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Ein „gang­ba­rer” pa­läs­ti­nen­si­scher Staat

First One Through Blog, 19. März 2016

Zu­sam­men­fas­sung: Ex­per­ten plap­pern pa­läs­ti­nen­si­sche Pro­pa­gan­da nach und er­klä­ren, dass Ju­den in den Häu­sern auf dem West­ufer des Jor­dan Ri­ver (WBJR) die Le­bens­fä­hig­keit ei­nes pa­läs­ti­nen­si­schen Staa­tes be­dro­hen wür­den, und Jo­di Ru­do­ren von der New York Times ist die ak­tu­ells­te von ih­nen. Wie Shake­speare schrieb „Die Da­me scheint mir zu viel zu pro­tes­tie­ren, dünkt mich.”

New York Times Ti­tel­sto­ry über die „Sied­lun­gen”

Jo­dy Ru­do­ren von der New York Times nahm er­neut den Bau von jü­di­schen Hei­men in Ge­bie­ten, die die Pa­läs­ti­nen­ser für ih­ren zu­künf­ti­gen Staat be­an­spru­chen, auf die Ti­tel­sei­te. In der Ti­tel­ge­schich­te vom 12. März schrieb sie: „Ste­ti­ges Wachs­tum der Sied­lun­gen in der be­setz­ten West­bank und von Ost-​Jerusalem, was die meis­ten Füh­rer der Welt als Ver­let­zung des Völ­ker­rechts be­trach­ten, er­schwert die Schaf­fung ei­nes le­bens­fä­hi­gen Pa­läs­ti­na und die Her­aus­for­de­rung, ei­nes Ta­ges Is­rae­lis zu ent­wur­zeln, die nun ei­ne zwei­te und drit­te Ge­ne­ra­ti­on in den um­strit­te­nen Ge­bie­ten auf­zie­hen.” Der über tau­send Wor­te um­fas­sen­de Ar­ti­kel de­tail­liert die Grös­se der ver­schie­de­nen Städ­te und die Zahl der dort le­ben­den Ju­den, dis­ku­tiert aber nicht ein ein­zi­ges Mal, wie die An­we­sen­heit von Ju­den „die Schaf­fung ei­nes le­bens­fä­hi­gen Pa­läs­ti­na er­schwert.” Tho­mas Fried­man wie­der­hol­te das Sen­ti­ment in sei­ner Ko­lum­ne vom 18. März 2015, wo er schrieb „rund 350’000 Sied­ler le­ben heu­te in der West­bank, was es schwer macht, zu se­hen, wie ei­ne trag­fä­hi­ge zwei-​Staaten-​Lösung noch mög­lich ist. „Las­sen sie mich durch­buch­sta­bie­ren, was sie vor­schla­gen.

MENSCHEN

Pa­läs­ti­nen­ser stre­ben nicht nur die Er­rich­tung ei­nes neu­en Lan­des an, in dem sie selbst­ver­wal­tet sein kön­nen; sie ver­lan­gen ein ju­den­frei­es Land. Es ist, als ob die An­we­sen­heit von Ju­den ei­ne Art von schreck­li­chem ana­phy­lak­ti­schem Schock für das pa­läs­ti­nen­si­sche Volk aus­löst.

Im Jahr 2013 er­klär­te der am­tie­ren­de Pa­läs­ti­ne­ner­prä­si­dent Mahmoud Ab­bas, „wir wer­den die Prä­senz kei­nes ein­zi­gen Is­rae­li se­hen – Zi­vi­list oder Sol­dat – auf un­se­rem Land” Aus ir­gend­ei­nem Grund ver­ab­scheut Ab­bas die An­we­sen­heit von Ju­den. Dies scheint der Grund für das Den­ken der Me­di­en zu sein, dass Ju­den die Le­bens­fä­hig­keit ei­nes pa­läs­ti­nen­si­schen Staa­tes ge­fähr­den.

Igno­rie­ren wir für den Au­gen­blick den ekla­tant an­ti­se­mi­ti­schen Cha­rak­ter von Ab­bas’ Wunsch, und be­trach­ten wir die Zahl der Ju­den, die mög­li­cher­wei­se in ei­nem neu­en Staat Pa­läs­ti­na le­ben könn­ten.

Klei­ner Pro­zent­satz: Ju­den um­fas­sen rund 40% der Be­völ­ke­rung im öst­li­chen Teil von Je­ru­sa­lem; et­wa 13% des rest­li­chen West­ufers des Jor­dan­flus­ses (WBJR) und 0% von Ga­za. Wenn man den öst­li­chen Teil von Je­ru­sa­lem igno­riert, den Is­ra­el an­nek­tiert hat, be­trägt der jü­di­sche An­teil 8% der Be­völ­ke­rung in den Ge­bie­ten. Wenn ein Teil der pa­läs­ti­nen­si­schen Be­völ­ke­rung, der auf der gan­zen Welt lebt (ge­schätzt auf 7 Mil­lio­nen Men­schen) in ei­nen neu­en Staat Pa­läs­ti­na um­zie­hen wür­de – et­wa 2 Mil­lio­nen von ih­nen – dann wür­de der Ge­samt­an­teil der Ju­den auf 5% sin­ken. Wenn Land­tausch mit Is­ra­el Blö­cke von Städ­ten mit Ju­den nach Is­ra­el be­wegt, dann sinkt der An­teil in den sehr nied­ri­gen ein­stel­li­gen Be­reich.

Ist das wirk­lich ein Knack­punkt für Ab­bas? Braucht er wirk­lich ein Land, das voll­stän­dig ju­den­frei ist, wie Nazi-​Deutschland? Wür­de ei­ne jü­di­sche Be­völ­ke­rung von 2 – 3% ei­nen Staat nicht le­bens­fä­hig ma­chen?

Viel­leicht soll­te er nach Is­ra­el schau­en, wo es mit nicht-​jüdischen Bür­gern gut zu funk­tio­nie­ren scheint, die 25% der Be­völ­ke­rung des Lan­des aus­ma­chen. Umm al-​Fahm in Is­ra­el ist ei­ne Stadt mit fast 50’000, von de­nen fast al­le is­rae­li­sche Ara­ber sind. Na­za­reth, mit ei­ner Be­völ­ke­rung von über 66’000, ist auch völ­lig ara­bisch. Hai­fa, ei­ne der gröss­ten Städ­te Is­ra­els, hat ei­ne 24%ige ara­bi­sche Be­völ­ke­rung. Die ara­bi­sche Prä­senz be­lei­digt nicht Is­rae­lis und wirkt sich nicht auf die „Über­le­bens­fä­hig­keit” von Is­ra­el aus, und sie ma­chen ei­ne 10-​mal so gros­se Grup­pe aus, wie die Grup­pe der Ju­den in ei­nem neu­en Land Pa­läs­ti­na.

„Ent­wur­ze­lung von Is­rae­lis”: Ro­du­ren schrieb, dass es schwie­rig sein wird, Hun­dert­tau­sen­de von jü­di­schen Is­rae­lis aus ih­ren Häu­sern zu be­we­gen. Sie hat Recht: ei­ne so mas­si­ve Ver­trei­bung wür­de die Ver­trei­bung der Is­rae­lis aus dem Si­nai 1982 und Ga­za 2005 in den Schat­ten stel­len. Die Si­tua­ti­on hier ist auch völ­lig an­ders.

Als Is­ra­el den Si­nai von Ägyp­ten über­nahm im Krieg von 1967, war es Neu­land. Es war nie Teil des Hei­li­gen Lan­des der Ju­den und war nicht Teil des Palästina-​Mandats von 1922, das ei­ne jü­di­sche Heim­stät­te in Pa­läs­ti­na be­grün­de­te. Die 4500 Is­rae­lis, die im Si­nai leb­ten, die von der is­rae­li­schen Re­gie­rung als Teil ei­nes Frie­dens­ver­tra­ges ver­trie­ben wur­den, wa­ren sie neu in die Re­gi­on Ein­ge­wan­der­te.

Als Is­ra­el die 21 Sied­lun­gen im Ga­za­strei­fen räum­te 2005, war es viel schwie­ri­ger. Ga­za war Teil von Pa­läs­ti­na und wird in der Bi­bel er­wähnt. Es war je­doch nie die Hei­mat be­son­ders vie­ler Ju­den zu je­dem be­lie­bi­gen Punkt in sei­ner Ge­schich­te.

Das WBJR (plus zu­sätz­li­che Flä­chen) sind be­kannt als Ju­däa und Sa­ma­ria. Es war IMMER ein Teil der jü­di­schen Ge­schich­te ge­we­sen und Ju­den leb­ten schon im­mer in der ge­sam­ten Re­gi­on, mit Aus­nah­me kur­zer Zei­ten, als sie ver­trie­ben und ver­bannt wor­den wa­ren (wie et­wa als jor­da­ni­sche und pa­läs­ti­nen­si­sche Ara­ber die Ge­gend von 1949 – 67 be­herrsch­ten). Das Ge­biet war ein in­te­gra­ler Teil des bri­ti­schen Man­dats­ge­bie­tes Pa­läs­ti­na von 1922, das ein jü­di­sches Hei­mat­land eta­blier­te. Als Is­ra­el le­gal die Jor­da­ni­er 1967 in ei­nem Ge­gen­an­griff hin­ter den Jor­dan zu­rück­warf, ent­fern­te es die ras­sis­ti­sche Ver­ban­nung von Ju­den im Land, die die Jor­da­ni­er in Kraft ge­setzt hat­ten, nach­dem sie al­le Ju­den ent­ge­gen der Vier­ten Gen­fer Kon­ven­ti­on ver­trie­ben. Im Jahr 1967 er­laub­te Is­ra­el Ju­den, in Ge­bie­te zu­rück­zu­keh­ren, in de­nen sie im­mer ge­lebt hat­ten.

Die „Kom­pli­ka­ti­on” ei­ner „ir­gend­wann statt­fin­den­den Ent­wur­ze­lung” von Hun­dert­tau­sen­den von Is­rae­lis, die im WBJR le­ben, ist nicht et­wa die schie­re Grös­se der Zah­len. Die­se Be­woh­ner ge­hö­ren dort hin und soll­ten über­haupt nicht ver­trie­ben oder ge­zwun­gen wer­den, es zu ver­las­sen.

Ent­ge­gen pa­läs­ti­nen­si­schem Recht: Im Jahr 2002 ha­ben Pa­läs­ti­nen­ser ei­nen Ge­set­zes­rah­men ver­fasst, ge­nannt das Grund­ge­setz. Es ga­ran­tiert theo­re­tisch die Frei­heit der Re­li­gi­on:

  • Ar­ti­kel 18: Die Frei­heit des Glau­bens und die Leis­tung von re­li­giö­sen Ri­tua­len sind ga­ran­tiert, so­fern sie nicht ge­gen die öf­fent­li­che Ord­nung oder die öf­fent­li­che Mo­ral ver­stos­sen. Es ist in­ter­es­sant (ver­rä­te­risch?), dass die Pa­läs­ti­nen­ser die Re­li­gi­ons­frei­heit ga­ran­tie­ren wol­len, so­lan­ge es kei­ne Ju­den gibt im Land.

LAND

An­de­re Me­di­en­quel­len be­haup­ten, dass die Ge­fahr für ei­nen le­bens­fä­hi­gen pa­läs­ti­nen­si­schen Staat nicht in der An­we­sen­heit von Ju­den, son­dern in der rest­li­chen Kon­fi­gu­ra­ti­on des Lan­des be­steht.

Zum Bei­spiel schrieb der Guar­di­an über die mög­li­che Ent­wick­lung ei­ner als „E1” be­kann­ten Land­par­zel­le, was für „öst­lich von Je­ru­sa­lem” steht, die Is­ra­el ent­wi­ckeln will, um den öst­li­chen Teil der Ge­mein­de Je­ru­sa­lem mit der gros­sen Stadt Maa­le Adu­mim zu ver­bin­den. The Guar­di­an schrieb: „Trotz sei­nes pro­sai­schen Na­mens hat E1 das Po­ten­zi­al, Hoff­nun­gen auf ei­nen le­bens­fä­hi­gen pa­läs­ti­nen­si­schen Staa­tes mit Ost-​Jerusalem als Haupt­stadt zu zer­stö­ren, ge­mäss Geg­nern der is­rae­li­schen Ent­wick­lung auf dem 12 Qua­drat­ki­lo­me­ter Ge­län­de öst­lich von Je­ru­sa­lem. … Es wür­de auch die West­bank fast hal­bie­ren, was ei­nen zu­sam­men­hän­gen­den pa­läs­ti­nen­si­schen Staa­tes fast un­mög­lich macht.

Wäh­rend die An­ne­xi­on von E1 „Ost-​Jerusalem” als Haupt­stadt ei­nes zu­künf­ti­gen pa­läs­ti­nen­si­schen Staa­tes wahr­schein­lich ab­schnei­den wür­de, tut es nichts, um der Le­bens­fä­hig­keit ei­nes neu­en Lan­des zu scha­den. sol­che Kom­men­ta­re echoen ein­fach die alar­mis­ti­sche Po­si­ti­on der pa­läs­ti­nen­si­schen Re­gie­rung, „wir kön­nen kei­nen le­bens­fä­hi­gen Staat auf­bau­en mit ei­nem Land, das in klei­ne Stü­cke zer­fällt.

Die „Hal­bie­rung der West­bank”, die der Ar­ti­kel be­haup­tet, be­zieht sich auf die Di­stanz von Maa­le Adu­mim bis zum Jor­dan, die nur 15 Ki­lo­me­ter wä­re. Dies wür­de die engs­te Stel­le der WBJR. Das ge­schieht nur an ei­nem ein­zi­gen Punkt in der Mit­te der ju­däi­schen Wüs­te, be­vor sie sich auf vie­le Mei­len er­wei­tert.

15 km breit

Kar­te der schmals­ten Stel­len, Ho­nest Re­porting

Is­ra­els engs­te Stel­le ist die­sel­ben 15 Ki­lo­me­ter schmal, aus­ser dass die­se schma­le Stel­le meh­re­re Ki­lo­me­ter lang ist. Wei­ter­hin zieht sich die­se schma­le Stel­le ent­lang Is­ra­els Hauptbevölkerungs- und Han­dels­zen­trum in der Nä­he von Tel Aviv. Man ver­glei­che mit dem WBJR, das zum gröss­ten Teil un­be­völ­ker­tes Wüs­ten­land ist.

Ist ein ein­zi­ger schma­ler Land­strich so ka­ta­stro­phal, dass Pa­läs­ti­na nicht le­bens­fä­hig wä­re? Soll­te das wahr sein, muss Ab­bas wohl glau­ben, dass ein gro­ßer Teil des Rück­grats des Lan­des von Is­ra­el an­nek­tiert wer­den soll­te, der in den Hü­geln der öst­li­chen „West­bank” sitzt, da­mit es le­bens­fä­hig wird, so wie Ba­jit Ye­hu­di Nafta­li Ben­nett vor­schlägt.


Kurz ge­sagt, wenn Ab­bas fühlt, dass das Pro­blem ei­nes „le­bens­fä­hi­gen ” Staa­tes ist, dass ei­ne Hand­voll Ju­den nicht in Pa­läs­ti­na le­ben dür­fen, dann kann per De­fi­ni­ti­on ein „Rück­kehr­recht” von Mil­lio­nen von Ara­bern nach Is­ra­el nicht zu­ge­las­sen wer­den, oder es wür­de Is­ra­el zer­stö­ren. Eben­so, wenn die Ge­fahr für die Über­le­bens­fä­hig­keit sich aus der „Hal­bie­rung” des Lan­des er­gibt, dann müss­te Is­ra­el die ge­sam­te Mit­te des Lan­des an­nek­tie­ren.

Es gibt vie­le We­ge zu ei­nem le­bens­fä­hi­gen Staat, ein­ge­schlos­sen den Auf­bau ei­ner Wirt­schaft und von Se­cu­ri­ty. Kei­ner von de­nen wird er­reicht, in­dem Ju­den das Le­ben im Land ver­bo­ten wird. Es ist höchs­te Zeit für Ab­bas, auf­zu­hö­ren, sol­che ras­sis­ti­schen An­sprü­che zu ma­chen; und es ist ei­ne Schan­de, dass die west­li­chen Me­di­en sie blind­lings wie­der­ho­len.

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  1. Stoff für’s Hirn | abseits vom mainstream - heplev

    […] (Da­ni­el): – Ein „gang­ba­rer“ pa­läs­ti­nen­si­scher Staat – Ein of­fe­ner Brief an die an­ti­is­rae­li­schen Lin­ken – Wie Nicht-​Regierungsorganisationen […]

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