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„Eth­ni­sche Säu­be­rung” in Is­ra­el und den is­rae­li­schen Gebieten

12.9.2016, First One Through Blog

Der Be­griff „eth­ni­sche Säu­be­rung” ist im arabisch-​israelischen Kon­flikt häu­fig ver­wen­det wor­den. Die Re­ak­tio­nen auf die Aus­sa­ge ste­hen im um­ge­kehr­ten Ver­hält­nis zur Wahrheit.

Pa­läs­ti­nen­si­sche Be­haup­tun­gen ei­ner is­rae­li­schen „eth­ni­schen Säuberung”

Im Jahr 2012 stand der am­tie­ren­de Prä­si­dent der Pa­läs­ti­nen­si­schen Au­to­no­mie­be­hör­de, Mah­mud Ab­bas, vor den Ver­ein­ten Na­tio­nen und be­haup­te­te, dass Is­ra­el mit ei­ner „eth­ni­schen Säu­be­rung” der pa­läs­ti­nen­si­schen Ara­ber be­schäf­tigt sei. Zu­erst sprach er von „eth­ni­scher Säu­be­rung”, als Is­ra­el sei­ne Un­ab­hän­gig­keit erklärte:

„Das pa­läs­ti­nen­si­sche Volk, das sich auf wun­der­sa­me Wei­se von der Asche von Al-​Nakba von 1948 er­hol­te, die be­stimmt war, ihr We­sen aus­zu­lö­schen und sie zu ver­trei­ben, um sie zu ent­wur­zeln und ih­re An­we­sen­heit aus­zu­lö­schen, die in den Tie­fen ih­res Lan­des und den Tie­fen ih­rer Ge­schich­te ver­wur­zelt wa­ren. In die­sen dunk­len Ta­gen, als Hun­dert­tau­sen­de von Pa­läs­ti­nen­sern aus ih­ren Häu­sern ge­ris­sen und ver­trie­ben wur­den, hin­aus­ge­wor­fen von ih­rem schö­nen, um­ar­men­den, wohl­ha­ben­den Land in die Flücht­lings­la­ger, in ei­ner der schreck­lichs­ten Kam­pa­gnen eth­ni­scher Säu­be­rung und Ent­eig­nung in der mo­der­nen Geschichte.”

Ab­bas ver­nach­läs­sig­te es, zu er­wäh­nen, dass die pa­läs­ti­nen­si­schen Ara­ber ih­re Häu­ser ver­lies­sen, wäh­rend ih­re be­freun­de­ten Ara­ber ei­nen An­griff auf den im Ent­ste­hen be­grif­fe­nen jü­di­schen Staat ins Le­ben ge­ru­fen hat­ten, um ihn voll­stän­dig zu zer­stö­ren. Die Ara­ber schei­ter­ten in ih­rer völ­ker­mör­de­ri­schen Mis­si­on. Doch sei­ner­seits ge­währt Is­ra­el al­len Ara­bern, die in sei­nem Ho­heits­ge­biet le­ben, vol­le Staats­bür­ger­schaft. Ei­ne voll­stän­di­ge Um­keh­rung der Be­haup­tung, dass Is­ra­el die Ab­sicht hat, „ih­re [ara­bi­schen] Mit­men­schen aus­zu­lö­schen und sie zu ver­trei­ben, um sie zu ent­wur­zeln und ih­re An­we­sen­heit auszulöschen.”

Ab­bas be­haup­tet wei­ter­hin, dass Is­ra­el sich bis heu­te in „eth­ni­schen Säu­be­run­gen” ergehe:

„Wir ha­ben nicht ein Wort von ir­gend ei­nem is­rae­li­schen Of­fi­zi­el­len ge­hört, das ir­gend wel­che auf­rich­ti­ge Sor­ge zum Aus­druck ge­bracht hät­te, den Frie­dens­pro­zess zu ret­ten. Im Ge­gen­teil, un­ser Volk er­leb­te, und er­lebt wei­ter­hin, ei­ne bei­spiel­lo­se Ver­schär­fung der mi­li­tä­ri­schen An­grif­fe, der Blo­cka­de, der Sied­lungs­tä­tig­keit und eth­ni­schen Säu­be­run­gen, vor al­lem im be­setz­ten Ost-​Jerusalem, und Mas­sen­ver­haf­tun­gen, An­grif­fe von Sied­lern und an­de­re Prak­ti­ken, mit de­nen die­se is­rae­li­sche Be­set­zung im­mer gleich­be­deu­ten­der wird mit ei­nem Apartheid-​System der ko­lo­nia­len Be­sat­zung, die die Pest des Ras­sis­mus in­sti­tu­tio­na­li­siert und Hass und Het­ze verschanzt.”

Ab­bas hat be­que­m­er­wei­se die Hun­der­te von Ra­ke­ten, die wäh­rend des gan­zen Jah­res aus dem Ga­za­strei­fen nach Is­ra­el ab­ge­feu­ert wur­den, zu er­wäh­nen ver­ges­sen. Er ver­gass auch zu er­wäh­nen, dass Is­ra­el Ga­za im Jahr 2005 ver­ließ und den pa­läs­ti­nen­si­schen Ara­bern zum ers­ten Mal seit Hun­der­ten von Jah­ren er­laub­te, sich sel­ber zu regieren.

Ganz egal. Die Men­schen in den Ver­ein­ten Na­tio­nen ga­ben Ab­bas ei­nen ste­hen­den Ap­plaus.

Der am­tie­ren­de Prä­si­dent der Pa­läs­ti­nen­si­schen Au­to­no­mie­be­hör­de, Mahmoud Ab­bas, bei sei­ner Re­de an die Ver­ein­ten Na­tio­nen 2012.

UNO-​Behauptungen ei­ner is­rae­li­schen „eth­ni­schen Säuberung”

Im Jahr 2014 er­klär­te der „Son­der­be­richt­erstat­ter für die be­setz­ten pa­läs­ti­nen­si­schen Ge­bie­te” (ja, das ist tat­säch­lich ein Ti­tel), des­sen Auf­ga­be es ist, über Is­rae­lis zu be­rich­ten, dass Is­ra­el in Ost-​Jerusalem „eth­ni­sche Säu­be­run­gen” be­ge­hen würde.

„Das fort­ge­setz­te Mus­ter der Sied­lungs­er­wei­te­rung in Ost-​Jerusalem, kom­bi­niert mit der ge­walt­sa­men Ver­trei­bung von lan­ge am Ort wohn­haf­ten Pa­läs­ti­nen­sern, schafft ei­ne un­er­träg­li­che Si­tua­ti­on, die nur be­schrie­ben wer­den kann, in ih­rer ku­mu­la­ti­ven Wir­kung, als ei­ne Form der eth­ni­schen Säuberung.”

Die Fak­ten be­wei­sen das ge­naue Ge­gen­teil: die Ara­ber in Je­ru­sa­lem wach­sen schnel­ler als die nicht-​arabische Bevölkerung.

Wie in „Aar­a­ber in Je­ru­sa­lem” de­tail­liert, liegt die ara­bi­sche Be­völ­ke­rung in Je­ru­sa­lem nun bei 36%, im Ver­gleich zu 26%, als die Stadt 1967 wie­der­ver­ei­nigt wur­de. Von 1967 bis 2011 wuchs die ara­bi­sche Be­völ­ke­rung in der Stadt um den Fak­tor 5,7, wäh­rend die jü­di­sche Be­völ­ke­rung in der is­rae­li­schen Haupt­stadt nur um den Fak­tor 3,4 wuchs im glei­chen Zeitraum.

Un­ab­hän­gig von den Fak­ten rief der „Son­der­be­richt­erstat­ter” die Ver­samm­lung da­zu auf, An­stren­gun­gen zu un­ter­neh­men, dass das obers­te UNO-​Tribunal, der In­ter­na­tio­na­len Ge­richts­hof (IGH), Be­haup­tun­gen be­wer­ten kön­ne, dass die an­dau­ern­de Be­set­zung der West­bank und Ost-​Jerusalems Ele­men­te des „Ko­lo­nia­lis­mus”, „Apart­heid „und” eth­ni­scher Säu­be­rung” enthalte.

Kein Kom­men­tar aus den USA oder von sonst je­mand über die ab­sur­den und ät­zen­den Aus­sa­gen, noch über den Ver­rück­ten, der sie mach­te (der üb­ri­gens zu­fäl­li­ger­wei­se ein gro­ßer 911 Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker ist).

Be­hau­tun­gen des is­rae­li­schen Pre­mier­mi­nis­ter über pa­läs­ti­nen­si­sche „eth­ni­sche Säuberung”

Im Sep­tem­ber 2016 be­schul­dig­te der is­rae­li­sche Pre­mier­mi­nis­ter Ben­ja­min Net­anya­hu die Pa­läs­ti­nen­ser, Ju­den aus ih­rer his­to­ri­schen Hei­mat von Ju­däa und Sa­ma­ria /​ der West­bank „eth­nisch zu säu­bern”. Ne­tan­ja­hu mach­te sei­ne Aus­sa­ge, weil Ab­bas er­klärt hat­te, dass er nicht ei­nen ein­zi­gen Is­rae­li ak­zep­tie­ren kön­ne, der in ei­nem neu­en Staat Pa­läs­ti­na lebt.

Net­anya­hu hat die Viel­zahl von an­de­ren Ge­set­zen der Pa­läs­ti­nen­si­schen Au­to­no­mie­be­hör­de nicht ein­mal er­wähnt, wie sie de­tail­liert in „Ab­bas kennt Ras­sis­mus” ge­nannt wer­den, beispielsweise:

  • das Ge­setz der PA, das Ara­ber, die Land an Ju­den ver­kau­fen, zum To­de verurteilt.
  • Pa­läs­ti­nen­si­sche Uni­ver­si­tä­ten ver­sper­ren den Zu­gang für Ju­den.

Die Ur­sprün­ge der ara­bi­schen eth­ni­schen Säu­be­rung von Ju­den reicht Jahr­zehn­te zu­rück, als die Jor­da­ni­er Ost­je­ru­sa­lem und die West­bank 1950 il­le­gal an­nek­tier­ten und al­le Ju­den aus dem Ge­biet ver­trie­ben. Jor­da­ni­en er­liess dann 1954 ein Staats­bür­ger­schafts­ge­setz, das spe­zi­ell Ju­den von der Staats­bür­ger­schaft in ih­rem ei­ge­nen Hei­mat­land AUSSCHLOSS.

„Je­de Per­son, die, oh­ne jü­disch zu sein, vor dem 15. Mai 1948 pa­läs­ti­nen­si­sche Na­tio­na­li­tät be­saß und ei­ne re­gel­mä­ßi­ge Re­si­denz im Ha­sche­mi­ti­schen Kö­nig­reich Jor­da­ni­en hat­te zwi­schen dem 20. De­zem­ber 1949 und 16. Fe­bru­ar 1954” (Ar­ti­kel 3)

Was al­so war die Re­ak­ti­on der Welt, als Net­anya­hu schließ­lich ei­ni­ge kla­re und of­fen­sicht­li­che Tat­sa­chen fest­stell­te? Verurteilung.

Der Spre­cher des US-​Außenministerium re­agier­te auf das Netanyahu-​Video: „Wir glau­ben, dass die­se Art von Ter­mi­no­lo­gie un­an­ge­mes­sen und we­nig hilf­reich ist.”

Als Ab­bas hör­te, dass Net­anya­hu die An­kla­ge der „eth­ni­schen Säu­be­rung” ver­wen­de­te, dop­pel­te Ab­bas nach mit der Wie­der­ho­lung der Aus­sa­ge, dass Is­ra­el „eth­ni­sche Säu­be­rung” ge­gen die Pa­läs­ti­nen­ser einsetze.

Kein Kom­men­tar aus dem Sta­te De­part­ment über Ab­bas’ Ver­wen­dung des Begriffs.

Die ak­tu­el­le Re­gie­rung der USA und die Ver­ein­ten Na­tio­nen ha­ben kei­ne Zeit oder In­ter­es­se da­für, wenn Is­rae­lis ein­fa­che Wahr­hei­ten aus­spre­chen. Es scheint, dass, wenn Sie wol­len, dass die Welt mit Ih­nen ein­ver­stan­den ist und ap­plau­diert, Sie am bes­ten be­dient sind, wenn Sie Fak­ten leug­nen wie die pa­läs­ti­nen­si­schen Araber.

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  1. 2016 FirstOneThrough Summary | FirstOneThrough

    […] Po­li­ti­sches Audiatur […]

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