2016 in Brüs­sel ei­ne ste­hen­de Ova­ti­on im Eu­ro­päi­schen Par­la­ment, nach­dem er in sei­ner Re­de fälsch­li­cher­wei­se be­haup­tet hat­te, dass is­rae­li­sche Rab­bi­ner pa­läs­ti­nen­si­sches Was­ser ver­gif­ten wür­den. Ab­bas wie­der­rief spä­ter und gab zu, daß sei­ne Be­haup­tung falsch ge­we­sen war (Bild­quel­le: Eu­ro­päi­sches Parlament)

Das Eu­ro­päi­sche Par­la­ment hat ei­ne neue Ver­fah­rens­re­gel ein­ge­führt, die es dem Vor­sit­zen­den ei­ner De­bat­te er­mög­licht, die Live-​Sendung ei­nes spre­chen­den Ab­ge­ord­ne­ten „im Fal­le ei­ner dif­fa­mie­ren­den, ras­sis­ti­schen oder frem­den­feind­li­chen Spra­che oder ei­nes Ver­hal­tens durch ein Par­la­ments­mit­glied zu un­ter­bre­chen”. Dar­über hin­aus kann der Prä­si­dent des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments so­gar „be­schlie­ßen, aus dem au­dio­vi­su­el­len Pro­to­koll des Ver­fah­rens die­je­ni­gen Tei­le ei­ner Re­de von ei­nem Mit­glied zu lö­schen, das dif­fa­mie­ren­de, ras­sis­ti­sche oder frem­den­feind­li­che Spra­che enthält”.

Kei­ner hat sich je­doch die Mü­he ge­macht, zu de­fi­nie­ren, was „dif­fa­mie­ren­de, ras­sis­ti­sche oder frem­den­feind­li­che Spra­che oder Ver­hal­ten” dar­stellt. Die­se Un­ter­las­sung be­deu­tet, dass der Vor­sit­zen­de ei­ner De­bat­te im Eu­ro­päi­schen Par­la­ment frei ist, oh­ne Leit­li­ni­en oder ob­jek­ti­ve Kri­te­ri­en zu ent­schei­den, ob die Aus­sa­gen der Ab­ge­ord­ne­ten „dif­fa­mie­rend, ras­sis­tisch oder frem­den­feind­lich” sind. Die Bus­se für Straf­tä­ter kann an­schei­nend bis zu rund 9.000 Eu­ro gehen.

„Es gab ei­ne wach­sen­de Zahl von Fäl­len von Po­li­ti­kern, die Din­ge sag­ten, die über die Bläs­se der nor­ma­len par­la­men­ta­ri­schen Dis­kus­si­on und De­bat­te hin­aus­ge­hen”, sag­te der bri­ti­sche EU-​Parlamentarier Ri­chard Cor­bett, der die neue Re­gel ver­tei­digt hat. Herr Cor­bett gibt aber nicht an, was er für „über die Bläs­se hin­aus­ge­hend” hält.

Im Ju­ni 2016 rich­te­te sich Mah­mud Ab­bas, Prä­si­dent der Pa­läs­ti­nen­si­schen Au­to­no­mie­be­hör­de, an das Eu­ro­päi­sche Par­la­ment in ei­ner Re­de, die auf al­te an­ti­se­mi­ti­sche Ver­leum­dun­gen ab­ziel­te, wie z. B. die fal­sche Be­schul­di­gung is­rae­li­scher Rab­bi­ner, die is­rae­li­sche Re­gie­rung da­zu auf­zu­for­dern, das von Pa­läs­ti­nen­sern be­nutz­te Was­ser zu ver­gif­ten. Ei­ne solch ein­deu­tig het­ze­ri­sche und an­ti­se­mi­ti­sche Re­de wur­de nicht nur im Par­la­ment von den sen­si­blen und „an­ti­ras­sis­ti­schen” Par­la­men­ta­ri­ern zu­ge­las­sen; Sie er­hielt ei­ne ste­hen­de Ova­ti­on. Of­fen­sicht­lich stel­len wil­de an­ti­se­mi­ti­sche Ver­leum­dun­gen, die von Ara­bern aus­ge­spro­chen wer­den, nicht „Din­ge, die über die bläs­se nor­ma­ler par­la­men­ta­ri­schen Dis­kus­si­on und De­bat­te hin­aus­ge­hen” dar.

Das Eu­ro­päi­sche Par­la­ment mach­te sich an­schei­nend nicht ein­mal die Mü­he, ih­re neue Ver­fah­rens­re­gel zu pu­bli­zie­ren; sie wur­de erst von der spa­ni­schen Zei­tung La Van­guar­dia ver­öf­fent­licht. Die Wäh­ler soll­ten, wie es scheint, nicht wis­sen, dass ih­nen die Live-​Übertragung der Par­la­men­ta­ri­er, die sie ge­wählt ha­ben, um sie in der EU zu ver­tre­ten, ab­ge­dreht wer­den kön­nen, wenn ein Vor­sit­zen­der ei­ner De­bat­te sub­jek­tiv zu­fäl­lig ent­schei­det, dass das, was ge­sagt wur­de, „ras­sis­tisch, dif­fa­mie­rend oder frem­den­feind­lich” war.

Das Eu­ro­päi­sche Par­la­ment ist die ein­zi­ge vom Volk ge­wähl­te In­sti­tu­ti­on der EU. Hel­mut Scholz, aus Deutsch­lands Par­tei Die Lin­ke, sag­te, dass die EU-​Gesetzgeber in der La­ge sein müs­sen, ih­re Mei­nung dar­über zu äu­ßern, wie Eu­ro­pa ar­bei­ten soll: „Man kann die­ses Recht nicht ein­schrän­ken oder ver­nei­nen”. Nun, sie kön­nen es aus­drü­cken (aber wie lan­ge noch?), au­ßer dass es nun­mehr nie­mand au­ßer­halb des Par­la­ments hö­ren wird.

Die Re­gel schlägt im Zen­trum der frei­en Re­de, näm­lich der ge­wähl­ten Po­li­ti­ker, die der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof für Men­schen­rech­te in sei­ner Pra­xis als be­son­ders ge­schützt er­ach­tet hat. Mit­glie­der des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments sind Men­schen, die ge­wählt wur­den, um die Stim­men ih­rer Wäh­ler­schaft in den In­sti­tu­tio­nen der Eu­ro­päi­schen Uni­on zu Ge­hör zu brin­gen. Die Be­gren­zung ih­rer Re­de­frei­heit ist un­de­mo­kra­tisch, be­sorg­nis­er­re­gend und ge­spens­tisch orwellianisch.

Die Re­gel kann nur ei­ne ent­schei­dend ab­küh­len­de Aus­wir­kung auf die Re­de­frei­heit im Eu­ro­päi­schen Par­la­ment ha­ben und wird wahr­schein­lich ein be­que­mes In­stru­ment sein, um zu ver­su­chen, die Par­la­men­ta­ri­er, die nicht dem po­li­tisch kor­rek­ten Nar­ra­tiv der EU fol­gen, den Mund zu verbieten.

Das Eu­ro­päi­sche Par­la­ment scheint in letz­ter Zeit Krieg ge­gen die freie Mei­nungs­äu­ße­rung zu füh­ren. An­fang März hob der Kör­per die par­la­men­ta­ri­sche Im­mu­ni­tät der fran­zö­si­schen Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­tin Ma­ri­ne Le Pen auf. Ihr Ver­bre­chen? Im Jahr 2015 drei Bil­der von ISIS-​Hinrichtungen get­wee­tet zu ha­ben. In Frank­reich ist die „Ver­öf­fent­li­chung ge­walt­tä­ti­ger Bil­der” ei­ne Straf­tat, die ei­ne Stra­fe von drei Jah­ren Ge­fäng­nis und ei­ne Geld­stra­fe von 75.000 Eu­ro zur Fol­ge ha­ben kann. In­dem sie ih­re Im­mu­ni­tät zur glei­chen Zeit auf­hebt, in der sie für das Prä­si­den­ten­amt Frank­reichs kan­di­diert, sen­det das Eu­ro­päi­sche Par­la­ment das kla­re Si­gnal aus, dass die dras­ti­sche und schreck­li­che Wahr­heit der Ver­bre­chen von ISIS zu ver­kün­den, an­statt als War­nung ge­se­hen zu wer­den, was bald nach Eu­ro­pa kom­men könn­te, statt­des­sen be­straft wer­den sollte.

Dies ist ein bi­zar­res Si­gnal, vor al­lem an die christ­li­chen und jes­si­di­schen Op­fer von ISIS, die noch weit­ge­hend von der Eu­ro­päi­schen Uni­on igno­riert wer­den. Die eu­ro­päi­schen Par­la­men­ta­ri­er sind of­fen­sicht­lich zu sen­si­bel, um mit den dras­ti­schen Mor­den an wehr­lo­sen Men­schen im Na­hen Os­ten um­zu­ge­hen und mehr dar­auf be­dacht, die Straf­ver­fol­gung der Über­brin­ger der schlech­ten Nach­rich­ten wie Ma­ri­ne Le Pen sicherzustellen.

Die po­li­ti­sche Kor­rekt­heit, jetzt ef­fek­tiv die „Re­li­gi­ons­po­li­zei” des po­li­ti­schen Dis­kur­ses, hat nicht nur die Me­di­en und die Uni­ver­si­tä­ten über­nom­men; Ge­wähl­te Ab­ge­ord­ne­te sol­len nun auch die po­li­tisch kor­rek­te Li­nie be­fol­gen oder buch­stäb­lich das Mi­kro­fon ab­ge­dreht be­kom­men. Nie­mand hat das Eu­ro­päi­sche Par­la­ment da­von ab­ge­hal­ten, die­se un­de­mo­kra­ti­sche Anti-​Redefreiheitsregel zu ver­ab­schie­den. War­um hat kei­ner der 751 Ab­ge­ord­ne­ten die ro­te Fah­ne ge­schwenkt, be­vor es zur tat­säch­li­chen Re­gel wur­de? Noch wich­ti­ger: Wo hört die­ser deut­lich to­ta­li­tä­re Im­puls auf und wer wird ihn stoppen?

Ju­dith Berg­man ist Au­to­rin, Ko­lum­nis­tin und po­li­ti­sche Aktivistin.


Erst­ver­öf­fent­li­chung hier. Re­pro­duk­ti­on mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung des Gatestone Instituts.

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