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Wur­zeln der Sou­ve­rä­ni­tät und Gren­zen von Is­ra­el im in­ter­na­tio­na­len Recht: Ver­tei­di­gung des Levy-​Reports

Wal­lace Brand, 18.4.2013, Think-Israel.org

Ein­füh­rung

Der Ent­scheid, ob Ara­ber oder Ju­den die Sou­ve­rä­ni­tät ha­ben über ganz Pa­läs­ti­na west­lich des Jor­dans un­ter Völ­ker­recht ist res ju­di­ca­ta, Ju­ris­ten­spra­che für „das Pro­blem ist be­reits ent­schie­den”.

Im Fol­gen­den er­klä­ren wir, wer die Rich­ter wa­ren, was ih­nen Zu­stän­dig­keit oder Be­fug­nis gab, die Ent­schei­dung zu tref­fen, wann die kon­kur­rie­ren­den An­sprü­che dar­ge­legt wur­den und wann auf sie re­agiert wur­de, wie die Rich­ter ih­re Ent­schei­dung mit­ge­teilt, und war­um die Ent­schei­dung in ei­nem zwei-​Schritt-​Verfahren be­stand, zu­nächst ei­ner jü­di­schen Heim­stät­te und dann ei­nem jü­di­schen Staat.

Der jüngs­te Levy-​Bericht ist Teil ei­ner Rei­he von Rechts­gut­ach­ten von meh­re­ren Per­so­nen, die je­weils un­ab­hän­gig von­ein­an­der zum sel­ben Er­geb­nis ka­men. Zu die­sem Schluss kam das Welt­ju­den­tum um 1920, dass es ei­ne jü­di­sche Heim­stät­te in ganz Pa­läs­ti­na ha­be, oder seit 1922 zu­min­dest in dem Teil Pa­läs­ti­nas west­lich des Jor­dans. Die na­tio­na­le Heim­stät­te hat­te im­mer die Ab­sicht, ein Vor­spiel zu ei­nem wie­der­her­ge­stell­ten jü­di­schen Staat in Pa­läs­ti­na zu sein. Es war ein Teil des Man­dats­sys­tem des Völ­ker­bun­des, vor­ge­se­hen in ih­rer Char­ta, Ar­ti­kel 22. Die­se man­da­tier­ten Be­rei­che wur­den vie­le Jah­re lang aus der Fer­ne ver­wal­tet, und soll­ten von eta­blier­ten Staa­ten Hil­fe be­kom­men, zu au­to­no­men Staa­ten zu wer­den, so­bald sie be­reit da­für wä­ren. Das Man­dat für Pa­läs­ti­na hat­te an­de­re Stan­dards für die Ei­gen­staat­lich­keit. Es soll­te ein wie­der­her­ge­stell­ter, trag­fä­hi­ger jü­di­scher Staat Is­ra­el wer­den, wenn er die ur­sprüng­li­chen Stan­dards er­fül­len wür­de, das heißt, ei­ne Mehr­heit an jü­di­scher Be­völ­ke­rung zu er­rei­chen in der Re­gi­on, so­wie die Fä­hig­keit, ei­ge­ne Sou­ve­rä­ni­tät aus­zu­üben wie je­der mo­der­ne eu­ro­päi­sche Staat. 

Neu­es­ter Levy-​Bericht dar­über, ob Sied­lun­gen in Ju­däa, Sa­ma­ria und Ost-​Jerusalem il­le­gal sind

Ich be­gann mei­ne ei­ge­nen Un­ter­su­chun­gen und Ana­ly­sen vor ei­ni­gen Jah­ren. Sie be­gan­nen vor der jüngs­ten Ver­öf­fent­li­chung des Be­richts der Levy-​Kommission [1], dass die jü­di­schen Sied­lun­gen in Ju­däa und Sa­ma­ria nicht il­le­gal sind, da Ar­ti­kel 49 der 4. Gen­fer Kon­ven­ti­on [2] über das Ver­bot der „Ver­trei­bung oder Um­sied­lung” ei­ge­ner Bür­ger auf Ent­schei­dun­gen ein­zel­ner Bür­ger Is­ra­els, ih­ren Wohn­sitz zu wech­seln, nicht an­wend­bar ist. Dies zu er­lau­ben oder so­gar den Um­zug zu Er­leich­tern war nicht die­se ver­bo­te­ne Aus­übung der Staats­macht. Der Levy-​Bericht stell­te fest, dass die 4. Gen­fer Kon­ven­ti­on aus­schliess­lich auf die Aus­übung der Staats­macht ge­rich­tet ist. Der Be­richt hielt auch fest, dass der An­spruch Is­ra­els auf den Be­sitz der po­li­ti­schen Rech­te auf die­ses Ge­biet auf der Grund­la­ge der San Re­mo Re­so­lu­ti­on von 1920 und des bri­ti­schen Man­dats für Pa­läs­ti­na von 1922 ein gu­ter An­spruch war [3], da die San Re­mo Ent­schei­dung die Balfour-​Erklärung der bri­ti­schen Po­li­tik von 1917 über­nom­men hat­te [4], mit dem Er­geb­nis, dass sie nun zu Völ­ker­recht ge­wor­den war. Das Völkerbund-​Mandat von 1922 für Pa­läs­ti­na [5] be­stä­tigt die San Re­mo Ver­ein­ba­rung als Quel­le der jü­di­schen po­li­ti­schen und na­tio­na­len Rech­te in Pa­läs­ti­na, wo­bei der neue Ar­ti­kel 25 die jü­di­sche Be­sied­lung auf dem Ge­biet öst­lich des Jor­dans ein­schrän­ken soll­te.

An­de­re Mei­nun­gen mit dem glei­chen Er­geb­nis

Im Zu­ge mei­ner ei­ge­nen Nach­for­schun­gen ha­be ich ge­lernt, dass Dr. Jac­ques Gaut­hi­er vor mir ei­ne mo­nu­men­ta­le 1400 Sei­ten um­fas­sen­de Dok­tor­ar­beit zu­sam­men­ge­stellt hat­te [6]. Die Ar­beit von Dr. Gaut­hi­er wur­de er­gänzt durch ei­nen ju­ris­ti­schen Wäl­zer von 732 Sei­ten,  ge­schrie­ben von Howard Grief, ei­nem ka­na­di­schen An­walt, heu­te wohn­haft in Is­ra­el [7]. Auf Griefs Buch folg­te das ei­nes Nicht-​Anwalts, Mr. Sa­lo­mon Ben­zim­ra aus To­ron­to, der in ei­ner viel kür­ze­ren und bes­ser les­ba­ren Ar­beit – mit nütz­li­chen Land­kar­ten – die tat­säch­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die ju­ris­ti­schen Schluss­fol­ge­run­gen von Gaut­hi­er und Trau­er dar­leg­te. Sein Buch wur­de von Ama­zon auf Kind­le im No­vem­ber 2011 ver­öf­fent­licht [8]. Mei­ne ei­ge­ne An­sicht wur­de ur­sprüng­lich auf ei­nem Blog ver­öf­fent­licht – auf Think-Israel.org – und da­nach, mit mehr Do­ku­men­ta­ti­on, in ei­nem zwei­tei­li­gen op ed in ei­ner kon­ser­va­ti­ven Zei­tung, die in Is­ra­el als Arutz She­va be­kannt ist. [9]

Mei­nem ju­ris­ti­schen Gut­ach­ten folg­te das Gut­ach­ten von Dr. Cyn­thia Wal­lace, [10], das von ei­ner christlich-​evangelikalen Grup­pe in Auf­trag ge­ge­ben wur­de. Schliess­lich ent­hielt ein kürz­lich ver­öf­fent­lich­ter Be­richt der Levy-​Kommission, au­to­ri­siert vom ak­tu­el­len is­rae­li­schen Pre­mier­mi­nis­ter [eng­li­sche Über­set­zung der recht­li­chen Ar­gu­men­te im Levy-​Bericht (ak­tua­li­siert) [11] die Rechts­gut­ach­ten drei­er re­nom­mier­ter is­rae­li­schen Ju­ris­ten. Ei­ner war Rich­ter Ed­mund Le­vy, ein ehe­ma­li­ger Rich­ter am Obers­ten Ge­richts­hof Is­ra­els. Die­se Ju­ris­ten lie­fer­ten, zum ers­ten Mal, ei­ne Stel­lung­nah­me zum Sta­tus von Ju­däa, Sa­ma­ria und Ost-​Jerusalem, die nicht von ei­ner Lin­ken is­rae­li­schen Labour-​Regierung do­mi­niert wur­de.

Al­le die­se Mei­nun­gen ha­ben nur ge­rin­ge Dif­fe­ren­zen und kom­men zum sel­ben Er­geb­nis – das Welt­ju­den­tum ist In­ha­ber der po­li­ti­schen oder na­tio­na­len Rech­te in ganz Pa­läs­ti­na west­lich des Jor­dan, und mög­li­cher­wei­se auch ei­nes Teils öst­lich des Jor­dans. Rechts­gut­ach­ten mit dem glei­chen Er­geb­nis ge­hen, so­weit ich weiss, min­des­tens ins Jahr 1993 [12] zu­rück, wes­halb man nicht sa­gen kann, es hand­le sich nur um ei­ne jün­ge­re, po­li­tisch in­spi­rier­te Kon­struk­ti­on, wie ei­ni­ge sei­ner Kri­ti­ker be­haup­ten. Sie­he ins­be­son­de­re „Is­ra­els Rech­te auf Sa­ma­ria” [13] und die aus­ge­zeich­ne­ten Ar­ti­kel von Dou­glas Feith und El­liott A. Green [14]. Feith war spä­ter ver­tei­di­gungs­po­li­ti­scher Staats­se­kre­tär un­ter Rums­feld in der Ad­mi­nis­tra­ti­on von Ge­or­ge W. Bush; El­liott Green ist ein is­rae­li­scher For­scher. Die Kri­ti­ker die­ser An­sicht ha­ben ad ho­mi­nem re­agiert, aber nur we­ni­ge ha­ben fak­ti­sche oder ju­ris­ti­sche Fra­gen an­ge­spro­chen.

Die wich­tigs­ten Punk­te des Le­vy Be­richts

Im Levy-​Bericht war die ers­te Fra­ge die, ob die jü­di­schen Sied­lun­gen in Ju­däa, Sa­ma­ria und Ost-​Jerusalem, drei Re­gio­nen, die 1948 von der Ara­bi­schen Le­gi­on über­fal­len und il­le­gal be­setzt wur­den bis 1967, rechts­wid­rig sei­en. Die An­walt der Labour-​Regierung, Theo­dor Me­ron [15], hat­te vor­ge­schla­gen, das an­zu­wen­den­de Recht sei das Recht der „krie­ge­ri­schen Be­sat­zung.” Mi­li­tär­be­sat­zung er­folgt, wenn ein krieg­füh­ren­der Staat in das Ho­heits­ge­biet ei­nes an­de­ren sou­ve­rä­nen Staa­tes ein­dringt mit dem Ziel, das Ter­ri­to­ri­um zu­min­dest vor­über­ge­hend zu hal­ten. Das Ge­setz stützt sich auf Ar­ti­kel 43 des 4. Haa­ger Ab­kom­men von 1907, der da­von aus­geht, dass das be­setz­te Land ei­ne le­gi­ti­me staat­li­che Sou­ve­rä­ni­tät be­sitzt. Es ist nicht an­wend­bar, da Jor­da­ni­en es nach ei­ner ag­gres­si­ven In­va­si­on im Jahr 1948 il­le­gal be­setz­te. Ein wei­te­rer Rechts­an­walt der La­bour Par­ty, Ta­lia Sas­son, be­haup­te­te eben­falls, die Be­set­zung sei il­le­gal [16], auch er nahm krie­ge­ri­sche Be­set­zung an und kri­ti­sier­te die Sied­lun­gen. Aber selbst wenn krie­ge­ri­sche Be­sat­zung als an­wend­bar be­trach­tet wür­de, muss ge­zeigt wer­den, dass nach der Gen­fer Kon­ven­ti­on der Staat Is­ra­el Sied­ler „de­por­tiert oder um­ge­sie­delt” hat. Die­se „Sied­ler” [17] wa­ren Per­so­nen, die auf ei­ge­ne Faust be­schlos­sen hat­ten, aus wirt­schaft­li­chen oder re­li­giö­sen Grün­den an ei­nen neu­en Ort um­zu­zie­hen, um aus­ser­halb der Waffenstillstands-„Grünen Li­nie” von 1949 zu le­ben. Ei­ni­ge von ih­nen wur­den Neu-​Siedler, die nur nach Hau­se zu­rück­keh­ren woll­ten – nach­dem ih­re al­te Hei­mat be­freit war. Ih­re Häu­ser wa­ren an ei­nem Ort, der il­le­gal von Jor­da­ni­en be­setzt und sie sel­ber von Jor­da­ni­en im Jahr 1948 oder spä­ter ver­trie­ben wor­den. Sie wur­den ein­deu­tig nicht von Is­ra­el „de­por­tiert” und wenn sie auf ih­re ei­ge­ne Mo­ti­va­ti­on hin um­zo­gen, um wie­der nach Hau­se zu ge­hen, so hat sie kein Staat „um­ge­sie­delt”. Sie sind ganz ein­fach aus ih­ren ur­ei­gens­ten Mo­ti­ven um­ge­zo­gen.

Der Be­griff „Um­sied­lung” muss ver­zerrt wer­den, um auf ei­ne Be­we­gung die­ser Art, für die er ein­fach nicht ge­dacht ist, ver­wen­det zu wer­den. Die 4. Gen­fer Kon­ven­ti­on ist auf staat­li­ches Han­deln ge­rich­tet, nicht auf die Hand­lung des Ein­zel­nen. Die frü­he­ren Stel­lung­nah­men der Rechts­be­ra­ter der Labour-​Regierung nahm ei­ne Kon­ven­ti­on, die an Staa­ten ge­rich­tet war und ver­such­te, sie durch die Fest­stel­lung auf Ein­zel­ne an­zu­wen­den, dass es be­deu­te­te, dass der Staat Is­ra­el sei­nen Bür­gern sei­nen Wil­len auf­zwang, in­dem er sie nicht mehr dort sie­deln liess, wo sie woll­ten, ob­wohl ei­ne sol­che Ak­ti­on die All­ge­mei­ne Er­klä­rung der Men­schen­rech­te, Ar­ti­kel 13 und 15 (2) ver­let­zen wür­de. [18] Ei­ner der Au­to­ren des Levy-​Bericht hat­te im Jahr 2011 über die Ver­zer­rung des Wor­tes „Um­sied­lung” ge­schrie­ben. [19]

Nach der Fest­stel­lung, dass die Gen­fer Kon­ven­ti­on nicht an­wend­bar ist, un­ter­such­te die Levy-​Kommission, wel­cher Staat die Sou­ve­rä­ni­tät über das Ge­biet hat, das von der Ara­bi­schen Le­gi­on im Jah­re 1948 er­obert wor­den war [20].

Im Jahr 1948 fiel die Ara­bi­sche Le­gi­on, han­delnd als die Ar­mee von Trans­jor­da­ni­en, das spä­ter in den Na­tio­nal­staat Jor­da­ni­en über­ging, in die Ge­gend ein, die von der bri­ti­schen Man­dats­re­gie­rung in Pa­läs­ti­na als Treu­hän­der un­ter dem Man­dat für Pa­läs­ti­na ver­wal­tet wor­den war. Das war kurz nach­dem das Man­dat, oder die Treu­hand­schaft, von sei­nem Treu­hän­der, Gross­bri­tan­ni­en, auf­ge­ge­ben wor­den war. Is­ra­el hat­te sei­ne Un­ab­hän­gig­keit ver­kün­det und herrsch­te, als wie­der­her­ge­stell­ter Staat Is­ra­el, wie es in der Re­so­lu­ti­on 181 der UNO-​Vollversammlung emp­foh­len wor­den war [21]

Die ara­bi­sche Le­gi­on war ei­ne Ar­mee, die im We­sent­li­chen aus ara­bi­schen trans­jor­da­ni­schen Sol­da­ten be­stand, doch wur­den sie von den Bri­ten mit Waf­fen ver­sorgt und durch bri­ti­sche Of­fi­zie­re un­ter dem Kom­man­do des bri­ti­schen Ge­ne­rals Glubb, (Glubb Pa­sha) ge­führt, ob­wohl Gross­bri­tan­ni­en, die USA und vie­le an­de­re Län­der ein Waf­fen­em­bar­go ge­gen Is­ra­el in Kraft hat­ten. Un­ge­fähr 19 Jah­re lang, von 1948 bis 1967, hielt Jor­da­ni­en il­le­gal be­setzt, was Ju­däa, Sa­ma­ria und Ost-​Jerusalem ge­we­sen war. Un­ter jor­da­ni­scher Herr­schaft wur­den al­le 58 Syn­ago­gen in der Ge­gend zer­stört; et­wa 38’000 Grab­stei­ne ​​des jü­di­schen Fried­hofs auf dem Öl­berg wa­ren zer­schla­gen oder be­schä­digt wor­den; al­le Ju­den wur­den aus dem an­ge­eig­ne­ten Ge­biet ver­trie­ben. Jor­da­ni­ens Ver­spre­chun­gen im Waf­fen­still­stands­ab­kom­men von 1948, Chris­ten und Ju­den den Be­such ih­rer hei­li­gen Stät­ten zu er­mög­li­chen, wur­den nicht ein­ge­hal­ten. Als die is­rae­li­sche Ar­mee 1967 die West­mau­er des Tem­pel­bergs er­reich­te, fand sie ei­ne an die­se an­ge­bau­te La­tri­ne vor.

Wäh­rend die An­wäl­te der ehe­ma­li­gen lin­ken Labour-​Regierung nach 1967 da­von aus­gin­gen, dass Is­ra­el das Ge­biet nach dem Ge­setz der krie­ge­ri­schen Be­set­zung hielt, ist es schwer zu ver­ste­hen, wie sie zu die­sem Schluss ge­kom­men wa­ren. Die­se Ge­set­ze gel­ten nur für die Be­sat­zung ge­gen ei­nen recht­mäs­si­gen Sou­ve­rän in ei­nem krieg­füh­ren­den Ge­biet. Nur zwei Län­der auf der gan­zen Welt, Gross­bri­tan­ni­en und Pa­ki­stan, hat­ten die jor­da­ni­sche Ho­heit über das, was sie in die „West Bank” um­be­nann­ten, an­er­kannt. Al­les jor­da­ni­sche Ge­biet aus der Zeit vor 1948 be­fand sich auf dem Ost­ufer des Jor­dans. Viel­leicht ha­ben sie die von den Is­rae­lis be­frei­ten Ge­bie­te – seit his­to­ri­schen Zei­ten Ju­däa, Sa­ma­ria und Ost­je­ru­sa­lem ge­nannt – in „die West­bank” um­be­nannt, weil es blöd aus­se­hen wür­de, zu be­haup­ten, dass die Ju­den Ju­däa il­le­gal be­set­zen. (Hut ab vor Pro­fes­sor Ste­ven Plaut)

Die San-​Remo-​Resolution

Is­ra­els Wur­zeln im in­ter­na­tio­na­len Recht be­gin­nen in der Re­so­lu­ti­on von San Re­mo von 1920 und nicht, wie die meis­ten an­neh­men, in der Re­so­lu­ti­on der UNO-​Generalversammlung von 1947. Es war die letz­te­re, die die Tei­lung Pa­läs­ti­nas in ei­nen ara­bi­schen und ei­nen jü­di­schen Staat emp­fiehlt. In die­ser Re­so­lu­ti­on soll­ten Je­ru­sa­lem und die hei­li­gen Stät­ten in der Nä­he se­pa­rat als cor­pus se­pa­ra­tum zu­min­dest zeit­wei­se un­ter Kon­trol­le der UNO ge­hal­ten wer­den. Es war ei­ne Emp­feh­lung, die kei­ne Rechts­wir­kung ent­fal­te­te, weil ei­ne der Par­tei­en, an die sie sich rich­te­te, die Ara­ber, sie ab­lehn­te und in den Krieg zog.

Was ist das Völ­ker­recht

Völ­ker­recht ist durch Ver­trä­ge (auch „Ab­kom­men”) zwi­schen und un­ter den Staa­ten oder durch lang­jäh­ri­ge Ge­wohn­heit ge­schaf­fen. Völ­ker­recht wird nicht von der UNO ge­schaf­fen. Die UNO-​Generalversammlung hat die­se Au­to­ri­tät nicht. Noch hat sie ir­gend ei­ne an­de­re in­ter­na­tio­na­le Ein­heit. Der In­ter­na­tio­na­le Ge­richts­hof ist nicht be­fugt, Völ­ker­recht zu schaf­fen. Dies gilt ins­be­son­de­re, wenn das Völ­ker­recht die Sou­ve­rä­ni­tät über Be­rei­che wie Pa­läs­ti­na an­er­kennt. Dies des­we­gen, weil die UNO-​Charta in Ar­ti­kel 80 sagt, „…dass nichts in die­sem Ka­pi­tel aus sich selbst oder als Fol­ge da­von so aus­ge­legt wer­den darf, in ir­gend­ei­ner Wei­se ir­gend­wel­che Rech­te von Staa­ten oder Völ­kern oder die Be­din­gun­gen der be­stehen­den in­ter­na­tio­na­len In­stru­men­te, bei de­nen Mit­glie­der der Ver­ein­ten Na­tio­nen je­weils Par­tei­en sind, än­dern zu kön­nen. [22]

Sei­ne ge­si­cher­te Form ist auch die Fol­ge der Rechts­leh­ren der „er­wor­be­nen Rech­te” und der „Dul­dung”. Wie von Howard Grief er­klärt „be­deu­tet das Prin­zip der ‚er­wor­be­nen Rech­te’, das, wie auf das jü­di­sche Volk an­ge­wandt, be­deu­tet, dass die Rech­te, die sie er­wor­ben ha­ben, oder die ih­nen zu­er­kannt wur­den, als Pa­läs­ti­na ju­ris­tisch von 52 Na­tio­nen als na­tio­na­le jü­di­sche Heim­stät­te an­er­kannt wur­de, [als Auf­takt zu ei­nem wie­der­her­ge­stell­ten Ju­den­staat,] nicht durch die Be­en­di­gung des Ver­trags oder den Ak­ten des Völ­ker­rechts be­ein­flusst sind, die die Quel­le die­ser Rech­te wa­ren. Die­ses Prin­zip be­stand be­reits, als die anglo-​amerikanische Über­ein­kunft zu En­de ging gleich­zei­tig mit der Be­en­di­gung des Man­dats für Pa­läs­ti­na am 14. und 15. Mai 1948. Es ist seit­dem in Ar­ti­kel 70 (1) (b) des Wie­ner Über­ein­kom­mens von 1969 über das Recht der Ver­trä­ge fest­ge­schrie­ben wor­den. Die­ser Grund­satz des Völ­ker­rechts wür­de gel­ten, auch wenn ei­ne der Ver­trags­par­tei­en es ver­säumt, die ihr auf­er­leg­ten Ver­pflich­tun­gen ein­zu­hal­ten, wie es der Fall war mit der bri­ti­schen Re­gie­rung in Be­zug auf das Man­dat für Pa­läs­ti­na.

Die Um­keh­rung des Grund­sat­zes der er­wor­be­nen Rech­te ist die Leh­re der un­zu­läs­si­gen Rechts­aus­übung, die auch bei der Er­hal­tung jü­di­schen na­tio­na­len Rechts von gros­ser Be­deu­tung ist. Die­se Dok­trin ver­bie­tet je­dem Staat, zu Leug­nen, was er zu­vor zu­ge­las­sen oder in ei­nem Ver­trag oder sons­ti­gen in­ter­na­tio­na­len Ver­ein­ba­rung an­er­kannt hat. In dem Über­ein­kom­men von 1924 er­kann­ten die Ver­ei­nig­ten Staa­ten al­le Rech­te der An­ge­hö­ri­gen des jü­di­schen Vol­kes un­ter dem Man­dat an, ins­be­son­de­re das Recht auf jü­di­sche Sied­lun­gen über­all in Pa­läs­ti­na oder dem Land Is­ra­el. Des­halb ist die US-​Regierung heu­te ju­ris­tisch dar­an ge­hin­dert, den Ju­den in Is­ra­el das Recht, in Ju­däa, Sa­ma­ria und Ga­za Sied­lun­gen zu bau­en, die von der is­rae­li­schen Re­gie­rung zu­ge­las­sen sind, zu ver­wei­gern.” [23]

Ar­ti­kel 80 in der UNO-​Charta, Ka­pi­tel XII, ist es auch, der der UNO die Be­fug­nis gibt, Treu­hand­ge­bie­te ein­zu­rich­ten und zu ver­wal­ten. Das ist re­le­vant, weil Is­ra­el ein­mal ein „Man­dat” war. Die UNO nennt sie „Treu­hand­schaf­ten”. „Man­dat” ist das, was der Völ­ker­bund, der Vor­gän­ger der UNO ei­ne Re­gi­on in Treu­hand­schaft zu ver­set­zen nann­te, bis sie fä­hig zur Selbst­ver­wal­tung war. Die An­er­ken­nung die­ser po­li­ti­schen oder na­tio­na­len Rech­te wur­de von Ju­den si­cher­ge­stellt, die be­sorgt wa­ren über die Rech­te un­ter dem bri­ti­schen Man­dat für Pa­läs­ti­na, als die UNO die Au­to­ri­tät er­hielt, sich um die Treu­hand­schaf­ten zu küm­mern, da die Man­da­te ei­ne Treu­hand­schaft im Na­men des Völ­ker­bun­des wa­ren. [24]

Die Pa­ri­ser Frie­dens­ge­sprä­che und die Ent­schei­dung von San Re­mo

Für das Ver­ständ­nis der Über­ein­kunft von San Re­mo müs­sen wir in die Zeit des ers­ten Welt­kriegs zu­rück, als das tür­ki­sche Ot­to­ma­ni­sche Reich in den Krieg ein­trat auf der Sei­te Deutsch­lands. Deutsch­land und die Tür­kei ha­ben den Krieg ver­lo­ren. Sie ak­zep­tier­ten ei­ne Waf­fen­still­stands­ver­ein­ba­rung am 11. No­vem­ber 1918. Als Hal­ter von Ter­ri­to­ri­en nach dem Ge­winn ei­nes Ver­tei­di­gungs­krie­ges wa­ren die haupt­säch­li­chen al­li­ier­ten Kriegs­mäch­te – Das bri­ti­sche Com­mon­wealth, Frank­reich, die USA, Ita­li­en und Ja­pan – un­ter in­ter­na­tio­na­lem Recht lang­jäh­ri­ger Ge­wohn­heit da­zu be­fugt, das Ot­to­ma­ni­sche Reich zu be­set­zen, bis ein Frie­dens­ver­trag un­ter­schrie­ben war, der mit bei­der­sei­ti­gem Ein­ver­ständ­nis die Gren­zen fest­legt. Nach den Pa­ri­ser Frie­dens­ge­sprä­chen, die am 4. Ja­nu­ar 1919 be­gan­nen, ent­schie­den die Sie­ger­mäch­te, ei­ne Welt­re­gie­rung zu eta­blie­ren, um für den Frie­den zu sor­gen, na­mens Völ­ker­bund. Sei­ne Grün­dungs­ur­kun­de oder Char­ter war Teil eins des Ver­sail­ler Ver­tra­ges. Die Teil­neh­mer der Pa­ri­ser Frie­dens­ge­sprä­che schlos­sen die Haupt­kriegs­mäch­te und eu­ro­pä­si­sche An­spruch­stel­ler, die pri­mär an Ge­bie­ten in Eu­ro­pa in­ter­es­siert wa­ren, ein. Doch noch vor En­de des Krie­ges, im No­vem­ber 1917, hat­te die Po­li­tik des Lord Bal­four ei­ne bri­ti­sche Po­li­tik eta­bliert, dass das Welt­ju­den­tum Nutz­nies­ser ei­ner Treu­hand­schaft für die po­li­ti­schen und na­tio­na­len Rech­te auf Pa­läs­ti­na sein soll­te. So­wohl Ara­ber als auch Ju­den, die an Ter­ri­to­ri­en im mitt­le­ren Os­ten in­ter­es­siert wa­ren, wa­ren an den Pa­ri­ser Frie­dens­ge­sprä­chen an­we­send und de­po­nier­ten dort ih­re An­sprü­che.

Die ara­bi­schen An­sprü­che stan­den un­ter der Schirm­herr­schaft Köngs Ibn Huss­ayn, wur­den je­doch prä­sen­tiert von Lau­renz von Ara­bi­en und eben­falls von Ge­or­ge An­to­ni­us. An­to­ni­us brach­te ara­bi­sche und fran­zö­si­sche An­spru­che auf, die im Kon­flikt stan­den mit der Balfour-​Erklärung, be­son­ders An­sprü­che, die auf der Hussayn-​McMahon-​Korrespondenz und dem ge­hei­men Sykes-​Picot-​Abkommen ba­sier­ten. An­to­ni­us hat­te ei­ne sorg­fäl­ti­ge Stu­die dar­über ver­fasst und sei­ne Ar­gu­men­te schie­nen zu Be­ginn sehr über­zeu­gend, dass die Bri­ten das­sel­be Pferd drei­mal ver­kauft hat­ten.

Die zio­nis­ti­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen er­ho­ben den fol­gen­den An­spruch auf ei­nen Pro­zess mit zwei Schrit­ten, in dem das Ter­ri­to­ri­um zu­nächst ei­ne Jü­di­sche Na­tio­na­le Heim­stät­te, und da­nach ein re­kon­sti­tu­ier­ter jü­di­scher Staat wer­den soll­te.

„Pa­läs­ti­na soll un­ter po­li­ti­sche, ad­mi­nis­tra­ti­ve und öko­no­mi­sche Be­din­gun­gen ge­setzt wer­den, die die Eta­blie­rung ei­ner Jü­di­schen Na­tio­na­len Heim­statt und letzt­end­lich die Schaf­fung ei­nes au­to­no­men Ge­mein­we­sens er­mög­li­chen, wo­bei ein kla­res Ein­ver­ständ­nis be­steht, dass nichts ge­sche­hen darf, was die zi­vi­len und re­li­giö­sen Recht vor­han­de­ner nicht-​jüdischer Ge­mein­den in Pa­läs­ti­na ein­schränkt, oder die Rech­te und den po­li­ti­schen Sta­tus von Ju­den in an­de­ren Län­dern. [Her­vor­he­bung hin­zu­ge­fügt]

Für die­ses Ziel soll die treu­hän­de­ri­sche Macht in­ter alia:

Jü­di­sche Im­mi­gra­ti­on und An­sied­lung auf dem Land för­dern, wo­bei die eta­blier­ten Rech­te der an­säs­si­gen nicht-​jüdischen Be­völ­ke­rung si­cher­ge­stellt bleibt.

Die Ko­ope­ra­ti­on in Mass­nah­men wie ei­nem Rat, der re­prä­sen­ta­tiv ist für die Ju­den von Pa­läs­ti­na und der Welt, der für die Ent­wick­lung der Jü­di­schen Na­tio­na­len Heim­statt in Pa­läs­ti­na eta­bliert wird und dem die Or­ga­nia­ti­on Jü­di­scher Aus­bil­dung für sol­chen Rat an­ver­traut wird.

Auf Nach­weis, dass die Schaf­fung sol­chen Ra­tes pri­va­te Vor­teil­nah­me aus­schliesst, dem Rat prio­ri­tär je­de Kon­zes­si­on an­bie­ten, die als sinn­voll er­ach­tet wird für öf­fent­li­che Ar­bei­ten oder für die Ent­wick­lung na­tür­li­cher Res­sour­cen, soll die treu­hän­de­ri­sche Macht die brei­tes­ten For­men von Selbst­ver­wal­tung für Ge­mein­den, wie un­ter den Be­din­gun­gen des Lan­des prak­ti­ka­bel, er­mu­ti­gen und för­dern.

Es wird für im­mer die volls­te Frei­heit der Re­li­gion­aus­übung für al­le Glau­bens­be­kennt­nis­se in Pa­läs­ti­na ge­ben. Es wird kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung un­ter den Ein­woh­nern sein be­züg­lich Bür­ger­schaft und zi­vi­len Rech­ten, we­gen Re­li­gi­on oder Ras­se” [25]

Was die zio­nis­ti­sche Or­ga­ni­sa­ti­on in Pa­ris 1919 for­dert, war es­sen­ti­ell die be­reits ent­schie­de­ne bri­ti­sche Po­li­tik ge­mäss der Balfour-​Erklärung von 1917, die die Haupt­kriegs­mäch­te spä­ter in San Re­mo 1920 an­ge­nom­men hat­ten: Dass die Ju­den es­sen­ti­ell ein Pro­tek­to­rat woll­ten, das let­zend­lich in ei­nen re­kon­sti­tu­ier­ten Staat mün­den wür­de, war all­ge­mein be­kannt, da so­gar die klei­ne jü­di­sche Po­pu­la­ti­on in Pa­läs­ti­na nicht glaub­te, dass sie be­reit sei, die Sou­ve­rä­ni­tät selbst zu über­neh­men. Wie im Vol­taire Net­work be­rich­tet, ei­nem leicht an­ti­se­mi­ti­schen News-​Netzwerk, so war von den drei Din­gen, die das jü­di­sche Volk woll­te, ei­nes „die Eta­blie­rung ei­ner Jü­di­schen Na­tio­na­len Heim­stät­te in Pa­läs­ti­na als Auf­takt zu ei­nem re­kon­sti­tu­ier­ten Jü­di­schen Staat”. [Her­vor­he­bung hin­zu­ge­fügt] [26]

Die Haupt­kriegs­mäch­te wa­ren in der La­ge, ih­re Be­ur­tei­lung durch­zu­füh­ren und ih­re Hand­lun­gen be­züg­lich der An­sprü­che auf eu­ro­pä­si­sche Ter­ri­to­ri­en zu im­ple­men­tie­ren im Ver­lauf der Pa­ri­ser Frie­dens­ge­sprä­che. Die schrift­li­che Ent­schei­dung ist im Teil zwei des Ver­tra­ges von Ver­sailles. Sie muss­ten ih­re Ver­hand­lun­gen aus­wei­ten auf die An­sprü­che auf die ehe­ma­li­gen ot­to­ma­ni­schen Ter­ri­to­ri­en im mitt­le­ren Os­ten. Um ge­nau das zu tun tra­fen sie sich er­neut in San Re­mo, Ita­li­en, im April 1920, und be­han­del­ten die ara­bi­schen und jü­di­schen An­sprü­che am 24. und 25. April.  Am En­de die­ses Tref­fens wa­ren die­se An­sprü­che res ju­di­ca­ta. The Haupt­kriegs­mäch­te des ers­ten Welt­kriegs ent­schie­den, die da­mals ak­tu­el­len ara­bi­schen Be­woh­ner von Sy­ri­en und Me­so­po­ta­mi­en als Nutz­nies­ser der po­li­ti­schen Macht für die­se Län­der an­zu­er­ken­nen, hin­ge­gen die bri­ti­sche Balfour-​Politik an­zu­neh­men und das Welt­ju­den­tum als Nutz­nies­ser der po­li­ti­schen Rech­te in Pa­läs­ti­na an­zu­er­ken­nen.

Drei Do­ku­men­te zeich­ne­ten die Ent­schei­dung zu Pa­läs­ti­na der Haupt­kriegs­mäch­te auf: Der Ver­trag von Se­v­res, der Ver­trag von Lau­sanne, und die San-​Remo-​Resolution. Ar­ti­kel 95 des Ver­trags von Se­v­res wur­de spä­ter vom Ver­trag von Lau­sanne be­stä­tigt, weil zu je­ner Zeit die Ab­tre­tung – Über­tra­gung von Sou­ve­rä­ni­tät, ei­ne for­ma­le Auf­ga­be der Rech­te, be­son­ders ei­nes Staa­tes – in Asi­en ein fait ac­com­pli war und Ar­ti­kel 16 und 30 des letz­te­ren Ver­tra­ges die tür­ki­sche Ab­tre­tung ih­rer Sou­ve­rä­ni­tät über Ter­ri­to­ri­en in Asi­en un­ver­än­dert liess. Die San-​Remo-​Resolution war auch ein Schrei­ben, das die Ent­schei­dung der Haupt­kriegs­mäch­te ent­hielt über die­se wi­der­spre­chen­den An­sprü­che zu Pa­läs­ti­na, durch An­nah­me der Balfour-​Deklaration zu Be­din­gun­gen, die spä­ter de­tail­liert wer­den soll­ten im Man­dat für Pa­läs­ti­na. Doch die bri­ti­sche Balfour-​Politik, wäh­rend sie den jü­di­schen Be­sitz der po­li­ti­schen Rech­te auf Pa­läs­ti­na an­er­kann­te, woll­te nicht, dass sie die Sou­ve­rä­ni­tät so­fort aus­üb­ten. Noch woll­ten das die Ju­den sel­ber. Dies des­halb, weil 1917, als die Balfour-​Politik von den Bri­ten in Be­tracht ge­zo­gen wur­de, in ganz Pa­läs­ti­na nur 60’000 Ju­den wa­ren aus ei­ner Ge­samt­po­pu­la­ti­on von 600’000, wie vom Bri­tish For­eign Of­fice (BFO) ge­schätzt. So lan­ge zu­rück wie 1845 hat­ten die Ju­den ei­ne Mehr­heit der Be­völ­ke­rung von Je­ru­sa­lem, und 1863 ei­ne Mehr­heit der dor­ti­gen Be­völ­ke­rung. Doch im ge­sam­ten Pa­läs­ti­na zähl­te das BFO, 1917, die ge­schätz­te jü­di­sche Po­pu­la­ti­on auf nur 10%.

Kri­ti­ker der Balfour-​Politik hat­ten ar­gu­men­tiert, dass ei­ne Re­gie­rung, die von ei­nem „Volk” be­herrscht wur­de, die nur ei­ne Min­der­heit von 10% um­fass­te, „an­ti­de­mo­kra­tisch” wä­re. Das BFO be­geg­ne­te die­sem Ar­gu­ment durch die Aus­sa­ge, dass ob­wohl Bri­tan­ni­en prin­zi­pi­ell ein­ver­stan­den war mit dem „antidemokratisch”-Argument, wenn auf die vor­ge­schla­ge­ne Balfour-​Politik an­ge­wen­det sei das Ar­gu­ment „ima­gi­när”. In ei­nem Me­mo­ran­dum von 19. Sep­tem­ber 1917 sag­ten Ar­nold Toyn­bee und Le­wis Na­mier, als Spre­cher für das BFO, dass die po­li­ti­schen Rech­te zu­nächst in ei­nen Treu­hand ein­ge­bracht wür­den – wo­bei der Treu­hän­der höchst­wah­schein­lich Gross­bri­tan­ni­en oder die USA sein wür­den. Der Treu­hän­der hät­te die ju­ris­ti­sche Do­mi­nanz über die po­li­ti­schen Rech­te, und ob­wohl die Ju­den die Nutz­nies­ser sein wür­den, so wür­den sie ih­nen ju­ris­tisch erst über­schrie­ben, wenn die Ju­den ei­ne Mehr­heits­be­völ­ke­rung in Pa­läs­ti­na er­reicht hät­ten und voll in der La­ge wä­ren, die Sou­ve­rä­ni­tät aus­zu­üben wie ein mo­der­ner eu­ro­päi­scher Staat. Ih­re Ent­schei­dung wur­de spä­ter in Ar­ti­kel 95 des Ver­trags von Se­v­res auf­ge­nom­men durch ei­ne Ab­tre­tung der ot­to­ma­ni­schen Sou­ve­rä­ni­tät über Pa­läs­ti­na an die­sen Treu­hän­der, auf­ge­nom­men in die San-​Remo-​Resolution und in grös­se­rem De­tail de­fi­niert im Man­dat für Pa­läs­ti­na. [27]

Die­sel­be Emp­feh­lung für ei­nen Pro­zess aus zwei Schrit­ten ging in die Dis­kus­si­on ein im Briefing-​Dokument der US-​Delegation an der Pa­ri­ser Frie­dens­kon­fe­renz 1919.

„3. Es wird emp­foh­len, dass die Ju­den ein­ge­la­den wer­den, nach Pa­läs­ti­na zu­rück­zu­keh­ren und sich dort nie­der­zu­las­sen, die Kon­fe­renz ga­ran­tiert ih­nen al­le not­wen­di­ge Hil­fe da­für, die über­ein­stimmt mit dem Schutz der Per­sön­lich­keits­rech­te (be­son­ders der re­li­giö­sen) und den Be­sitz­rech­ten der nicht-​jüdischen Be­völ­ke­rung, und wei­ter­hin ver­si­chert, dass es die Po­li­tik des Völ­ker­bun­des sein wird, Pa­läs­ti­na als jü­di­schen Staat zu an­er­ken­nen, so­bald er fak­tisch ein jü­di­scher Staat ist.

„Es ist rich­tig, dass Pa­läs­ti­na ein jü­di­scher Staat wer­de, wenn die Ju­den, wenn sie die vol­le Ge­le­gen­heit er­hal­ten, ihn da­zu ma­chen. Er war die Wie­ge und Heim­statt ih­rer le­ben­di­gen Ras­se, die gros­se spi­ri­tu­el­le Bei­trä­ge an die Mensch­heit ge­leis­tet hat, und es ist das ein­zi­ge Land, in dem sie sich Hoff­nung ma­chen kön­nen auf ei­ne ei­ge­ne Hei­mat; in die­ser Hin­sicht sind sie ein­zig­ar­tig un­ter den we­sent­li­chen Völ­kern.

„Zum ge­gen­wär­ti­gen Zeit­punkt, hin­ge­gen, bil­den die Ju­den knapp ei­nen sechs­tel der Ge­samt­be­völ­ke­rung von 700’000 in Pa­läs­ti­na, und ob sie ei­ne Mehr­heit, oder über­haupt ei­ne Plu­ra­li­tät bil­den kön­nen der Po­pu­la­ti­on im zu­künf­ti­gen Staat bleibt vor­erst un­si­cher. Pa­läs­ti­na, kurz ge­sagt, ist weit da­von ent­fernt, jetzt ein jü­di­scher Staat zu sein. Eng­land, als Treu­hän­der, kann man ver­trau­en, den Ju­den die pri­vi­le­gier­te Stel­lung zu­kom­men zu las­sen, die sie ha­ben sol­len, oh­ne die Rech­te der Nicht-​Juden zu op­fern.”  [No­te #12, p. 113.]

Woo­d­row Wil­son hat­te 1919 ge­sagt, „Ich bin über­zeugt, dass die al­li­ier­ten Na­tio­nen, mit dem vol­len Ein­ver­ständ­nis un­se­rer Re­gie­run­gen und un­se­res Vol­kes, ein Ein­ver­ständ­nis ha­ben, dass in Pa­läs­ti­na die Grund­la­gen für ei­ne Jü­di­sche Ge­mein­schaft ge­legt wer­den sol­len.”

Ein Man­dat ist ei­ne Treu­hand­schaft

Der Be­griff „Man­dat” ist in die­sem Kon­text ver­wir­rend. Er scheint ei­nen „Be­fehl” zu mei­nen. Doch im Licht des Ar­ti­kels 22 der Grün­dungs­ur­kun­de oder Char­ter des Völ­ker­bun­des ist es klar, dass im Fal­le von Man­da­ten, die ge­schaf­fen ge­schaf­fen wur­den wie vor­ge­se­hen im Ar­ti­kel 22 der Völkerbund-​Charta, wie das Man­dat für Pa­läs­ti­na, Sy­ri­en und Me­so­po­ta­mi­en, dass er ei­ne Ein­rich­tung be­zeich­net, wie sie un­ter dem bri­ti­schen ju­ris­ti­schen Kon­zept der Treu­hand­schaft oder Vor­mund­schaft er­stellt wur­den. Das war die Schluss­fol­ge­rung im Mai 1921, et­wa ein Jahr nach San Re­mo, von ei­nem bri­ti­schen An­walt und Mit­glied der New Yor­ker An­walts­kanz­lei Dun­can Camp­bell Lee in sei­ner Vor­le­sung am Uni­ver­si­ty Col­le­ge der Lon­don Uni­ver­si­ty un­ter dem Ti­tel „Das Man­dat für Me­so­po­ta­mi­en und das Prin­zip der Treu­hand­schaft im eng­li­schen Ge­setz.” [Hin­weis #24] Wenn das Man­dat ei­ne Treu­hand­schaft ist, was ist die trust res, das Ding, das un­ter treu­hän­de­ri­sche Ver­wal­tung ge­stellt wird? Es muss sich um die po­li­ti­schen und na­tio­na­len Rech­te auf Pa­läs­ti­na han­deln. Die wich­tigs­te Fra­ge ist „Wo ist der Nutz­nies­ser der Treu­hand­schaft? Al­le, die die Treu­hand­schaft an­schau­ten und sie mit den Treu­hand­schaf­ten für Sy­ri­en und Me­so­po­ta­mi­en ver­gli­chen ha­ben, ka­men zum Schluss, dass es sich um das Welt­ju­den­tum han­deln muss.

Ver­glei­chen Sie es selbst mit dem Man­dat für Sy­ri­en und dem Man­dat für Me­so­po­ta­mi­en. Für letz­te­res „soll die­ses or­ga­ni­sche Ge­setz ge­bil­det wer­den in Über­ein­stim­mung mit den lo­ka­len Au­to­riä­ten und soll die Rech­te, In­ter­es­sen und Wün­sche der ge­sam­ten Be­völ­ke­rung mit ein­be­zie­hen, die im man­da­tier­ten Ter­ri­to­ri­um lebt. (Ar­ti­kel 1 des Man­da­tes für Sy­ri­en und den Li­ba­non) Für Me­so­po­ta­mi­en, heu­te Iraw, sag­te das Man­dat: Die­ses or­ga­ni­sche Ge­setz soll ge­bil­det wer­den in Ab­spra­che mit den lo­ka­len Au­to­ri­tä­ten und soll die Rech­te, In­ter­es­sen und Wün­sche der ge­sam­ten Be­völ­ke­rung mit ein­be­zie­hen, die im man­da­tier­ten Ter­ri­to­ri­um le­ben. (Ar­ti­kel 1 des Man­dats für Me­so­po­ta­mi­en [Iraq] [Her­vor­he­bung hin­zu­ge­fügt]

Aber im Man­dat für Pa­läs­ti­na sagt Ar­ti­kel 2 „Der Treu­hän­der soll ver­ant­wort­lich sein, die Land un­ter sol­che po­li­ti­sche, ad­mi­nis­tra­ti­ve und öko­no­mi­sche Be­din­gun­gen zu set­zen, die die Eta­blie­rung ei­ner Jü­di­schen na­tio­na­len Heim­statt si­cher­stel­len wie in der Prä­am­bel dar­ge­legt und die Eta­blie­rung selbst­ver­wal­te­ter In­sti­tu­tio­nen.” [Her­vor­he­bung hin­zu­ge­fügt]

Und die Prä­am­bel sagt „wo­bei die Haupt­kriegs­mäch­te sich ei­nig sind, dass der Treu­hän­der ver­ant­wort­lich sein soll für die Um­set­zung der ur­sprüng­li­chen Er­klä­rung vom 2. No­vem­ber 1917 von der Re­gie­rung Ih­rer Bri­tan­ni­schen Ma­jes­tät [der Balfour-​Erklärung] und an­ge­nom­men von den er­wähn­ten Mäch­ten zu­guns­ten ei­ner Eta­blie­rung ei­ner Na­tio­na­len Heim­stät­te für das jü­di­sche Volk in Pa­läs­ti­na, wo­bei aber klar ist, dass nichts ge­tan wer­den soll, war die zi­vi­len und re­li­giö­sen Rech­te der nicht-​jüdischen Ge­mein­den in Pa­läs­ti­na be­ein­träch­tigt … und wo­bei die An­er­ken­nung aus­ge­spro­chen wur­de ge­gen­über der his­to­ri­schen Ver­bin­dung des jü­di­schen Vol­kes mit Pa­läs­ti­na auf der Ba­sis der Re­kon­sti­tu­ti­on ih­res na­tio­na­len Heims in die­sem Land; …”

Man­da­te ver­glei­chen

Es scheint klar, dass in den an­de­ren Man­da­ten die Rech­te, In­ter­es­sen und Wün­sche der da­mals ak­tu­el­len Be­völ­ke­rung be­rück­sich­tigt wer­den soll, wo­ge­gen im pa­läs­ti­nen­si­schen Man­dat die­se igno­riert wur­den zu­guns­ten ei­ner jü­di­schen na­tio­na­len Heim­statt, bei dem aus­schliess­lich der Rat der zio­nis­ti­schen Or­ga­ni­sa­ti­on be­rück­sich­tigt wer­den soll­te (Man­dat Ar­ti­kel 4). Im pa­läs­ti­nen­si­schen Man­dat war aus­drück­lich jü­di­sche Im­mi­gra­ti­on er­for­der­lich und zu för­dern, um ir­gend­wann ei­ne jü­di­sche Mehr­heits­be­völ­ke­rung zu er­rei­chen (Man­dat Ar­ti­kel 6). Es scheint da­her, dass die jü­di­sche na­tio­na­le Heim­statt ein Nutz­nies­ser der po­li­ti­schen Rech­te in Pa­läs­ti­na sein wür­de, um spä­ter in ju­ris­ti­sche An­sprü­che auf die­se Rech­te und die Sou­ve­rä­ni­tät dar­in hin­ein­zu­wach­sen. Doch für die nicht­jü­di­sche an­we­sen­de Be­völ­ke­rung gab sie nur Schutz ih­rer zi­vi­len und re­li­giö­sen Rech­te nach­dem die jü­di­sche Sou­ve­rä­ni­tät er­reicht ist. Nur die jü­di­sche Im­mi­gra­ti­on muss ge­för­dert wer­den. Nur die zio­nis­ti­sche Or­ga­ni­sa­ti­on wie­der­spie­gel­te die Rech­te, In­ter­es­sen und Wün­sche des Welt­ju­den­tums, nur sie war ein­ge­setz­ter Be­ra­ter für die Ad­mi­nis­tra­ti­on, die vom Treu­hän­der ein­ge­setzt wur­de zur Ver­wal­tung des Man­da­tes.

Bal­four zog sich aus sei­nem Amt als Aus­sen­mi­nis­ter zu­rück im An­schluss an die Pa­ri­ser Kon­fe­renz 1919, blieb aber wei­ter im Ka­bi­nett als Lord-​Präsident des Ra­tes. In ei­nem Me­mo­ran­dum vom 11. Au­gust 1919, adres­siert an den neu­en Aus­sen­mi­nis­ter Lord Cur­zon, sag­te er:

„Al­le an­de­ren En­ga­ge­ments ent­hiel­ten den Wunsch, dass die ara­bi­sche oder mus­li­mi­sche Be­völ­ke­rung ei­ne na­tio­na­le Re­gie­rung ih­rer ei­ge­nen Wahl ge­mäss den Prin­zi­pi­en der Selbst­be­stim­mung auf­stel­len kann. …in Pa­läs­ti­na schla­gen wir vor, nicht ein­mal der Form hal­ber die Wün­sche der vor­han­de­nen (Mehrheits-) Be­woh­ner des Lan­des zu be­rück­sich­ti­gen…”

Bal­four sag­te aus­drück­lich zu Cur­zon: „Die vier gros­sen Mäch­te [Gross­bri­tan­ni­en, Ita­li­en, Frank­reich und die USA] sind dem Zio­nis­mus ver­pflich­tet. Und Zio­nis­mus, ob er rich­tig oder falsch sei, gut oder schlecht, ist in ur­alten Tra­di­tio­nen ver­wur­zelt, in ak­tu­el­len Be­dürf­nis­sen, und zu­künf­ti­gen Hoff­nun­gen, von viel tie­fer­ge­hen­dem Im­port als die Wün­sche und Vor­ur­tei­le der 700’000 Ara­ber, die heu­te das al­te Land be­woh­nen. Mei­ner Mei­nung nach ist das rich­tig so.” *****

Er fuhr wei­ter: „Ich glau­be nicht, dass Zio­nis­mus den Ara­bern weh tun wird, doch sie wer­den nie sa­gen, dass sie ihn wol­len. Was im­mer die Zu­kunft Pa­läs­ti­nas sein wird, es ist heu­te kei­ne ‚Un­ab­hän­gi­ge Na­ti­on’, noch ist es auf dem Weg zu ei­ner sol­chen. Was im­mer für ei­ne Ehr­er­bie­tung den An­sich­ten der An­säs­si­gen Be­völ­ke­rung ge­zollt wer­den soll, die Mäch­te in ih­rer Wahl des Treu­hän­ders schla­gen nicht vor, wie ich die Sa­che ver­ste­he, sie zu kon­sul­tie­ren.” … „Falls Zio­nis­mus das jü­di­sche Pro­blem der gan­zen Welt be­ein­flus­sen soll, so muss Pa­läs­ti­na der grösst­mög­li­chen An­zahl jü­di­scher Im­mi­gran­ten zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den.” [28]

War der Völ­ker­bund Schöp­fer oder Aus­füh­ren­der der Treu­hand­schaft? Nein, es wa­ren die Haupt­kriegs­mäch­te, die sich in San Re­mo tra­fen ge­mäss Dou­glas Feith [Hin­weis #14]. Sie sind es, die, durch Ge­win­nen des Krie­ges, die Au­to­ri­tät hat­ten, über die Ter­ri­to­ri­en zu ver­fü­gen, wie sie es für an­ge­mes­sen hiel­ten. Es sind auch die­se Mäch­te, nicht der Völ­ker­bund, die das bri­ti­sche An­ge­bot, als Treu­hän­de­ri­sche Macht oder Treu­hän­der auf­zu­tre­ten, in San Re­mo ak­zep­tier­ten.

Ein Treu­hän­der hat fi­nan­zi­el­le Ver­pflich­tun­gen

Das bri­ti­sche An­ge­bot als Treu­hän­der vom 25. April 1920, und des­sen An­nah­me durch die Haupt­kriegs­mäch­te, schuf ei­ne fi­nan­zi­el­le Be­zie­hung zwi­schen den Nutz­nies­sern, dem Welt­ju­den­tum, und dem Treu­hän­der. Die­ses Prin­zip ist so breit ab­ge­stützt im bri­ti­schen und ame­ri­ka­ni­schen Recht, dass es kei­ne Be­grün­dung braucht. Es hat ei­ne Pflicht ge­schaf­fen, wel­ches von Gross­bri­tan­ni­en ver­langt, die treu­hän­de­ri­schen In­ter­es­sen über sei­ne ei­ge­nen öko­no­mi­schen und po­li­ti­schen In­ter­es­sen zu stel­len. Die Ver­ein­ba­rung zwi­schen dem Ga­ran­ten und dem Treu­hän­der war im April 1920 wirk­sam, nicht erst 1922, als die Par­tei­en der Wirk­sam­keit des Man­da­tes zu­stimm­ten. Das er­hebt die Fra­ge, ob Gross­bri­tan­ni­en sei­ne treu­hän­de­ri­sche Ver­want­wor­tung ver­letzt hat, als es die po­li­ti­schen Rech­te von Ost­pa­läs­ti­na, die ihm treu­hän­de­risch an­ver­traut wa­ren, auf­gab.

Wel­ches war die Rol­le des Völ­ker­bun­des? Bal­four sah ihn nur als In­stru­ment, um sei­ne Po­li­tik durch­zu­set­zen. Bal­four sag­te, als er das Man­dat dem Völ­ker­bund prä­sen­tier­te:

„Ver­gesst nicht, dass ein Man­dat ei­ne Be­schrän­kung ist, die sich der Er­obe­rer des er­ober­ten Ter­ri­to­ri­ums selbst auf­er­legt hat. Es wird von den Al­li­ier­ten und ver­bün­de­ten Mäch­ten sich selbst auf­er­legt im In­ter­es­se des­sen, was sie als all­ge­mei­nes Wohl der Mensch­heit be­trach­ten…” „Der Völ­ker­bund ist nicht der Au­tor der Po­li­tik, son­dern ihr In­stru­ment…”.

Gross­bri­tan­ni­ens rol­le war die des Man­dats­emp­fän­gers oder Treu­hän­ders. Doch die Er­obe­rer, die Haupt­kriegs­mäch­te, ga­ben die po­li­ti­schen Rech­te dem Welt­ju­den­tum nicht zum Ge­schenk. Die po­li­ti­schen Rech­te wur­den als den Ju­den ge­hö­rend an­er­kannt auf­grund der lan­gen „his­to­ri­schen Ver­bin­dung des jü­di­schen Vol­kes mit Pa­läs­ti­na,” ei­ne Ge­schich­te, die sich über 3’700 Jah­re er­streckt mit ei­ner kon­ti­nu­ier­li­chen Prä­senz von Ju­den über die­se gan­ze Zeit.

Ar­ti­kel 95 des Ver­trags von Se­v­res — war er ju­ris­tisch wirk­sam?
Die Tür­ken hat­ten sich neu grup­piert und kämpf­ten wie­der ge­gen die Al­li­ier­ten um Ter­ri­to­ri­en in Eu­ro­pa. Des­halb wur­de der Ver­trag von Se­v­res, in dem es um die­se Ge­bie­te ging, von der Tür­kei nie ra­ti­fi­ziert, son­dern vom Ver­trag von Lau­sanne ab­ge­löst. Zu je­ner Zeit wa­ren die Ent­schei­dun­gen über den mitt­le­ren Os­ten ein fait ac­com­pli. In­dem der Ver­trag von Lau­sanne die Din­ge un­ver­än­dert liess in Ar­ti­kel 16 und 30 ra­ti­fi­zier­te er den Ar­ti­kel 95 des Ver­trags von Se­v­res, der ei­ne Ent­schei­dung der Haupt­kriegs­mäch­te war über die kon­kur­rie­ren­den An­sprü­che von Ara­bern und Ju­den. Das be­en­de­te je­den An­spruch der Ot­to­ma­nen und über­liess ih­ren Sta­tus den an­de­ren be­trof­fe­nen Par­tei­en. Ar­ti­kel 95 hat­te die ot­to­ma­ni­sche Sou­ve­rä­ni­tät über Pa­läs­ti­na der treu­hän­de­ri­schen Macht über­ge­ben, zu treu­en Hän­den der Ju­den. No­ta be­ne wur­den auch die Man­da­te für Sy­ri­en und Me­so­po­ta­mi­en im sel­ben Ver­trag ge­re­gelt. Das sy­ri­sche Man­dat wur­de spä­ter zwei­ge­teilt, in ein sy­ri­sches Man­dat, in das die Mus­li­me zie­hen soll­ten, und den Li­ba­non für die Chris­ten.
Die Bri­ten be­schnit­ten die jü­di­schen po­li­ti­schen Rech­te

Doch pas­sier­te et­was in­ter­es­san­tes zwi­schen der Zeit des Mee­tings von San Re­mo und der Be­stä­ti­gung des Völ­ker­bund­man­da­tes für Pa­läs­ti­na. Die Spra­che des Man­dats wur­de ge­än­dert, um mit dem Teil von Pa­läs­ti­na äst­lich des Jor­dans, als „Trans­jor­da­ni­en” be­kannt, an­ders um­zu­ge­hen, als mit „Cis­jor­da­ni­en”, be­kannt als das Pa­läs­ti­na west­lich des Jor­dans, al­so zwi­schen dem Jor­dan und dem Mit­tel­meer. Ein Ar­ti­kel 25 wur­de ein­ge­fügt zwi­schen dem Ab­satz 25 des spä­te­ren 1922er Ent­wur­fes, als er dem Völ­ker­bund von den Bri­ten prä­sen­tiert wur­de. Bri­tan­ni­en hat­te sich am 25. April 1920 ein­ver­stan­den er­klärt, die Ver­ant­wor­tung ei­nes Treu­hän­ders zu über­neh­men. Der spä­te­re Ent­wurf ent­hielt ei­ne tem­po­rä­re Sus­pen­die­rung der jü­di­schen Sied­lun­gen in Trans­jor­da­ni­en.

Wie kam das? Kö­nig Hus­sein, der da­mals Herr­scher im Hed­jaz in der ara­bi­schen Halb­in­sel war, hat­te vier Söh­ne. Im Glau­ben, dass sei­ne Über­ein­kunft mit den Bri­ten, die aus sei­ner Kor­re­spon­denz mit McMahon re­sul­tier­te, ihm ein gros­ses Ge­biet en­schliess­lich Sy­ri­en und Me­so­po­ta­mi­en (heu­te Iraq), so­wie die ara­bi­sche Halb­in­sel ge­ben wür­de, sag­te sei­nem Sohn Fei­sal, dass er in Sy­ri­en herr­schen kön­ne, und Ab­dul­lah in Iraq. Der drit­te Sohn wü­re Hus­seins Thron er­ben, und der vier­te war nicht an ei­ner Macht­stel­lung in­ter­es­siert. In der ge­hei­men Sykes-​Picot-​Vereinbarung teil­ten die eu­ro­päi­schen Re­gie­run­gen das ehe­ma­li­ge ot­to­ma­ni­sche Reich auf in Ein­fluss­sphä­ren. Eng­land soll­te Pa­läs­ti­na und Me­so­po­ta­mi­en (heu­te Iraq) und Frank­reich wür­de Sy­ri­en be­kom­men.

So­fort nach dem Krieg hat­te Eng­land Fei­sal auf den Thron in Sy­ri­en ge­setzt. Als er die Un­ab­hän­gig­keit er­klär­te, war Frank­reich be­lei­digt, und nach der Schlacht von May­sa­lun setz­ten sie ihn ab. Ab­dul­lah, der sehr krie­ge­risch war, mar­schier­te mit sei­nen Ar­me­en in Trans­jor­da­ni­en ein und be­rei­te­te sich dar­auf vor, Da­mas­kus an­zu­grei­fen. Chur­chill woll­te nicht, dass die Ara­ber ge­gen die Fran­zo­sen in den Krieg zie­hen, und über­gab des­halb den Thron von Iraq an Fei­sal. Die Ge­schich­te kann er­zählt wer­den aus dem Ta­ge­buch von Sir Alec Kirk­bri­de, ei­nem von drei bri­ti­schen Of­fi­zie­ren, die nach dem ers­ten Welt­krieg den Auf­trag be­kom­men hat­ten, in Trans­jor­da­ni­en Re­gie­run­gen auf­zu­bau­en. Nach­dem sie ei­ne Re­gie­rung auf­ge­baut hat­ten, wur­de Kirk­bri­de ge­warnt, dass Ab­dul­lah mit sei­ner Ar­mee in die Re­gi­on ein­mar­schier­te, und te­le­gra­phier­te dies an das bri­ti­sche Haupt­quar­tier in Je­ru­sa­lem. Die te­le­gra­phier­ten zu­rück und sag­ten Kirk­bri­de, dass er die War­nung igno­rie­ren sol­le, weil Ab­dul­lah nie­mals in Ter­ri­to­ri­um der bri­ti­schen Ma­jes­tät ein­mar­schie­ren wür­de. Als Ab­dul­lah dies trotz­dem tat, und, in der Tat, auf­tauch­te, hat­te Kirk­bri­de nur ein paar Po­li­zis­ten, um ihm zu hel­fen, und ent­schied sich wei­se, nicht zu kämp­fen. Er te­le­gra­phier­te er­neut nach Je­ru­sa­lem, und die­ses Mal ent­schied die Re­gie­rung Ih­rer Ma­jes­tät, dass es sich um ei­nen fait ac­com­pli hand­le. Bei ei­nem Tref­fen in Kai­ro am 21. März 1921 ent­schied Chur­chill, dass der bes­te Weg aus die­sem Pro­blem her­aus sei, die po­li­ti­schen Rech­te der Ju­den in Pa­läs­ti­na auf den Be­reich west­lich des Jor­dans zu be­schrän­ken. Kirk­bri­de grinst dann über die „be­mer­kens­wer­te Ent­de­ckung” der Re­gie­rung, dass die Ver­fas­ser der Balfour-​Politik gar nie das gan­ze Pa­läs­ti­na an das Welt­ju­den­tum für den Auf­bau ih­rer neu­en jü­di­schen na­tio­na­len Hei­mat ge­ben woll­ten. War­um ging dann das Toynbee-​Namier-​Memorandum, das der Balfour-​Erkläung vor­aus­ging, da­von aus, dass die ge­sam­te Be­völ­ke­rung von ganz Pa­läs­ti­na von 600’000 un­ter jü­di­scher Herr­schaft sein wür­den, doch die­se Rech­te vor­erst in Treu­hand­schaft zu über­ge­ben sei­en? [29]

Was die Hussyin-​McMahon-​Korrespondenz be­trifft, so sag­te Ge­or­ge An­to­ni­us, dass die Bri­ten Kö­nig Ibn Huss­ayn die Herr­schaft über Sy­ri­en ver­spro­chen hat­ten, und über Pas­läs­ti­na, so­wie über die ara­bi­sche Halb­in­sel, wenn er die ara­bi­schen Stam­mes­leu­te zur Re­vol­te ge­gen die Ot­to­ma­nen brin­gen kön­ne. Doch wie von Isai­ah Fried­man ge­zeigt hat­te Huss­ayn McMahon ge­sagt, dass er et­wa 258’000 Kämp­fer auf der Sei­te der Bri­ten in den Kampf schi­cken kön­ne, und am En­de ka­men nicht mehr als 5’000. [30]   Es scheint ei­nen Man­gel an Ver­trau­en ge­gen­über al­len Ver­spre­chun­gen McMahons ge­ge­ben zu ha­ben. Es gab ei­ne Fra­ge, ob Huss­ayn ir­gend ein Ter­ri­to­ri­um ver­spro­chen be­kom­men hat­ten, das sei­ne Kämp­fer nicht sel­ber er­obert hat­ten. Und in der Tat hat­te in Sy­ri­en und Pa­läs­ti­na kein Ara­ber an der Sei­te der Bri­ten ge­kämpft und vie­le kämpf­ten für die Ot­to­ma­nen. Letz­ten En­des, selbst wenn das kein Pro­blem ge­we­sen wä­re, so gab es noch ei­nen Dis­put über das Ter­ri­to­ri­um, das Huss­ayn ver­spro­chen wor­den war, selbst wenn sei­ne ei­ge­nen Kämp­fer es er­obert hat­ten. Ei­ne Li­nie wur­de ge­zo­gen, die Ter­ri­to­ri­um west­lich und süd­lich der Li­nie aus­schied als Ge­biet, das un­ter der Kon­trol­le an­de­rer ste­hen soll­te, und Pa­läs­ti­na wur­de aus­ge­schie­den und, ge­mäss den Bri­ten, ver­stand Huss­ayn, dass Pa­läs­ti­na aus­ge­schie­den wor­den war. Wei­ter wa­ren sich die Bri­ten ei­nig, dass die Hussayn-​McMahon-​Korrespondenz nie zu ei­nem fi­na­len Über­ein­kom­men ge­reift war.

Die Än­de­rung des Man­da­tes, die nach San Re­mo im März 1921 ent­schie­den wur­de, ent­hielt For­mu­lie­run­gen, die von ei­ner nur vor­über­ge­hen­den Aus­set­zung der jü­di­schen Sied­lun­gen in Trans­jor­da­ni­en re­de­ten, doch Trans­jor­da­ni­en ging letzt­end­lich in das Land Jor­da­ni­en über und wur­de letzt­lich an Ab­dul­lah und sei­nen hash­e­mi­ti­schen Stamm ab­ge­tre­ten, ob­wohl Ab­dul­lah und sein Stamm ei­ne „frem­de Macht” war, aus Hed­jaz aus der ara­bi­schen Halb­in­sel, aus­drück­lich nicht da­für vor­ge­se­hen, ir­gend ein po­li­ti­sches Recht über die Treu­hand­schaft zu er­hal­ten.

Die­ses, das White Pa­per von 1922, war das ers­te Bei­spiel, wie Eng­land sei­ne Ver­pflich­tung den Ju­den ge­gen­über brach. Es soll­te dies wie­der und wie­der tun in den White Pa­pers von 1930 und 1939 selbst nach der Be­stä­ti­gung des Man­da­tes durch den Völ­ker­bund im Ju­li 1922. Gross­bri­tan­ni­en hat­te sich in San Re­mo im April frei­wil­lig als Man­dats­macht oder Treu­hand­s­macht für Pa­läs­ti­na ge­gen­über dem Völ­ker­bund an­ge­bo­ten. Als Treu­hän­der ver­pflich­te­te es sich ge­gen­über den Nutz­nies­sern der trust res. Die Ver­pflich­tung des Treu­hän­der ist es, des Nutz­nies­sers In­ter­es­sen über die ei­ge­nen zu stel­len. Und doch hat­te Eng­land im Ju­li 1922 den Völ­ker­bund da­zu über­re­det, die Be­din­gun­gen der Treu­hand­schaft, der die Haupt­kriegs­mäch­te in San Re­mo zu­ge­stimmt hat­ten, ab­zu­än­dern, um sei­ne ei­ge­nen po­li­ti­schen Schwie­rig­kei­ten mit Frank­reich zu lö­sen. Das kos­te­te den Nutz­nies­ser, das Welt­ju­den­tum, et­wa 40% des Ter­ri­to­ri­ums öst­lich der Hejaz-​Eisenbahnlinie, die ur­sprüng­lich von den Haupt­kriegs­mäch­ten an­er­kannt wor­den war als der jü­di­sche Be­reich gel­ten.

Gross­bri­tan­ni­ens Rück­zug aus der Balfour-​Politik

Wäh­rend des Tref­fens in San Re­mo wa­ren al­le Haupt­kriegs­mäch­te sehr be­schüt­zend für die Rech­te des Welt­ju­den­tums. In San Re­mo woll­ten die Fran­zo­sen ei­ne „Si­che­rungs­klau­sel” hin­zu­fü­gen, die die „zi­vi­len und re­li­giö­sen Rech­te” der nicht-​jüdischen Ge­mein­den schüt­zen soll­te, wenn die Ju­den ul­ti­ma­tiv die Sou­ve­rä­ni­tät über Pa­läs­ti­na aus­üben soll­ten, und „po­li­ti­sche Rech­te” hin­zu­zu­fü­gen, die die Eng­län­der und an­de­re Haupt­kriegs­mäch­te ver­nein­ten. Frank­reich war zu­frie­den mit ei­nem „pro­cess ver­bal”, ei­nem Ne­ben­über­ein­kom­men, das in den No­ti­zen er­klär­te, dass die Si­che­rungs­klau­sel be­deu­te­te, dass Nicht-​Juden kei­ner­lei ei­ge­ne Rech­te auf­ge­ben müss­ten. Das war für die an­de­ren ak­zep­ta­bel, weil sie al­le wuss­ten, dass die Ara­ber in Pa­läs­ti­na nie ei­ge­ne Sou­ve­rä­ni­tät aus­ge­übt hat­ten. Das ein­zi­ge „Volk” in Pa­läs­ti­na, das sich selbst re­giert hat­te in Pa­läs­ti­na, wa­ren die Ju­den. Nach­dem das White Pa­per von Chur­chill von 1922 die Rech­te der Ju­den öst­lich des Jor­dans be­schnitt, miss­brauch­te Per­f­idious Al­bi­on wei­ter­hin sei­ne Stel­lung als Man­dats­macht oder Treu­hän­der im bri­ti­schen Pass­field White Pa­per von 1930 und dem Mac­Do­nald White Pa­per von 1939. 1939 nahm er ein White Pa­per an, das die wei­te­re jü­di­sche Im­mi­gra­ti­on in das Pa­läs­ti­na west­lich des Jor­dans blo­ckier­te, auf Wunsch der Ara­ber. Es tat dies trotz der aus­drück­li­chen An­for­de­rung des Man­da­tes oder der Treu­hand­schaft, dass der Treu­hän­der jü­di­sche Im­mi­gra­ti­on nach Pa­läs­ti­na „för­dern” soll, da­mit die Ju­den ir­gend­wann zur Mehr­heits­be­völ­ke­rung wer­den und da­mit die jü­di­sche Heim­statt zu ei­nem jü­di­schen Staat re­kon­sti­tu­iert wer­den kann. Das White Pa­per von 1939 fror die jü­di­sche Be­völ­ke­rung bei ei­ner un­ge­fähr ein-​Drittel-​Minderheit ein. Es zog ei­ne Selbst­ver­wal­tung der Be­völ­ke­rung von Pa­läs­ti­na 1949 in Be­tracht, doch bei blo­ckier­ter jü­di­scher Im­mi­gra­ti­on gä­be es im­mer noch ei­ne ara­bi­sche Mehr­heit.

Vie­le je­ner, die an den ur­sprüng­li­chen Über­le­gun­gen zur Balfour-​Politik, die in San Re­mo an­ge­nom­men wur­de, mit­ge­macht hat­ten, wi­der­spra­chen spä­ter stark. Da­vid Lloyd-​George, der da­mals eng­li­scher Pre­mier­mi­nis­ter war, cha­rak­te­ri­sier­te die­se Ak­ti­on als „ein Akt na­tio­na­ler Per­fi­die, die den bri­ti­schen Na­men ent­eh­ren wird.” Winston Chur­chill, im Hou­se of Com­mons, ver­damm­te das Pa­pier als „kla­ren Bruch und Nicht-​Anerkennung des Balfour-​Deklaration,” und er nann­te sie „ein wei­te­res Mün­chen” (Ne­vil­le Cham­ber­lain war 1939 Pre­mier­mi­nis­ter). Har­ry Tru­man, da­mals US-​Senator, kri­ti­sier­te das White Pa­per von 1939 eben­falls als „Zu­rück­wei­sung bri­ti­scher Ver­pflich­tun­gen,” und Prä­si­dent Roo­se­velt drück­te sein „Miss­fal­len [über] die Ent­schei­dun­gen der bri­ti­schen Re­gie­rung be­züg­lich ih­rer Palästina-​Politik” aus. Das White Pa­per von 1939 blo­ckier­te so­gar den Ver­kauf von Lie­gen­schaf­ten an Ju­den in Pa­läs­ti­na.

Das MacDonald-​White-​Paper von 1939 war il­le­gal

Doch noch viel wich­ti­ger, die per­ma­nen­te Man­dats­kom­mis­si­on des Völ­ker­bun­des, de­ren Pflicht es war, die Völ­ker­bund­man­da­te zu über­wa­chen, war sich ei­nig, dass die In­ter­pre­ta­ti­on, auf der das White Pa­per von 1939 ba­sier­te, in­kon­sis­tent war mit der In­ter­pre­ta­ti­on, die vor be­züg­lich des Man­da­tes herrsch­te. Die­se Kom­mis­si­on ent­schied durch Mehr­heits­be­schluss, dass die In­ter­pre­ta­ti­on in­kon­sis­tent war mit den aus­drück­li­chen Auf­ga­ben des Man­da­tes, al­so die jü­di­sche Im­mi­gra­ti­on nach Pa­läs­ti­na zu för­dern, da­mit die Ju­den zur Mehr­heit wer­den und ei­nen re­kon­sti­tu­ier­ten jü­di­schen Staat bil­den konn­ten.

Un­ter den Be­din­gun­gen des White Pa­pers von 1939 wur­de ein ein­zi­ger ara­bi­scher Staat bis 1949 in Be­tracht ge­zo­gen, was die Balfour-​Übereinkunft voll­stän­dig preis­ge­ge­ben hät­te. Das war ei­ne uni­la­te­ra­le Mass­nah­me oh­ne das vor­he­ri­ge Ein­ver­ständ­nis des Rats des Völ­ker­bun­des, und da­her ei­ne Ver­let­zung des Ar­ti­kels 27 des Man­da­tes, der ein Ein­ver­ständ­nis zu je­der Än­de­rung ver­lang­te. Ei­ne Sit­zung die­ses Ra­tes war für den 8. Sep­tem­ber 1939 ge­plant, wur­de je­doch nie ab­ge­hal­ten, weil der zwei­te Welt­krieg aus­brach. Nichts­des­to­trotz ha­ben die Bri­ten für die nächs­ten zehn Jah­re bis zum Mai 1948 rück­sichts­los ei­ne il­le­ga­le Blo­cka­de durch­ge­setzt, die ver­hin­der­te, dass Ju­den aus Nazi-​Vernichtungslagern flie­hen konn­ten und spä­ter Holocaust-​Überlebende den Zu­gang zum Rück­zugs­ort Is­ra­el ver­sperr­te, ob­wohl die Blo­cka­de von der per­ma­nen­ten Man­dats­kom­mis­si­on, die da­zu au­to­ri­siert war, sol­ches fest­zu­le­gen, als il­le­gal be­zeich­net wur­de. De­ren Durch­set­zung hat bei­ge­tra­gen zum Tod von un­ge­fähr 6 Mil­lio­nen Ju­den, die aus dem eu­ro­päi­schen Ho­lo­caust zu flie­hen ver­such­ten. Sie dau­er­te we­gen dem be­ses­se­nen Er­nest Be­vin selbst nach dem Krieg an und ver­sperr­te Holocaust-​Überlebenden den Zu­gang zu ei­nem Ort, wo sie Hil­fe von an­de­ren Men­schen des ei­ge­nen Vol­kes hät­ten er­hal­ten kön­nen. [31] [32]

1947 er­klär­ten die Bri­ten, nach­dem sie mo­ne­tä­re und mi­li­tä­ri­sche Hil­fe von den Ver­ei­nig­ten Staa­ten er­such­ten, die ab­ge­lehnt wur­de, dass sie 1948 die Treu­hand­schaft auf­ge­ben wür­de, die sie sich, wie sie sag­ten, nicht län­ger leis­ten konn­ten. Die UNO hat­te den Völ­ker­bund als Welt­re­gie­rung ab­ge­löst, und die­se neue Welt­re­gie­rung schloss die Ver­ei­nig­ten Staa­ten als Mit­glied ein. Sie hat­te, als Ar­ti­kel 80 ih­rer Grün­dungs­ur­kun­de, die An­er­ken­nung al­ler 51 Mit­glied­staa­ten für das jü­di­sche Be­sitz­tum der po­li­ti­schen Rech­te auf Pa­läs­ti­na, nun re­du­zier­te auf das Pa­läs­ti­na west­lich des Jor­dans. Die UNO bil­de­te ein Spe­zi­al­ko­mi­tee, um fest­zu­le­gen, was ge­tan wer­den soll­te, auf­grund der an­ge­droh­ten Ge­walt durch die Ara­ber. [33]

Der Tei­lungs­plan der UNO

Die UNO-​Generalversammlung, nach­dem das Spe­zi­al­ko­mi­tee sei­ne Über­le­gun­gen be­en­det hat­te, er­liess ei­ne Re­so­lu­ti­on, die Re­so­lu­ti­on 181 [34], die Emp­fahl, dass das Pa­läs­ti­na west­lich des Jor­dans auf­ge­teilt wer­den soll­te in ei­nen ara­bi­schen und ei­nen jü­di­schen Staat, und ei­nen Cor­pus Se­pa­ra­tum, der Je­ru­sa­lem und die um­ge­ben­den hei­li­gen Stät­ten um­fass­te. Ei­ne sol­che Emp­feh­lung hat kei­ne bin­den­de Kraft, aus­ser bei­de in­vol­vier­ten Par­tei­en ak­zep­tie­ren die Emp­feh­lung. Ei­ne Par­tei, die Ju­den, ta­ten dies. Sie wa­ren be­reit, ei­nen gros­sen Teil ih­rer po­li­ti­schen Rech­te auf­zu­ge­ben für ein En­de der Ge­walt­an­dro­hun­gen, und da­mit sie bei der Im­mmi­gra­ti­on von Holocaust-​Überlebenden hel­fen konn­ten.

Der Ge­ne­ral­se­kre­tär der ara­bi­schen Li­ga hat­te mit Krieg ge­droht. Er sag­te: „Die­ser Krieg wird ein Ver­nichts­ungs­krieg sein und ein gros­ses Mas­sa­ker, über das man wie über die mon­go­li­schen Mas­sa­ker und die Kreuz­zü­ge er­zäh­len wird.” Die Ara­ber leh­nen es ab, auf den Kom­pro­miss ein­zu­ge­hen, und gin­gen in den Krieg. Die ara­bi­schen Kriegs­hand­lun­gen wur­den zu An­fang von lo­kal an­säs­si­gen Ara­bern aus­ge­führt, doch bald wur­den sie un­ter­stützt von sie­ben Ar­me­en aus um­lie­gen­den ara­bi­schen Staa­ten. Et­wa 450’000 bis 700’000 Ara­ber flo­hen, oh­ne je ei­nen ein­zi­gen jü­di­schen Sol­da­ten ge­se­hen zu ha­ben, ob­wohl ein paar we­ni­ge bei Ram­la und Lydda von jü­di­schen Kräf­ten ent­fernt wur­den, weil sie nach ei­nem ver­ein­bar­ten Waf­fen­still­stand wei­ter­kämpf­ten und die Ju­den sie nicht hin­ter den ei­ge­nen Li­ni­en ha­ben woll­ten. Was fast al­le an­de­ren be­trift, so gin­gen die Rei­chen zu­erst, ge­folgt von vie­len mehr, auf das Drän­gen des ara­bi­schen Hoch­kom­mis­sa­ria­tes hin, die sie ba­ten, aus dem Weg der In­va­si­ons­ar­me­en zu ge­hen. Sie sag­ten die Nie­der­la­ge der Ju­den in un­ge­fähr zwei Wo­chen vor­aus und si­cher­ten ih­nen zu, da­nach zu­rück­keh­ren zu kön­nen. Mahmoud Ab­bas (Abu Ma­zen) schrieb ei­nen Ar­ti­kel im of­fi­zi­el­len Or­gan der PLO, „Fi­las­tin”, wo er sich dar­über be­klag­te, und dass bei der Nie­der­la­ge der ara­bi­schen Ar­me­en die Flücht­lin­ge in La­ger in den um­lie­gen­den ara­bi­schen Staa­ten ein­ge­sperrt wor­den sei­en [35]. Ha­zam Nussei­beh, der 1948 für den pa­läs­ti­nen­si­schen Rund­funk ar­bei­te­te, gab zu, von Hus­sein Kha­li­di, ei­nem palästinensisch-​arabischen Füh­rer ge­sagt be­kom­men zu ha­ben, er sol­le Ge­schich­ten über Greu­el­ta­ten er­fin­den. Abu Mah­mud, 1948 Ein­woh­ner von De­ir Yas­sin, sag­te Kha­li­di, „es gab kei­ne Ver­ge­wal­ti­gun­gen,” doch Kha­li­di ant­wor­te­te „wir müs­sen das sa­gen, da­mit die ara­bi­schen Ar­me­en kom­men und Pa­läs­ti­na von den Ju­den be­freit.” Nussei­beh sag­te der BBC 50 Jah­re spä­ter, „Das war un­ser gröss­ter Feh­ler. Wir rea­li­sier­ten nicht, wie die Men­schen re­agie­ren wür­den. So­bald sie hör­ten, dass Frau­en in De­ir Yas­sin ver­ge­wal­tigt wor­den wa­ren, flo­hen Pa­läs­ti­nen­ser in To­des­angst.” [36] Die­ses Mas­sa­ker­ge­rücht war auch der Haupt­fak­tor im Exo­dus der Ara­ber aus Pa­läs­ti­na. Je­ne, die flo­hen, wur­den von den Ju­den, die den Kampf ge­wan­nen, nicht wie­der zu­rück­ge­be­ten. Kein Frie­dens­ver­trag wur­de un­ter­schrie­ben bis vie­le Jah­re spä­ter, und die Ju­den woll­ten kei­ne fünf­te Ko­lon­ne in ih­rer Mit­te. Die Ver­trä­ge, die mit Ägyp­ten ge­schlos­sen wur­den, ent­hiel­ten kei­ne Rück­kehr zu nor­ma­li­sier­ten Be­zie­hun­gen. Es war ein kal­ter Frie­de. Der Frie­den mit Jor­da­ni­en war viel­leicht ein biss­chen bes­ser.

Im Krieg von 1948 wa­ren die Ju­den 100% er­folg­reich im zu­rück­schla­gen der um­zin­geln­den ara­bi­schen In­va­si­ons­ar­me­en. Jor­da­ni­en hat­te zu je­ner Zeit die ara­bi­sche Le­gi­on, die von den Bri­ten aus­ge­rüs­tet war und von bri­ti­schen Of­fi­zie­ren an­ge­führt wur­de. Gleich­zei­tig wa­ren die Ju­den von ei­nem Waf­fen­em­bar­go be­trof­fen. Die ara­bi­sche Le­gi­on war des­halb er­folg­reich bei ih­rer In­va­si­on west­lich des Jor­dan, bis und ein­schliess­lich Ost­je­ru­sa­lem. Die ägyp­ti­schen Kräf­ten be­weg­ten sich nach Nor­den und ka­men bis in den Ga­za­strei­fen. Un­ter in­ter­na­tio­na­lem Recht gab die­ses Ter­ri­to­ri­um, nach ei­ner Er­obe­rung in ei­nem Ag­gres­si­ons­krieg, den In­va­so­ren kei­ne po­li­ti­schen Rech­te. Nur Eng­land und Pa­ki­stan an­er­kann­ten die Sou­ve­rä­ni­tät Jor­da­ni­ens über des­sen Er­obe­rung.

Is­rae­li­sche Be­frei­ung Ju­dä­as, Sa­ma­ri­as und Ost­je­ru­sa­lems

1967 droh­ten die Ara­ber er­neut mit der Ver­nich­tung der Ju­den. Ägyp­ten blo­ckier­te is­rae­li­schen Schiffs­ver­kehr durch die Stras­se von Ti­ran und mas­sier­te Pan­zer und Trup­pen an sei­ner Gren­ze zu Is­ra­el. Es ver­lan­ge, dass die UNO ih­re Schutz­trup­pe, die 1956 eta­bliert wor­den war, die Zo­ne ver­las­se, selbst oh­ne UNO-​Entscheid. Nas­ser droh­te mit der Ver­nich­tung der Ju­den, oder sie ins Meer zu trei­ben. Is­ra­el hat zu­rück­ge­schla­gen, hat aber selbst nach ei­nem Be­schuss durch jor­da­ni­sche Ar­til­le­rie ei­ne No­tiz an den Kö­nig von Jor­da­ni­en ge­schickt mit dem Hin­weis, dass Jor­da­ni­en sich aus dem Krieg her­aus­hal­ten kön­ne, wenn es den Ar­til­le­rie­be­schuss be­en­de. Jor­da­ni­en lehn­te ab, und sei­ne Ar­mee in Ju­däa, Sa­ma­ria und Ost­je­ru­sa­lem wur­de von den Ju­den bis zum Jor­dan zu­rück­ge­drängt.

Schluss­fol­ge­rung

Das Man­dat­sys­tem war da­zu ge­dacht, Staa­ten zu hel­fen, die nach der 400-​jährigen ot­to­ma­ni­schen Be­set­zung ein un­ab­hän­gi­ges Land wer­den woll­ten, nach­dem sie die de­mo­kra­ti­schen Prin­zi­pi­en ge­lernt und po­li­ti­sche Par­tei­en ge­grün­det hät­ten und zur Selbst­ver­wal­tung in der La­ge ge­we­sen wä­ren. Ei­ne Aus­nah­me wur­de für das jü­di­sche Volk ge­macht, das von den Rö­mern aus Pa­läs­ti­na ver­trie­ben wor­den war, und das als Ei­gen­tü­mer der po­li­ti­schen Rech­te an­er­kannt wur­de. Da war die still­schwei­gen­de Stan­dard für die Be­en­di­gung des Man­da­tes, dass die jü­di­sche Be­völ­ke­rung ei­ne Mehr­heit er­rei­chen soll­te in der Re­gi­on, die sie re­gie­ren und über die sie Sou­ve­rä­ni­tät aus­üben soll­ten. Vor der An­nah­me der Tei­lungs­re­so­lu­ti­on von 1947 hat­te die UNO in der Tat die Ju­den für fä­hig er­kannt, die Sou­ve­rä­ni­tät aus­zu­üben. Die Re­so­lu­ti­on sel­ber war nur ei­ne nicht an­ge­nom­me­ne Emp­feh­lung, und die Tei­lung hat­te kei­ne wei­ter­ge­hen­de Kraft und Wir­kung. Als der Treu­hän­der, Gross­bri­tan­ni­en, sei­ne Treu­hand­schaft im Mai 1948 nie­der­leg­te, war der Nutz­nies­ser der Treu­hand­schaft, das Welt­ju­den­tum, die lo­gi­sche Ein­heit, das le­ga­le Ei­gen­tum der po­li­ti­schen Rech­te, die dann­zu­mal In­halt der Treu­hand­schaft ge­we­sen wa­ren, über­neh­men konn­te. Wenn die UNO ge­dacht hät­te, dass die Ju­den im­mer noch nicht in der La­ge sei­en, die Sou­ve­rä­ni­tät aus­zu­üben, dann hät­te sie 1948 ei­nen an­de­ren Treu­hän­der er­nannt. Auf je­den Fall hat­ten die Ju­den nur drei Jah­re spä­ter, im Jah­re 1950, die Mehr­heit der Be­völ­ke­rung des Ge­bie­tes in­ner­halb der Waf­fen­still­stands­li­nie.

Po­li­tik und die jü­di­schen Rech­te auf Pa­läs­ti­na

Un­ter der lin­ken Labour-​Regierung hat­te Is­ra­el nie ei­nen di­rek­ten An­spruch un­ter den po­li­ti­schen oder na­tio­na­len Rech­te er­ho­ben, die sein Ober­haupt, das Welt­ju­den­tum, un­ter dem in­ter­na­tio­na­len Recht hat­te, zu­nächst von den Haupt­kriegs­mäch­ten, und dann von Staa­ten. Selbst mit der Än­de­rung des Pa­ra­gra­phen 25, der das Recht auf Nie­der­las­sung in Ost­pa­läs­ti­na sus­pen­dier­te, ver­blieb dem Welt­ju­den­tum das Recht auf Pa­läs­ti­na west­lich des Jor­dans, das von 51 Län­dern des Völ­ker­bun­des und von den USA, die die Mit­glied­schaft dar­in ver­wei­gert hat­ten – al­so ei­nem To­tal von 52 Staa­ten, ge­neh­migt war.  Doch der Schub der An­sprü­che der Labour-​Regierung war nicht die San-​Remo-​Übereinkunft, son­dern un­ter den Fak­ten der Er­eig­nis­se von 1948 und da­nach. Die is­rae­li­sche Re­gie­rung sag­te, dass die jor­da­ni­sche Ag­gres­si­on von 1948 dar­in re­sul­tier­te, dass Jor­da­ni­en nie­mals die Sou­ve­rä­ni­tät über Ju­däa, Sa­ma­ria und Ost­je­ru­sa­lem er­langt hat­te. Des­halb, als es 1967 in ei­nem Ver­tei­di­gungs­krieg Jor­da­ni­en aus die­sem Ter­ri­to­ri­um ver­trie­ben hat­te, be­fand es sich nicht in ei­ner krie­ge­ri­schen Be­sat­zung. Jor­da­ni­en war kein le­gi­ti­mer Sou­ve­rän son­dern il­le­ga­ler Be­set­zer ei­nes um­strit­te­nen Ter­ri­to­ri­ums ge­we­sen, auf das die Ju­den ei­nen deut­lich fun­dier­te­ren An­spruch hat­ten. Die Re­gie­rung Is­ra­els hat nie ei­nen An­spruch er­ho­ben, der auf den kon­kur­rie­ren­den An­sprü­chen von Ara­bern und Ju­den bei den Pa­ri­ser Frie­dens­ge­sprä­chen und de­ren Um­set­zung im Ver­trag von Se­v­res, der San Re­mo Re­so­lu­ti­on und dem Pa­läs­tina­man­dat be­ruht. Sie hat nur dar­auf hin­ge­wie­sen.

Jetzt er­he­ben Dou­glas Feith, Jac­ques Gaut­hi­er, Howard Grief, Sa­lo­mon Ben­zim­ra, Cyn­thia Wal­lace, der ehe­ma­li­ge Rich­ter des is­rae­li­schen obers­ten Ge­richts­ho­fes Le­vy und sei­ne zwei ho­hen Kol­le­gen, Alan Baker, Tshia Shapi­ra, und ich ge­nau die­sen An­spruch. Es soll­te in­zwi­schen völ­lig klar sein, dass der An­spruch nicht auf der UNO-​Generalversammlungs-​Resolution von 1947 ba­siert, noch ba­siert er auf den Fak­ten der Er­eig­nis­se von 1948 und da­nach. Er ba­siert auf den Fak­ten, die so früh wie 1917 be­gin­nen, als die Bri­ten ih­re Balfour-​Politik an­nah­men und die­se zu in­ter­na­tio­na­lem Recht wur­de bei der Über­ein­kunft der Haupt­kriegs­mäch­te in San Re­mo 1920 nach Ab­wä­gung der An­sprü­che so­wohl der Ara­ber und der Ju­den auf die po­li­ti­schen und na­tio­na­len Rech­te auf Pa­läs­ti­na. Er wur­de be­stä­tigt durch den Völ­ker­bund für West­pa­läs­ti­na west­lich des Jor­dans von den 51 Na­tio­nen, die sei­ne Mit­glie­der wa­ren. Er ba­siert auf der Prä­sen­ta­ti­on der kon­kur­rie­ren­den An­sprü­che der Ara­ber und Ju­den vor den Haupt­kriegs­mäch­ten bei der Pa­ri­ser Frie­dens­kon­fe­renz und der Be­ur­tei­lung und de­tail­lier­ten Recht­spre­chung über die­se An­sprü­che in San Re­mo zur Ord­nung, die da­nach Man­dat für Pa­läs­ti­na des Völ­ker­bun­des ge­nannt wur­de. Er ba­siert auf der ju­ris­ti­schen Dok­trin von „er­wor­be­nen Rech­ten” und „Rechts­ver­wir­kung”, die je­dem Staat ver­bie­tet, ei­nem an­de­ren Staat zu ver­weh­ren, was be­reits in ei­nem Ver­trag oder ei­ner in­ter­na­tio­na­len Ver­ein­ba­rung zu­ge­ge­ben oder an­er­kannt wor­den ist. Er ba­siert auf Ar­ti­kel 80 der UNO-​Charta, die po­li­ti­sche Rech­te be­wahrt, die von den Ver­ei­nig­ten Staa­ten und den Haupt­kriegs­mäch­ten in den 1920ern an­er­kannt wor­den wa­ren. Wäh­rend Chaim Weiz­mann und ei­ni­ge der Zio­nis­ti­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen be­reit ge­we­sen sind, die­se Rech­te auf­zu­ge­ben, so wa­ren vie­le nie da­mit ein­ver­stan­den und ha­ben sich in ei­ne an­de­re Or­ga­ni­sa­ti­on ab­ge­spal­ten, die von Ja­bo­tin­sky ge­führt wird.

Und trotz der Ak­zep­tanz des spä­te­ren Ver­lus­tes von Trans­jor­da­ni­en war Chaim Weiz­mann, mass­geb­lich an der Er­lan­gung der Balfour-​Deklaration be­tei­ligt, ent­zückt von dem, was üb­rig ge­blie­ben war. Guathi­er hat Weiz­manns Re­ak­ti­on auf die San Re­mo Ent­schei­dung, die den Ju­den ih­re Rech­te un­ter in­ter­na­tio­na­lem Recht gab, wie folgt pa­ra­phra­siert [37]„Das ist das wich­tigs­te po­li­ti­sche Er­eig­nis in der gan­zen Ge­schich­te der Zio­nis­ti­schen Be­we­gung, und es ist kei­ne Über­trei­bung, zu sa­gen, in der gan­zen Ge­schich­te un­se­res Vol­kes seit dem Exil.”

Wel­che Wert ge­ben die Ara­ber der Balfour-​Erklärung? Ein Re­zen­sent von „Der Ei­sen­kä­fig: Die Ge­schich­te des Kamp­fes von Pa­läs­ti­na um Ei­gen­staat­lich­keit” [38], ei­nem Buch von Co­lum­bia Pro­fes­sor Ra­shid Kha­li­di, der frü­her ein Spre­cher der PLO war, sag­te „Kha­li­di hat sei­nen ei­ge­nen Satz an ex­ter­nen Schul­di­gen, ab­ge­se­hen von der Schuld, die er be­reit ist an­zu­neh­men zu­han­den der Ara­ber für die Nak­ba, oder die Ka­ta­stro­phe, wie sie es nen­nen.” Der al­ler­ers­te auf­ge­führ­te sind „Bri­ti­sche Ko­lo­ni­al­meis­ter wie Lord Bal­four, die die na­tio­na­len [po­li­ti­schen] Rech­te der Nicht-​Juden nicht an­er­ken­nen woll­ten; …” [39]

Wel­ches ist dann die Re­gel un­ter in­ter­na­tio­na­lem Recht? Es ist „Es gibt kei­nen le­ga­len An­spruch auf na­tio­na­le Selbst­be­stim­mung für pa­läs­ti­nen­si­sche Ara­ber west­lich des Jor­dans ab­ge­se­hen vom fried­li­chen Bür­ger in ei­ner de­mo­kra­ti­schen Struk­tur, die das Ge­biet als Gan­zes über­deckt.” [40]

An­mer­kun­gen

  1. Le­vy Re­port, English Trans­la­ti­on
  2. Fourth Ge­ne­va Con­ven­ti­on, Ar­ti­cle 49
  3. San Re­mo Re­so­lu­ti­on
  4. Bal­four De­cla­ra­ti­on
  5. Bri­ti­sches Man­dat für Pa­läs­ti­na, (1922)
    Sie­he Hertz, „Man­da­te for Pa­lesti­ne,” Ap­pen­dix A, oder auch hier. Bei­de Ver­sio­nen ent­hal­ten Land­kar­ten und Zu­satz­ma­te­ri­al.
  6. So­ver­eign­ty Over the Old Ci­ty of Je­ru­sa­lem; A Stu­dy of the His­to­ri­cal, Re­li­gious, Po­li­ti­cal and Le­gal As­pects of the Ques­ti­on of the Old Ci­ty, ein­ge­reicht von Dr. Jac­ques Gaut­hi­er als Dok­tor­ar­beit an die Uni­ver­si­tät Genf, 2007.
  7. Howard Grief, Le­gal Foun­da­ti­ons and Bounda­ries of Is­ra­el un­der In­ter­na­tio­nal Law
  8. Sa­lo­mon Ben­zim­ra, The Je­wish Peop­les’ Rights to the Land of Is­ra­el
  9. Wal­lace Brand, Her­aus­ge­ber, Part 1 und Part 2
  10. Cyn­thia Wal­lace, „Foun­da­ti­ons of the In­ter­na­tio­nal Le­gal Rights of the Je­wish Peop­le and the Sta­te of Is­ra­el and the Im­pli­ca­ti­ons for the Pro­po­sed New Pa­lesti­ni­an Sta­te.”
  11. Eng­li­sche Über­set­zung der ju­ris­ti­schen Ar­gu­men­te im Levy-​Report
  12. Israel’s Le­gi­ti­ma­cy in Law and Histo­ry, her­aus­ge­ge­ben von Ed­ward M. Sie­gel, Esq., Cen­ter for Ne­ar East Po­li­cy Re­se­arch, New York (1993). pp 113.
  13. „Israel’s Le­gal Right to Sa­ma­ria”
  14. Dou­glas Feith, „A Man­da­te for Pa­lesti­ne.” El­liott A. Green, „In­ter­na­tio­nal Law re­gar­ding the Sta­te of Is­ra­el and Je­ru­sa­lem”
  15. Mei­nung von Theo­dor Me­ron
  16. Be­richt von Ta­lia Sas­son.
  17. Sie­he Punkt 11.
  18. All­ge­mei­ne Er­klä­rung der Men­schen­rech­te
  19. Alan Baker, „The Sett­le­ments Is­sue: Dis­torting the Ge­ne­va Con­ven­ti­on and the Os­lo Ac­cords”
  20. Le­vy Re­port, English Trans­la­ti­on, su­pra. No­te #1.
  21. UNGA Re­so­lu­ti­on 181, 1947 Par­ti­ti­on Re­com­men­da­ti­on
  22. UNO-​Charta, Ka­pi­tel 12: In­ter­na­tio­na­les Treu­hand­schafts­sys­tem
  23. Howard Grief „Le­gal Rights and Tit­le of So­ver­eign­ty of the Je­wish Peop­le to the Land of Is­ra­el and Pa­lesti­ne un­der In­ter­na­tio­nal Law
    [Ma­te­ri­al in Klam­mern hin­zu­ge­fügt]
  24. Lee, The Man­da­te for Me­so­po­ta­mia and the Princip­le of Trus­tee­ship in English Law, (1921) Völ­ker­bund, For­got­ten Books Cri­ti­cal Re­print Se­ries (2012). Sie­he auch den Ent­scheid des in­ter­na­tio­na­len Ge­richts­hof im Namibia-​Fall, LEGAL CONSEQUENCES FOR STATES OF THE CONTINUED PRESENCE OF SOUTH AFRICA IN NAMIBIA (SOUTH-​WEST AFRICA) NOTWITHSTANDING SECURITY COUNCIL RESOLUTION 276 (1970) Ad­vi­so­ry Opi­ni­on vom 21. Ju­ni 1971
  25. Mel­dung der NY­Ti­mes zum Kriegs­en­de
  26. Stel­lung­nah­me der zio­nis­ti­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen zu Je­ru­sa­lem, prä­sen­tiert an der Pa­ri­ser Frie­dens­kon­fe­renz
  27. Ver­trag von Se­v­res, Ar­ti­cle 95
  28. Me­mo­ran­dum von Lord Bal­four an Lord Cur­zon, 11. Au­gust 1919, Do­ku­ment Num­mer 242 von: EL Wood­ward und Rohan But­ler, Do­cu­ments on Bri­tish For­eign Po­li­cy, 1919 – 1939. (Lon­don: HM Sta­tio­ne­ry Of­fice, 1952), 340 – 348.
  29. Kirk­bri­de, A Crack­le of Thorns, Ka­pi­tel 3
  30. Fried­man, Pa­lesti­ne: A Twice-​Promised Land, Vol. 1: The Bri­tish, the Arabs, and Zio­nism, 1915 – 1920. (2000)
  31. Sa­cher, The Es­ta­blish­ment of a Je­wish Sta­te, Lon­don (1952), Hy­pe­ri­on Re­print edi­ti­on, 1976
  32. Ben­zim­ra, The Je­wish Peop­les Rights to the Land of Is­ra­el., no­te #8
  33. Sie­he: „Acts of Ag­gres­si­on Pro­vo­ked, Com­mit­ted, and Pre­pa­red by Arab Sta­tes in Con­cert with the Pa­lesti­ne Arab Hig­her Com­mit­tee against the Je­wish Po­pu­la­ti­on of Pa­lesti­ne in an At­tempt to Al­ter by Force the Sett­le­ment En­vi­sa­ged by the Ge­ne­ral Assembly’s Re­so­lu­ti­on on the Fu­ture Go­vernment of Pa­lesti­ne,” Me­mo­ran­dum ein­ge­reicht von der Je­wish Agen­cy for Pa­lesti­ne an die UNO-​Kommission für Pa­läs­tio­na, 2. Feb. 1948; Mos­he Sher­tok, „Let­ter from the Je­wish Agen­cy for Pa­lesti­ne, da­tiert vom 29. März 1948, adres­siert an den Ge­ne­ral­se­kre­tär über ein Me­mo­ran­dum über Ak­te ara­bi­scher Ag­gres­si­on,” UNSC, S/​710, Apr. 5, 1948.
    http://domino.un.org/pdfs/AAC21JA12.pdf
  34. UNGA Res 181, Re­com­men­ding Par­ti­ti­on, no­te #21, su­pra.
  35. Wall St. Jour­nal
  36. Myth and Fact
  37. „Je­ru­sa­lem: Un­ser an­ge­stamm­tes Recht: Ju­den hal­ten die le­ga­le Sou­ve­rä­ni­tät über Is­ra­els gan­ze Haupt­stadt, wie Ge­lehr­te her­aus­ge­fun­den ha­ben,” Ar­ti­kel aus dem Je­wish He­rald Voice
  38. The Iron Ca­ge: The Sto­ry of the Pa­lesti­ni­an Strugg­le for State­hood by Ra­shid Kha­li­di (Oct 15, 2006) [bra­cke­ted ma­te­ri­al ad­ded]
  39. „As­ses­sing the Ro­le Pa­lesti­ni­ans Have Play­ed in the Fai­led Bid for State­hood,” Ste­ven Er­lan­ger, NY Times, Oct. 7, 2006.
  40. Rie­ben­feld, „The Le­gi­ti­ma­cy of Je­wish Sett­le­ment in Ju­dea, Sa­ma­ria and Ga­za,” in Ed­ward M. Sie­gel, ed., Israel’s Le­gi­ti­ma­cy in Law and Histo­ry,no­te #12 su­pra, pp. 55,56.

Wal­lace Ed­ward Brand, JD, ist ein Ab­sol­vent von Har­vard und UCLA. Er ist ein pen­sio­nier­ter An­walt, der in Vir­gi­nia lebt. Die­ser Ar­ti­kel wur­de am 18. April 2013 ein­ge­sandt.

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