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Pa­ris wird mas­si­ves La­ger für il­le­ga­le Ein­wan­de­rer

So­e­ren Kern, 6.6.2016, Gatestone In­sti­tu­te

  • Die Par­tei Front Na­tio­nal hat der Pa­ri­ser Bür­ger­meis­te­rin An­ne Hi­d­al­go vor­ge­wor­fen, die Be­lan­ge von Mi­gran­ten vor die­je­ni­gen fran­zö­si­scher Bür­ger zu set­zen. In ei­ner Er­klä­rung sag­te die Par­tei, dass die Zahl der Ob­dach­lo­sen in Pa­ris zwi­schen 2002 und 2012 um 84% ge­stie­gen sei, dass Hi­d­al­go je­doch an der Lin­de­rung des Pro­blems we­nig In­ter­es­se ge­zeigt ha­be.
  • Ob­wohl der EU-​Türkei-​Migranten-​Deal vor­über­ge­hend den Fluss der il­le­ga­len Mi­gra­ti­on nach Grie­chen­land über die Tür­kei auf­ge­hal­ten hat, schaf­fen im­mer noch Hun­dert­tau­sen­de von Mi­gran­ten ih­ren Weg nach Eu­ro­pa.
  • Nach An­ga­ben der In­ter­na­tio­na­len Or­ga­ni­sa­ti­on für Mi­gra­ti­on, ha­ben in den ers­ten fünf Mo­na­ten des Jah­res 2016 mehr als 204’000 Mi­gran­ten Eu­ro­pa (vor al­lem Grie­chen­land und Ita­li­en) er­reicht, mehr als dop­pelt so vie­le wie im Jahr 2015 im glei­chen Zeit­raum an­ge­kom­men wa­ren.

Die Pa­ri­ser Bür­ger­meis­te­rin An­ne Hi­d­al­go hat an­ge­kün­digt, im Zen­trum von Pa­ris ein La­ger zu bau­en für Tau­sen­de il­le­ga­ler Mi­gran­ten, das nach Grande-​Synthe (Bild oben) in der Nä­he der fran­zö­si­schen Ha­fen­stadt Dün­kir­chen mo­del­liert wer­den soll, mit ei­ner Un­ter­brin­gungs­ka­pa­zi­tät für 2’500 il­le­ga­le Ein­wan­de­rer. (Bild­quel­le: AFP Video-​Screenshot)

Die Pa­ri­ser Bür­ger­meis­te­rin An­ne Hi­d­al­go hat Plä­ne an­ge­kün­digt, ein „hu­ma­ni­tä­res La­ger” zu bau­en ne­ben ei­nem der ver­kehrs­reichs­ten Bahn­hö­fe der Stadt, da­mit Tau­sen­de von il­le­ga­len Mi­gran­ten, die nach Gross­bri­tan­ni­en wol­len, in „Wür­de le­ben” kön­nen.

Hi­d­al­go, die sich oft mit dem fran­zö­si­schen Prä­si­den­ten François Hol­lan­de für sei­ne Wei­ge­rung, mehr Mi­gran­ten zu ak­zep­tie­ren, ge­strit­ten hat, sagt, ihr Plan, il­le­ga­len Ein­wan­de­rern aus Afri­ka, Asi­en und dem Na­hen Os­ten zu hel­fen, sei ei­ne „Pflicht des Hu­ma­nis­mus.”

Kri­ti­ker ent­geg­nen, dass Hi­d­al­gos Plan ein zy­ni­scher Trick sei, der sie links ne­ben dem jet­zi­gen Prä­si­den­ten po­si­tio­nie­ren soll, als Teil ei­ner po­li­ti­schen Stra­te­gie, die Füh­rung der So­zia­lis­ti­schen Par­tei Hol­lan­de zu ent­win­den, des­sen Zu­stim­mungs­wer­te auf ei­nem Re­kord­tief sind.

Auf ei­ner Pres­se­kon­fe­renz am 31. Mai sag­te Hi­d­al­go, das La­ger wür­de im Nor­den von Pa­ris ge­baut wer­den „in der Nä­he der An­kunfts­punk­te für Mi­gran­ten.” Sie be­zog sich auf den Ga­re du Nord – ei­nem der ver­kehrs­reichs­ten Bahn­hö­fe Eu­ro­pas – von wo aus Hochgeschwindigkeits-​Eurostar-​Züge von und nach Lon­don fah­ren.

Tau­sen­de il­le­ga­ler Mi­gran­ten, vie­le da­von aus Af­gha­ni­stan, Eri­trea und Su­dan, ha­ben sich in ei­nem na­he ge­le­ge­nen öf­fent­li­chen Park ver­sam­melt, dem Jard­ins d’Eole, und das Ge­biet in ein mas­si­ves il­le­ga­les La­ger ver­wan­delt, wo die Be­din­gun­gen er­bärm­lich sind. Das Ge­biet, das so ge­fähr­lich ist, dass die Re­gie­rung es als No-​Go-​Zone klas­si­fi­ziert hat (Zo­ne de sé­cu­rité prio­ri­taires, ZSP) ist zum Ma­gne­ten für Men­schen­händ­ler ge­wor­den, die Mi­gran­ten Tau­sen­de von Eu­ro für ge­fälsch­te Rei­se­do­ku­men­te für die Pas­sa­ge nach Lon­don ab­neh­men.

Hi­d­al­go sag­te, ihr neu­es La­ger, das in­ner­halb von sechs Wo­chen ge­baut wer­de, wür­de nach Grande-​Synthe, ei­nem mas­si­ven Mi­gran­ten­la­ger in der Nä­he der fran­zö­si­schen Ha­fen­stadt Dün­kir­chen, mo­del­liert wer­den.

Grande-​Synthe, das Hei­mat ist für mehr als 2’500 il­le­ga­le Ein­wan­de­rer, die dar­auf hof­fen, Gross­bri­tan­ni­en zu er­rei­chen, wur­de im Fe­bru­ar 2016 er­öff­net, nach­dem fran­zö­si­sche Be­hör­den ein als „Dschun­gel” be­kann­tes pro­vi­so­ri­sches La­ger in der Nä­he von Ca­lais zer­stört hat­ten, von wo aus Tau­sen­de von Mi­gran­ten ver­such­ten, in den Ka­nal­tun­nel ein­zu­drin­gen im Ver­such, Lon­don zu er­rei­chen.

Der Be­trieb von Grande-​Synthe wird den fran­zö­si­schen Steu­er­zah­ler die­ses Jahr 4 Mio. € ($ 4,5 Mil­lio­nen) kos­ten, zu­sätz­lich zu ei­nem Un­ter­halts­bei­trag in Hö­he von € 10 Eu­ro pro Tag für je­den Mi­gran­ten im Camp. Fran­zö­si­sche Steu­er­zah­ler wer­den ver­mut­lich auch für Hi­d­al­gos La­ger in Pa­ris be­zah­len.

Hi­d­al­go, die da­mit ge­droht hat, ei­ne Kla­ge ge­gen das ame­ri­ka­ni­sche Me­di­en­un­ter­neh­men Fox News ein­zu­rei­chen für de­ren Be­richt­erstat­tung über mus­li­mi­sche No-​Go-​Zonen in Pa­ris, hat schein­bar kei­ne Skru­pel, Tei­le von Nord-​Paris in Ghet­tos für il­le­ga­le Ein­wan­de­rer zu ver­wan­deln. „Pa­ris wird nicht um­hin kom­men, Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men, wäh­rend das Mit­tel­meer ein Fried­hof für Flücht­lin­ge wird”, sag­te sie. „Ich will mich nicht in 10 oder 15 Jah­ren im Spie­gel an­se­hen wol­len und sa­gen: ‚Du warst Bür­ger­meis­te­rin von Pa­ris und bist schul­dig, Men­schen in Ge­fahr nicht ge­hol­fen zu ha­ben.’ ”

Hi­d­al­go füg­te hin­zu, dass „Eu­ro­pa und Frank­reich nicht ih­rer Ge­schich­te nach­le­ben, wenn sie dar­an schei­tern, Aus­sen­sei­ter mit Wür­de zu be­han­deln.”

Hi­d­al­gos Pro­jekt wur­de von ei­ni­gen be­grüsst, ein­schliess­lich Pro-​Migrations-​Hilfswerken und hat an­de­re, wie die fran­zö­si­sche Haus­bau­mi­nis­te­rin Em­ma­nu­el­le Cos­se, wü­tend ge­macht. Sie sag­te, dass es schon ge­nug Flücht­lings­un­ter­künf­te in Pa­ris ge­be und dass Hi­d­al­gos An­kün­di­gung nur noch mehr il­le­ga­le Ein­wan­de­rer in die Stadt zieht.

In ei­nem In­ter­view mit Ra­dio Eu­ro­pe 1 sag­te Cos­se, „Mi­gran­ten­la­ger sind nicht die Lö­sung”, weil sie auf die Er­rich­tung von Migranten-​Ghettos hin­aus­lau­fen, wo In­te­gra­ti­on un­mög­lich wird. Cos­se sag­te, dass in der Wo­che seit Hi­d­al­gos Pres­se­kon­fe­renz mehr als 1’000 zu­sätz­li­che il­le­ga­le Ein­wan­de­rer im Jard­ins d’Eole an­ge­kom­men sei­en, was die Ge­samt­zahl der dor­ti­gen Mi­gran­ten auf 2’300 er­höht ha­be.

Ei­ne po­li­ti­sche Ana­ly­se durch den Mitte-​Rechts–Le Fi­ga­ro pos­tu­liert, dass Hi­d­al­gos Plan für ein Mi­gran­ten­la­ger nur die jüngs­te in ei­ner Rei­he von Pro­vo­ka­tio­nen sei, in der sie ver­sucht, ih­re lin­ke Glaub­wür­dig­keit als Teil ei­ner Stra­te­gie zu eta­blie­ren, die Füh­rung der So­zia­lis­ti­schen Par­tei zu ge­win­nen. Der Be­richt sagt, sie glau­be, dass Prä­si­dent Hol­lan­de sei­ne Wie­der­wahl im Jahr 2017 ver­lie­ren wird, und dass sei­ne Nie­der­la­ge den Weg eb­net für ei­ne Schlacht um die Füh­rung zwi­schen Hi­d­al­go und dem fran­zö­si­schen Pre­mier­mi­nis­ter Ma­nu­el Valls. Laut Le Fi­ga­ro ist Hi­d­al­go ent­schlos­sen, im Jahr 2022 die fran­zö­si­sche Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­tin der So­zia­lis­ti­schen Par­tei zu wer­den.

Ein Be­richt des öffentlich-​rechtlichen Ra­dio­sen­ders Fran­ce In­ter be­schreibt die Ri­va­li­tät zwi­schen Hi­d­al­go und Valls als „Krieg auf den Tod.”

Hi­d­al­gos Stre­ben da­nach, die ers­te Prä­si­den­tin Frank­reichs zu wer­den, könn­te durch die Vor­ste­he­rin der Anti-​Einwanderungs-​Partei Front Na­tio­nal, Ma­ri­ne Le Pen, ent­gleist wer­den, die ak­tu­ell ei­ne der be­lieb­tes­ten Po­li­ti­ke­rin­nen Frank­reichs ist.

Nach ei­ner Mei­nungs­um­fra­ge, die von Le Mon­de am 1. Ju­ni ver­öf­fent­licht wur­de, ga­ben 28% der Be­frag­ten an, dass sie 2017 für Le Pen stim­men wür­den, im Ver­gleich zu 21% für den ehe­ma­li­gen Prä­si­den­ten Ni­co­las Sar­ko­zy und 14% für Hol­lan­de. Die Um­fra­ge zeigt auch, dass auf ei­ner Ska­la von 1 bis 10 Hol­lan­des Zu­stim­mungs­ra­te bei 2,1 ist.

Die Par­tei Front Na­tio­na­le  hat Hi­d­al­go vor­ge­wor­fen, die An­lie­gen der Mi­gran­ten vor die­je­ni­gen von fran­zö­si­schen Bür­gern zu set­zen. In ei­ner Er­klä­rung sag­te die Par­tei, dass die Zahl der Ob­dach­lo­sen in Pa­ris zwi­schen 2002 und 2012 um 84% ge­stie­gen sei, dass Hi­d­al­go je­doch bei der Lin­de­rung des Pro­blems we­nig In­ter­es­se ge­zeigt ha­be:

„Es ist ab­so­lut skan­da­lös, dass die Pa­ri­ser Bür­ger­meis­te­rin An­ne Hi­d­al­go Steu­er­gel­der ver­wen­det, um il­le­ga­le Mi­gran­ten zu be­her­ber­gen. Mi­gran­ten soll­ten nicht in Ho­tels oder in Modul-​Häusern in Mi­gran­ten­la­gern un­ter­ge­bracht wer­den. Sie ge­hö­ren in Ge­fan­ge­nen­la­ger, wo sie dar­auf war­ten, in ihr Her­kunfts­land zu­rück­ge­bracht zu wer­den.

„An­ne Hi­d­al­gos Pro­jekt ist cha­rak­te­ris­tisch für ei­ne po­li­ti­sche Klas­se, die sich mehr um Mi­gran­ten als um die Bür­ger küm­mert, ei­ne po­li­ti­sche Klas­se, die ver­ges­sen hat, dass die Haupt­auf­ga­be von Füh­rern ist, sich zu­al­ler­erst um die ei­ge­nen Leu­te zu küm­mern.”

In­zwi­schen sind die Be­mü­hun­gen der fran­zö­si­schen Po­li­zei, be­helfs­mäs­si­ge Mi­gran­ten­la­ger ab­zu­reis­sen, zu ei­nem Whack-​a-​Mole-​Spiel ge­wor­den. Mehr als 20 Camps wur­den in Pa­ris in den letz­ten 12 Mo­na­ten ab­ge­baut, doch je­des Mal sind sie in we­ni­gen Wo­chen wie­der auf­ge­baut.

Am 2. Mai räum­te die Po­li­zei ein pro­vi­so­ri­sches Mi­gran­ten­la­ger un­ter der Me­tro­sta­ti­on Sta­lin­grad (in der Nä­he des Ga­re du Nord) nach­dem sich Tau­sen­de von Mi­gran­ten am 14. April mit Me­tall­stan­gen und Holz­boh­len ei­ne Mas­sen­schlä­ge­rei ge­lie­fert hat­ten (ein vier­mi­nü­ti­ges YouTube-​Video von dem Nah­kampf kann man hier se­hen). Das La­ger war vor­her am 30. März ge­räumt wor­den.

Ob­wohl der EU-​Türkei-​Migranten-​Deal vor­über­ge­hend den Fluss der il­le­ga­len Mi­gra­ti­on nach Grie­chen­land über die Tür­kei auf­ge­hal­ten hat, ma­chen im­mer noch Hun­dert­tau­sen­de von Mi­gran­ten ih­ren Weg nach Eu­ro­pa.

Nach An­ga­ben der In­ter­na­tio­na­len Or­ga­ni­sa­ti­on für Mi­gra­ti­on ha­ben mehr als 204’000 Mi­gran­ten in den ers­ten fünf Mo­na­ten des Jah­res 2016 Eu­ro­pa er­reicht (vor al­lem Grie­chen­land und Ita­li­en), mehr als dop­pelt so vie­le wie im Jahr 2015 im glei­chen Zeit­raum ge­kom­men sind.

So­e­ren Kern ist Se­ni­or Fel­low des in New York do­mi­zi­lier­ten Gatestone In­sti­tu­te. Er ist auch Se­ni­or Fel­low für Eu­ro­päi­sche Po­li­tik in der in Ma­drid do­mi­zi­lier­ten Gru­po de Estu­di­os Est­ra­té­gicos /​ Grup­pe für stra­te­gi­sche Stu­di­en. Sein ers­tes Buch, Glo­bal Fire, wird 2016 her­aus­ge­ge­ben.


Erst­ver­öf­fent­li­chung hier. Re­pro­duk­ti­on mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung des Gatestone In­sti­tuts.

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