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Scharia-​Räte und se­xu­el­ler Miss­brauch in Gross­bri­tan­ni­en

Kha­di­ja Khan, 14.4.2017, Gatestone In­sti­tu­te

  • So schlimm wie das ist, so gibt es ei­ne noch dunk­le­re Sei­te der Ge­schich­te: Un­ter dem Scharia-​Gesetz ist der zwei­te Ehe­mann nicht ver­pflich­tet, sei­ner Frau ei­ne schnel­le Schei­dung zu ge­ben – so dass er sie als vir­tu­el­le Sex-​Sklavin be­hal­ten kann, so­lan­ge er will.
  • Wenn man fragt, wie all dies mit bri­ti­schem Ge­setz zu­sam­men­passt, ist die Ant­wort: gar nicht.
  • Die in Groß­bri­tan­ni­en an­säs­si­ge NGO Mus­li­mi­sches Frau­en­netz­werk schrieb ei­nen of­fe­nen Brief – mit 100 Un­ter­zeich­nern – an die bri­ti­sche Re­gie­rung und den In­nen­aus­schuss, in dem ver­langt wur­de, dass der Scharia-​Rat un­ter­sucht wird, um fest­zu­stel­len, ob sei­ne Prak­ti­ken dem bri­ti­schen Recht ent­spre­chen. Als Re­ak­ti­on dar­auf er­klär­te der Scharia-​Rat den Brief als „is­la­mo­phob” und be­schul­dig­te das Mus­li­mi­sche Frau­en­netz­werk, ei­ne anti-​muslimische Or­ga­ni­sa­ti­on zu sein.
  • Es ist bri­ti­sches Ge­setz, nicht die Scha­ria, das mus­li­mi­sche Ein­zel­per­so­nen und Paa­re schützt, wie es je­den an­de­ren Bür­ger schützt. Im Ge­gen­satz zu dem, was die Apo­lo­ge­ten die­ser Tra­ves­tie sa­gen, soll­te die Not der mus­li­mi­schen Frau­en als ei­ne Fra­ge der Men­schen­rech­te be­han­delt wer­den.

Haitham al-​Haddad ist ein bri­ti­scher Scharia-​Richter und sitzt im Vor­stand der Be­ra­ter für den is­la­mi­schen Scharia-​Rat. In Be­zug auf den Um­gang mit Fäl­len häus­li­cher Ge­walt er­klär­te er in ei­nem In­ter­view: „Ein Mann soll­te nicht ge­fragt wer­den, war­um er sei­ne Frau ge­schla­gen hat, denn das ist et­was zwi­schen ih­nen, las­sen Sie sie in Ru­he, sie kön­nen ih­re An­ge­le­gen­hei­ten un­ter­ein­an­der aus­sor­tie­ren.” (Bild­quel­le: Ka­nal 4 News Vi­deo Screen­shot)

Der jüngs­te Skan­dal rund um die se­xu­el­le Aus­beu­tung mus­li­mi­scher Frau­en durch is­la­mi­sche re­li­giö­se Füh­rer in Groß­bri­tan­ni­en ist ein wei­te­rer Be­weis für die Art und Wei­se, wie Groß­bri­tan­ni­en blind ist ge­gen­über den schreck­li­chen Prak­ti­ken, die di­rekt un­ter sei­ner Na­se ab­lau­fen.

Ei­ne BBC-​Untersuchung von „Ha­la­la” – ei­nem Ri­tu­al, das es ei­ner ge­schie­de­nen mus­li­mi­schen Frau er­mög­licht, ih­ren frü­he­ren Ehe­mann wie­der zu hei­ra­ten, in­dem sie zu­erst je­mand an­de­res hei­ra­tet, die Ver­ei­ni­gung voll­endet und dann von ih­rem neu­en Ehe­mann ge­schie­den wird – zeig­te, dass die Ima­me in Groß­bri­tan­ni­en dies nicht nur för­dern, son­dern da­von auch noch fi­nan­zi­ell pro­fi­tie­ren. Die­se Ver­derbt­heit hat da­zu ge­führt, dass vie­le Frau­en qua­si als Gei­seln ge­hal­ten wer­den, buch­stäb­lich und bild­lich, von Män­nern, die da­für be­zahlt wur­den, vor­über­ge­hend ihr zwei­ter Ehe­mann zu sein.

Die­ses Ri­tu­al, das so­gar von ex­tre­mis­ti­schen Schii­ten und sau­di­schen Sala­fis­ten als Fehl­in­ter­pre­ta­ti­on des is­la­mi­schen Scharia-​Gesetzes an­ge­se­hen wird, wird von be­stimm­ten is­la­mi­schen Sek­ten wie Hana­fis, Ba­rel­vis und Deo­ban­dis prak­ti­ziert. Wenn ein Mann das ara­bi­sche Wort für die Schei­dung – talaq – drei­mal zu sei­ner Frau wie­der­holt, be­trach­ten die­se Sek­ten ei­ne mus­li­mi­sche Ehe null und nich­tig. Da­mit ei­ne sol­che Frau zu dem Mann zu­rück­keh­ren darf, der sie ver­bannt hat, muss sie zu­erst je­mand an­de­res hei­ra­ten – und Sex mit ihm ha­ben – be­vor der zwei­te Ehe­mann sich von ihr schei­det.

Die­se Schei­dungs­ri­ten sind trotz der je­wei­li­gen Lan­des­ge­set­ze in In­di­en, Ban­gla­desch, Pa­ki­stan und an­de­ren asia­ti­schen Län­dern üb­lich, wo ei­ne Mehr­heit der Men­schen zu den Hanafi-, Barelvi- oder Deobandi-​Sekten ge­hört. Den­noch be­wer­ben und för­dern lo­ka­le Se­mi­na­re, Mo­sche­en und Online-​Dienste Ha­la­la of­fen und straf­los; Es wird von der Ge­sell­schaft ak­zep­tiert und sel­ten von staat­li­chen Be­hör­den über­wacht.

In Groß­bri­tan­ni­en hat sich Ha­la­la als boo­men­des Ge­schäft ent­wi­ckelt mit Web­sei­ten und So­ci­al Media-​Seiten, die Frau­en für ex­or­bi­tan­te Geld­sum­men zwei­te Ehe­män­ner an­bie­ten. So schlimm wie das ist, so gibt es ei­ne noch dunk­le­re Sei­te der Ge­schich­te: Un­ter dem Scharia-​Gesetz ist der zwei­te Ehe­mann nicht ver­pflich­tet, sei­ner Frau ei­ne schnel­le Schei­dung zu ge­ben – so dass er sie als vir­tu­el­le Sex­skla­vin so lan­ge be­hal­ten kann, wie er will.

Ei­ne mus­li­mi­sche Frau, die sich Ent­schied, Ha­la­la doch nicht durch­zu­zie­hen, nach­dem sie den Vor­gang stu­diert hat­te, sag­te der BBC, dass sie von an­de­ren wuss­te, die sich dem Pro­zess un­ter­zo­gen, und am En­de mo­na­te­lang von den zwei­ten Män­nern, die da­für be­zahlt wor­den wa­ren, sie kurz­zei­tig zu hei­ra­ten, se­xu­ell miss­braucht  wor­den wa­ren. Nach ei­nem Be­richt in The Guar­di­an sagt der Scharia-​Rat von Bri­tan­ni­en, dass er sich mit Hun­der­ten von Schei­dungs­fäl­len jähr­lich be­schäf­tigt.

Die­ser be­rüch­tig­te Rat ist in­di­rekt ver­ant­wort­lich für das, was im Grun­de ei­ne Ver­ge­wal­ti­gungs­pan­de­mie ge­wor­den ist, da es nichts gibt, um Ha­la­la zu stop­pen oder zu wi­der­le­gen. In der Tat er­klärt er, dass die Pra­xis un­ter der Scha­ria völ­lig le­gal sei. Die ein­zi­ge Ein­schrän­kung, sagt der Rat, ist, dass die Ima­me, die Ha­la­la vor­ste­hen, nicht den rich­ti­gen Richt­li­ni­en fol­gen, wo­nach die zwei­te Ehe und Schei­dung nicht vor­sätz­lich, son­dern viel­mehr auf na­tür­li­che Wei­se ge­sche­hen sol­len.

Wenn man fragt, wie all dies mit dem bri­ti­schem Ge­setz zu­sam­men­passt, ist die Ant­wort: gar nicht. Doch jun­gen Mus­li­men in Groß­bri­tan­ni­en wird von ih­ren Ge­mein­den ab­ge­ra­ten, nach dem bri­ti­schen Sys­tem zu hei­ra­ten, und es es wird ih­nen ge­sagt, dass Ima­me ih­re Hoch­zei­ten durch­füh­ren und die Scharia-​Räte ih­re Ehen re­gis­trie­ren wer­den. Paa­re, die sich dar­an hal­ten, un­ter­lie­gen am En­de der Gna­de der is­la­mi­schen Be­hör­den in Fa­mi­li­en­an­ge­le­gen­hei­ten, ein­schließ­lich der Schei­dung.

We­gen sei­ner oft­mals un­ethi­schen Prak­ti­ken, die im Na­men des re­li­giö­sen Rechts durch­ge­führt wur­den, ist der Scharia-​Rat mehr­mals un­ter die Lu­pe ge­nom­men wor­den. Im ver­gan­ge­nen No­vem­ber z. B. hat die bri­ti­sche NGO Mus­li­mi­sches Frau­en­netz­werk ei­nen of­fe­nen Brief – mit 100 Un­ter­zeich­nern – an die bri­ti­sche Regierungs- und den In­nen­aus­schuss ge­rich­tet, in dem sie for­dert, dass der Scharia-​Rat un­ter­sucht wird, um fest­zu­stel­len, ob sei­ne Prak­ti­ken sich an Bri­ti­sches Ge­setz hal­ten.

Als Re­ak­ti­on dar­auf er­klär­te der Scharia-​Rat den Brief als „is­la­mo­phob” und be­schul­dig­te das Mus­li­mi­sche Frau­en­netz­werk, ei­ne anti-​muslimische Or­ga­ni­sa­ti­on zu sein. Dar­über hin­aus sprang die Ar­bei­ter­ab­ge­ord­ne­te Naz Shah zur Ver­tei­di­gung des Scharia-​Rates ein und ver­wei­ger­te die Idee ei­ner Un­ter­su­chung mit der Be­grün­dung, dass das Still­le­gen die­ser Rä­te da­zu füh­ren könn­te, dass mehr Frau­en in miss­bräuch­li­chen Ehen ste­cken­blei­ben wür­den.

Wäh­rend sie an­er­kann­te, dass die­se Rä­te als Werk­zeug ver­wen­det wer­den könn­ten, um Frau­en ih­re Rech­te zu ver­wei­gern, sag­te Shah, dass sie auch als wert­vol­le Schieds­rich­ter in Ehe­strei­tig­kei­ten die­nen.

Ih­re Be­haup­tun­gen sind völ­lig oh­ne Grund­la­ge. Es ist bri­ti­sches Ge­setz, nicht die Scha­ria, das mus­li­mi­sche Ein­zel­per­so­nen und Paa­re schützt, wie es je­den an­de­ren Bür­ger auch schützt.

Hät­te die bri­ti­sche Re­gie­rung sich um die Scha­ri­a­rä­te ge­küm­mert, als sie zum ers­ten Mal ent­hüllt wur­den, wür­den wir heu­te nicht mit die­ser Pan­de­mie kon­fron­tiert sein. Im Ge­gen­satz zu dem, was die Apo­lo­ge­ten über die­se Tra­ves­tie sa­gen, soll­te die Not der mus­li­mi­schen Frau­en als ei­ne Fra­ge der Men­schen­rech­te be­han­delt wer­den.

Es ist Zeit für die bri­ti­sche Re­gie­rung, auf­zu­wa­chen und ei­nen har­ten Stand­punkt ein­zu­neh­men ge­gen­über die­sem so un­ethi­schen und wahr­schein­lich il­le­ga­lem Sys­tem. Und je eher des­to bes­ser, da­mit das gan­ze Scharia-​Ratsystem nicht in den „Un­ter­grund” geht und au­ßer Reich­wei­te ist, um Tau­sen­de von Frau­en vor Miss­brauch zu schüt­zen.

Kha­di­ja Khan ist ein pa­ki­sta­ni­scher Jour­na­list und Kom­men­ta­tor.


Erst­ver­öf­fent­li­chung hier. Re­pro­duk­ti­on mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung des Gatestone In­sti­tuts.

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