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Al-​Quds-​Tag: We­hen­de Hisbollah-​Flaggen in Lon­don und Her­aus­for­de­run­gen für Bür­ger­meis­ter Sa­diq Khan

Noor Dah­ri, 16.6.2017, The Times of Israel

Noor Dah­ri, Nah­ost­ex­per­te, Gross­bri­tan­ni­en. Twit­ter: dahrinoor2

Ich er­in­ne­re mich dar­an, als ich den Al-​Quds-​Tag in Pa­ki­stan und in Lon­don be­such­te, Hamas-​Flaggen schwenk­te und „Tod Is­ra­el” sang, und „Free, Free Pa­lesti­ne”. Ich hat­te da­mals kei­ne Ah­nung, dass ich heu­te ne­ben Is­ra­el und dem jü­di­schen Volk ste­hen und jetzt „Am Is­ra­el Chai” sin­gen wür­de. Das scheint ein echt sü­ßer Traum zu sein. Da­mals stell­te ich mich zu Lü­gen, Hass, Ras­sis­mus und An­ti­se­mi­tis­mus, doch jetzt ste­he ich zu Wahr­heit, leuch­ten­dem Be­weis, ge­gen Ras­sis­mus und Antisemitismus.

Men­schen vor al­lem in der mus­li­mi­schen Ge­mein­schaft wis­sen nicht, was der Al-​Quds-​Dag ist. Es ist ein Tag, der von Iran und der His­bol­lah be­gon­nen wur­de, um ih­ren Hass und Ras­sis­mus ge­gen den Staat Is­ra­el und die jü­di­sche Ge­mein­de in der Welt zu adres­sie­ren. Die­ser Tag hat nichts mit sun­ni­ti­schen und ara­bi­schen Län­dern zu tun, da er von Iran ge­prägt ist, nach­dem er ein so ge­nann­tes is­la­mi­sches Ré­gime ge­schaf­fen hat.

Die bri­ti­sche mus­li­mi­sche Ge­mein­de, die Al Quds die letz­ten zwan­zig Jah­re or­ga­ni­siert und ge­fei­ert hat, hat, so­weit ich weiß, ab­so­lut kei­ne Ah­nung von der Ideo­lo­gie hin­ter den Mär­schen an die­sem Tag. Der Al-​Quds-​Tag wur­de 1979 von Irans höchs­tem Füh­rer Aya­tol­lah Kho­mei­ni ein­ge­weiht, um ge­gen die Exis­tenz des Staa­tes Is­ra­el zu pro­tes­tie­ren. Seit­her mar­schie­ren Mus­li­me, vor al­lem Süd­asia­ten, Sun­ni­ten und Schii­ten, zu­sam­men, um den Zorn und den Ras­sis­mus ge­gen den le­gi­ti­men und le­ga­len Staat Is­ra­el zu zei­gen. Die­ser Tag fin­det je­weils am letz­ten Sonn­tag des Mo­nats Ra­ma­dan statt, wie ihn das ira­ni­sche Ré­gime or­ga­ni­siert hat.

Über­ra­schen­der­wei­se ge­hö­ren auch die nicht­mus­li­mi­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen Groß­bri­tan­ni­ens zu den Or­ga­ni­sa­to­ren die­ses Mar­sches und vie­le An­hän­ger von Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen be­su­chen den Pro­test. Das ist nicht et­wa, weil sie Mus­li­me un­ter­stüt­zen, son­dern weil sie das jü­di­sche Volk und ihr ein­zi­ges Land Is­ra­el has­sen. Sie ver­ges­sen, dass die­ser Tag in dem Land ein­ge­führt wur­de, in dem sie in Frie­den und Frei­heit le­ben, um ih­re vol­len Men­schen­rech­te aus­zu­drü­cken, von de­nen, die auch ih­ren Tod und ih­re Zer­stö­rung wollen.

Die An­we­sen­heit von Hisbollah-​Anhängern ist ein Zei­chen des Ter­ro­ris­mus in Groß­bri­tan­ni­en. Die His­bol­lah ist ei­ne der ter­ro­ris­ti­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen in Groß­bri­tan­ni­en nebst ISIS, Al-​Qaida und Ha­mas. Den­noch fei­ern die Men­schen in den west­li­chen Län­dern die His­bol­lah und die Hamas-​Tage (Al-​Quds), oh­ne zu be­mer­ken, dass es kei­nen Un­ter­schied gibt zwi­schen ISIS, Al-​Qaida, der His­bol­lah und der Ha­mas. Die Re­gel zur De­fi­ni­ti­on ter­ro­ris­ti­scher Or­ga­ni­sa­tio­nen un­ter­schei­det nicht zwi­schen ih­nen, al­so war­um soll­ten wir? Denn wir sind blind im Hass auf das jü­di­sche Volk und ver­ges­sen, wen wir unterstützen.

Wie wür­den Sie sich füh­len, wenn je­mand ei­ne Flag­ge von ISIS an ei­ner De­mons­tra­ti­on oder an ei­nem Marsch in den Stra­ßen von Lon­don schwen­ken würde?

Of­fen­sicht­lich wür­de es ein Cha­os un­ter der bri­ti­schen Be­völ­ke­rung pro­du­zie­ren und es wür­de ei­ne Pa­nik­si­tua­ti­on in den bri­ti­schen Me­di­en er­zeu­gen und es wür­de den bri­ti­schen Si­cher­heits­dienst alar­mie­ren. Al­ler­dings stört das Schwen­ken Hamas- oder der Hisbollah-​Flaggen kei­nen von ih­nen, weil sie ge­gen den Staat Is­ra­el und ge­gen das jü­di­sche Volk auf der gan­zen Welt ge­schwenkt werden?

Die His­bol­lah und die Ha­mas sind ter­ro­ris­ti­sche Or­ga­ni­sa­tio­nen im Rah­men von Sche­ma 2 des Ter­ro­ris­mus­ge­set­zes aus dem Jah­re 2000. Nach dem Ter­ro­ris­mus­ge­setz ist es ei­ne Straf­tat, wenn je­mand den Ter­ro­ris­mus för­dert (ein­schließ­lich der rechts­wid­ri­gen Ver­herr­li­chung des Ter­ro­ris­mus). Al­so, in die­sem Fall fällt das We­hen las­sen der Fah­nen der er­klär­ten ter­ro­ris­ti­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen in den Stra­ßen von Lon­don un­ter die De­fi­ni­ti­on der rechts­wid­ri­gen Ver­herr­li­chung des Ter­ro­ris­mus, und die Ein­zel­per­so­nen, die die Straf­tat be­ge­hen, müs­sen von den bri­ti­schen Si­cher­heits­ab­tei­lun­gen nach dem Ge­setz ge­gen Ter­ro­ris­mus von 2000 be­han­delt wer­den. Die Ha­mas wur­de im Rah­men des Ter­ro­ris­mus­ge­set­zes 2000 im Jahr 2001 zur Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on er­klärt und die His­bol­lah 2001 und 2008.

Aber es gibt ei­ne Lü­cke in der bri­ti­schen Ge­setz­ge­bung, die Ver­wir­rung bei den Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den schafft in Be­zug dar­auf, wie zu re­agie­ren ist, wenn je­mand die Flag­ge der Ter­ro­ris­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen in Groß­bri­tan­ni­en schwenkt. Es ist schwer, be­treffs sei­ner Tat vor Ge­richt zu be­wei­sen, ob er ein Un­ter­stüt­zer, ein Sym­pa­thi­sant oder ein ak­ti­ves Mit­glied der iden­ti­fi­zier­ten ter­ro­ris­ti­schen Or­ga­ni­sa­ti­on ist. Hier wer­den zwei ver­schie­de­ne De­fi­ni­tio­nen des Wehen-​lassens von Ter­ro­ris­ten­flag­gen erwähnt.

  1. Ge­mäss dem Pu­blic Or­der Act von 1986, der in Eng­land und Wales gilt, ist je­mand schul­dig, „Be­läs­ti­gung, Angst oder Not” zu ver­ur­sa­chen, wenn er „je­de Schrift, Zei­chen oder ei­ne an­de­re sicht­ba­re Dar­stel­lung zur Schau stellt, die be­droh­lich oder be­läs­ti­gend wir­ken kann für ei­ne Per­son, die da­durch sich be­läs­tigt, ver­ängs­tigt fühlt oder in Not ge­bracht wer­den kann.”
  2. Ge­mäss dem Ter­ro­rism Act von 2000 be­geht ei­ne Per­son in der Öf­fent­lich­keit ei­ne Straf­tat, wenn sie (a) ein Klei­dungs­stück trägt oder b) ei­nen Ar­ti­kel trägt, mit­führt oder zur Schau stellt in ei­ner sol­chen Wei­se oder un­ter sol­chen Um­stän­den, dass ein ver­nünf­ti­ger Ver­dacht er­weckt wird, dass sie Mit­glied oder Un­ter­stüt­zer ei­ner ver­bo­te­nen Or­ga­ni­sa­ti­on ist. ”

 

Die Hisbollah-​Organisation ist seit 2001 ver­bo­ten. Die­se Straf­tat, wenn sie nach dem Ter­ro­ris­mus­ge­setz 2000 als schul­dig be­fun­den wird, ist mit Stra­fe von bis zu sechs Mo­na­ten Ge­fäng­nis und Geld­stra­fe belegt.

In der Tat hat der Lon­do­ner Bür­ger­meis­ter kei­ne Au­to­ri­tät oder Macht, den Al-​Quds-​Protest zu stop­pen, weil er un­ter die eu­ro­päi­sche Kon­ven­ti­on der Men­schen­rech­te von 1952, Ar­ti­kel 10, die Mei­nungs­äu­ße­rungs­frei­heit so­wie Ar­ti­kel 11, die Ver­samm­lungs­frei­heit fällt.

Ar­ti­kel 10 der Eu­ro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on bie­tet das Recht auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung und In­for­ma­ti­on, vor­be­hält­lich be­stimm­ter Be­schrän­kun­gen, die „in Über­ein­stim­mung mit dem Ge­setz” und „in ei­ner de­mo­kra­ti­schen Ge­sell­schaft not­wen­dig” sind. Die­ses Recht schließt die Frei­heit ein, Mei­nun­gen zu ha­ben und In­for­ma­tio­nen und Ide­en zu emp­fan­gen und zu vermitteln.

Ar­ti­kel 11 der Eu­ro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on schützt das Recht auf Versammlungs- und Ver­ei­ni­gungs­frei­heit, ein­schließ­lich des Rechts auf Bil­dung von Ge­werk­schaf­ten, vor­be­hält­lich be­stimm­ter Be­schrän­kun­gen, die „in Über­ein­stim­mung mit dem Ge­setz” und „in ei­ner de­mo­kra­ti­schen Ge­sell­schaft not­wen­dig” sind.

Nach die­sen Men­schen­rechts­ge­set­zen, wie auch in Groß­bri­tan­ni­en, ist es für je­de Au­to­ri­tät schwer, ein Ver­bot ge­gen sol­che Mär­sche zu ver­hän­gen, und es über­schrei­tet die Be­fug­nis­se des Bür­ger­meis­ters von Lon­don, hin­zu­ge­hen und Sank­tio­nen ge­gen den Pro­test zu ver­hän­gen, ob es der ge­gen­wär­ti­ge Bür­ger­meis­ter ist, Sa­diq Khan oder Bo­ris John­son oder ir­gend­ein zu­künf­ti­ger jü­di­scher Bür­ger­meis­ter. Doch es ist ei­ne Haupt­ver­ant­wor­tung für das Amt des Bür­ger­meis­ters und der Lon­do­ner Me­tro­po­li­tan Po­li­ce, si­cher­zu­stel­len, dass Flag­gen von Ter­ror­or­ga­ni­sa­tio­nen nicht in den Stra­ßen von Lon­don ge­schwenkt wer­den, weil die Aus­wir­kun­gen von we­hen­den Fah­nen von ter­ro­ris­ti­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen in­ten­siv wä­ren und es de­fi­ni­tiv Ex­tre­mis­mus und Ras­sis­mus ge­gen be­stimm­te Ge­mein­schaf­ten und ein be­stimm­tes Land er­zeu­gen würde.

Bür­ger­meis­ter Sa­diq Kahn ar­bei­tet hart mit der jü­di­schen Ge­mein­de zu­sam­men und ver­si­chert, dass je­der Akt des An­ti­se­mi­tis­mus nicht von ihm be­grüßt, son­dern nach dem Ge­setz be­straft würde.

Und doch wür­de das Schwen­ken von Hamas- und Hisbollah-​Flaggen in sei­nem Macht­be­reich ei­ne ne­ga­ti­ve Bot­schaft an die Lon­do­ner jü­di­sche Ge­mein­de schicken.

Die­ser Akt wird si­cher­lich die po­si­ti­ven Be­mü­hun­gen von Sa­diq Khan schä­di­gen und das jü­di­sche Ver­trau­en zu ihm zer­bre­chen. Des­halb ist dies ei­ne her­vor­ra­gen­de Ge­le­gen­heit für den Bür­ger­meis­ter von Lon­don, Sa­diq Khan, sich zu be­wei­sen so­wie dass die An­ge­le­gen­hei­ten der jü­di­schen Ge­mein­de in Eng­land und ih­re An­lie­gen ihm wich­tig sind und ernst ge­nom­men werden.

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