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Ay­a­an Hirsi Ali: Was die Zu­kunft für mus­li­mi­sche Frau­en be­reit hält

Ay­a­an Hirsi Ali, 29.4.2017, goacta.org

Be­wah­ren der Wer­te des Wes­tens.

Mei­ne Da­men und Her­ren,

Ich möch­te Ih­nen dan­ken für Ih­re Freund­lich­keit, mich mit die­ser Aus­zeich­nung zu eh­ren. Seit mehr als zwei Jahr­zehn­ten hat der Ame­ri­can Coun­cil of Trus­tees and Alum­ni den frei­en Aus­tausch von Ide­en auf ame­ri­ka­ni­schen Uni­ver­si­tä­ten ver­tei­digt.

Die Uni­ver­si­tät ist ein Ort, an dem den Stu­den­ten Wis­sen ge­ge­ben wird. Es ist ein Ort, an dem den Stu­den­ten neue Ide­en vor­ge­stellt wer­den, und wo sie fest­stel­len, dass es wi­der­sprüch­li­che Welt­an­schau­un­gen gibt.

In ei­nem uni­ver­si­tä­ren Um­feld schlei­fen die Stu­den­ten ih­re kri­ti­sche Denk­fä­hig­keit, so dass sie in der La­ge sind, zu er­ken­nen, was da­von wahr und was falsch ist; Was da­von ist von Wert, was ist tri­vi­al; Und was da­von ist mo­ra­lisch, was ist un­mo­ra­lisch. All die­ses Wis­sen ba­siert auf ei­nem be­stimm­ten na­tio­na­len Er­be, ein­ge­bet­tet in ei­ne west­li­che Kul­tur und Zi­vi­li­sa­ti­on, die sich un­ter­schei­det von an­de­re Na­tio­nen, Kul­tu­ren und Zi­vi­li­sa­tio­nen. Ide­en ent­ste­hen nicht in ei­nem Va­ku­um; Ide­en bil­den sich in ei­nem be­stimm­ten Kon­text und ha­ben ei­ne Ge­nea­lo­gie, ei­ne Ge­schich­te. Die Kon­zep­te, die Uni­ver­si­täts­stu­den­ten schät­zen soll­ten – Re­spekt des In­di­vi­du­ums und für sei­ne Au­to­no­mie, die Ab­schaf­fung der Skla­ve­rei, Gleich­heit der Bür­ger vor dem Ge­setz, Gleich­heit der Män­ner und Frau­en vor dem Ge­setz, Mei­nungs­äu­ße­rungs­frei­heit, re­li­giö­se To­le­ranz, die Tren­nung zwi­schen re­li­giö­ser und po­li­ti­scher Macht – all dies sind Pro­duk­te der west­li­chen Zi­vi­li­sa­ti­on.

Man­che die­ser Kon­zept wa­ren Ide­en, mit de­nen ge­walt­sam ge­run­gen wur­de mit dem ge­schrie­be­nen und ge­spro­che­nen Wort, manch­mal auf der Grund­la­ge der christ­li­chen Schrift; An­de­re, wie die Sä­ku­la­ri­sie­rung der in­ter­na­tio­na­len Be­zie­hun­gen, 2 wa­ren das Er­geb­nis lang­wie­ri­ger mi­li­tä­ri­scher Kon­flik­te (im Fal­le der West­fä­li­schen Ver­trä­ge war es die Bei­le­gung des Drei­ßig­jäh­ri­gen Krie­ges).

Heu­te, in ei­ner tur­bu­len­ten und chao­ti­schen Welt, brau­chen die Stu­den­ten ei­nen so­li­den Hin­ter­grund in den At­tri­bu­ten der west­li­chen Zi­vi­li­sa­ti­on, um Er­eig­nis­se und Ide­en im Kon­text ein­ord­nen zu kön­nen. Doch in ei­ner Zeit, in der ei­ne ri­go­ro­se Bil­dung am nö­tigs­ten ist, scheint der ame­ri­ka­ni­sche Cam­pus heu­te von ei­nem ein lan­ge an­dau­ern­dem in­tel­lek­tu­el­len Un­wohl­sein be­legt zu sein. Der schie­re Be­griff „west­li­che Zi­vi­li­sa­ti­on” wird rück­sichts­los ge­gei­ßelt, oh­ne dass er je­doch sorg­fäl­tig stu­diert und ana­ly­siert wür­de. In­dem wir die vie­len Er­run­gen­schaf­ten und Kom­ple­xi­tä­ten der west­li­chen Zi­vi­li­sa­ti­on igno­rie­ren, leis­ten wir un­se­ren Stu­den­ten ei­nen ernst­haf­ten Bä­ren­dienst. Bei der Ver­tei­di­gung der frei­en For­schung hat der Ame­ri­can Coun­cil of Trus­tees and Alum­ni ei­ne un­ent­behr­li­che Rol­le ge­spielt. Sei­ne har­te Ar­beit wird, fürch­te ich, in den kom­men­den Jah­ren im­mer not­wen­di­ger sein.

Im Jahr 2016 schlug ei­ne Grup­pe von Stanford-​Studenten ei­ne un­ver­bind­li­che Re­so­lu­ti­on vor, ei­ne ob­li­ga­to­ri­schen Vor­le­sung „west­li­che Zi­vi­li­sa­ti­on” zu schaf­fen, et­was was an der Uni­ver­si­tät vor mehr als 25 Jah­ren ab­ge­schafft wor­den war. Lei­der wur­de der Vor­schlag in ei­ner Stu­den­ten­ur­ab­stim­mung über­wäl­ti­gend ab­ge­lehnt. Die Ar­gu­men­te der Geg­ner der Re­so­lu­ti­on wa­ren auf­schluss­reich. Im Vor­feld der Ab­stim­mung schrieb ein Stanford-​Student im Stan­ford Dai­ly, dass „ei­ne ob­li­ga­to­ri­sche west­li­che Ziv-​Vorlesung es not­wen­dig ma­chen wür­de, dass un­se­re Bil­dung auf die Auf­recht­erhal­tung der wei­ßen Vor­herr­schaft, des Ka­pi­ta­lis­mus und des Ko­lo­nia­lis­mus und al­ler an­de­ren be­drü­cken­den Sys­te­me, die aus west­li­chen Zi­vi­li­sa­tio­nen flie­ßen,” [1] Durch die Re­duk­ti­on der west­li­chen Zi­vi­li­sa­ti­on auf die schlimms­ten Ex­zes­se ih­rer Ge­schich­te und durch das weg­las­sen des Bes­ten, das sie her­vor­ge­bracht hat – um es zu wie­der­ho­len: die Gleich­stel­lung der Frau­en; Die Ab­schaf­fung der Skla­ve­rei; In­di­vi­du­el­le Frei­heit; re­li­giö­se To­le­ranz; Rede- und Mei­nungs­frei­heit – macht der Stanford-​Student, der die­se Wor­te schrieb, ei­nen weit ver­brei­te­ten Feh­ler. Lei­der wird die­se schie­fe Sicht von ei­ner wach­sen­den Zahl von Stu­den­ten und Pro­fes­so­ren ge­teilt. Man kann die Sum­me der west­li­chen Zi­vi­li­sa­ti­on nicht ver­wer­fen, oh­ne den mo­ra­li­schen Kom­pass zu ver­lie­ren. Und man kann nicht sinn­voll am Kampf der Ide­en teil­neh­men, der heu­te in der Welt wü­tet, wenn man den Wert der west­li­chen Zi­vi­li­sa­ti­on als Gan­zes ver­wirft.

Vor die­sem Hin­ter­grund: Das spe­zi­fi­sche Bei­spiel, das ich heu­te an­spre­chen möch­te, ist die Be­zie­hung zwi­schen Män­nern und Frau­en. Al­le Kul­tu­ren ha­ben star­ke An­sich­ten über Ehe, Fa­mi­lie, Schei­dung, Pro­mis­kui­tät und Er­zie­hung. Nicht al­le Kul­tu­ren sind ver­gleich­bar oder aus­tausch­bar.

In­ner­halb des heu­ti­gen Is­lam, glau­be ich, dass wir drei ver­schie­de­ne Grup­pen von Mus­li­men in der Welt un­ter­schei­den kön­nen, je nach­dem, wie sie sich ih­ren Glau­ben vor­stel­len und aus­üben, mit wich­ti­gen Kon­se­quen­zen für Frau­en.

Die ers­te Grup­pe ist die pro­ble­ma­tischs­te – die Fun­da­men­ta­lis­ten, die sich ein Ré­gime vor­stel­len, das auf der Scha­ria, dem is­la­mi­schen Re­li­gi­ons­recht, ba­siert. Sie ar­gu­men­tie­ren für ei­nen Is­lam, der weit­ge­hend oder völ­lig un­ver­än­dert von sei­ner ur­sprüng­li­chen Ver­si­on des sieb­ten Jahr­hun­derts ist und es als ei­ne Not­wen­dig­keit ih­res Glau­ben neh­men, dass sie ihn al­len an­de­ren auf­zwin­gen.

Ich nen­ne sie Medina-​Muslime, weil sie die ge­walt­sa­me Auf­er­le­gung der Scha­ria als ih­re re­li­giö­se Pflicht se­hen, nach dem Bei­spiel des Pro­phe­ten Mo­ham­med, als er in Me­di­na leb­te. [2] Sie nut­zen den Re­spekt ih­rer Mit-​Muslime für das Scharia-​Gesetz als gött­li­chen Code, der Vor­rang hat vor den Zi­vil­ge­set­zen. [3] Erst nach­dem sie die­se Grund­la­ge ge­legt ha­ben, kön­nen sie ih­re Re­kru­ten über­re­den, sich im Dschi­had zu en­ga­gie­ren. In ih­ren Au­gen gibt es kei­ne Gleich­heit zwi­schen Män­nern und Frau­en, we­der ju­ris­tisch, noch in der all­täg­li­chen Pra­xis.

Die zwei­te Grup­pe – und die kla­re Mehr­heit in der gan­zen mus­li­mi­schen Welt – be­steht aus Mus­li­men, die dem Kern-​Glaubensbekenntnis treu sind und gläu­big sind, aber nicht ge­neigt sind, Ge­walt oder gar Un­ver­träg­lich­keit ge­gen­über Nicht­mus­li­men zu üben.

Ich nen­ne die­se Grup­pe „Mek­ka Mus­li­me” nach der ers­ten Pha­se des Is­lam und den fried­li­chen Ko­ran­ver­sen, die in Mek­ka of­fen­bart wur­den. In die­ser Grup­pe wird die Po­si­ti­on der Frau­en um­strit­ten.

In jüngs­ter Zeit und zum Teil als Re­ak­ti­on auf den Auf­stieg des is­la­mi­schen Ter­ro­ris­mus taucht ei­ne drit­te Grup­pe auf im Is­lam – mus­li­mi­sche Re­for­mer oder, wie ich sie nen­ne, „ver­än­dern­de Mus­li­me”, die für die Tren­nung von Re­li­gi­on und Po­li­tik und an­de­re Re­for­men ein­ste­hen. Ob­wohl ei­ni­ge von ih­nen Aposta­ten sind, sind die meis­ten Dis­si­den­ten Gläu­bi­ge, un­ter ih­nen Kle­ri­ker, die er­kannt ha­ben, dass ih­re Re­li­gi­on sich än­dern muss, wenn ih­re An­hän­ger nicht zu ei­nem un­end­li­chen Zy­klus po­li­ti­scher Ge­walt ver­ur­teilt blei­ben sol­len. Re­for­ma­to­ren sind in der Re­gel für die Gleich­stel­lung von Män­nern und Frau­en.

Die Zu­kunft des Is­lam und die Be­zie­hun­gen der Welt zu den Mus­li­men wer­den da­von ent­schie­den, wel­che der bei­den Min­der­hei­ten – die Me­di­na Mus­li­me [4] oder die Re­for­ma­to­ren – die Un­ter­stüt­zung der eher pas­si­ven mek­ka­ni­schen Mehr­heit ge­win­nen kann.

Im Wes­ten füh­len sich die meis­ten Men­schen gu­ten Wil­lens da­zu ver­pflich­tet, Frau­en glei­che Rech­te und die Mög­lich­keit zu ge­ben, ei­ne gu­te Zu­kunft für sich selbst zu schaf­fen, sich zu au­to­no­men Men­schen zu ent­wi­ckeln.

Die Leu­te, die ich „Me­di­na Mus­li­me” nen­nen wür­de, wie Say­y­id Qutb, Yus­uf al-​Qaradawi oder Osa­ma bin La­den, bie­ten ei­ne al­ter­na­ti­ve Vi­si­on. Sie be­haup­ten, dass ih­re Vi­si­on, die auf dem Scharia-​Gesetz ba­siert, den im Wes­ten vor­herr­schen­den Nor­men in je­der Hin­sicht über­le­gen ist. Me­di­na Mus­li­me wüh­len in den Sta­tis­ti­ken – die im Wes­ten na­tür­lich breit ver­füg­bar sind – von Schei­dungs­ra­ten, Ein­el­tern­fa­mi­li­en, Pro­sti­tu­ti­on, die Aufreiss-​Kultur auf ame­ri­ka­ni­schen Uni­ver­si­tä­ten. Sie bie­ten plum­pe und simp­le Heil­mit­tel an: se­gre­gie­ren die Ge­schlech­ter; Be­de­cken Frau­en von Kopf bis Fuß (die Be­schei­den­heits­dok­trin), um zu ver­hin­dern, dass Män­ner die se­xu­el­le Kon­trol­le ver­lie­ren; ver­hei­ra­ten Mäd­chen so früh wie mög­lich zu Be­din­gun­gen der Scha­ria; und ei­ne Lis­te von wei­te­ren Maß­nah­men.

Medina-​Muslime be­haup­ten, dass, wenn al­le die­se Scharia-​Maßnahmen ge­gen Frau­en ver­ab­schie­det wor­den sind, dass dann die är­ger­li­chen Pro­ble­me von Pro­mis­kui­tät, un­ehe­lich ge­bo­re­nen Kin­dern und das so­zia­le Cha­os (fit­na), das sie in den west­li­chen Län­dern se­hen, auf­hö­ren wer­den. Den­noch füh­len sich die Medina-​Muslime un­be­hag­lich, wenn man sie aus­quetscht dar­über, war­um die in Saudi-​Arabien, Iran und in ge­wis­sem Ma­ße in Pa­ki­stan um­ge­setz­ten Scharia-​Maßnahmen nicht al­le er­denk­li­chen so­zia­len Pro­ble­me ge­löst ha­ben. Im Ge­gen­teil, was wir in die­sen Län­dern se­hen, ist oft ei­ne ent­setz­li­che Miss­hand­lung von Frau­en und vor al­lem von jun­gen Mäd­chen. [4]

In Saudi-​Arabien wird die Zeu­gen­aus­sa­ge ei­ner Frau in der Re­gel in Straf­sa­chen gar nicht ak­zep­tiert und ist nur die Hälf­te der Aus­sa­ge ei­nes Man­nes wert in Zi­vil­fäl­len. [5] Im Jahr 2009 sag­te Saudi-​Arabiens Gro­ßer Muf­ti, Scheich Ab­dul Aziz Al-​Scheich, „ein Mäd­chen im Al­ter von 10 oder 12 Jah­ren kann ver­hei­ra­tet wer­den. Die­je­ni­gen, die den­ken, dass sie zu jung da­für ist, lie­gen falsch und sind ihr ge­gen­über un­fair.” [6]

Im Iran kön­nen ver­hei­ra­te­te Frau­en das Land nicht ver­las­sen, oh­ne die Er­laub­nis ih­res Man­nes. [7] Wenn ein Kind sie­ben Jah­re alt ist, geht das Sor­ge­recht au­to­ma­tisch zum Va­ter über (es sei denn, der Va­ter ist schwer dis­qua­li­fi­ziert, zum Bei­spiel geis­tes­krank). Ei­ne Mut­ter ver­liert auch das Sor­ge­recht für ih­re klei­nen Kin­der, wenn sie wie­der hei­ra­tet. [8]

Im Jahr 2016 hat der Vor­sit­zen­de des Pa­ki­sta­ni­schen Ra­tes der Is­la­mi­schen Ideo­lo­gie, ein wich­ti­ges Be­ra­tungs­gre­mi­um, „leich­te” Prü­gel für die Frau sank­tio­niert. [9]

Vonn fe­mi­nis­ti­schen Aka­de­mi­ke­rin­nen im Wes­ten könn­te man er­war­ten, dass sie die Medina-​Muslime beim Na­men nen­nen oder zu­min­dest den Stu­den­ten da­bei hel­fen, die Kon­se­quen­zen der Um­set­zung von Scharia-​Maßnahmen wie im Iran und Saudi-​Arabien ernst­haft zu durch­den­ken. [10]

Doch was wir se­hen, ist et­was ganz an­de­res. Es ist auf­fäl­lig, wie vie­le ame­ri­ka­ni­sche Uni­ver­si­täts­pro­fes­so­ren und Stu­den­ten je­de Ana­ly­se ei­nes ech­ten Kon­flik­tes zwi­schen den auf­klä­re­ri­schen west­li­chen Wer­ten und der un­re­for­mier­ten Scha­ria ab­leh­nen, selbst wenn die west­li­che Zi­vi­li­sa­ti­on ver­spot­tet wird und ih­re vie­len Bei­trä­ge zur Frei­heit der Men­schen und der Gleich­stel­lung der Ge­schlech­ter zy­nisch von sich ge­wie­sen wer­den.

Die­ses Jahr, ein wei­te­rer Hin­weis auf den Zeit­geist, schuf das Frauen-​Zentrum der Du­ke Uni­ver­si­ty ein neu­es (frei­wil­li­ges) neun­wö­chi­ges Se­mi­nar, das dar­auf ab­zielt, dass jun­ge Män­ner „ih­re ei­ge­ne Männ­lich­keit und to­xi­sche Männ­lich­keit kri­ti­si­er­ne und ana­ly­sie­ren.” [11] Mit ziem­li­cher Si­cher­heit sa­ge ich vor­aus, dass Die Män­ner, die an die­sen Sit­zun­gen teil­neh­men, gut mei­nen­de, sanft­mü­ti­ge jun­ge ame­ri­ka­ni­sche Män­ner sein wer­den, die be­reits zu Re­spekt ge­gen­über Frau­en nei­gen. Ein The­ma, das nicht un­ter­sucht wer­den wird, wie ich ver­mu­te, ist das is­la­mi­sche Recht oder der Kon­flikt zwi­schen west­li­chen Vor­stel­lun­gen von Frau­engleich­heit und is­la­mi­schen An­sich­ten zu die­sem The­ma.

An vie­len ame­ri­ka­ni­schen Uni­ver­si­tä­ten ist heu­te je­de kri­ti­sche Un­ter­su­chung des Is­lam, ein­schließ­lich der Scha­ria und der Be­hand­lung von Frau­en im Is­lam, er­klär­ter­mas­sen aus dem For­schungs­be­reich aus­ge­schlos­sen. Mei­ne Ge­dan­ken zur Kri­se im Is­lam wa­ren für die Brandeis-​Universität so furcht­erre­gend – die Uni­ver­si­tät, die zum Cham­pi­on des ers­ten Ver­fas­sung­zu­sat­zes er­nannt wur­de – dass sie ih­re Ein­la­dung zu­rück­zog, mir ei­ne Eh­ren­dok­tor­wür­de zu ver­lei­hen und mich dort ei­ne Re­de hal­ten zu las­sen. Ei­ne selt­sa­me Iro­nie, dass mei­ne Ge­schich­te die Uni­ver­si­tät mehr er­schreck­te als die Li­ta­nei der Eh­ren­mor­de und des Miss­brauch von Frau­en in gros­sem Mass­stab in so vie­len Tei­len der is­la­mi­schen Welt.

Das ist ei­ne Welt, die auf den Kopf ge­stellt ist. Ei­ne gu­te Bil­dung setzt ei­nen frei­en und of­fe­nen Gedanken- und Ide­en­aus­tausch auf der Ba­sis von Ver­nunft und se­riö­sen Pri­mär­quel­len vor­aus. Des­halb ist die Ar­beit des Ame­ri­can Coun­cil of Trus­tees und Alum­ni so wich­tig: Er ruft klar nach der Frei­heit, die an­spruchs­vol­len Fra­gen un­se­rer Zeit zu dis­ku­tie­ren und zu stu­die­ren.

Da­mit ver­tei­digt ACTA die wich­tigs­ten Grund­sät­ze des Wes­tens, die für zu­künf­ti­ge Stu­den­ten die bes­te Hoff­nung bie­ten. Es ist mit sol­chen Prin­zi­pi­en, dass Frau­en die Gleich­heit ge­win­nen, die ihr Ge­burts­recht sein soll­te, und dass die Zi­vi­li­sa­ti­on sich wei­ter­ent­wi­ckelt.


Fuss­no­ten

[1] Eri­ka Kre­e­ger, “The White Civ’s bur­den,” Stan­ford Dai­ly, Fe­bru­ary 22, 2016, .
[2] Ger­hard Bö­we­ring, “Mu­ham­mad,” in The Prince­ton En­cy­clo­pe­dia of Is­la­mic Po­li­ti­cal Thought, ed. Ger­hard Bö­we­ring (Prince­ton, NJ: Prince­ton Uni­ver­si­ty Press, 2013), 367 – 375.
[3] Ro­xan­ne Eu­ben and Mu­ham­mad Qa­sim Za­man, Prince­ton Rea­dings in Is­la­mist Thought: Texts and Con­texts from al-​Banna to Bin La­den (Prince­ton, NJ: Prince­ton Uni­ver­si­ty Press, 2009); and Ro­el Mei­jer, “In­tro­duc­tion” in Glo­bal Sala­fism: Islam’s New Re­li­gious Mo­ve­ment (New York, NY: Ox­ford Uni­ver­si­ty Press, 2009), 1 – 32.
[4] Frank Gard­ner, “Saudi’s slea­zy un­der­world,” BBC, No­vem­ber 20, 2001; Sta­te of Hu­man Rights 2015: Wo­men (La­ho­re, Pa­ki­stan: Hu­man Rights Com­mis­si­on of Pa­ki­stan, 2016), 1 – 18, ; and Gol­naz Es­fan­dia­ri, “Vio­lence Against Wo­men — In Iran, Ab­u­se is Part of the Cul­tu­re,” Ra­dio­Li­ber­ty, No­vem­ber 25, 2003.
[5] See “Sau­di Ara­bia,” U.S. De­part­ment of Sta­te, March 6, 2007, U.S. De­part­ment of Sta­te; and Pre­ca­rious Jus­ti­ce: Ar­bi­tra­ry De­tenti­on and Un­fair Tri­als in the De­fi­ci­ent Cri­mi­nal Jus­ti­ce Sys­tem of Sau­di Ara­bia (New York, NY: Hu­man Rights Watch, 2008).
[6] Mo­ham­med Jam­joom, “Top Sau­di cle­ric: OK for young girls towed,” CNN, Ja­nu­ary 17, 2009.
[7] Raf San­chez, “Ira­ni­an fe­ma­le foot­ball star ban­ned from tra­vel­ling by hus­band,” The Te­le­graph, Sep­tem­ber 16, 2015.
[8] Hen­g­a­meh Gha­zan­fa­ri, “Ru­les go­ver­ning child cus­to­dy in Ira­ni­an le­gis­la­ti­on” in The So­ver­eign­ty of Child­ren in Law, ed. Far­had Ma­le­ki­an and Kers­tin Nord­löf (New­cast­le: Cam­bridge Scho­l­ars Pu­bli­shing, 2012).
[9] Sar­dar Si­kan­der and Aroo­sa Shau­kat, “‘Gent­le bea­ting’ of wi­fe is no vio­lence, says CII chief,” Ex­press Tri­bu­ne, May 27, 2016.
[10] Ru­dolph Pe­ters, “Is­la­mic cri­mi­nal law to­day” in Crime and Pu­nish­ment in Is­la­mic Law: Theo­ry and Prac­tice from the Six­te­enth to the Twenty-​First Cen­tu­ry (The­mes in Is­la­mic Law) (Cam­bridge, UK: Cam­bridge Uni­ver­si­ty Press, 2005), 142 – 185; and El­ham Ma­nea, Wo­men and Shari’a Law: The Im­pact of Le­gal Plu­ra­lism in the UK (I.B. Tau­ris, 2016).
[11] Ce­li­na Ticoll-​Ramirez, “‘De­con­struc­ting Mas­cu­lin­i­ty’: Du­ke Men’s Pro­ject aims to fa­ci­li­ta­te dis­cus­sions of ma­le pri­vi­le­ge and pa­tri­ar­chy,” The Chro­ni­cle, Sep­tem­ber 26, 2016.

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  1. Stoff für’s Hirn | abseits vom mainstream - heplev

    […] (Po­li­ti­sches aus der Schweiz): – Ay­a­an Hirsi Ali: Was die Zu­kunft für mus­li­mi­sche Frau­en be­reit hält – War­um Sie San Re­mo ken­nen […]

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