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Eu­ro­päi­sche Städ­te ab­sor­bie­ren die Scharia

Gi­ulio Meot­ti, 2.8.2017, Gatestone Institute

  • Der Lon­do­ner Bür­ger­meis­ter Sa­diq Khan ver­bot Wer­bung, die „un­rea­lis­ti­sche Er­war­tun­gen an das Image von Frau­en­kör­pern und -ge­sund­heit” för­dern. Nun plant Ber­lin, Bil­der zu ver­bie­ten, in de­nen Frau­en als „schön, aber schwach, hys­te­risch, dumm, ver­rückt, na­iv oder durch ih­re Emo­tio­nen be­herrscht” dar­ge­stellt wer­den. Ha­rald Mar­ten­stein vom Ta­ges­spie­gel sag­te, dass die Po­li­tik „vom Taliban-​Manifest über­nom­men wor­den sein könnte”.
  • Die Iro­nie ist, dass die­se Wel­le der Mo­ral und der „Tu­gend” aus Städ­ten kommt, die von un­ge­hemm­ten Lin­ken Po­li­ti­kern re­giert wer­den, die sich seit Jah­ren für se­xu­el­le Be­frei­ung ein­set­zen. Es ist heu­te ein „fe­mi­nis­ti­sches” Ar­gu­ment, die Scharia-​Politik zu befürworten.
  • Um den ame­ri­ka­ni­schen Schrift­stel­ler Da­ni­el Green­field ab­zu­wan­deln, die Iro­nie der Frau­en, die ih­re ei­ge­ne Un­ter­drü­ckung fei­ern, ist so­wohl herz­zer­rei­ßend als auch bedrückend.

We­ni­ge Ta­ge nach­dem der Is­la­mi­sche Staat vor zwei Jah­ren die Stadt Sir­te in Li­by­en er­obert hat­te, tauch­ten rie­si­ge An­schlag­ta­feln in der is­la­mis­ti­schen Fes­tung auf, die Frau­en warn­ten, sie müss­ten sa­ck­ar­ti­ge Klei­der tra­gen, die ih­ren gan­zen Kör­per be­de­cken, und kein Par­füm. Die­se „Scharia-​Bestimmungen für den Hi­jab” be­inhal­ten das Tra­gen von blick­dich­tem Ma­te­ri­al und ei­ne Ro­be, das nicht der Klei­dung der Un­gläu­bi­gen ähnelt.

Zwei Jah­re spä­ter über­neh­men die drei be­deu­tends­ten Städ­te Eu­ro­pas – Lon­don, Pa­ris und Ber­lin – den­sel­ben Trend zur Scharia.

Pa­ris sag­te au re­voir zu „se­xis­ti­schen” An­zei­gen auf öf­fent­li­chen Wer­be­ta­feln. Der Pa­ri­ser Stadt­rat kün­dig­te sein Ver­bot an, nach­dem die so­zia­lis­ti­sche Bür­ger­meis­te­rin An­ne Hi­d­al­go sag­te, dass der Schritt be­deu­te, dass Pa­ris „den Weg” im Kampf ge­gen den Se­xis­mus „an­füh­re”. Lon­dons Bür­ger­meis­ter Sa­diq Khan ver­bot eben­falls Wer­bung, die „un­rea­lis­ti­sche Er­war­tun­gen an das Image von Frau­en­kör­pern und -ge­sund­heit för­dert”. Nun plant Ber­lin, Bil­der zu ver­bie­ten, in de­nen Frau­en als „schön, aber schwach, hys­te­risch, dumm, ver­rückt, na­iv oder durch ih­re Emo­tio­nen be­herrscht” dar­ge­stellt wer­den. Ha­rald Mar­ten­stein vom Ta­ges­spie­gel sag­te, dass die Po­li­tik „vom Taliban-​Manifest über­nom­men wor­den sein könnte”.

Die Iro­nie ist, dass die­se Wel­le der Mo­ral und der „Tu­gend” aus Städ­ten kommt, die von un­ge­hemm­ten Po­li­ti­kern re­giert wer­den, die sich seit Jah­ren für se­xu­el­le Be­frei­ung einsetzten.

Es gibt ei­nen Grund für die­se gro­tes­ke Kam­pa­gne, die die­se Bil­der ver­bie­tet. Die­se Städ­te be­her­ber­gen be­deu­ten­de mus­li­mi­sche Be­völ­ke­rungs­an­tei­le; Und die Po­li­ti­ker – die­sel­ben, die den ob­li­ga­to­ri­schen Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus hek­tisch ver­ab­schie­det hat­ten – wol­len dem „Is­lam” ge­fal­len. Es ist jetzt ein „fe­mi­nis­ti­sches” Ar­gu­ment, die Scharia-​Politik zu ver­tre­ten, wie es auch Lin­da Sar­sour tut. Das Er­geb­nis ist, dass heu­te nur we­ni­ge Fe­mi­nis­tin­nen den Is­lam zu kri­ti­sie­ren wa­gen.

Es pas­siert über­all. Nie­der­län­di­sche Ge­mein­den ra­ten ih­ren Mit­ar­bei­te­rin­nen, kei­ne Mini-​Röcke zu tra­gen. Es gibt Frau­en­stun­den in schwe­di­schen Schwimm­bä­dern. Deut­sche Schu­len ver­schi­cken Brie­fe an El­tern, die Kin­der zu bit­ten, das Tra­gen von „frei­zü­gi­ger Klei­dung” zu vermeiden.

Der ers­te, der vor­schlug, Pla­ka­te oder Wer­bung, die „Frau­en oder Män­ner auf se­xu­el­le Ob­jek­te re­du­ziert” zu ver­bie­ten, war der deut­sche Jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas, ein Sozialdemokrat.

Chris­ti­an Lind­ner, Prä­si­dent der Frei­en De­mo­kra­ti­schen Par­tei sag­te, „Die Ver­schleie­rung von Frau­en oder die Zäh­mung von Män­nern zu ver­lan­gen, ist et­was, was wir von ra­di­ka­len is­la­mi­schen re­li­giö­sen Füh­rern ken­nen, aber nicht vom deut­schen Justizminister.”

1969 wur­de Deutsch­land von ei­ner De­bat­te über die Ein­füh­rung des „Se­xu­al­kun­de­at­las”, ei­nes „At­las” der Se­xu­al­wis­sen­schaft, über­flu­tet. Jetzt be­steht die An­stren­gung dar­in, die deut­sche Ge­sell­schaft zu des­exua­li­sie­ren. Die Zei­tung Die Welt kom­men­tier­te:

„Dank dem Jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas wis­sen wir end­lich, war­um an Sil­ves­ter vor dem Köl­ner Haupt­bahn­hof et­wa Tau­send Frau­en Op­fer se­xu­el­ler Ge­walt wur­den: we­gen se­xis­ti­scher Wer­bung. Zu vie­le ero­ti­sier­te Mo­dels, zu viel nack­te Haut auf un­se­ren Wer­be­ta­feln, zu vie­le ero­ti­sche Mün­der, zu vie­le Mi­ni­rö­cke in Mo­de­zeit­schrif­ten, zu vie­le wa­ckeln­de Hin­ter­tei­le und mol­li­ge Brüs­te in Fern­seh­spots. Es ist ein wei­te­rer Schritt in die Unterwerfung.”

Statt Nip­pel und Hin­ter­tei­le, schließt Die Welt: „Soll­ten wir den Ge­brauch von Bur­ka oder Schlei­er for­cie­ren, wie es Frau Er­do­gan tut?”

Die glei­chen deut­schen Eli­ten, die das Ver­bot von „se­xis­ti­schen” Pla­ka­ten vor­schla­gen, zen­sier­ten die gro­ben De­tails der mas­sen­haf­ten se­xu­el­len Über­grif­fe in Köln. Mitt­ler­wei­le steht ei­ne li­be­ra­le Ber­li­ner Mo­schee, die Bur­kas ver­bot und ih­re Tü­ren auch für Schwu­le und un­ver­schlei­er­te Frau­en öff­ne­te, nun un­ter Po­li­zei­schutz nach Dro­hun­gen von mus­li­mi­schen Hegemonisten.

Eu­ro­pas Eli­ten ha­ben ei­nen dop­pel­ten Stan­dard ent­wi­ckelt: Sie sind stolz dar­auf, Gast­ge­ber ei­ner Aus­stel­lung ei­nes in Urin ein­ge­leg­ten christ­li­chen Kru­zi­fi­xes zu sein, ka­pi­tu­lie­ren aber rasch vor mus­li­mi­schen For­de­run­gen, die Ka­ri­ka­tu­ren des is­la­mi­schen Pro­phe­ten Mo­ham­med zu zen­sie­ren. Die ita­lie­ni­schen Be­hör­den be­müh­ten sich sehr dar­um, dem ira­ni­schen Prä­si­den­ten Hassan Ro­uha­ni den An­blick von Nackt­heit bei an­ti­ken Skulp­tu­ren in den Ka­pi­to­li­ni­schen Mu­se­en von Rom zu ersparen.

Die west­li­che Öf­fent­lich­keit scheint fas­zi­niert zu sein von is­la­mi­schen Schlei­ern. Is­mail Sa­cra­nie, ein Grün­der von Mo­dest­ly Ac­tive, dem Her­stel­ler, der Bur­ki­nis ent­wirft, sag­te der New York Times, dass 35% ih­rer Kun­den nicht­mus­li­misch sei­en. Ahe­da Za­net­ti, ei­ne in Aus­tra­li­en le­ben­de Li­ba­ne­sin, die den Bur­ki­ni er­fun­den hat, be­haup­tet, dass 40% ih­res Um­sat­zes mit nicht­mus­li­mi­schen Frau­en sei. Die west­li­che Öf­fent­lich­keit, die den Is­lam ro­man­ti­siert, scheint die Pie­tä­ten der is­la­mi­schen Scha­ria zu ab­sor­bie­ren. The Spec­ta­tor nann­te es „ei­nen neu­en Pu­ri­ta­nis­mus” und „war­um ei­ni­ge Fe­mi­nis­tin­nen mit dem Is­lam ge­mein­sa­me Sa­che machen”.

Um den ame­ri­ka­ni­schen Schrift­stel­ler Da­ni­el Green­field ab­zu­wan­deln, ist die Iro­nie der Frau­en, die ih­re ei­ge­ne Un­ter­drü­ckung fei­ern, so­wohl herz­zer­rei­ßend als auch bedrückend.

Eu­ro­pa wird sich bald bei der Bür­ger­meis­te­rin von Köln, Hen­ri­et­te Reker, ent­schul­di­gen müs­sen. Sie wur­de kri­ti­siert – ver­ur­teilt – für den Rat­schlag an Frau­en, „ei­ne Arm­län­ge Ab­stand” von Frem­den zu hal­ten, um se­xu­el­le Be­läs­ti­gung zu vermeiden.

Wenn der Wes­ten wei­ter­hin den de­mo­kra­ti­schen Wert der in­di­vi­du­el­len Frei­heit ver­rät, auf dem die west­li­che Zi­vi­li­sa­ti­on be­ruht, wer­den die is­la­mi­schen Fun­da­men­ta­lis­ten, wie die­je­ni­gen, die li­by­schen Frau­en die Bur­ka auf­ge­zwun­gen ha­ben, sie auch west­li­chen Frau­en auf­zwin­gen. Sie könn­ten so­gar mit je­nen fe­mi­nis­ti­schen Eli­ten be­gin­nen, die als ers­te die se­xu­el­le Re­vo­lu­ti­on ge­schaf­fen ha­ben, um Frau­en in den 1960er Jah­ren zu eman­zi­pie­ren, und die jetzt in ein ob­sku­ran­ti­sches Klei­dungs­stück ver­narrt sind, das Frau­en in ein trag­ba­res Ge­fäng­nis einsperrt.

Gi­ulio Meot­ti, Kul­tur­re­dak­tor für Il Fo­glio, ist ita­lie­ni­scher Jour­na­list und Autor.


Erst­ver­öf­fent­li­chung hier. Re­pro­duk­ti­on mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung des Gatestone Instituts.

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