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Eu­ro­pa: Scharia-​konforme Mo­de wird Main­stream

So­e­ren Kern, 5.5.2016, Gatestone In­sti­tu­te

  • Kri­ti­ker ar­gu­men­tie­ren, dass durch das Auf­sprin­gen auf den fah­ren­den Zug der mus­li­mi­schen Mo­de eu­ro­päi­sche Mar­ken den sicht­ba­ren öf­fent­li­chen Aus­druck des Is­lams in Eu­ro­pa för­dern – und mus­li­mi­sche Se­pa­ra­ti­on statt In­te­gra­ti­on.
  • „Wenn Mo­de­mar­ken das dün­ne Image mit ano­rek­ti­schen Mo­dels lo­ben, dann sa­gen wir, dass das für die Ge­sund­heit der jun­gen Frau­en ge­fähr­lich ist. Wir kön­nen auch sa­gen, dass die glei­chen Mar­ken, wenn sie is­la­mi­sche Kol­lek­tio­nen för­dern, ein Image för­dern, das für die Rech­te und Frei­heit mus­li­mi­scher Frau­en in Frank­reich ge­fähr­lich ist. … in vie­len fran­zö­si­schen Quar­tie­ren se­hen wir im­mer we­ni­ger Frau­en draus­sen auf der Stras­se, in Ca­fés. Wir se­hen, dass im­mer we­ni­ger Frau­en frei in ih­rer Nach­bar­schaft le­ben.” – Lau­rence Ros­si­gnol, Frank­reichs Mi­nis­te­rin für Fa­mi­li­en, Kin­der und Frau­en­rech­te .
  • Die fran­zö­si­sche Fe­mi­nis­tin Eli­sa­beth Bad­in­ter warn­te da­vor, dass Kul­tur­re­la­ti­vis­mus ver­hin­dert, dass die Fran­zo­sen den alar­mie­ren­den An­stieg des Is­la­mis­mus in Frank­reich wahr­neh­men. Sie füg­te hin­zu, dass die To­le­ranz „sich ge­gen je­ne ge­wandt hat, de­nen sie zu hel­fen ge­meint war,” mit dem Er­geb­nis, dass sich „der Schlei­er un­ter den Töch­tern un­se­rer Nach­bar­schaft aus­ge­brei­tet hat” auf­grund von „stei­gen­dem is­la­mi­schem Druck.”

Links: Marks & Spen­cers Paisley-​Druck-​Burkini. Rechts: Ein Out­fit aus der Dol­ce & Gab­ba­na Aba­ya und Hijab-​Sammlung

Die Ent­schei­dung ei­nes bri­ti­schen Kauf­hau­ses, scha­ria­kon­for­me Ba­de­an­zü­ge in sei­ne Sommer-​Bademoden-​Kollektion auf­zu­neh­men, hat ei­ne De­bat­te über das „Main­strea­ming ” der is­la­mi­schen Mo­de in Eu­ro­pa ent­zün­det.

Marks & Spen­cer (M & S), die iko­ni­sche bri­ti­sche Ein­zel­han­dels­ket­te, ver­mark­tet heu­te den Bur­ki­ni, ein Ba­de­an­zug in vol­ler Län­ge, an­geb­lich da­für de­signt, dass er die Sitt­sam­keit der mus­li­mi­schen Frau­en wahrt.

Die Be­für­wor­ter der Ent­schei­dung sa­gen, dass sie mus­li­mi­sche Frau­en in Eu­ro­pa „be­freit”, in­dem sie die Wahl be­kom­men, zu tra­gen, was sie wol­len. Kri­ti­ker ar­gu­men­tie­ren ge­nau das Ge­gen­teil: Sie sa­gen, dass der Bur­ki­ni mus­li­mi­sche Frau­en „ver­sklavt”, von de­nen vie­le un­ter stei­gen­dem Druck ste­hen, sich is­la­mi­schen Klei­der­vor­schrif­ten zu un­ter­wer­fen, ob­wohl sie Bür­ger der sä­ku­la­ren eu­ro­päi­schen Staa­ten sind.

Et­was brei­ter be­trach­tet ver­sucht ei­ne wach­sen­de Zahl von eu­ro­päi­schen Mode-​Unternehmen, von der stei­gen­den Nach­fra­ge nach is­la­mi­scher Klei­dung zu pro­fi­tie­ren. Ge­schäft ist Ge­schäft, sa­gen sie. Doch Kri­ti­ker ar­gu­men­tie­ren, dass durch das Auf­sprin­gen auf den fah­ren­den Zug der mus­li­mi­schen Mo­de die­se Un­ter­neh­men den sicht­ba­ren öf­fent­li­chen Aus­druck des Is­lams in Eu­ro­pa för­dern – und dass sie eher mus­li­mi­sche Se­pa­ra­ti­on statt In­te­gra­ti­on för­dern.

Laut M & S, be­deckt der £ 49.50 (€ 62, 70 $) Bur­ki­ni (ein Neo­lo­gis­mus, der Bur­ka und Bi­ki­ni ver­mischt) „den gan­zen Kör­per mit Aus­nah­me des Ge­sichts, der Hän­de und Füs­se, oh­ne den Stil zu be­ein­träch­ti­gen.” Ein wei­te­rer Plus­punkt: „Er ist leicht, so dass Sie kom­for­ta­bel schwim­men kön­nen.” Ei­ni­ge Burkini-​Enthusiasten sa­gen, dass das Klei­dungs­stück auch ide­al ist für nicht-​muslimische Frau­en, die viel­leicht „be­sorgt sind über die Schä­den, die Son­nen­ein­strah­lung auf der Haut an­rich­ten könn­te.”

We­ni­ge Ta­ge nach dem Start bei M & S, ent­hüll­te ein an­de­res bri­ti­sches Kauf­haus, Hou­se of Fra­ser, ih­re Aus­wahl an Bur­ki­nis. Auch als „an­stän­di­ge Sport­be­klei­dung” be­kannt, be­de­cken die House-​of-​Fraser „Leg­gings und Tunika-​Sets den Kör­per vom Hals bis zu den Knö­cheln, und wer­den mit ei­ner se­pa­ra­ten Hijab-​Kopfbedeckung ge­lie­fert.” Die Bur­ki­nis sind „da­für de­signt, Frau­en zu er­mu­ti­gen, sich be­quem und stil­voll zu füh­len, wenn sie Sport trei­ben, und sor­gen für zu­sätz­li­chen Son­nen­schutz.”

Un­ter­neh­men aus ganz Eu­ro­pa ma­chen Streif­zü­ge in is­la­mi­sche „Züch­tig­keits­klei­dung.”

Im Ja­nu­ar 2016 star­te­te die ita­lie­ni­sche Luxus-​Modemarke Dol­ce & Gab­ba­na sei­ne ers­te Samm­lung von Aba­yas und Hi­jabs. (Aba­yas sind knö­chel­lan­ge Ro­ben und Hi­jabs sind Schals, die Kopf und Hals, aber nicht das Ge­sicht be­de­cken.)

Laut Dol­ce & Gab­ba­na ist die neue Li­nie – ge­nannt The Aba­ya Collec­tion: Die An­zie­hungs­kraft des Mitt­le­ren Os­tens – ge­meint als „ei­ne Träu­me­rei in­mit­ten der Dü­nen der Wüs­te und Him­mel des Na­hen Os­tens: ei­ne be­zau­bern­de vi­su­el­le Ge­schich­te über die An­mut und Schön­heit der wun­der­ba­ren Frau­en von Ara­bi­en.” Die Kol­lek­ti­on ist in al­len Bou­ti­quen der Mar­ke im Na­hen Os­ten ver­füg­bar, so­wie in den Lä­den in Pa­ris, Lon­don, Mai­land und Mün­chen.

Im Sep­tem­ber 2015, zeig­te Schwe­dens H & M, der welt­weit zweit­gröss­te Ein­zel­händ­ler der Welt, zum ers­ten Mal in ei­ner Wer­be­kam­pa­gne ein mus­li­mi­sches Mo­del in ei­nem Hi­jab. Bri­ti­sche Me­di­en por­trä­tier­ten ih­ren Auf­tritt in dem Vi­deo als Mei­len­stein für mus­li­mi­sche Frau­en in Gross­bri­tan­ni­en .

Das Mo­del, Ma­riah Id­ris­si, in Lon­don ei­ner pa­ki­sta­ni­schen Mut­ter und ei­nem ma­rok­ka­ni­schen Va­ter ge­bo­ren, sagt, sie ha­be kei­ne Ah­nung, war­um sie für ih­re Rol­le in der An­zei­ge her­aus­ge­stri­chen wer­de: „Ich ha­be ehr­lich ge­sagt kei­ne Ah­nung. Viel­leicht, weil Hi­jab Mo­de in den letz­ten Jah­ren ge­boomt hat, und end­lich ei­ne Hi­ja­bi [ei­ne Frau, die ein Kopf­tuch trägt] in der Mainstream-​Mode zu se­hen, ist ei­ne gros­se Er­run­gen­schaft.”

Im Ju­ni 2015 star­te­te der spa­ni­sche Mode-​Einzelhändler Za­ra ei­ne spe­zi­el­le Mo­de­kol­lek­ti­on für Ra­ma­dan. Die Samm­lung war on­line ver­füg­bar so­wie in den Ge­schäf­ten im Na­hen Os­ten und Nord­afri­ka . Im Mai 2015 star­te­te auch ei­ne an­de­re spa­ni­sche Be­klei­dungs­ket­te, Man­go, ei­ne Ra­ma­dan Kol­lek­ti­on für Frau­en. Ein Kri­ti­ker schrieb:

„Die Ramadan-​Kollektion ist schein­bar auf mus­li­mi­sche Frau­en aus­ge­rich­tet, aber das be­deu­tet nicht, dass sie nicht für je­de Frau ge­eig­net wä­re. Die­se Klei­der sind nur ge­ring­fü­gig brei­ter und be­de­cken mehr. Ab­ge­se­hen da­von, dass sie ge­nau­so ele­gant und phan­ta­sie­voll sind wie die von an­de­ren Kol­lek­tio­nen. Ge­nau ge­nom­men ei­ne mo­der­ne Art, der Aus­sen­welt zu zei­gen, dass be­deckt sein nicht das­sel­be ist, wie Un­ter­drückt sein.”

Im Ju­li 2014 star­te­te das New Yor­ker Mo­de­la­bel DKNY ei­ne spe­zi­el­le Mo­de­kol­lek­ti­on für Ra­ma­dan, ex­klu­siv in den Ge­schäf­ten im Na­hen Os­ten. Im Ju­ni 2013 star­te­te der ita­lie­ni­sche De­si­gner Gior­gio Ar­ma­ni ei­ne Rei­he von al­ko­hol­frei­en Luxus-​Schokoladen spe­zi­ell für Ra­ma­dan. Das Pro­dukt, „ver­packt in ei­ner ed­len Box mit Mo­ti­ven und geo­me­tri­schen For­men, von ara­bi­scher Ar­chi­tek­tur in­spi­riert”, war nicht nur im Na­hen Os­ten ver­füg­bar, son­dern auch in Eu­ro­pa und Nord­ame­ri­ka.

Zu an­de­ren west­li­che Mo­de­de­si­gnern, Her­stel­lern und Ein­zel­händ­lern, die in den is­la­mi­schen Be­klei­dungs­markt ein­tre­ten, ge­hö­ren Tom­my Hil­fi­ger, Os­car de la Ren­ta, Mo­ni­que Lhuil­lier, Uni­q­lo, Net-​a-​Porter und Mo­da Ope­ran­di.

Laut der Zeit­schrift For­tu­ne ist Is­la­mi­sche Mo­de ein un­er­schlos­se­ner Markt:

„Welt­weit ha­ben Mus­li­me im Jahr 2013 266 Mil­li­ar­den Dol­lar aus­ge­ge­ben für Be­klei­dung und Schu­he. Das ist mehr als die ge­sam­ten Mode-​Ausgaben von Ja­pan und Ita­li­en zu­sam­men, ge­mäss ei­nem kürz­lich ver­öf­fent­lich­ten Re­port von Thom­son Reu­ters. Der Re­port stellt auch fest, dass sich die­se Zahl vor­aus­sicht­lich auf 484 Mil­li­ar­den Dol­lar im Jahr 2019 stei­gern wird.”

In ei­nem In­ter­view mit For­tu­ne sag­te Rei­na Le­wis, Pro­fes­so­rin am Lon­don Col­le­ge of Fa­shion:

„Welt­weit ist die mus­li­mi­sche Be­völ­ke­rung ei­ne jun­ge und wach­sen­de De­mo­gra­phie. Dies macht die Mus­li­me für al­le zu ei­nem sehr wich­ti­gen Consumer-​Segment.

„Der Markt für is­la­mi­sche Wa­ren be­gann, sich mit Food und Fi­nan­zen zu be­schäf­ti­gen. Ich sa­ge in den letz­ten paar Jah­ren dau­ernd, dass Fa­shion das drit­te ‚F’ sein wird – und das ist in der Tat ge­nau das, was ge­ra­de ab­zu­lau­fen be­ginnt.”

Fran­zö­si­sche Be­am­te wa­ren be­son­ders laut in ih­rer Kri­tik an eu­ro­päi­schen Mar­ken, die sich um mus­li­mi­sche Frau­en küm­mern. Frank­reich ver­bot die Bur­ka im Jahr 2011. Der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof für Men­schen­rech­te hat die­ses Ver­bot im Jahr 2014 auf­recht er­hal­ten.

Frank­reichs Mi­nis­te­rin für Fa­mi­li­en, Kin­der und Frau­en­rech­te, Lau­rence Ros­si­gnol, sag­te, is­la­mi­sche Mo­de wer­de in Eu­ro­pa von mus­li­mi­schen Ak­ti­vis­ten und Sala­fis­ten ge­för­dert, die den po­li­ti­schen Is­lam al­len an­de­ren auf­zu­drü­cken ver­such­ten. In ei­nem In­ter­view vom 30. März mit RMC-​Radio-​bfmtv, sag­te Ros­si­gnol:

„Was auf dem Spiel steht, ist die so­zia­le Kon­trol­le über die Kör­per von Frau­en. Wenn die eu­ro­päi­schen Mar­ken in den lu­kra­ti­ven is­la­mi­schen Mo­de­markt in­ves­tie­ren, dann drü­cken sie sich aus ih­rer Ver­ant­wor­tung und för­dern ei­ne Si­tua­ti­on, wo mus­li­mi­sche Frau­en ge­zwun­gen sind, Klei­dungs­stü­cke zu tra­gen, die den weib­li­chen Kör­per von Kopf bis Fuss ein­sper­ren. …

„Man kann die Tat­sa­che nicht als tri­vi­al und harm­los ab­tun, dass gros­se Mar­ken in ei­nen Markt in­ves­tie­ren, der mus­li­mi­sche Frau­en in ei­ne Si­tua­ti­on bringt, die­se Klei­der tra­gen zu müs­sen. Es ist un­ver­ant­wort­lich von die­sen Mar­ken. …

„Wenn Mo­de­mar­ken das dün­ne Image mit ano­rek­ti­schen Mo­dels lo­ben, sa­gen wir, dass dies für die Ge­sund­heit der jun­gen Frau­en ge­fähr­lich ist. Wir kön­nen auch sa­gen, dass die glei­chen Mar­ken, wenn sie is­la­mi­sche Kol­lek­tio­nen för­dern, ein Image be­för­dern, das für Rech­te und Frei­heit mus­li­mi­scher Frau­en in Frank­reich ge­fähr­lich ist. …

„Was mir auf­fällt, ist, dass die Ma­na­ger die­ser Mar­ken dar­auf be­stehen, dass es ih­nen nur um die Klei­dung geht, dass sie kei­nen be­son­de­ren Le­bens­stil för­dern. Als ob es kei­ne Ver­bin­dung zwi­schen Klei­dung und Le­bens­stil gä­be. Na­tür­lich be­ob­ach­ten wir, dass in vie­len fran­zö­si­schen Nach­bar­schaf­ten im­mer we­ni­ger Frau­en draus­sen auf der Stras­se, in Ca­fés, sicht­bar sind. Wir se­hen, dass im­mer we­ni­ger Frau­en frei in ih­rer Nach­bar­schaft le­ben. …

„Un­se­re Rol­le soll­te sein, mus­li­mi­schen Frau­en zu hel­fen, sie zu un­ter­stüt­zen, in­dem wir sie in die La­ge ver­set­zen, den po­li­ti­schen Is­lam kon­fron­tie­ren zu kön­nen.”

Im sel­ben In­ter­view ver­glich Ros­si­gnol mus­li­mi­sche Frau­en, die is­la­mi­sche Klei­dung tra­gen, mit „ame­ri­ka­ni­schen Ne­gern, die die Skla­ve­rei gut­hies­sen.” Ih­re Be­nut­zung ei­nes Ras­sen­ver­gleichs ent­zün­de­te ei­nen Feu­er­sturm der Kri­tik, bei dem ei­ni­ge Mus­li­me ih­ren Rück­tritt for­der­ten. Sie ver­tei­dig­te ih­re Äus­se­run­gen und sag­te, sie ha­be aus „Über Ne­ger­skla­ve­rei” zi­tiert, ei­nem Auf­satz über Ab­oli­tio­nis­mus, ge­schrie­ben von Mon­tes­quieu im Jah­re 1748.

In ei­nem spä­te­ren In­ter­view mit Agence Fran­ce Pres­se sag­te Ros­si­gnol: „Ne­ben dem sprach­li­chen Feh­ler wür­de ich nicht ein ein­zi­ges Wort zu­rück­neh­men, das ich in Be­zug auf is­la­mi­sche Klei­dung ge­sagt ha­be.”

Als Re­ak­ti­on auf Ros­si­gnol frag­te der Di­rek­tor der Be­ob­ach­tungs­stel­le ge­gen Is­la­mo­pho­bie, Ab­dal­lah Ze­kri: „Hat ein Mi­nis­ter das Recht, sich auf die­se Art und Wei­se ein­zu­mi­schen in die Art, wie sich ei­ne Frau an­zie­hen will, so lan­ge wie sie die Ge­set­ze der fran­zö­si­schen Re­pu­blik re­spek­tiert und nicht ihr Ge­sicht ver­steckt?”

In ei­nem In­ter­view mit dem RMC-​Radio wur­de die ehe­ma­li­ge fran­zö­si­sche Um­welt­mi­nis­te­rin Na­tha­lie Kosciusko-​Morizet über ih­re Mei­nung zur wach­sen­den Po­pu­la­ri­tät der is­la­mi­schen Mo­de ge­fragt. Sie ant­wor­te­te:

„Ich mag es nicht. Is­la­mi­sche Klei­dung dreht sich in ers­ter Li­nie um das Ver­ste­cken des weib­li­chen Kör­pers, und auch ei­nes Teils des In­di­vi­du­ums. Für mich ist es das Ge­gen­teil von Mo­de. Für mich ist Mo­de Aus­druck der Ori­gi­na­li­tät, ei­nes Tem­pe­ra­ments. Für mich ist is­la­mi­sche Mo­de et­was ab­sur­des.”

In An­leh­nung an die­se An­sich­ten sag­te der fran­zö­si­sche Mode-​Mogul Pierre Ber­gé, dass mus­li­mi­sche Frau­en in Eu­ro­pa „ler­nen soll­ten, wie die meis­ten Frau­en im Rest der Welt zu le­ben.” Am fran­zö­si­schen Ra­dio­sen­der Eu­ro­pe 1 sag­te Ber­gé:

„Mo­de­de­si­gner ha­ben kei­nen An­lass, in der is­la­mi­schen Mo­de en­ga­giert zu sein. Ich bin em­pört. Ich ha­be im­mer ge­glaubt, dass es die Auf­ga­be von De­si­gnern ist, Frau­en schö­ner zu ma­chen, ih­nen die Frei­heit zu ge­ben, nicht Kom­pli­zen die­ser Dik­ta­tur zu sein, die die­se Greu­el auf­er­legt, Frau­en zu ver­ste­cken und sie da­zu zwingt, im Ver­bor­ge­nen zu le­ben.

„Ich bin nicht is­la­mo­phob. Frau­en ha­ben das Recht, ein Kopf­tuch zu tra­gen, aber ich ver­ste­he nicht, war­um wir die­se Re­li­gi­on [Is­lam] und je­ne Sit­ten, die mit den Frei­hei­ten un­ver­ein­bar sind, die uns im Wes­ten ei­gen sind, um­ar­men.

„Mo­de­schöp­fer, die an der Ver­skla­vung von Frau­en teil­neh­men, soll­ten sich ein paar Fra­gen stel­len. Das al­les um Geld zu ver­die­nen! Ent­schul­di­gen Sie, aber ich den­ke, dass der Glau­be vor dem Geld kom­men muss. Gebt das Geld auf und habt ein paar Prin­zi­pi­en.”

In ei­nem In­ter­view mit Le Mon­de rief die fran­zö­si­sche Fe­mi­nis­tin Eli­sa­beth Bad­in­ter zum Boy­kott von Mar­ken auf, die von is­la­mi­scher Klei­dung pro­fi­tie­ren. Sie warn­te, dass der kul­tu­rel­le Re­la­ti­vis­mus ver­hin­dert, dass die Fran­zo­sen den alar­mie­ren­den An­stieg des Is­la­mis­mus in Frank­reich wahr­neh­men. Sie füg­te hin­zu, dass die To­le­ranz „sich ge­gen je­ne ge­wandt hat, de­nen sie zu hel­fen ge­meint war,” mit dem Er­geb­nis, dass sich „der Schlei­er un­ter den Töch­tern un­se­rer Nach­bar­schaft aus­ge­brei­tet hat” auf­grund von „stei­gen­dem is­la­mi­schem Druck.” Nach Bad­in­ter ha­ben vie­le fran­zö­si­sche Bür­ger Angst, über die Is­la­mi­sie­rung Frank­reichs zu re­den, weil sie Angst da­vor ha­ben, der Is­la­mo­pho­bie be­zich­tigt zu wer­den.”

Zu­rück in Gross­bri­tan­ni­en fei­er­te die Dai­ly Mail die Marks & Spen­cer Bur­ki­ni als „ul­ti­ma­ti­ver Be­weis, dass Gross­bri­tan­ni­en wahr­haft mul­ti­kul­tu­rell ist.” An­de­re wi­der­spre­chen . Al­li­son Pear­son, ei­ne Ko­lum­nis­tin für The Te­le­graph, frag­te:

„Was um Him­mels wil­len tut un­ser ei­ge­ner lie­ber M & S … und leiht sei­nen Na­men et­was, das so fremd ist für die Wer­te die­ses Lan­des? Es ist ein wei­te­rer er­schre­cken­der Be­weis da­für, dass un­se­re ei­ge­ne Kul­tur ge­schei­tert ist da­bei, sich selbst zu ver­tei­di­gen und es zu­lässt, frau­en­feind­li­che Ein­stel­lun­gen un­ter dem Ra­dar schlei­chend ein­zu­füh­ren.

„Vor nicht lan­ger Zeit hat ein deut­sches Ge­richt ent­schie­den, dass ein jun­ges mus­li­mi­sches Mäd­chen am ge­misch­ten Schwimm­un­ter­richt teil­neh­men muss, weil die „so­zia­le Rea­li­tät des Le­bens in Deutsch­land über ih­ren re­li­giö­sen Über­zeu­gun­gen steht.” Doch in Gross­bri­tan­ni­en ma­chen wir wei­ter­hin die glei­chen Feh­ler; vor kur­zem wur­de den Scharia-​Gerichten kein Rie­gel vor­ge­scho­ben, die die Zeu­gen­aus­sa­ge ei­ner Frau als halb so viel wert be­trach­tet, wie die ei­nes Man­nes.

„Und nun, un­glaub­li­cher­wei­se, ha­ben wir ei­nen der be­lieb­tes­ten Ein­zel­händ­ler der Na­ti­on, der den Bur­ki­ni ver­mark­tet, als ob es sich nur um ein wei­te­res lus­ti­ges Strand-​Outfit han­deln wür­de, nicht um ein re­strik­ti­ves, quasi-​religiöses Klei­dungs­stück , das die weib­li­che Ge­stalt als las­ziv und schänd­lich be­han­delt.”

Guar­di­an–Ko­lum­nis­tin Ca­the­ri­ne Ben­nett spie­gel­te die­ses Ge­fühl: „Es ist le­gi­tim, zu fra­gen, war­um ein sä­ku­la­res Mo­de­ge­schäft Frau­en­klei­dung pro­du­ziert, für die männ­li­che Kle­ri­ker den ge­sam­ten Markt ge­schaf­fen ha­ben.”

Ei­ne muslimisch-​amerikanische Kom­men­ta­to­rin hat fest­ge­stellt, dass die Be­mü­hun­gen von in­ter­na­tio­na­len Mar­ken, den mus­li­mi­schen Ver­brau­chern ge­recht zu wer­den, im Wes­ten zum Main­strea­ming des Is­lam füh­ren. Für die Modeindustrie-​Website Ra­cked schrei­bend, be­ob­ach­te­te Fa­reeha Mol­vi:

„Sie si­gna­li­sie­ren ei­ne mög­li­che Trend­wen­de für die Art und Wei­se, wie Mus­li­me in Ame­ri­ka be­trach­tet wer­den. Die Tat­sa­che, dass gros­se Un­ter­neh­men be­reit sind, in Mar­ke­ting und Bran­ding spe­zi­fisch für Mus­li­me zu in­ves­tie­ren, muss ein ge­wis­ses Mass an Ak­zep­tanz durch uns dar­stel­len, nicht wahr?

„Die Sa­che mit Un­ter­neh­men ist je­doch die, dass sie nur sel­ten Din­ge aus pu­rem mensch­li­chen Good­will tun. Fi­nan­zi­el­le Ge­win­ne sind ein weit­aus grös­se­rer Mo­ti­va­tor, und der jüngs­te Vor­stoss in Rich­tung Ramadan-​Marketing könn­te das nächs­te lu­kra­ti­ve Ding sein .…

„His­to­risch ge­se­hen sind wirt­schaft­li­che Me­cha­nis­men Ka­ta­ly­sa­tor für vie­le so­zia­le Ver­än­de­run­gen ge­we­sen .… Könn­te der Ka­pi­ta­lis­mus auch die Ant­wort auf die Nor­ma­li­sie­rung des Is­lam in Ame­ri­ka sein?”

So­e­ren Kern ist Se­ni­or Fel­low am in New York an­säs­si­gen Gatestone In­sti­tu­te. Er ist auch Se­ni­or Fel­low für die eu­ro­päi­sche Po­li­tik an der in Ma­drid an­säs­si­gen Gru­po de Estu­di­os Est­ra­té­gicos /​ Stra­te­gic Stu­dies Group. Fol­gen Sie ihm auf Face­book und auf Twit­ter. Sein ers­tes Buch, Glo­bal Fire, wird 2016 her­aus­ge­ge­ben.


Erst­pu­bli­ka­ti­on hier. Re­pro­duk­ti­on mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung des Gatestone In­sti­tuts.

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